Transfusionsgesetz: „Nicht mehr als Kosmetik“

24. August 2017
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Die Bundesärztekammer hat ihre Richtlinie zur Hämotherapie überarbeitet. Ab jetzt dürfen auch homo- und bisexuelle Männer Blut spenden. Aber nur, wenn der letzte sexuelle Kontakt mindestens ein Jahr her ist. Die neue Regelung stößt bei vielen auf Empörung.

Mit der überarbeiteten Hämotherapie-Richtlinie kommt die Bundesärztekammer ihrer Aufgabe nach, gemäß Transfusionsgesetz Neuerungen aus Wissenschaft und Technik zu berücksichtigen. Die Grenze zur Politik ist fließend. Nach wie vor spielen MSM eine Sonderrolle. Sie dürfen erst nach zwölfmonatiger sexueller Enthaltsamkeit Blut spenden. Wie Ärzte dies überprüfen sollen, ist eine offene Frage.

Erst warten, dann spenden

Zum Hintergrund: „Die Auswertung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse führte unter Berücksichtigung der europäischen Richtlinie 2004/33/EG zur Präzisierung der Spenderauswahlkriterien“, heißt es in einer Mitteilung der Bundesärztekammer.

Im Klartext bedeutet dies, eine Blutspende führe zwölf Monate „nach Beendigung des sexuellen Risikoverhaltens“ nicht zu höheren Risiken für Empfänger von Blutprodukten. Bislang waren Männer, die mit Männern Sex haben sowie männliche und weibliche Prostituierte, aber auch Menschen mit häufig wechselnden Partnern von Blutspenden ausgeschlossen. Der Europäische Gerichtshof hat 2015 entschieden, ein Verbot sei nur soweit gerechtfertigt, wie sich Übertragungsrisiken nicht auf anderen Wegen reduzieren ließen.

Risikogruppen oder Risikoverhalten?

„Die Beratung der neuen Hämotherapie-Richtlinie hat sich sieben Jahre lang hingezogen“, so Axel Hochrein vom Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD). Zwar seien viele hochkarätige Wissenschaftler und das Bundesgesundheitsministerium beteiligt gewesen. „Das Papier ist gleichwohl – zumindest im Hinblick auf MSM (Männer, die mit Männern Sex haben) – wissenschaftlich nicht haltbar“, so seine Einschätzung. „Um sie weiterhin dauerhaft von der Blutspende auszuschließen zu können, haben die Verfasser der Richtlinie alle MSM zu einer einheitlichen Risikogruppe zusammengefasst, die sämtlich dasselbe hohe Übertragungsrisiko haben.“ Er fordert, von Risikoverhalten statt von einer Risikogruppe zu sprechen – etwa bei MSM, die Kondome benutzen und/oder in einer monogamen Partnerschaft leben.

Die medikamentöse HIV-Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) sei aufgrund fehlender Zulassungen in Deutschland gar nicht bewertet worden. „Tatsächlich ist die europäische Zulassung der PrEP mit Tenofovir/Emtricitabin (Truvada®) schon Mitte des vergangenen Jahres erfolgt,“ ergänzt Hochrein.

Nicht mehr als Kosmetik

„Die neue Regelung geht nicht weit genug“, kritisiert Björn Beck vom Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe. Eine HIV-Infektion könne heute sechs Wochen nach dem letzten Risiko sicher ausgeschlossen werden. Dieser Zeitraum wäre nachvollziehbar. „Eine Frist von einem Jahr schließt die meisten schwulen und bisexuellen Männer weiterhin unnötig von der Blutspende aus. Das ist nicht mehr als Kosmetik und eine Unverschämtheit.“ Sein Verband verweist in dem Zusammenhang auf andere europäische Nationen. Ab 2018 gilt in England und Schottland eine Spanne von drei Monaten. Nicht akzeptabel sei Beck zufolge außerdem die gesonderte Nennung „transsexueller Personen mit sexuellem Risikoverhalten“.

Kordula Schulz-Asche, Sprecherin für Prävention und Gesundheitswirtschaft von Bündnis 90/Die Grünen, lässt am neuen Leitfaden ebenfalls kein gutes Haar: „Die Novellierung der Bundesärztekammer führt die Diskriminierung von schwulen und bisexuellen Männern weiter fort. Eine Frist von zwölf Monaten ohne Sex für eine Blutspende, das ist sachlich unbegründet. Sie sollte sich an der Nachweisbarkeit einer HIV-Neuinfektion orientieren – diese beträgt sechs Wochen.“

Sicherheit der Empfänger gewährleisten

Experten halten diese Kritik für nicht gerechtfertigt. Auch angesichts sensitiver und spezifischer neuer Testverfahren sei es weiterhin notwendig, Personen mit sexuellem Risikoverhalten nicht zur Blutspende zuzulassen, um die Sicherheit der Empfänger in Deutschland zu gewährleisten, erklärte Peter Scriba vom wissenschaftlichen Beirat der Bundesärztekammer gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt.

Kerstin Schweiger vom DRK-Blutspendedienst Nord-Ost ergänzt: „Die Hämotherapie-Richtlinien sind für alle in Deutschland tätigen Blutspendedienste verpflichtend und gesetzlich verankert, das gilt auch für alle DRK-Blutspendedienste.“ Fachkreise seien weltweit zu der Erkenntnis gekommen, dass eine dauerhafte Rückstellung von Personen mit sexuellem Risikoverhalten nicht mehr zwingend notwendig wäre. „Insofern ermöglicht es dieser wissenschaftliche Fortschritt, die lebenslange Rückstellung solcher Personenkreise von der Blutspende auf eine befristete zu reduzieren, ohne dass zumindest nach derzeitigem Wissensstand ein signifikantes Zusatzrisiko entstünde“, sagt Schweiger. „Diesem Fortschritt trägt die Richtlinie Rechnung.“

6 Wertungen (5 ø)

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25 Kommentare:

Gast
Gast

@24: Wo bitte nehmen sie her dass homosexuelle oder bisexuelle Männer häufiger wechselnde Partner haben als heterosexuelle Männer oder bisexuelle Männer mit Präferenz auf das weibliche Geschlecht? Außerdem? Wow, sie stellen eben Sex mit einem Mann (wobei wir noch nicht mal geklärt haben ob das auch wirklich Analverkehr ist und nicht nur oral, Handjob, Footjob, oder sonst was anderes, der Mensch hatte VIEL Zeit sich zeugs auszudenken) gleich mit Drogen nehmen und zu Prostituierten gehen. Außerdem das mit dem “Raussuchen” klingt ziemlich nach dem alten “Homosexualität ist eine Wahl” Sache. Bitte mal Vorurteile und das ganze homophobe Dreckszeug aus den Gedanken räumen, das hat alles in der Medizin nichts verloren.

#25 |
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Gast
Gast

Häufiger Partnerwechsel erhöht definitiv das Risiko für Infektionserkankungen.
Natürlich gehören Prostituierte zu den Hochrisikogruppen.
Homosexuelle Männer tragen ein höheres Risiko, weil sie eben wohl häufiger den Partner wechseln laut Literatur und der Darm empfindlicher zu sein scheint, sprich empfänglicher pro Infektion als vaginale Schleimhaut.
Es geht nicht darum, Menschen zu diskriminieren, weshalb aber ist deren Recht höher einzustufen als der Schutz der Empfänger?
Verstehe ich nicht.
Seltsame Gleichmacherei.
Wenn diese Menschen sich frei dazu entschieden haben
– zur Prostituierten zu gehen
– mit Männern zu schlafen
– Drogen zu konsumieren (uch high risk)
okay- okay solange wie sie sich selbst nur den möglichen Schaden zufügen.
Nicht okay, wenn andere Menschen mit tödlichen Krankheiten angesteckt werden, Punkt.
Wenn ich erkältet bin, huste ich doch auch nicht der Nachbarin in den Tee oder niese solange, bis sie auch krank ist. Dann halte ich mich zurück, wenngleich der Vergleich ein wenig hinkt, denn die Folgen einer Grippe sind Peanuts verglichen mit HIV, Hepatitis, etc.

#24 |
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Gast
Gast

Zu 22: Aus einer sehr braunen Vergangenheit, wie es scheint,

#23 |
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Gast
Gast

Mein Gott, wir haben Tests gegen HIV und Hepatitis C. Die MÜSSEN sowieso gemacht werden bei JEDER Blutspende.
Männer die in einer monogamen Beziehung mit einem anderen Mann leben haben kein größeres Risiko als jede andere heterosexuelle Gruppe. Ich wünschte wirklich wir würden ENDLICH mal das Gerippe vonwegen dass NUR die homo- oder Bisexualität allein ein Risikofaktor ist begraben. WAS ein Risikofaktor ist ist ungeschützer Verkehr mit vielen wechselnden Partnern oder ungeschützter Verkehr mit Prostituierten (unabhängig vom Geschlecht). DAS sollte abgefragt werden. Einige Bereiche der Medizin müssen wir echt noch schreiend und tretend aus der Vergangenheit zerren, huh?

#22 |
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Gast
Gast

Schade DocChek dass hier zusätzlich zum Heilpraktiker-Bashing auch noch Hetze gegen Schwule begangen wird.

#21 |
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Gast
Gast

Ich melde mich als Gast 15 nochmal zu Wort.
Es geht doch wohl um Fakten.
Man sehe sich die Stiko aktuelle Impfempfehlung von Coliquio vom heutigen Tag an:

Hepatitis A:
Indikationsimpfung Personen mit einem Sexualverhalten mit erhöhtem Expositionsrisiko; z.B. Männer, die Sex mit Männern haben (MSM).

und damit sei nur ein Beispiel genannt.

Menschen, die guten Willens sind Blut zu spenden, sind grundsätzlich lobenswert, aber ihr Geschenk ist doch fatal, wenn ihr Blut den Spender infiziert.

#20 |
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Gast aus Bayreuth
Gast aus Bayreuth

#12) Danke, Gast Helga. Sie haben einen weiteren Aspekt aufgewiesen, der sexuell “vermehrt” Aktive (sei es nun homo- oder heterosexuell) v.a. in den 90er Jahren zu Scharen zum Blutspenden trieb: Der kostenlose Aids-Test. Immer wieder die Fragen, erfährt das kein Anderer, bekomme ich das Testergebnis wirklich zugeschickt? Oftmals auch der Verzicht auf das Blutspenden, da die Freundin (Freund) vor dem geplanten Sexualverkehr am Wochenende einen AIDS-Test wollte und das ganze a) zu kurzfristig war und b) negative Testergebnisse sowieso nicht zugeschickt wurden. Auch der Verweis auf das Gesundheitsamt fruchtete oft nichts, da die Spender meinten, dort namentlich erfaßt, verfolgt und “zwangsbehandelt (?!)” zu werden und das Ganze auch noch Geld kosten würde. Auch wenn sich diese ganze Hype wohl normalisiert haben dürfte, befürchte ich, dass sich Spender nicht ernsthaft genug einschätzen, nach dem Motto: Wenn ich etwas habe, dann fällt das sowieso auf und mein Blut wird nicht verwendet. Es gibt trotz aller Vorsichtsmaßnahmen immer eine Lücke, durch die das Blut in den Verteilungskreislauf gelangen kann bzw. die Infektion bereits früher durch Entnahme- und Laborunfälle weitergegeben werden kann. Um es auf “Denglish” zusammenzufassen: Shit happens

#19 |
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Mitarbeiter von DocCheck

Liebe Leser,
vielen Dank für die zahlreichen Kommentare.
Bitte beachtet in euren Beiträgen jedoch die Netiquette und diskutiert sachlich und themenbezogen.
Eure DocCheck News Redaktion

#18 |
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Gast
Gast

Ich empfehle allen Kommentatoren, die Hämotherapie-Richtlinien des Paul-Ehrlich-Instituts vom 07.08.2017 zu lesen. Sie sind im Internet unter www. pei. de frei zugänglich. Darin wird geregelt, wer dauerhaft oder zeitlich von der Blutspende auszuschließen ist:
-Personen mit schweren Krankheiten
-Personen , deren Sexualverhalten ein gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöhtes Übertragungsrisiko bergen
-heterosexuelle Personen mit Risikoverhalten
-männliche und weibliche Sexarbeiter
-MSM
-transsexuelle Personen
sind für 12 Monate von der Spende zurückzustellen.
Es ist mit Daten belegt, daß MSM mit einem höhen Risiko einer HIV-Übertragung behaftet ist. Der Anteil von MSM beträgt 3-5 %, der Anteil der HIV-Infizierten beträgt aber zwei Drittel. Wer wird schon zugeben, in den letzten 12 Monaten keinen Sexualkontakt gehabt zu haben?

#17 |
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Gast
Gast

Liebe Redaktion der Kommentar Nummer 15 ist nicht nur homophob sondern auch fachlich und sachlich falsch. Bitte löschen

#16 |
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Gast
Gast

Gratulation zu weiteren Infektionsschwemmen!
Gilt es doch als bewiesen, dass Schwule hoch promiskuitiv sind und durch die sexuellen Praktiken sowohl selbst ein viel höheres Ansteckungsrisiko haben als der Ottonormalverbraucher und infolge natürlich auch der potentielle Empfänger.
Dass hier der Gesetzgeber keinen Riegel vorschiebt, kann ich nicht verstehen.
Unverantwortlich!!!

#15 |
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Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA)

Die Logik ist schwachsinnig bzw nicht zuende gedacht und unvollständig. Folgt man der Logik, dürfte niemand spenden der single ist, unabhängig von der Sexualität.
Der Gedanke das bei heterosexuellen ja auch Schwangerschaften verhütet werden und man deshalb eher mit Kondomen verhüten würde, als nur zum Schutz ist erfahrungsgemäß leider falsch! Frauen die die Pille nehmen oder eine Spirale haben, verhüten bei einem one night stand nicht häufiger zusätzlich mit Kondomen als homo- oder bisexuelle. Und für alle anderen die es überstürzen, gibt es die Pille danach. Auch ist die Anzahl an Kontakten nicht geringer. Ein homosexueller Mann in einer festen Partnerschaft ist nicht riskanter als ein heterosexueller Mann, gleiches gilt für Frauen. Der Risikozeitraum ist immer gleich lang, Erreger verstecken sich bei einem homosexuellen nicht länger als bei einem heterosexuellen. Die Gesellschaft heute ist aufgeklärter als noch vor 40 Jahren, als hauptsächlich wirklich nur die Schwangerschaftsverhütung bedacht wurde.

Das lässt sich nicht an der Sexualität einer Person festmachen, es kommt auf die Risikobereitschaft des jeweiligen Charakters an.
Risiken so gering wie möglich zu halten ist unbestritten sehr wichtig, nur wirkt das hier viel eher wie eine vorgespielte Sicherheitsmaßnahme.
Ich erinnere mich als vor ein paar Jahren in manchen Städten Wagen rumgefahren sind, die zur Blutspende aufgerufen haben weil es viel zu wenig Konserven gab. Und das obwohl das theoretisch nicht passieren müsste da genug gesunde Spender da wären deren letze Risikosituation lange genug her ist, die aber laut Richtlinien leider das falsche Geschlecht bevorzugen.

#14 |
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Gast Helga
Gast Helga

Sorry , Fehler! Meinte, der Spender, könnte dem Empfänger scgaden, anstatt ihm zu helfen! Will er das?

#13 |
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Gast Helga
Gast Helga

#3, #5 Ich arbeite auch beim Blutspendedienst. Bisher war es bei uns so, daß alle Risokoereignisse 4 Monate her sein sollten, was ich befürworte. (Testfrist plus Sicherheit)
Nun bin ich absolut sicher, daß ich in sehr vielen Fällen angelogen werde, auch wenn jemand unbedingt spenden will und plötzlich ein Virusinfekt, eine Reise, eine Operation immer kürzer her ist, wenn ich dem Spender erklären möchte, warum eine Einhaltung einer gewissen Frist für den Empfänger so wichtig ist.
Damit meine ich alle Fälle nicht nur Sexualkontakte!.
Wir Ärzte versuchen nur mögliche übertragbare Krankheiten zu minimieren, wir können sie nicht ausschliessen.
Ob nun jemand einen one night stand hatte und ihn verschweigt, ein Ehemann fremdgeht, oder jemand andere sexuelle Praktiken bevorzugt, entzieht sich meiner Kenntnis, da es nicht wahrheitsgemäß angegeben wird.
Ich frage mich, warum ein bisexoxeller oder homosexueller unbedingt Blut spenden möchte, es sei denn , er möchte einen Test haben. Wenn man beim anonymem Spenderfragebogen einen roten Aufkleber benutzt, bekommt man einen detaillierten Test. Nur das Blut darf nicht abgegeben werden.
Ich werte weder eine sexuelle Neigung, noch andere Motive.
Ich frage mich aber insgesamt, warum jemand unbedingt Blut spenden möchte, wenn ich versuche, ihm zu erklären, daß er dem Spender schaden könnte! Urlaubsaufenthalte, Wunden, Infekte aller Art…
Da, wo ich arbeite, kann man alle relevanten Infektionen erst nach 4 Monaten nachweisen.
Mein Facit: Sollte ich eine Operation benötigen, werde ich eine Bluttransfusion ablehnen (siehe Mormonen) und Sie ?

#12 |
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Gast
Gast

“Aber nur, wenn der letzte sexuelle Kontakt mindestens ein Jahr her ist.”
Und wie will man das überprüfen? Das ganze ist wohl ein Witz.

#11 |
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Gast aus Bayreuth
Gast aus Bayreuth

Je höher der Sicherheitsanspruch, desto höher die Redundanz. Warum haben Autos zwei Bremskreise, Flugzeuge mindestens zwei unabhängige Steuersysteme, Atomkraftwerke mindestens 3 unabhängige Stromquellen für den Notfall? Weil ein System versagen kann! Ich verweise nur auf das Blutpooling der zu untersuchenden Spenderkonserven Ende der 80er Jahre. Gut, sollte nicht mehr vorkommen. Aber Labortests können versagen, auch heutzutage noch. Warum nicht versuchen, im Vornherein eine potentielle Infektionsquelle auszuschließen? – Klar, über die Möglichkeiten und Festlegung einer Ausschließung bleibt zu diskutieren. Gerade im Sexualverhalten gibt es viele Variationen. Und ich gebe Ihnen auch recht mit dem heterosexuellen sehr aktiven Mann. Dieser hatte zwar zu meiner Blutspenderzeit die Möglichkeit, die Verwendung seiner Blutprobe noch nach der Spende auf einem anonymen Selbstausschlußbogen (Identifikationsnummer nur Ärzten zugänglich) zu untersagen (Rubrik häufig welchselnde Geschlechtspartner), aber kein Arzt konnte mir jemals sagen, wo die Grenze zum häufig wechselnden Geschlechtspartner liegt.

#10 |
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Gast
Gast

Zu Beitrag #8: die Zahl der HIV- Neuinfektionen lag 2016 bei ca. 3200 Fällen, davon bei MSM 2200 Personen, bei Heterosexuellen bei 750 Personen. Sicher werden die Blutkonserven kontrolliert, aber die positiven Fälle müssen vernichtet werden, nachdem sie mit einem Riesenaufwand hergestellt wurden.

#9 |
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Gast
Gast

Aha und eine Blutspende eines heterosexuellen und sexuell sehr aktivem Mann würden Sie aber selbstverständlich annehmen? Verzeihung aber das ist Schwachsinn. Als ob Schwule wie ich derart promiskuiert wären. Es gibt, oh Wunder, auch monogame schwuleBeziehungen ich lebe selber seit sechs Jahren in einer solchen. Und nur nebenbei, Herr Kollege: ich habe auch Medizin studiert.
Mit Ihrer Logik argumentiere ich: Ich möchte keine Blutspende von Heterosexuellen bekommen, wer weiß was da alles drin ist und vielleicht werde ich ja auf meine alten Tage noch hetero! Merken Sie, wie absurd die Argumente sind?
Dabei wird jede einzelne Konserve ja sowieso noch mindestens einmal kontrolliert.
Sehr oft steht hinter den Bedenken die Angst, unreines, unheiliges, verseuchtes Blut zu bekommen, weil es immer noch Vorbehalte gegen uns gibt.Wie im Mittelalter! Würden Sie sich von mir auch nicht operieren lassen?

#8 |
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Gast
Gast

Ich bin seit Jahren Teamarzt beim Blutspendedienst tätig und finde den Beitrag von #2 richtig, daß die Sicherheit von Blutspenden von Experten beurteilt wird. Gerade die Blutspender, die aus verschiedenen Gründen von der Spende zurückgestellt wurden, werden diese bei der nächsten Spende nicht mehr angeben. Wer kann überprüfen, ob die Spender in den letzten 12 Monaten enthaltsam gelebt haben? Hier wird der Betrug geradezu herausgefordert. Eine Blutspende von Homosexuellen würde ich als möglicher Empfänger strikt ablehnen. Das hat mit Diskreminisierung nichts zutun, sondern es geht allein um die Sicherheit von Blutspenden .

#7 |
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Gast
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Ich habe während des Studiums (ich war jung und brauchte das Geld, ich glaube immer so 42 Mark pro Spende) oft gespendet, die silberne Blutspendenadel mit Kreuz und rotem Stein liegt noch bei mir irgendwo. Und wenn ich wieder eingeladen wurde, wusste ich, dass ich frei von HIV oder Hep. war. Warum hat man die Bezahlung eigentlich abgeschafft? Um Junkies oder Obdachlose abzuhalten? Aber das Blut wurde und wird doch untersucht! Mich hat auch nie jemand gefragt, mit wem und wie oft oder mit wie vielen ich geschlechtlich verkehre. Keine “Risikogruppe” verhält sich konform.

#6 |
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Gast
Gast

Ich darf auf Grund von gelegentlich offnen Hautläsionen bei allergischer Disposition nicht spenden, ich fühle mich nicht diskreminiert. Pseudo political Correctness hat bei solchen Themen nix verloren.

Wenn man sich dafür entschieden hat den Sicherheitsabstand eher im höheren Bereich anzusiedeln ist das nur gut so.

Und wer hier so schön behauptet man könne das eh nicht prüfen sollte sich mal mit den strafrechtlichen Folgen vertraut machen wenn eine Infektion nach falsch gemachten Angaben bei der Blutspende bei einem Empfänger auftritt. Die Konserve läßt sich nämlich bis zum Ursprung zurück verfolgen.

#5 |
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Gast
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Ich bin seit über 30 Jahren Teamarzt beim Blutspendedienst und möchte die Frage in den Raum werfen: Ist Blutspenden wirklich so toll, dass jeder dabei sein muss? Dann müßten die Blutbanken ja überlaufen vor Spenderblut – dem ist aber nicht so. Müssen sich da so viele diskriminiert fühlen, die überhaupt nicht ans Blutspenden denken, solange sie nicht zu einer sog. Risikogruppe gehören und Rabatz machen können? Gab es vor vielen Jahren einmal in Bayreuth. Lesbische Spenderin im damaligen Institut gem. Richtlinien abgewiesen, Geschrei, Fernsehen, Interview. Es ging nur um den Medienrummel und ums Geld (100 DM pro Thrombozytenspende). – Übrigens: Für mich ist Blutspenden toll, ich habe rd. 200mal Blut gespendet, bis ich wegen eines irregulären Antikörpers, der überhaupt keine Infektionsgefahr oder sonstige Gefahr darstellt, ausgemustert wurde. Ich fühle mich dadurch aber nicht diskriminiert.

#4 |
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Gast
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#2 Wenn Sie den Artikel aufmerksam gelesen hätten, wäre Ihnen aufgefallen, dass es eben bei diesen Fachleuten inzwischen weitestgehend Konsens ist, dass eine Dreimonatsfrist kein höheres Risiko beinhaltet als eine 12-Monatsfrist.

Mal ganz von dieser Tatsache abgesehen: Wer will das bitte kontrollieren und wie? Eine solche unsinnige Regelung mit dieser Frist fordert Falschangaben doch geradezu heraus. Ob damit das Risiko nicht eher erhöht statt vermindert wird sollte man ernsthaft bedenken.

#3 |
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Gast
Gast

Kriterien zur Sicherheit von Blutspenden sehe ich doch ehrlich gesagt lieber in Händen von entsprechenden Experten, nicht von politischen Interessenverbänden.
So sehr ich es richtig und wichtig finde, dass in Deutschland alle Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Ausrichtung gleichberechtigt sind – an dieser Stelle geht es um Infektionsschutz und das haben politische Interessenverbände m.E. den Experten zu überlassen.
Hier aus einem statistischen Fakt (höhere Rate bestimmter Krankheiten in einer Personengruppe) eine Diskriminierung zu konstruieren, finde ich absurd.
Und zur Umsetzbarkeit der neuen Regelung: auch bisher kann der Blutspendedienst ja nur an Vernunft und Gewissen der Spender appelieren – herauszufinden wer gerade verschweigt, zu einer Risikogruppe zu gehören ist sowieso nicht möglich.

#2 |
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Gast
Gast

Risikogruppen sollten nicht spenden dürfen, egal wo sie angesiedelt sind.

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