Reinertrags-Ranking: Da strahlt der Radiologe

21. August 2017
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Alle vier Jahre wird eine Kostenstrukturerhebung im medizinischen Bereich veröffentlicht. Besonders gut schnitten die Fachrichtungen Radiologie, Nuklearmedizin und Strahlentherapie ab. Würde sich die Situation durch eine Bürgerversicherung ändern?

Alle vier Jahre erhebt das Statistische Bundesamt (Destatis) Daten zur Kostenstruktur im medizinischen Bereich. Basis der Analyse sind repräsentative Stichproben in einem Umfang von fünf Prozent aller Einzelpraxen und fachgleichen Berufsausübungsgemeinschaften in Deutschland.

70,4 Prozent GKV-Einnahmen

Experten fanden heraus, dass sich 70,4 Prozent aller Einnahmen auf Kassenabrechnungen zurückführen lassen, die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2015. Privatabrechnungen standen mit 26,3 Prozent an zweiter Stelle, gefolgt von weiteren selbstständigen Tätigkeiten (3,3 Prozent). Pro Arztpraxis lagen die durchschnittlichen Einnahmen bei 507.000 Euro. Hier zeigten sich jedoch deutliche Schwankungen: Jede zweite Praxis kam auf weniger als 373.000 Euro.

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Den Einnahmen standen durchschnittliche Ausgaben von 249.000 Euro je Arztpraxis gegenüber. Auch hier gab es deutliche Unterschiede: Die Hälfte der Praxen lag unter 166.000 Euro. Kosten lassen sich auf Personal (51,9 Prozent) und auf Sachmittel (48,1 Prozent) zurückführen.

Reinertrag: Nuklearmediziner erobern Spitzenplatz

Bildet man die Differenz aus Einnahmen und Aufwendungen, ergibt sich der Reinertrag als Ergebnis des Geschäftsjahres. Statistiker geben für 2015 pro Praxis 258.000 Euro an. Die Hälfte aller Praxen kam auf 197.000 Euro oder weniger.

Den höchsten Reinertrag erzielten 2015 die Praxen der Fachgebiete Radiologie, Nuklearmedizin und Strahlentherapie (850.000 Euro), Augenheilkunde (370.000 Euro) und Orthopädie (310.000 Euro). Auf besonders niedrige Werte kamen Praxen der Fachrichtungen Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie mit lediglich 180.000 Euro.

Kostenstruktur Praxen

© Destatis

Auswirkungen der Bürgerversicherung

Diese Werte könnten sich schon bald ändern, spekuliert das Wissenschaftliches Institut der PKV. Experten befürchten, durch eine flächendeckende Bürgerversicherung ohne PKV (Verband der Privaten Krankenversicherung e.V.) gingen im Schnitt 50.000 Euro Honorar pro Praxis verloren. Von den Gesamteinnahmen aller Niedergelassenen entfielen 23,5 Prozent auf Privatversicherte (2016). Das passt zur Größenordnung der DESTATIS-Zahlen für 2015. Im Kliniksektor fällt die Differenz laut Studie nicht so gravierend aus. Momentan werben vor allem die SPD, die Grünen und die Linkspartei für eine Bürgerversicherung.

12 Wertungen (3.5 ø)
Bildquelle: Zechariah Judy, flickr / Lizenz: CC BY
Medizin

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5 Kommentare:

Die Erhebung zeigt auf, dass im KV-System ganz offensichtlich die Honorare ungerecht verteilt werden. Nicht mehr und nicht weniger.
Und eigentlich sind die Einnahmen aus der PKV nicht dazu geeignet, dies auszugleichen.

#5 |
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Joachim Bedynek
Joachim Bedynek

Was vermisse ich? … weniger finanzielle Probleme, dafür mehr fachliche; gern auch anthropologische …. die Eingabemaske weiter oben funktioniert nicht !!

#4 |
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Nein, so ist es nicht! Es wurde eine Stichprobe im Umfang von 5% aller Einzelpraxen und fachgleichen (!) Berufsausübungsgemeinschaften ausgewertet, welches als representativ angesehen wurde. Also geht es um den durchschnittlichen Reinertrag einer Einzelpraxis oder fachgleichen (!) Berufsausübungsgemeinschaft. Dies beinhaltet also auch Gemeinschaftspraxen und MVZ in denen nur fachgleiche ÄrztInnen tätig sind, und dabei nicht pro Arzt. Und auch nicht die MVZ mit verschiedenen Fachrichtungen. So ist es, wenn die obige Erläuterung richtig ist.

#3 |
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Genau so ist es!

#2 |
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Habe ich das richtig verstanden: das sind zu 95% die Einnahmen von Praxisgemeinschaften, MZV etc. Da muß man doch berücksichtigen, durch wie viele Ärzte die Einahmen geteilt werden müssen, oder?

#1 |
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