Kontrazeptiva: Die Anti-Rheuma-Pille

15. September 2017
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Frauen entwickeln häufiger als Männer Autoimmunerkrankungen. Eine neue Studie liefert Hinweise, dass orale Kontrazeptiva protektiv gegen Rheuma wirken könnten. Der Wirkmechanismus bleibt unklar. Für Empfehlungen ist es daher zu früh.

Autoimmunerkrankungen gelten mehr oder minder als Frauensache – laut einer Studie sind rund 80 Prozent aller Patienten sind weiblich. Viel deutet auf die Beteiligung von Genloci am Y-Chromosom hin. Die Neurowissenschaftlerin Cecilia Orellana vom Karolinska Institutet in Stockholm begab sich auf auf die Suche nach protektiven Faktoren und fand in der Anti-Baby-Pille eine Möglichkeit, das Rheuma-Risiko zu verringern.

Eine Kohorte mit rheumatoider Arthritis

Orellana arbeitete mit Daten der Swedish Epidemiological Investigation of Rheumatoid Arthritis (EIRA). In dieser Kohorte wurden zwischen 1996 und 2014 Einwohner mehrere Regionen Schwedens auf rheumatoide Erkrankungen untersucht. Teil des Screenings waren Blutwerte inklusive Bestimmung von CCP-Antikörpern als diagnostischen Marker einer rheumatoiden Arthritis. Über Fragebögen wurde erfasst, ob Teilnehmerinnen gestillt hatten oder orale Kontrazeptiva einnahmen beziehungsweise früher verwendet hatten.

Nur CCP-positive Frauen profitieren

Die Forscherin identifizierte 2.641 Frauen mit rheumatoider Arthritis. Von ihnen hatten 1.756 nachweislich CCP-Antikörper. Dieser Gruppe stellte sie einer Kontrollgruppe mit 4.251 Personen gegenüber. Tatsächlich fand Orellana signifikante Unterschiede bei der Subgruppe mit CCP-Antikörpern. Hatten Studienteilnehmerinnen mehr als sieben Jahre lang orale Kontrazeptiva verwendet, verringerte sich ihr Erkrankungsrisiko signifikant um 20 Prozent. Bei Probandinnen mit CCP-negativer rheumatoider Arthritis war der Unterschied statistisch nicht signifikant. Protektive Effekte durch das Stillen ließen sich entgegen früheren Untersuchungen nicht nachweisen.

Stärken und Schwächen der Studie

In ihrer Arbeit weist Orellana auf die große, gut charakterisierte Kohorte hin. Ihre Fall-Kontroll-Studie kann zwar keine Kausalität beweisen. Als weitere Argumente für den Zusammenhang zwischen oralen Kontrazeptive und einer rheumatoiden Arthritis führt sie jedoch Dosis-Wirkungs-Beziehungen an. Je länger Frauen orale Kontrazeptiva eingenommen hatten, desto niedriger war das Erkrankungsrisiko. Nachteilig ist, dass bei EIRA keine Präparate- oder Wirkstoffnamen oraler Kontrazeptiva erfasst worden waren. Um Hypothesen zum Wirkmechanismus aufzustellen, reichen die Informationen nicht aus.

Mädchen mit juveniler rheumatoider Arthritis nehmen aufgrund ihres Alters noch nicht unbedingt orale Kontrazeptiva. Für sie lassen sich keine Aussagen über eine mögliche anti-rheumatische Wirkung der Pille treffen. Und erwachsene Patientinnen, die Pharmakotherapien erhalten, entscheiden sich vielleicht eher für nicht-medikamentöse Verhütungsmöglichkeiten, um ihre tägliche Arzneimittelmenge zu verringern.

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Bildquelle: Paille, flickr / Lizenz: CC BY-SA
Forschung, Pharmazie

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