Ab ins Bett oder es gibt Diabetes

4. September 2017
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Ein gesunder Körper benötigt jede Nacht ein ausreichendes Pensum an Schlaf, das gilt auch für Kinder. In einer aktuellen Studie aus Großbritannien fanden Epidemiologen heraus, dass Schlafmangel bei Kindern das Risiko erhöht, an Typ-2-Diabetes zu erkranken.

Insgesamt schlossen die Forscher 4.525 Kinder im Alter zwischen 9 und 10 Jahren in ihre Studie ein. Die Schlafdauer leitete sich aus der von den Kindern selbst berichteten Zeit des Zubettgehens bis zum Aufstehen ab. Eine Nüchtern-Blutprobe lieferte Lipid-, Insulin, Glukose- und HbA1c-Werte.

Im Durchschnitt schliefen die Kinder 10,5 Stunden pro Nacht, wobei etwa 95 % der Kinder zwischen 8 und 12 Stunden Schlaf bekamen. Es zeigte sich, dass die Schlafdauer sowohl den Fettgehalt des Körpers als auch das Risiko für Diabetes mellitus Typ II beeinflusste.

Schlaf formt den Körper

Der Diabetes mellitus Typ II tritt aufgrund der veränderten Ernährungsbedingungen heutzutage auch immer häufiger bei Kindern auf. Einher geht er dann meist mit Übergewicht oder Fettleibigkeit. Diese wird vor allem durch zuckerhaltige Getränke und Speisen kombiniert mit einem scheinbar allgegenwärtigen Bewegungsmangel gefördert.

Nur eine Stunde mehr Schlaf pro Nacht verringerte den Body Mass Index (BMI) um 0,19 kg/m2, reduzierte den Fettanteil im Körper und wirkte sich positiv auf eine mögliche Insulinresistenz sowie den Blutzucker aus. Interessanterweise gab es bei den untersuchten Kindern aber keinerlei Zusammenhang zwischen der Schlafdauer und dem HbA1c-Wert oder einem festzustellenden kardiovaskulären Risiko.

Gesteigerter Appetit

Den Zusammenhang zwischen Schlafdauer und Diabetesrisiko ist laut den Autoren neu. Sie weisen jedoch darauf hin, dass es weiterer Untersuchungen bedarf, um eine mögliche Kausalität auch statistisch belegen zu können. Aufschluss über die Frage, in welchem Zusammenhang der Schlafmangel mit den wichtigen Körperparametern der Kinder steht, könnte der Hormonhaushalt liefern. Schlafmangel bringt beispielsweise die Hormone durcheinander, welche unseren Appetit regulieren sollen. Die Folge: Die Kinder sind hungrig und entwickeln über kurz oder lang ein regelrechtes Verlangen nach süßen und/oder salzigen Snacks. Dies fördere schließlich ein unregelmäßigeres Essverhalten im Allgemeinen, eine Gewichtszunahme oder auch Dysregulationen im Blutzuckerhaushalt.

Quelle:

Sleep Duration and Risk of Type 2 Diabetes.
Rudnicka AR et al., Pediatrics, doi: 10.1542/peds.2017-0338; 2017

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Bildquelle: Donnie Ray Jones, flickr / Lizenz: CC BY

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2 Kommentare:

Ärztin
Ärztin

Damit könnten Sie richtig liegen Gast 1. Auch interessant wäre die Frage ob wirklich der Schlafmangel die Ernährung beeinflusst oder ob nicht Fehler bei der Ernährung den Schlafmangel verursachen, wie beispielsweise zu spätes Abendessen und womöglich noch spätabendlicher Konsum von Süßigkeiten vor dem Zubettgehen.

#2 |
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Gast
Gast

“In einer aktuellen Studie aus Großbritannien fanden Epidemiologen heraus, dass Schlafmangel bei Kindern das Risiko erhöht, an Typ-2-Diabetes zu erkranken.”
Ist dem so? Die Kausalität ist doch alles andere als geklärt, so wie ich das verstehe. Das z.B. Kinder in unteren sozialen Schichten weniger auf Schlaf und Ernährung achten wäre in Hinblick auf andere Studien im Präventionsbereich zu erwarten. Ein kausaler Zusammenhang steht damit erst einmal in Frage.

#1 |
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