Schlaganfallrisiko: Das Geschlecht entscheidet

22. August 2017

Forscher aus dem Bereich der Notfallmedizin haben Daten von 1,3 Millionen Einwohnern in Ohio und Kentucky ausgewertet. Die gute Nachricht: Im Zeitraum von 1993 bis 2010 sank die Zahl der Schlaganfälle deutlich – allerdings gilt das nur für die Männer.

Tracy Madsen, Professorin für Notfallmedizin an der Alpert Medical School der Brown University hat gemeinsam mit ihrem Team Daten von Einwohnern der Gebiete Southwest Ohio und Northern Kentucky analysiert. Das Ergebnis: Zwischen 1993 und 2010 ging das Schlaganfallrisiko bei Männern deutlich zurück, dieser statistisch signifikanter Rückgang traf aber nicht auf Frauen zu.

Männer verbessern sich, Frauen nicht

Das Forscherteam wertete Daten von 1,3 Millionen Menschen ab 20 Jahren aus. Erhoben wurde die Zahl der aufgetretenen Schlaganfälle in allen Krankenhäusern von Juli 1993 bis Juli 1994 und in den Kalenderjahren 1999, 2005 und 2010. Mithilfe eines Stichprobensystems inkludierte man auch die Schlaganfälle, die außerhalb einer Klinik aufgetreten sind.

Ausgehend von 100.000 Männern sank über einen Zeitraum von 17 Jahren der Wert von 263 Schlaganfällen auf 192. Bei Frauen verringerte sich die Zahl lediglich von 217 Schlaganfällen per 100.000 auf 198 – ein statistisch nicht signifikanter Wert. Gründe dafür konnte das Forscherteam bisweilen nicht identifizieren.

Gründe für den Unterschied unklar

„Jahrzehntelang war die Schlaganfallrate bei Frauen niedriger als bei Männern, aber nun scheinen sich die Werte anzugleichen. Männer erreichen ähnliche Werte. Obwohl das eine gute Sache ist, fragt man sich, warum die Schlaganfälle nicht auch bei den Frauen zurückgehen,“ sagt Madsen. „Am Ende unserer Studie war die Rate bei Männern und Frauen beinahe gleich.“

„Der allgemeine Rückgang von Schlaganfällen resultiert deutlich aus der Tatsache, dass Männer immer weniger Schlaganfälle haben, die durch eine Durchblutungsstörung im Gehirn aufgrund verstopfter Arterien oder Klümpchen auftraten. Unklar bleibt, warum die Schlaganfallrate bei Frauen unverändert und nur die der Männer gesunken ist,“ fasst Madsen zusammen.

 

Quelle:

Sex-specific stroke incidence over time in the Greater Cincinnati/Northern Kentucky Stroke Study
Tracy E. Madsen et al.; Neurology, doi: 10.1212/WNL.0000000000004325; 2017

16 Wertungen (4.13 ø)

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6 Kommentare:

Das erklärt sich ganz einfach mit der geänderten Anforderungen der Frau und deren Gewohnheiten. Durch Rauchen, Trinken , extremen Dauerstreß brauchend und auf der anderen Seite vorsichtigere Männer läßt den Geschlechtsbonus verloren gehen. Etwas sarkastisch formuliert ist der von FrauinnevertreterInnen immer geforderte und erkämpfte Unisextarif besonders hier wirksam geworden.
Was für ein Erfolg.

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Gast
Gast

Dass sich die Symptome bei Frauen und Männern unterscheiden und von Ärzten häufig nicht erkannt werden, ist ja nun wirklich kein Geheimnis mehr.

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Joachim Bedynek
Joachim Bedynek

Ich denke man kann das mit der “Emanzipation” der Frauen, z.B. vermehrtes Rauchen, hektische Berufstätigkeit seit einigen Jahrzehnten parallelisieren, ja begründen.

#4 |
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Gast
Gast

Wie hier von #1 ein Zusammenhang zwischen der sinkenden Inzidenz von Schlaganfällen von Männern auf das niedrigere Niveau von Frauen und einer Diskriminierung von Frauen hergestellt wird ist hanebüchen. Auch ich, männlich, wurde bereits von Kollegen oberflächlich und nur am Gewinnstreben orientiert behandelt. Was sagt das jetzt aus?

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Dr. med. Erika Plöntzke
Dr. med. Erika Plöntzke

Patientin ,75 Jh wird wegen Hypertonus zum Cardiologen geschickt zum
Ultraschall des Herzens, der führt die Untersuchung durch ohne jemals
den Blutdruck zu messen. Es wird nur das gemacht was auf dem “Überweisung”
steht, wer kümmert sich um die Blutdruckeinstellung?
Es wird schnell Geld gemacht aber die eigentliche Messung und Behandlung
der Funktionsstörung, hier des Herzens ist egal.Das hängt oft mit dem
Geschlecht des Patienten zusammen. Erika

#2 |
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Dr. med. Erika Plöntzke
Dr. med. Erika Plöntzke

Aus eigener Erfahrung (seit über 40 Hypertonus) werden Frauen weniger
sorgfältig diagnostiziert und behandelt. Wenn man zusätzlich 2 Diuretika
erhält müsste mal jemand nach dem Kaliumspiegel gucken.Und wenn “Wasser”
in der Lunge abgehört wird kommt kein Hausrarzt auf die Idee ein Thorax-
ringen anzufertigen.PLöntzke (w.)

#1 |
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