Adipositas born in the USA

19. September 2017
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Die Übergewichtsdebatte fand ich irgendwie schon immer übertrieben. Ich war das Verteufeln der sogenannten Droge Zucker genauso leid, wie die Warnungen vor der angeblich drohenden Adipositas-Epidemie. Und dann kam meine erste Reise in die USA.

Der Pixar-Film Wall-E, dessen Held ein kleiner Roboter ist, zeigt ein unschönes Zukunftsszenario. Im Jahr 2805 leben die verbliebenen Menschen in einem Raumschiff und bewegen sich praktisch gar nicht. Sie sitzen die ganze Zeit in schwebenden Sesseln und nehmen künstliche Nahrung zu sich. Wenn sie doch einmal aufstehen, können sie sich nur wabernd fortbewegen. Ihre massigen unförmigen Körper erlauben es nicht anders.

Bisher hatte ich im realen Leben wenige solcher Menschen gesehen. Während meines Urlaubsaufenthalts in Chicago sah ich sie hingegen täglich. Menschen, die wegen ihrer Leibesfülle Probleme hatten, im Bus oder in der U-Bahn durch den Mittelgang zu gehen. Für deren Körpermasse ein einzelner Sitzplatz bei weitem nicht mehr genügte. Die sich nur noch auf diese spezielle, schwankende Art und Weise bewegen konnten. Menschen, deren Lebensqualität und Gesundheit ganz eindeutig darunter litten.

Fast 40 Prozent der Amerikaner sind adipös

Den letzten Zahlen zufolge, die vom Center for Disease Control and Prevention veröffentlicht wurden, sind gut 38 Prozent der Amerikaner adipös, haben also einen BMI von 30 oder mehr. Nach Zahlen des National Health and Nutrition Examination Surveys haben mehr als 6 Prozent der Erwachsenen sogar einen BMI über 40.

Warum sind die Amerikaner also so dick? Einige Gründe dafür sind recht offensichtlich: Der Lebensstil vieler hier ist gar nicht so weit von dem entfernt, was im Film Wall-E gezeigt wird. Sie bewegen sich im Job und privat nur sehr wenig und fahren mit dem Auto zum Drive-in-Schalter des Fastfood-Diners um die Ecke. Wer mehr als einen Block läuft, hält dabei den obligatorischen To-go-Becher in der Hand. Dieser ist gefüllt mit Karamell-Chocolatechip-Frapucccinos oder Milchmix-Getränken in unvorstellbaren Größen. Beispielsweise deckt der beliebte „Triple-Thick-Shake‟ von McDonalds mit seinen 1.100 Kalorien auf rund 900 ml mehr als den halben Tagesbedarf einer normalgewichtigen Frau ab.

Süßes gibt es an jeder Ecke

Süßigkeiten und Fastfood sind nicht nur vergleichsweise günstig und überall verfügbar, auch die Werbung dafür ist allgegenwärtig. Selbst auf den Anzeigetafeln, auf denen eigentlich über den U-Bahnverkehr informiert wird, erscheinen regelmäßig sahnige Eiscremeberge oder appetitliche Donutkringel. Es ist im Grunde so, als würden einem den ganzen Tag lang Kekse und Schokolade unter die Nase gehalten.

Gutes Essen hingegen ist teuer, nicht überall zu kaufen und aufwendig zuzubereiten. Ich selbst merke schon nach zwei Wochen, dass ich im Restaurant öfter als sonst einen Burger bestelle. Der ist schließlich stets die günstigste Mahlzeit.

Einkommensschwache Eltern machen häufig gleich mehrere Jobs mit Mindestlohnbezahlung, um eine Familie über Wasser zu halten. Wenn sie ihren Kindern abends der Einfachheit halber ein Happy-Meal mitbringen, kann ich das gut verstehen. Im Feinschmeckersupermarkt Marianos, wo die Wohlhabenden einkaufen, bekommt man für den gleichen Preis gerade einmal ein Paket Nüsse oder einen grünen Smoothie.

Armut als Risikofaktor

So ist Armut auch hier unübersehbar ein wichtiger Risikofaktor für Fettleibigkeit. Offensichtlich wird das, wenn man mit dem Bus durch ein ärmeres Stadtviertel fährt: Immer mehr sehr dicke Menschen steigen ein. Und weil die Armenviertel hier fast nur von Schwarzen bewohnt werden, sind es auch immer mehr Afroamerikaner. Mehr als 13 Prozent der erwachsenen Schwarzen in den USA haben einen BMI von 40 oder mehr. Genau wie Menschen hispanischer Abstammung sind sie noch häufiger als der Durchschnitt des gesamten Bevölkerung schwer übergewichtig.

Das liegt zum einen an der Ungleichheit in der amerikanischen Gesellschaft: Sowohl Afroamerikaner als auch Hispanics haben häufig ein niedrigeres Einkommen und schlechtere Bildungschancen. Das erhöht das Risiko für Adipositas. Außerdem leben sie überwiegend in ärmeren Wohngegenden. „Die Lebenssituation in diesen Vierteln spielt eine wichtige Rolle‟, sagt Adam Becker, Dozent für Pädiatrie am Universitätsklinikum der North Western University und Vorstandsmitglied des Consortium to Lower Obesity in Chicago Children (CLOCC).

Armenviertel sind „Essenswüsten“

Experten nennen die Armenviertel auch „Food Deserts“, also Essenswüsten, weil es dort kaum Läden mit einem Angebot frischer, gesunder Lebensmittel gibt. Diese Lücke wird von den Burgerketten nur allzu gerne gefüllt. „Ein schwarzes Kind sieht in seinem Umfeld täglich dreimal mehr Werbung für ungesundes Essen als ein weißes“, erzählt Becker. Zudem kommt es in einigen Ecken Chicagos alle paar Tage zu Schießereien zwischen rivalisierenden Banden. „Die Kriminalitätsraten sind in diesem Umfeld so hoch, dass Kinder nicht mehr im Freien spielen können.“, so Becker. Es gibt keine Räume mehr, in denen sie ihren natürlichen Bewegungsdrang ausleben könnten.

Zum Teil werde Übergewicht aber auch durch kulturelle Einflüsse begünstigt. So gelte ein rundliches Kind in vielen hispanischen Familien immer noch als besonders gesund. Tatsächlich sehe ich kleine Jungen und Mädchen dieser Familien selten ohne Lutscher, Eis oder andere Süßigkeiten in der Hand. Traditionell wird das Essen noch mehr zelebriert, was ja im Grunde auch kein Problem ist, wenn es selbst und aus frischen Zutaten zubereitet wird. Für viele hispanische Einwandererfamilien sei es aber ein Symbol für erreichten Wohlstand, sich Fertigprodukte leisten zu können. Deshalb seien sie sogar stolz, weniger kochen zu müssen, sagt Becker.

Barbecue ohne Beilage

Meine Gastgeber in Chicago, die beide südamerikanischer Abstammung sind, scheinen ein perfektes Beispiel dafür zu sein. Sie sind beide schwer übergewichtig. Besuche in All-you-can-eat-Restaurants oder von Events wie dem „Ribfest“ gehören zu ihren liebsten Hobbies. Sie erzählen ständig stolz darüber. Beim gemeinsam Grillen esse ich zum Beispiel – ohne es zu merken – fünf Stücke Fleisch, weil beim Barbecue komplett auf Beilagen verzichtet wurde. Zum nächsten Grillabend steuere ich dann lieber einen Kartoffelsalat bei.

Falsche Zielgruppe im Visier

Initiativen für ein stärkeres Gesundheitsbewusstsein gibt es in den USA bereits viele. An einem Juninachmittag strampeln auf einem Platz zwischen den Wolkenkratzern von Downtown Chicago vorwiegend junge, fitte Amerikaner im Schatten eines Zeltdachs auf Spinning-Bikes. Trainer mit gestählten Körpern spornen die Masse mit lauten Kommandos an.

Die American Heart Association und die American Stroke Association wollen mit der Aktion Spenden sammeln und für einen gesünderen Lebensstil werben. Das Event wird gesponsert vom Konzern Amgen, einem Hersteller von Cholesterinsenkern, und von Cyclebar, einem der neuen hippen Spinning-Studios, in dem man sich in Club-Atmosphäre bei Diskobeleuchtung und lauter Musik ausschwitzen kann. Ein neuer Trend, den unter anderem Michelle Obama mitmacht.

Eine junge Frau betritt die Bühne und berichtet, wie sie völlig unvorbereitet einen Schlaganfall erlitten hatte und sich nur wie durch ein Wunder davon erholte. Die Botschaft ist eindeutig: Es könnte jeden treffen. Daher gilt es zu strampeln, was das Zeug hält und sich am besten gleich im Zelt nebenan im Spinning-Studio anzumelden. Dafür sollte man allerdings 60 US-Dollar die Woche übrig haben. Ein sehr amerikanischer Versuch, ein Problem zu lösen – man holt sich diejenigen ins Boot, die versuchen damit Profit zu machen. Von den Übergewichtigen in den ärmeren Vierteln wird sich keiner so schnell auf dieses Event oder in die Cyclebar verirren. Bleibt die Frage: Wie sehen also bessere Lösungsansätze aus?

Lösungsansätze sind vielschichtig

Eine Kombination verschiedener Ansätze gibt es zum Beispiel bei CLOCC, dem Konsortium, bei dem Adam Becker Vorstandsmitglied ist. Weil die Ursachen von Adipositas so vielschichtig seien, sollten es auch die Bekämpfungsmaßnahmen sein, sagt Becker. Zunächst gelte es, möglichst früh anzusetzen – die Programme richten sich schwerpunktmäßig an Kinder zwischen null und fünf Jahren. Eine CLOCC-Initiative unterstützt das Stillen für mindestens sechs Monate. Dadurch reduziere sich das Risiko für späteres Übergewicht um 22 Prozent. Schon Eltern von Babys wird beigebracht, Koordination und Aktivität bei den Kleinen zu fördern und das Wasser die bessere Alternative zu Cola und Saft ist.

Bei CLOCC setzt man sich außerdem für eine bessere Verfügbarkeit von gesunden Lebensmitteln in Problembezirken und mehr Gelegenheiten zum Laufen und Fahrradfahren ein. Das Konsortium fordert die genauere Kennzeichnung von Lebensmitteln und besseres Schulessen. Im marktliberalen Amerika haben es solche Initiativen allerdings schwer. Als es Bestrebungen gab, Pommes frites aus der Schulkantine zu vebannen, machten Lobbyverbände der Kartoffelindustrie den Politikern Druck. Das führte dazu, dass im Senat ernsthaft darüber diskutiert wurde, ob Pommes Frites nicht als Gemüse gelten müsten, weil sie aus Kartoffeln zubereitet werden. Auch Tomatensauce auf der Pizza wird zur Freude der Produzenten gern mal als Gemüsebeilage eingestuft.

Die Obama-Regierung setzte immerhin einige Präventionsprogramme durch. Unter dem industriefreundlichen Trump, erzählt Adam Becker frustriert, werde es viel sinnvolles, das bereits angedacht war, nicht mehr geben. Zum Beispiel eine Ausweitung von Kalorienangaben.

Pläne scheitern an Trump

All das rief bei mir die Angst wach, dass wir tatsächlich auch hierzulande auf ähnliche Probleme zusteuern könnten, wenn wir nicht handeln. Zwar ist die Situation in Deutschland bei weitem noch nicht so extrem – eine gute Nachricht, denn wirksam bekämpfen lässt sich Adipositas ohnehin vor allem durch Vorbeugung. Die allerdings sollte man stärker angehen. Und auch dabei kann man sich an den USA orientieren: Gute Ansätze gibt es dort nämlich reichlich. Es mangelt nur viel zu oft am politischen Willen.

Was wir hier nicht brauchen, ist ein ungesunder Fitnesswahn, der sich an Äußerlichkeiten orientiert und schon bei Jugendlichen zu Essstörungen führt. Diese können genauso gesundheitsschädlich sein wie die Folgen von Übergewicht. Und mit der Zwangsvorstellung vom perfekten Körper werden ebenso Geschäfte gemacht wie mit Zuckerlimonade.

Programme müssen stattdessen darauf abzielen, Kindern von klein an ein gesundes Körpergefühl zu vermitteln und ihren Bewegungsdrang zu fördern. Gesundes Essen muss für jeden bezahlbar und erkennbar sein. Verständliche Kennzeichnungen wie Lebensmittelampeln müsste es im Grunde schon seit vorgestern geben. Genauso wie ausgewogenes Schulessen. Steuern auf zuckrige Getränke und Werbebeschränkungen halte ich seit meinem Amerika-Aufenthalt ebenfalls für eine gute Idee. Für die Lobby der Lebensmittelindustrie – das zeigt das Beispiel USA – darf es ganz einfach kein Pardon mehr geben.

102 Wertungen (4.83 ø)
Bildquelle: Tony Alter, flickr / Lizenz: CC BY-SA

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39 Kommentare:

Gast
Gast

Ich habe bei solchen Themen immer das Gefühl, dass mittlerweile viele was die Richtige Ernährung betrifft, sich wissenmäßig im tiefsten Mittelalter befinden.

Uninformiert, Uninteressiert Gedankenlos und Leichtgläubig sich zu wahren Fressmaschinen entwickeln, fatalerweise sich dieser Entwicklung scheinbar ohne Änderungswillen ausgeliefert zu haben.

Ich bin über 60 und musste als Heranwachsender im eigenen Garten aushelfen, früher habe ich das gehasst, heute bin ich dafür dankbar für das Wissen und die gesunde Grundlage die ich erhalten habe.

„Franz Beckenbauer: Kraft auf den Teller – KNORR auf den Tisch“

Diese Werbung habe ich im Schwarzweißfernsehen gesehen, das waren so die Anfänge, heute haben sich die Werbemilliarden der Nahrungsmittelindustrie als Zukunftsträchtige Investition erwiesen, viele glauben und essen einfach alles!

#39 |
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Ingrid Hempel
Ingrid Hempel

Sehr gut

#38 |
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Andrea Benz
Andrea Benz

Mein Sohn war 10 Monate als Schüler in den USA, bei einer liebevollen Familie, die abends immer selber gekocht haben. In der Schule: Alles frittiert! Auch Gemüse, sonst würde es niemand essen! Er kam mit ca15 kg Übergewicht zurück, die allein durch häusliches Essen und genug Bewegung wieder verschwanden, innerhalb eines Jahres. USA Aufenthalte können richtig dick machen!

#37 |
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Gast X alias Nr. 12/21
Gast X alias Nr. 12/21

@Frau Cermak: volle Zustimmung! Warum muss bereits im Babyalter alles süß schmecken? Warum müssen bereits Babys nach gesüßten Getränken süchtig gemacht werden? Wieso bekommen sie kein Wasser oder ungesüssten Tee? Bei den Getränken fängt es an. Es geht dabei auch um Zahnpflege.

#36 |
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Analytische Kinder- und Jugendlichenpsyc Isabelle Seibold
Analytische Kinder- und Jugendlichenpsyc Isabelle Seibold

Als meine Kinder klein waren wurde im Kiga einmal wöchentlich gekocht. Die Kinder brachten hier zu meist Gemüse mit, stellten dies schnipselten es und bereiteten es entsprechend zu. Nie ist es jemandem schlecht geworden oder sonst etwas passiert. Von einer befreundeten Erzieherin erfahre ich heute, dies sei längst nicht mehr erlaubt, wegen Hygiene Vorschriften. Diese mögen wichtig sein. Aber wichtiger noch finde ich es, Kinder von klein auf mit der Zubereitung von Nahrung vertraut zu machen. Bereits ab der Grundschule sollte es durchgängig durch die ganze Schulzeit üblich sein, mindestens einmal in der Woche in der Schule gemeinsam zu kochen, etwas über gesunde Nahrung Zubereitung zu erfahren und dann gemeinsam zu essen. Stattdessen wird im Pausen und auf dem Nachhauseweg Taschen Geld in Snacks, Döner und Pizza umgesetzt.

#35 |
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Die Politik sollte unbedingt hierzulande anfangen, die Kleinsten zu schützen: Babykekse, Baby-Pudding und Dinge wie “Stracciatella-Brei” gehören verboten. Nur eine rote Ampel auf der Packung reicht da nicht! Die Kinderärzte reden sich den Mund fusselig und messen trotzdem immer höhere BMIs……. Außerdem sollte “Gesundheitserziehung” fest in den Lehrplan an den Grundschulen integriert werden. Das ist doch viel wichtiger als “wie leben Eichhörnchen”……..

#34 |
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Gast
Gast

Ich habe zur Begutachtung öfter junge Männer, die angezogen relativ wenig übergewichtig wirken, aber entkleidet ein einziger Wabbel sind. Und deren bevorzugte Beschäftigung ist immer die gleiche: Spielen am PC.

#33 |
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Dr. Christian Möws
Dr. Christian Möws

Die USA sind uns in Vielem 10 – 15 Jahre voraus. Hier wird beleuchtet was passiert, wenn Verbraucher sich die Hoheit über die Inhaltsstoffe der täglichen Mahlzeiten aus der Hand nehmen lassen. Sei es aus Nachlässigkeit oder aufgrund von wirtschaftlichen Beweggründen. An einer Pizza ist an sich nichts problematisch, wenn man die Bestandteile selbst herstellen kann, ohne zusätzlichen Zucker(n), zweifelhaften Käseprodukten, Geschmacksverstärker und gehärtete Fette, insbesondere ohne Palmöl, aber reichlich Olivenöl und frischem Gemüse.
Wenn am Kinderspielplatz die leeren Verpackungen der “Schoko-“Riegel im Sand liegen, typischerweise XXL-Größe, ist das nicht eine Süssigkeit, sondern das jeweilige Mittag- oder Abendessen gewesen.

#32 |
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Nichtmedizinische Berufe

Gerade die USA hatte mit Fett- Phobie, alles war plötzlich low-fat, und später dann mit Zucker-Hysterie , alles plötzlich low-carb oder zuckerfrei, angefangen, das ist dann zu uns rübergeschwappt. Gebracht hat es nichts, die Amerikaner wurden eher noch dicker.
Blinder Aktionismus ersetzt gute Gesundheitspolitik nicht. Nicht umsonst nannte man “the american way of life” die größte Massenvernichtungswaffe.

#31 |
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Gast
Gast

Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. Und dass es am Ende auch noch auf Trump-Bashing hinaus läuft, macht den gut gemeinten Artikel völlig zunichte. Unter Obama waren nicht alle gesund und normal gewichtig.

#30 |
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Gast X alias Nr. 12/21
Gast X alias Nr. 12/21

Oje… sieht so aus als müsste ich ab sofort ein anderes Pseudonym nutzen…

#29 |
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Gast X
Gast X

Die Frage ist, warum von der Ärzteschaft so wenige der Zuckerlobby und der Pharmaindustrie die wissenschaftlichen Fakten entgegenhalten? Eigentlich müssten sie doch alle wissen, dass es zum Beispiel für eine stoffliche Fettsucht keine Beweise gibt, aber für eine Zuckersucht. Überzucker, vor allem Fruktose und Galaktose, wird physiologisch günstiger als Fett abgespeichert.
Trotzdem wird auch in Universitätskliniken fettarme Kost serviert. Dass Übergewichtige, auch übergewichtige schwangere Frauen, die wichtigen langkettigen Fettsäuren über die Nahrung aufnehmen müssen, weil diese hauptsächlich über die Lymphgefäße zu den Organen gelangen, insbesondere zu den Gelenken und zu den Milchdrüsen, das scheint für die Mediziner auch zu den Geheimnissen zu gehören – um nur ein paar Beispiele zu nennen. Sogar die gegenseitige Information bleibt aus. Mit der Angst vor Arbeitslosigkeit bei zu vielen gesund ernährten Menschen scheint sich auch die Ärztezunft im gewöhnlichen beruflichen Wettbewerb einzureihen.

#28 |
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Manfred L. DIETWALD, Apotheker
Manfred L. DIETWALD, Apotheker

Die Bekleidungsindustrie ist nur bei der Herstellung von T-Shirts mitschuldig, ansonsten findet man nur Mini- und Normalgrößen angeboten. Gleichzeitig sind diese dehnbaren Hemden hervorragende Werbeflächen für mehr oder weniger coole Sprüche in englischer Sprache. So wird America first, fett und süß!

#27 |
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Dr. med. Elisabeth Geishauser
Dr. med. Elisabeth Geishauser

Welch wahrhaft tragische Geschichte. Amerika first von der anderen Seite. Eigentlich: welche Unkultur. Ich habe eine Patientin, die für einige Jahre in Amerika gelebt hat. Sie hat mir erzählt, dass ihr Versuch, ihre Freunde zu einem selbstgekochten bayerischen Essen einzuladen, fast an der Besorgung der Zutaten gescheitert wäre.

#26 |
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Dr. med.univ. Helmut Benda
Dr. med.univ. Helmut Benda

Es iat nichzt alles Gold, was glänzt. Mit der Besteuerung von Zucker und Fett wären jedenfalls mehr Todesfälle zu verhindern als mit einer Steuer auf Diesel.

#25 |
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Weitere medizinische Berufe

@#17
Fett ist allenfalls in der Kombination eine Droge , die Sie erwähnen ( Zucker Salz Fett ) ansonsten ist Fett lebensnotwendig und seit der Framingham-Studie 1948 zu Unrecht verteufelt, mit ein Grund, dass in den USA die Fettsucht so allgegenwärtig ist. Es ist “Allgemeingut” geworden, dass der BZ “im Keller” ist und dass dieser mit Snacks angehoben werden muss ( in etlichen US -Serien und in Krimis zu finden ) dass Kohlenhydrate gesund sind und Fett schädlich.

#24 |
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Barbara
Barbara

Ich muss sagen, dass wir hier in Deutschland, trotz Initiativen und Beratungen, nach wie vor die Geschäfte immer voller mit Fertigmenüs und Fast-Food-Speisen haben.
Dies nimmt immer mehr zu.
Es ist doch letztendlich der Kunde, der es sich immer bequemer macht. Und die Industrie bietet dafür immer mehr Möglichkeiten an.
Wir kommen immer mehr in die Situation, dass wir in die Richtung gehen, dass eine Küche zuhause ein Prunkstück wird und nicht ein Arbeitsraum für die Zubereitung von Essen.
Es ist doch alles so einfach!

#23 |
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Joachim Bedynek
Joachim Bedynek

Sehr guter , plastischer Artikel, besonders was die soziale Komponente anbetrifft! Ich denke, dass sich die Adiposidiatis längerfristig durch die verminderte Reproduktionsrate regelt – im Gegensatz zu vielen anderen Handicaps.

#22 |
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Gast X
Gast X

@Herr Brettschneider: Für Sie ist die ACE-Studie offenbar eine allgemein anwendware Universalantwort auf alle Fragen und Probleme der Welt. Glauben Sie wirklich dass es so einfach ist? Eine einzige Studie lesen und dann hat man ein Allheilmittel für alles? Und dann auch noch kritiklos als Quelle YouTube angeben? Und ausgerechnet Sie bezichtigen andere nicht um die Ecke zu denken? Sie sind derjenige der immer nur an das eine denkt? Das nennen Sie denken? Ich hoffe dass das bloß ein Witz ist…

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Heinz Brettschneider
Heinz Brettschneider

Jaja, ich habe jetzt alle Kommentare gelesen! – Typisch für Ärzte: Man denkt nicht um die Ecke, sondern nur an das Nächstliegendste: Das ist aber kein Denken!

#20 |
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Heinz Brettschneider
Heinz Brettschneider

nein, die Pläne scheitern nicht an Trump, sondern an der Ärzteschaft: Es müsste noch viel mehr Forschung in die Evidenz der so genannten ACE-Studie investiert werden, die um die Jahrtausend-Wende an 17000 südkalifornischen Patienten einer privaten Krankenkasse (Kaiser´s Permanente) durchgeführt wurde.
( Literatur: Felitti, V. & al (2007): Ergebnisse der Adverse Childhood Experiences (ACE) – Studie. Epidemiologische Validierung psychoanalytischer Konzepte. Trauma & Gewalt, Mai 2007, 1. Jahrgang, Heft 2, pp 18-32).
Die Studie hat klar erwiesen, dass alle so genannten “Zivilisationskrankheiten”, d.h. alle chronischen Krankheiten, die allen voran mit Diabetes, Fettsucht, Herzinfarkt und Krebs zusammenhängen, insbesondere aber Kaiserschnitt, Fettsucht, Suizidalität und inhalatives Tabakrauchen, offenbar psychogenen Ursprungs sind, jedenfalls nachweisbar in einer Dosis-Wirkungs-Beziehung zu frühkindlichen Traumata wie Gewalt, Emotionale Vernachlässigung und sexueller Missbrauch stehen.

Bis auf wenige Ärzte, die dies für fundamental halten, bildet aber leider die Mehrheit meiner Kollegen eine Mauer des Schweigens um diese Tatsache, die man getrost auch eine “tödliche Mauer des Schweigens unserer gegenwärtigen Ärzteschaft” nennen kann! Ich empfehle deshalb, auf You Tube das Stichwort ACE-Studie einzugeben und sich zu informieren!

#19 |
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Sehr guter Artikel, die Grundproblematik zum Thema Adipositas wird sehr gut dargestellt und ist sehr gut erfasst worden. Leider zeigt es aber auch, dass der Weg zu einem Ernährungs-gesunden Leben viele Hürden überwinden muss

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Dipl.-Übersetzerin Heike Schmidt
Dipl.-Übersetzerin Heike Schmidt

Bei den Kindern anzusetzen ist unabdingbar. Leicht verständliche Kennzeichnungen sind ein gutes Vorhaben, werden aber noch nicht das Problem beheben, dass Karamell-Chocolatechip-Frapucccinos und Burger die 3 “Drogen” auf sich vereinen: Zucker, Salz, Fett. Davon muss man erstmal wegkommen (wollen und können).

#17 |
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Gast
Gast

Außer auf die Kalorien-Zahl an sich kommt es hauptsächlich auf den Zuckeranteil an! Zucker ist in vielen Lebensmitteln zugesetzt, um uns diese schmackhaft zu machen, unter anderem nachdem sie fettreduziert wurden. Fast alle “gesunden” light-Produkte weisen einen höheren Zuckeranteil auf, als die normale Version. Wer sich fettreduziert ernähren möchte und daher auf die zahlreichen light-Produkte zurückgreift, nimmt also gleichzeitig wesentlich mehr Zucker zu sich. Der Zucker sorgt weiterhin für ein schnelleres Hunger-Gefühl, so dass wieder mehr gegessen wird.
Auch in anderen Lebensmitteln, in denen man es nicht unbedingt erwartet ist Zucker in seinen verschiedenen Bezeichnungen zugesetzt und meines Erachtens unnötig (z.B. Kochschinken, Salami, Leberwurst…).
Sinnvoll wäre daher eine deutlich erkennbare Kategorisierung z.B. mittels einer Ampel auf der Vorderseite der Verpackung, statt in der teilweise kaum lesbaren Zutatenliste auf der Rückseite mit unrealistischen Portionsangaben (z.B.Cornflakes & Co.).

#16 |
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Dipl.-Übersetzerin Heike Schmidt
Dipl.-Übersetzerin Heike Schmidt

@Dr. med. dent. Gerd Kruse
Sehr geehrter Herr Dr. Kruse, ich bin hier von Smoothie als MahlzeitenERSATZ ausgegangen und außerdem vom GRÜNEN Smoothie, der weniger Zucker als Obstsmoothies hat. Womöglich könnte der aus dem Deli sogar besser als einer aus dem Supermarkt sein. Besser als das Happy-Meal sicher allemal. Es geht mir nicht um die Frage, ob (gekaufte) Smoothies gesund sind, sondern darum, dass man auch bei Fertigprodukten mal überlegen kann, ob es keine weniger schlechte Alternative gibt. Ein grüner Smoothie hat meiner Recherche nach 200 bis 300 Kalorien. Das ist ja wohl nicht viel.

#15 |
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Gast
Gast

Im Fett werden Umweltgifte ablagert. In USA gibt es sehr sehr viele Toxine
dann braucht es auch sehr viel Fett, z.B. BPA
https://ehp.niehs.nih.gov/wp-content/uploads/119/2/ehp.trp020411.pdf

#14 |
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Gast
Gast

Also echt, ob man Trump mag oder nicht, dass er aber an allem schuld sein soll, und auch daran, dass die Adipositas (schlagartig und plötzlich, erst unter Trump?) so zugeschlagen hat, das ist wohl reichlich weit dahergeholt!

#13 |
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Gast X
Gast X

Eine Zukunftsvision. Denn auch hierzulande gibt es eindeutige Tendenzen in diese Richtung. Sport wird oft nicht als alltägliche Selbstverständlichkeit betrachtet, sondern als Lifestylehobby für selbstverliebte Fitnessfreaks. Unser Schulsport hat den Namen nicht verdient. “Sportvorbilder” werben für Nutella und Chips. Der Ernährungstrend geht auch bei eigentlich kalorienarmer und gesundheitsbewusster Ernährung immer mehr zu industriell verarbeiteten Lebensmitteln die diesen Namen gar nicht mehr verdienen… gekocht wird nur noch im Fernsehen… das gucken wir uns an während wir unsere Tiefkühlpizza essen und unsere Kinder ihr Abendbrot=Milchschnitte…

#12 |
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Für die Abschätzung entsprechender Entwicklungen in Deutschland sind neben der in den Startlöchern stehenden, viel breiteren Verwendung von Fruktose (Stichwort: Zuckermonopol) auch ernährungspsychologische Aspekte relevant: Gerade vor zwei Wochen ist die sog. “Ängste-Studie 2017” publiziert worden, in der die Deutschen nach ihren größten Ängsten befragt wurden. Und wovor hat man hierzulande mehr Angst als vor Krebs oder Kriegen? Vor Schadstoffen im Essen – auf Platz 5 der größten Ängste. Ich halte das für einen sehr interessanten Punkt, denn angesichts der auch bei uns anrollenden Adipositas-Epidemie zeigt dies eine gravierende öffentliche Fehlwahrnehmung. Natürlich haben die “üblichen” Schadstoffe wie Dioxine, Fipronil und Co. im Essen nichts verloren. Aber die epidemiologisch wichtigsten “Schadstoffe” sind hierzulande Kalorien und Zucker. Der (grundsätzlich berechtigte) Fokus auf unerwünschten Kontaminanten im Essen lenkt von den Hauptgefahren ab: an hyperkalorischer Ernährung sterben auch jetzt schon mehr Menschen als an Glyphosat oder Ethoxyquin. Zur weiteren Diskussion dieser ernährungspsychologischen Fehlwahrnehmung: http://www.ernaehrungsmedizin.blog/2017/09/10/die-angst-isst-mit/

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Liebe Frau Schmidt,
haben sie mal nachgerechnet, was so ein smoothie an Kalorien hat? Der ist ganz schnell mal eine reichliche Mahlzeit.

#10 |
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Heike Schmidt
Heike Schmidt

Wenn ich Ihr Beispiel Happy-Meal-Abendessen vs. Nüsse + Smothie aus dem Deli mal wörtlich nehme, heißt das aber auch, dass es ein sehr gesundes Essen zu diesem Preis gibt, das auch keine Mühe macht. Ok, der Smoothie hält sicher nicht lange vor, aber die Nüsse sorgen für Kalorien und sind dabei sehr gesund. Geht also auch … theoretisch.
Ich als Fast-Veganerin wäre da wohl so etwas wie eine Außerirdische? :-)
Karamell-Chocolatechip-Frapucccinos + Burger = wunderbare Beispiele für die Essenskultur.

#9 |
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Brigitte Miller
Brigitte Miller

Nachdem die Zucker und Maislobby nun jahrzehntelang zu Gange war, unterstützt durch gesponserte Studien und die Anti-Fett Hysterie/Cholesterin-Angst , die sich in die Hirne gebrannt hat, kann nun Trump wenig dafür, dass es ist, wie es ist.

#8 |
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Dr. Frank Wichelmann
Dr. Frank Wichelmann

Als häufiger US-Besucher möchte ich die ernüchternden Beobachtungen von Frau Habich noch ergänzen: Chicago ist kein Ferienziel für die Adipositas-Gruppe. In ländlicheren Gegenden, kleinen Städten und vor allen in den meistbesuchten Ferienorten der Trump-Wähler ist der Anteil übergewichtiger US-Bürger noch
größer. Und erstaunlich für mich: Sie tragen ihre Lasten ganz selbstverständlich..!

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Gast
Gast

Guter Bericht, sehr traurig
Hoffe ihr Bericht rüttelt den ein oder anderen wach zumindest im kleinen zu agieren.
Danke

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Dr. rer. nat. Michael Johannes Reuter
Dr. rer. nat. Michael Johannes Reuter

Dr. rer. nat. Michael Reuter

Beobachtung kann ich nach zwei Chicago-Besuchen nur bestätigen!

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Mr william hosey
Mr william hosey

Als Amerikaner ist dies einer der besseren Artikel, die ich gelesen habe. Ich komme aus einer Familie von sieben Kindern. Ich bin der älteste und verließ die USA vor 40 Jahren, um in Deutschland zu leben. Mein Vater starb bei 48 wegen eines Herzinfarkts. Mein jüngerer Bruder bei 50 wegen eines Schlages. Alle anderen haben eine Art Herz-Kreislauf-Vorfall. Alle sind fettleibig, mit BMI über 36. Meine Diät und Bewegung Lebensstil, aufgrund der einfachen Zugang zu gutem Essen und Orte zu üben (eine lebenslange Besessenheit mit dem Radfahren) hat mir geholfen zu leben bis 60 bei guter gesundheit

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Dr. med. Erika Plöntzke
Dr. med. Erika Plöntzke

Ersatzbefriedigung für den kleinen Mann!

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Dr. phil. Gudrun Pötting
Dr. phil. Gudrun Pötting

Leider ist die Lobby der Lebensmittelindustrie sehr viel stärker, als gute Ideen, wie z.B. eine Ampelkennzeichung.
Ein Beispiel wie gegen jede Vernunft, Bestimmungen verändert werden, ist die Deregulierung des Zuckermarktes. Es bleibt abzuwarten, wie sich die 50%ige Zulassung von Isoglukose in der industriellen Produktion auf die Gewichtsentwicklung auswirken wird.

#2 |
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Well observed!

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