Medikationsfehler: Akute Dysschluckie

15. August 2017
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Ceftazidim, Cefazolin, Cefuroxim, Ceftriaxon – da heißt es genau lesen und hinhören, um die Arzneimittel nicht zu verwechseln. Zu Missverständnissen kommt es immer wieder. Das kann schwere, teils tödliche Folgen haben. Die häufigsten Fehlerquellen im Überblick.

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie sich ein Fehler bei der (Ab-)Gabe einschleichen kann. Der Arzt schreibt das richtige Medikament auf, der Apotheker gibt eines mit einem ähnlichen Namen mit. Der Arzt übermittelt den Namen seiner MFA mündlich, die ein ähnlich klingendes Präparat rezeptiert. Auch möglich, dass der Patient zwei ähnlich aussehende oder ähnliche klingende Arzneimittel im Haushalt hat und diese verwechselt.

Farbloser Tod

Gut zehn Jahre ist es her, dass im Universitätskrankenhaus Eppendorf eine Pflegekraft einem fünf Monate alten Säugling Kaliumchlorid statt Glukose verabreicht hat. Die Namen klingen nicht ähnlich, aber die Infusionsflaschen mit ihrem grünen Etikett sehen fast aus wie Zwillinge. „Der Tod kam farblos“ war seinerzeit eine Titelzeile. In vielen Kliniken wurde eine vorbeugende Maßnahme ergriffen: Kaliumchloridlösung wird nun blau eingefärbt, um solche Verwechslungen zukünftig auszuschließen.

„Studien belegen regelmäßig, dass rund 80 Prozent der Gesamtzahl aller Fehler, die im Krankenhaus gemacht werden, auf Medikationsfehler zurückzuführen sind“, so Prof. Sebastian Harder, Vorsitzender der Arzneimittelkommission am Institut für Klinische Pharmakologie der Uniklinik Frankfurt. In diesem Zusammenhang veröffentlichte die ABDA eine Umfrage. Öffentliche Apotheken sowie Krankenhausapotheken sollten Angaben dazu machen, welche Arzneimittel-Verwechslungen am häufigsten passieren – es waren Mehrantworten möglich. Das Ergebnis: In öffentlichen Apotheken machten Lesefehler bei der Verordnung knapp 75 Prozent aus, gefolgt vom ähnlichen Aussehen der Packungen (Look-Alike) mit 60 Prozent und einem ähnlichen phonetischen Klang (Sound-Alike) mit knapp 42 Prozent. In Kliniken sind Look-Alikes mit 85 Prozent das größte Problem, im Ranking folgen Sound-Alikes (69 Prozent), manuelle Lagerortentnahmefehler (67 Prozent), Lesefehler liegen bei 60 Prozent.

Bei Verwechslungen liegt die Verantwortung allein beim Apotheker. Ihm kommt die volle Sorgfaltspflicht zu, der Patient hat keine Prüfpflicht, ob das Medikament das richtige ist. Ein Apotheker in Nordrhein-Westfalen gab anstatt eines Phosphatbinders einen Calciumantagonisten ab, die betagte Patientin starb. Der Apotheker wurde in erster Instanz zu 14 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Das Landgericht Bielefeld korrigierte das Urteil und setzte stattdessen eine Geldstrafe in Höhe von 120 Tagessätzen à 60,00 Euro fest.

Kommunikationsfehler in der Praxis, der Apotheke oder zwischen Arzt und Apotheker bilden nur die iatrogene Seite der Fehlerquellen ab. Die weitere „human error“-Gefahr geht vom Patienten selber aus. Wenn Zäpfchen schäumend gelutscht, Tabletten eingeführt und Inhalator-Kapseln geschluckt werden, ist das kein Apothekencartoon, sondern gelebte Realität. Es folgen klassische Beispiele für Fehlanwendungen sowie wichtige Hinweise, die Experten an Patienten weitergeben sollten.

Das kann ins Auge gehen

Besonders Augentropfen werden häufig falsch oder nicht effizient genug angewendet, warnt die ABDA in einer Pressemitteilung. „Kaum ein Patient berücksichtigt, dass Augentropfen besser wirken, wenn das Lid nach dem Eintropfen für kurze Zeit geschlossen wird“, heißt es in der Mitteilung. Bei einigen Augentropfen erfolgt die Zubereitung der gebrauchsfertigen Lösung vor der Anwendung. Die Apotheke sollte den nicht selten sehschwachen Patienten in diesen Fällen anbieten, die Lösung zuzubereiten. Das Zubereitungsdatum muss auf der Augentropfflasche vermerkt werden.

Eine Sonderstellung nimmt ein 2-Kammersystem mit den Wirkstoffen Timolol und Pilocarpin ein. Dieses darf nur in der Apotheke oder der Arztpraxis, nicht vom Patienten selbst zubereitet werden. Bei falscher Handhabung besteht die Möglichkeit, dass ausschließlich das Verdünnungsmittel aus der Flasche herausgedrückt wird.

Mydriatika führen durch ihre pupillenerweiternde Wirkung und Augensalben sowie ölige Augentropfen durch ihre viskose Konsistenz zu Sehbehinderungen. Bei der Abgabe ist es sinnvoll, den Patienten darauf hinzuweisen (Cave: Autofahrer). Augenspülungen aus Drogenzubereitungen (Kamille, Augentrost u.a.) sind obsolet. Der unsterile Aufguss enthält einen hohen Anteil an Schwebstoffen, der im Auge zu Reizungen führen kann.

Lange Wimpern als Nebenwirkung

Augentropfen gegen erhöhten Augeninnendruck mit Prostaglandinanaloga wie Lantanoprost können das Wimpernwachstum dramatisch anregen und die Irisfarbe verändern, das lässt sich auch nicht vermeiden. Sie färben die Haut um das Auge aber auch dunkel und verleihen dem Patienten ein „waschbärähnliches“ Erscheinungsbild. Diese Nebenwirkung kann verhindert werden, wenn der Patient die betroffenen Partien nach der Anwendung gründlich reinigt. Darauf sollten Augenarzt und Apotheker den Patienten hinweisen.

Aerosole – saugen, ziehen, inhalieren

Eine effiziente Wirkung von pulmonal applizierten Wirkstoffen ist nur dann ausreichend gewährleistet, wenn der Patient das Inhalationssystem hinreichend beherrscht. Der Erklärungsbedarf und die Anforderung an das Apothekenpersonal sind hoch. Ständig kommen neue Fabrikate auf den Markt, mit denen sich Patient und Apotheke gleichermaßen auseinandersetzen müssen. Mit dem improvisierten Informationsversuch „Jetzt lesen wir gemeinsam erst mal den Beipackzettel“ wird man bei einigen Systemen sich und den Kunden frustrieren.

Neben der technischen Anwendung der Geräte spielt die richtige Inhalationstechnik eine entscheidende Rolle, damit der Wirkstoff dort ankommt, wo er soll. Bei kortikoidhaltigen Aerosolen zur Asthmatherapie sollte man den Patienten darauf hinweisen, die Mundhöhle nach jeder Anwendung auszuspülen, um systemische Wirkungen und lokale Mykosen zu verhindern. Werden Bronchospasmolytika und Kortikoide gemeinsam als Spray verordnet, muss der Patient zuerst das bronchialerweiternde Aerosol und danach das Kortisonpräparat anwenden. Hierdurch wird eine ausreichende pulmonale Deponierung gewährleistet.

Kein Zähneputzen nach Betamimetika

Nahezu alle gebräuchlichen Pulverinhalte wie Salbutamol u.a. haben einen niedrigeren pH-Wert als entsprechende Aerosolzubereitungen. Außerdem enthalten eine Reihe dieser Pulverinhalte Laktose. Bei längerer Verweildauer dieser Medikamente im Oropharynx kann in Verbindung mit reduziertem Speichelfluss daraus eine erhöhte Kariesgefährdung resultieren. Nach der Anwendung soll der Patient seinen Mund spülen, aber sich NICHT die Zähne putzen. Der durch Säure angelöste Zahnschmelz würde dann abgetragen werden.

Beim Inhalieren ist das Überstrecken des Halses besonders wichtig. Die festen Partikel verlassen das Device mit hoher Geschwindigkeit und prallen gegen die Rachenhinterwand. Nur wenn der Patient beim Inhalieren nach oben schaut, kann der Wirkstoff in ausreichender Menge in die Atemwege gelangen.

Nach einer Studie von van der Palen et al. wenden bis zu 43 Prozent der Anwender von Kapselinhalatoren diese falsch an. Besonders wichtig ist hier die eigentliche Inhalation. Während bei der Inhalation via Dosieraerosol langsam und tief eingeatmet werden soll, ist für eine gute Deposition des Inhalates bei Inhalation via Trockenpulverinhalator zur Desagglomeration des frei gesetzten „Pulverklumpens“ erforderlich, kräftig, schnell und tief einzuatmen.

Nicht alle Beipackzettel oder Fachinformationen geben diese Inhalte korrekt wieder. Sie berufen sich auf die Vorgaben der EMEA, diese sind jedoch Vorschläge und nicht verbindlich. So wird beispielsweise im Beipackzettel vom Handihaler ® geraten, langsam und tief einzuatmen, nach Empfehlungen der Atemwegsliga muss dies aber kräftig und schnell erfolgen. Die Deutsche Atemwegsliga hat Anwendungsvideos auf ihrer Homepage veröffentlicht, wo verständlich und patientenorientiert die korrekte Anwendung aller Devices erklärt wird.

SL-Tabletten: Auf keinen Fall mörsern!

Selbst bei so „simplen“ Arzneiformen können zahlreiche Fehler die Wirksamkeit einer Arzneitherapie gefährden. Testen Sie sich selbst: Wofür steht beim Calciumantagonisten Adalat SL ® das „SL“? Sublingual? Falsch. Die Tabletten dürfen nicht buccal oder sublingual appliziert werden. Die gut wasserlösliche Hülle der Zweiphasen-Manteltablette enthält den Arzneistoff nicht in kristalliner, sondern in molekulardisperser Verteilung; im Magen entfällt daher der Auflösungsprozess für Nifedipin.

Der Wirkstoff kommt schnell zur Wirkung. Der Kapselkern löst sich langsam auf und besteht aus kristallinem Wirkstoff. „SL“ ist das Akronym für schnell und langsam. Bei Nifedipin lauern noch weitere Fehler. Eine Indikation ist die stabile Angina Pectoris, keinesfalls aber die instabile Angina Pectoris im Sinne eines STEMI. Seit langer Zeit ist bekannt, dass Nifedipin die Mortalitätsrate beim Infarkt steigern kann, da es das Blut im Herzen umverteilt und größere Areale ischämisch werden. Und noch eine Fehlerquelle lauert bei Calciumantagonisten vom Nifedipintyp: Mit Grapefruit(saft) eingenommen, kann der Wirkstoffspiegel erheblich ansteigen.

Jede Tablette ist anders

Vor der Einnahme von Tabletten müssen je nach Zusammenstellung unterschiedliche Punkte berücksichtigt werden:

  • Schmelz- und Sublingualtabletten: Sie sind feuchtigkeitslabil und müssen sofort nach dem Ausblistern eingenommen werden.
  • Dragées: Aufgrund des dicken Zuckerüberzugs sind sie schlecht teilbar.
  • Filmtabletten mit einem magensaftresistenten Überzug: Eine Teilung führt zur Unterbrechung der Schutzschicht, so dass der Wirkstoff durch den Magensaft zerstört werden kann.
  • Filmtabletten mit einem Retardüberzug: Durch eine Teilung verändert sich die Pharmakokinetik; der Wirkstoff flutet schneller an und die Wirkdauer ist deutlich verkürzt.

Ob orale Zubereitungsformen geteilt, gelöst, gemörsert oder über eine Sonde gegeben werden können, ist nicht selten eine wichtige Fragestellung in der Klinik oder in Heimen. Eine gute Informationsquelle ist beispielsweise die Website: www.pharmatrix.de.

Auch die brandaktuelle Arbeitshilfe der Bundesapothekerkammer zur Qualitätssicherung gibt Rat. Die Arbeitshilfe warnt: „Arzneimittel sind ohne entsprechende Hintergrundinformationen nicht über die Sonde zu applizieren.“

Hartgelatinekapseln, Suspendierung, Magenschutz

Hartgelatinekapseln, die mit magensaftresistenten Pellets gefüllt sind, können in der Regel geöffnet und die Pellets über Sonde gegeben werden. Die Tücke steckt jedoch im Detail, weil es wichtig ist, wo die Sonde endet. Bei einer im Magen endenden PEG- oder nasogastralen Sonde dürfen die Pellets auf keinen Fall gemörsert werden. Eine Suspendierung – keine Lösung! – in Wasser ist teilweise möglich. Die Suspension muss zügig über die Sonde gegeben werden. Bei einer längeren Standzeit kann es zu einer Quellung der Pellets kommen, die die Sonde verstopfen. Eine PEJ- oder nasointestinale Sonde endet im Darm. Magensaftresistente Tabletten, Dragees oder Pellets dürfen gemörsert werden. Da der Wirkstoff direkt in den Darm gelangt, ist kein Magenschutz mehr nötig.

Tödliche Fehlerquellen: TTS

Die Euphorie, die diese Arzneiform noch vor gar nicht langer Zeit ausgelöst hat, ist durch ernüchternde Realität abgelöst worden. So anwenderfreundlich „nicht 3 x täglich schlucken, sondern 1 x täglich kleben“ auch klingt, sind nur wenige Arzneistoffe als TTS (Transdermale Therapeutische Systeme) verfügbar. Nur wenige Stoffe erfüllen die Anforderungen, um überhaupt die Haut penetrieren zu können.

TTS können ansatzweise als intelligente Arzneiformen bezeichnet werden, da sie die Arzneistoffabgabe selber steuern. Die Freigaberate ist immer kleiner als die Permeationsrate durch die Haut. Die Permeation wird durch Steigerung der (Haut-)Temperatur und Hydratisierung der Hornschicht erhöht. Beim Matrixprinzip liegt der Arzneistoff als Lösung, Feststoff oder homogene Dispersion vor. Für dieses System spricht, dass es durch die matrixgesteuerte Freisetzung nie zu einer Spontanentleerung kommen kann.

In einer Studie von Lampert et al. der Universität Heidelberg weisen die Autoren darauf hin, dass jeder Schritt im TTS-Anwendungsprozess fehleranfällig ist. Wegen der hohen Potenz der applizierten Wirkstoffe (beispielsweise Buprenorphin, Clonidin, Fentanyl, Glyceroltrinitrat, Nikotin, Rivastigmin oder Scopolamin) ergaben sich meist schwerwiegende Folgen, teilweise sogar tödliche. Mögliche Fehlerquellen waren das Zerschneiden des TTS oder das Aufkleben eines TTS, ohne das alte zu entfernen. Besonders riskant sind Wärmequellen wie Heizdecke, Solarium, MRT oder Wärmflaschen. Fentanyl-TTS sind mit Wirkstoff für bis zu sieben Tagen beladen, bei einer Temperatursteigerung wird wesentlich mehr Wirkstoff abgegeben und es droht eine Atemdepression.

Das Fachmedium Apotheke adhoc empfiehlt Patienten, auf eine kindersichere Entsorgung zu achten. Es empfiehlt sich, das Pflaster in der Mitte nach innen zu falten und die Klebefläche aufeinander zu kleben. Viele TTS sind transparent und schlecht zu erkennen. Es haben sich zahlreiche Todesfälle bei Kindern ereignet, bei denen die Pflaster akzidentell übertragen wurden. Der EMA-Ausschuss für Risikobewertung hat festgestellt, dass die unzureichende Sichtbarkeit des Pflasters zu der versehentlichen Übertragung beigetragen haben könnte. Daher hat der Ausschuss empfohlen, die Optik der Pflaster zu verbessern.

Auf der Homepage der Firma LTS ist die richtige Anwendung von TTS patientenfreundlich erklärt. Für alle, die sich ausführlicher informieren möchten, kann das Fachbuch von Apotheker Dr. Wolfgang Kircher „Arzneiformen richtig anwenden“ empfohlen werden. Auf knapp 500 Seiten wird die richtige Applikation aller Arzneiformen anschaulich und sehr ausführlich erklärt. Wussten Sie beispielsweise, dass Zäpfchen mit der stumpfen Seite voran eingeführt werden sollten, weil sie dann weniger leicht in die falsche Richtung abdriften?

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33 Kommentare:

Dr. med. Irmela Eckerlin-Wirths
Dr. med. Irmela Eckerlin-Wirths

Na klar, da musste ein “Gast” mal wieder ideologisieren, statt bei der didaktisch gut ausgearbeiteten Kernausage zu bleiben. Glaubt “er” (oder sie) wirklich, dass diese Fehler durch eine Linksregierung vermieden werden könnten? Träum’ weiter. Das Gegenteil wäre der Fall.

#33 |
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Gast
Gast

In dem Artikel werden etliche mögliche Fehler aufgezeigt.
Ich frage mich, wie unser Gesundheitssystem, nachdem es so kaputt gespart wurde, solche Fehler vermeiden kann?
Das ginge nur, wenn sich alle Beteiligten wie Ärzte und Personal in Kliniken und Arztpraxen viiiiel mehr Zeit nehmen könnten.
Zeit kostet aber Geld und Geld soll die Gesundheit so wenig wie möglich kosten. Die Vorgaben dazu macht die Politik.
Vielleicht könnte ein Umdenken bei den Wählern zumindest für die Zukunft etwas bewirken? Ich meine, dass man sich Gedanken machen sollte, Parteien LINKS der sog. Mitte, also Parteien, die sozial eingestellt sind, zu wählen. Wir hatten nun lange genug eine sog. “große Koalition”, die sich um die Volksgesundheit nicht sooo viele Gedanken gemacht hat …

#32 |
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Gast
Gast

IM VORHINEIN-IM NACHHINEIN

Auch eben nach einer falschen oder nicht ganz im Vorhinein zutreffenden Medikation -Wer weiß das im Voraus denn schon?-,wird auch im Nachhinein der Arzt zu korrigieren wissen.
Darauf vertraue ich felsenfest
Das ist aber eine ganz andere Sache.Nur: Sie steht neben dem Vor und Danach gleichwertig da: Nein , was zuvor war , konnte nicht in Allem vorhergesehen werden, was danach kommt, kann in Übersichtlichkeit geändert werden.

#31 |
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Gast
Gast

GADOLINIUM
Dieses sehr seltene Element wurde mir als Kontrastmittel in der Röhre verabreicht:Das war keine Fehlmedikation, aber ich bekam danach einen roten Ausschlag auf der Haut am ganzen Bauch und den Armen.Ich rief meine Ärztin im Klinikum telephonisch an und frug Sie, woher das kommen könne: Sie meinte:Vom Gadolinium.Sie wußte das zu meinem Glück.Dann hinwierum war ich in der Rehaklinik: Eine ältere Frau nach Myokardinfarkt sagte mir, sie habe nach Ramipril lauter rote Hautausschläge bekommen. Das ist sehr schwierig alles: Was hatte ich, weil ich auch Ramipril bekam? Nach einer Woche war zum guten Glück alles weg.Woher es kam?: Darüber gibt es nur Mutmaßungen.Zum Glück ist alles vorbei.

#30 |
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Gast
Gast

@ 26
Ich war physikalisch immer gut gebildet in der Schule: Bei diesen Suppositorien fange ich an zu zweifeln, nein, nicht zu zweifeln, sondern es gar nicht richtig zu kapieren:Vernünftig, als verständlich, scheint zu sein, das Zäpfchen mit der spitzen Seite zuerst einzuführen: Eben deswegen, weil es dann leichter einzuführen ist. Das liegt nun konträr:Das stumpfe Ende zuerst, damit ” es nicht zurückkomme”.Das ist Physik: Aber ich glaube, was mir hier gesagt wurde: Kontere nicht: O, diese Spitze der anderen Seite kommt ja viel leichter wieder zurück heraus!

#29 |
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Gast
Gast

FALSCHE MEDIKAMENTENVERORDNUNG?
Viele Patienten denken, sie hätten ein falsches Medikament verordnet bekommen: Dem ist leider nicht so.Da herrscht unvorhersehbares Gutdünken zuerst einmal: Wer weiß auf Anhieb, ob das ihm verordnete Medikamnent auch das richtige ist?
In jedem Beipackzettel wird der Patient darauf hingewiesen, negative Nebenwirkungen dem Arzt zu melden.Dann kann ja auf ein anderes Medikament schnell umgewechselt werden.Derart zum Dialog bereit wird jeder gewissenhafte Arzt sein.Es gibt oft doch Alternativen.

#28 |
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Gast
Gast

WER ES NICHT SCHAFFT,
sich selbst durch äußerste Disziplinierung, durch sehr strenge Selbstkontrolle dahin zu bringen, dass die Medikation fehlerfrei abläuft, sollte durch Selbterkenntnis sich andere Aufgaben zuweisen lassen.So viel tranzendentales Selbstbewußtsein wird er ja noch haben, wenn er schon noch schaffen kann.Ich kenne einen bedauernswerten Mann , der derart verwirrt war, dass er seinen Job aufgeben musste.Das ist quasi eine doppelte Selbstkontrolle (zumeist aber kommen andere Kräfte herzu, welche die allzu häufigen Fehler bemerken):Richte ich alles richtig her? Wenn nicht, dann: Bin ich noch fähig?. Dem ist leider so.

#27 |
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Medizinjournalist

An alle Zweifler, was die Einfuehrrichtung fuer Suppositorien angeht:

https://www.hexal.de/praeparate/arzneimittel-richtig-anwenden/zaepfchen/hinweise-tipps-zaepfchen.php

Bei Kindern Zaepfchen mit dem stumpfen Ende voran, klingt komisch, ist aber so

#26 |
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Nichtmedizinische Berufe

Dr. Schätzler, gottseidank habe ich eine Apothekerin, die mitdenkt. Sie schreibt mir Einnahmehinweise und zeitdauer vom Rezept ab auf ein Klebeetikett und klebt das auf die Medikamentenschachtel. eigentlich müsste das usus sein – wenn sie das Rezept dabehalten.

#25 |
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Gast-Apothekerin
Gast-Apothekerin

Nochmal zum Thema Rabattverträge: der ein oder andere Arzt (und natürlich auch Patient) hat es wohl noch nicht ganz verstanden. Als Apotheker MÜSSEN wir uns in erster Linie an diese VERTRÄGE halten.
Es gibt 2 Möglichkeiten, diese zu umgehen:
– Entweder durch das Ankreuzen (eigentlich Durchstreichen) des aut-idem-Kästchens durch den Arzt.
– Oder die/der Apotheker/-in meldet pharmazeutische Bedenken an, was aber auch nur gezielt eingesetzt werden sollte.

#24 |
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Gast X
Gast X

Und ganz wichtig: TTS bei fieberhaftem Infekt sofort entfernen.

#23 |
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Fentanyl-TTS sind alle 48 – 72 Stunden zu erneuern. Der 7-tägige Wechseltag gilt nur für Buprenorphin in bestimmten Dosierungen!!

#22 |
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Gast
Gast

Zu Dr. Carasso: Es liegt in der Hand des Arztes, eine Namensänderung durch das aut idem Kreuz zu verhindern. Die Apotheker dürfen nicht, sondern müssen im Fall von Rabattarzneimitteln austauschen.

#21 |
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Dr. med. Arnaud Carasso
Dr. med. Arnaud Carasso

Dazu kommt noch, dass Apotheker die rezeptierten Originalpräparate durch billigere Generika ersetzen dürfen. Damit werden Namen und Aspekte der Arzneimittel geändert. Bei Rezepten mit mehreren so geänderten Medikamente wird die Kommunikation zwischen Arzt, Patient /Angehörige, MPA dramatisch erschwert und das Fehlerrisiko noch erhöht.

#20 |
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Gast
Gast

SO NEBENBEI MERKE ICH AN
Ich wurde noch nie süchtig, gestehe aber zu, dass das sehr gefährlich sein könnte.Wie ich zur Pharmakologie kam:
Damit zu allen möglichen Pharmaka:
Rauchte in der Jugend, wie eben Barak Obama,Präsident of America, Haschisch: Weiß ich, ob ich es so wie der übertrieb, da er in einem geschlossenen VW-Bus das Zeug rein zog.Hörte streng bei Volljährigkeit, Strafmündigkeit, strikt damit auf: Vorbei das alles: Weg.
Geriet an Heroin: Rein geschnupft in die Nase, nur Kotzen etc.Schlechte Gesellschaft, dachte ich mir, die mir so was nahe brachte. Übel.Morphium: Nur gekotzt, illegal in Firenze ( Florenz).Rom: Heroin. Gekotzt.Istanbul, gute Dosis Heroin für nur 10 Mark:Freundete mich damit nicht an, nicht gekotzt.Bin nie süchtig geworden von dem Zeug: Gut so.In was für Gefahren befand ich mich!
Bin immer heraus gekommen.Sehr gefährlich war das!
Mit 18 (Volljährigkeit, Strafmündigkeit) absolut keine illegalen Drogen mehr.Bis heute so: Kein Interesse . (bin jetzt 55)Was sollen die Erfahrungen später Jugend, längst verjährt, mir noch anhaben?Welch ein Unterschied, wenn ein junger Erwachsener Tramadol verschrieben bekommt: Wie schlimm wird er das empfinden: Im Vergleich zu einem herangereiften Erwachsenen: Der erträgt so was lässig!Ich könnte Tramadol gut vertragen ohne eine schlimme “rosa Brille” wie ein Junger:Brauche das aber nicht. Ich wurde nie süchtig.Ich wurde ja auch gewarnt vor der süchtig machenden Tendenz im schwachen Opioid Tramadol: Versuchte mich nie wirklich.Ich habe das, einen Rest, der übrig blieb bei meiner Genehmigung bei Pneumonie/ Pleuritis: Brauche ich nicht.Bleibt in der Hausapotheke: Gut differenziert.Bei schwachen Schmerzen nehme ich nur Aspirin 1000 mg.(antiphlogistisch)(Was heißt hier schwach?:Bei schwachen nehme ich gar nichts, bei etwas stärker schwachen ein schwaches Analgetikum).Bin akut zum Glück völlig schmerzfrei: Brauche gar nichts und bin nicht süchtig. So kann man mit Arznei umgehen.Also: Ich begehe nicht nur keine Fehlmedikation, sondern in meinem Fall wähle ich die richtige Arznei aus.
Das kann auch einem verantwortungsvollen Patienten übertragen werden.Ich wähle:
Aspirin, je nach Ermessen, auch als Antiphlogistikum
Novaminsulfon, bei etwas stärkeren Schmerzen(auch Antipyretikum)
Tramadol, lasse ich weg, nur bei schlimmerer Indikation(die Arznei ist aber nicht, das will ich betonen, geeignet, starke Schmerzen zu beseitigen;nur mittelstarke, dazu mit den Auswirkungen eines schwachen Opioides, die nur bei denen willkommen sein dürften, die es wirklich benötigen(tiefliegender Schmerz))
Verwechselt habe ich da nichts.Mensch, so eine Geschichte, denke ich mir. Zum Glück bleibe ich anonym!

#19 |
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Monika Mielec
Monika Mielec

Ja macht weiter so. Nicht Ärzte oder Nicht Apotheker sollen Beraten und noch mehr das Sagen haben. Pflege und Delegation oder gar PTA in voller Verantwortung. Am besten wäre es noch, wenn die lieben Kliningeschäftsführer Medikamente verordnen könnten, man würde glatt die Mediziner wegsparen.

#18 |
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Gast
Gast

KLARSCHRIFT, DRUCKBUCHSTABEN
Jeder , der handschriftlich was mitzuteilen hat, sollte sich a priori überlegt haben:
Kann ich von dem, der das zu lesen bekommt , erwarten, dass er das entschlüsseln kann?
Kennt mich der Adressat?-damit meine Klaue?
Falls nicht, sollte der Schreiber sofort auf Klarschrift und Druckbuchstaben umschalten, die eindeutig sind.So wird nichts verwechselt, sondern herrschen Klarheit und Eindeutigkeit.

#17 |
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Gast
Gast

DIE KLAUE : STENO
Also wer viel schreibt, entwickelt seine eigene Stenografie.Dass diese dann nur sehr Vertraute enschlüsseln können, sollte jedem, der so schreibt, bewußt sein.
Die Zeichen werden oft nur dann verstanden, wenn die Sache zuvor schon bekannt war.
Interessant: Die etymologische Verwandtschaft von Stenographie und Stenokardie, Stenose etc: Engschrift da, kurze Schreibweise, Verengung dort: Stenokardie fast synonym zu Angina pectoris, Enge an Herz und in der Brust; Stenose: Engstelle bei Arteriosklerose.Wer beherrscht schon sein naturwissenschaftliches Fach und zugleich das philologische Rüstzeug dazu?
Ich machte mir sehr viele Gedanken zu dieser Kurzschreibweise der Vielschreiber.Heutige Rezepte etc. werden zumeist gedruckt.

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Peter Moll
Peter Moll

Jede Tablette ist anders …
z.B. identische Packungsbilder:
alle Thyroxin Stärken der Fa. Henning sehen bis auf die Wirkstärke gleich aus.
soweit so wie immer. Aber auch der Schmetterling ist immer gleich.
Idee: unterschiedliche Schmetterlinge für jede Stärke.
(In manchen Ländern gab es das ja “Wähle die Kuh” ,”Wähle was auch immer” für wen auch immer. (Wer weiss wo?)

#15 |
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Gast
Gast

#3
Na ja, graphologische Dinge, die mit der Deutung der Handschrift, bschäftigten mich immer wieder. Dass ich als Patient ein Rezept in der Hand hielt, ohne es zu entziffern können, störte mich nie: Ich wunderte mich nur, dass die in der Apotheke das lesen konnten.Bis meine Handschrift durch das Vielschreiben schwierig wurde: Ich dachte mir: Die Empfänger werden es schon lesen können.
Man muss aber jemanden persönlich wirklich gut kennen, um seine Geheimschrift entziffern zu können.Ich bin kein “Doktor”, aber war Vielschreiber: Dass manche hierzu sagten, dass das eine “Doktorschrift ” sei, stört mich wenig.Dass von mir selbst niedergeschriebene Dinge nach etlichen Jahren Distanz doch immer noch gelesen werden können von mir selbst, verwundert mich manchmal,aber ich kenne meine KlaueKonnte hierbei zuweilen bei Verjährung selbst angestrengt worden sein: .Etc…. usf….

#14 |
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erzählte mir einst ein südtiroler Kollege, der Blutegel verordnete, was die Ehefrau des Patienten ihm über die (Neben-)Wirkung sagte:”Die ersten hat er noch so gegessen, die anderen habe ich ihm braten müssen”. Ansonsten:ein guter Artikel

#13 |
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Gast
Gast

Habe ich endlich mal wieder einen pharmakologisch sehr stark fundierten Text zu lesen bekommen! So was tut wirklich gut!Ich bin zwar nur sehr interessiert an Pharmakologie, ergriff das nicht zu meinem Berufe, aber:Das Interesse an Wahrheit kann ja immer nur größer werden.Dieser Beitrag war wirklich äußerst bestens.

#12 |
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Gerhard Willms
Gerhard Willms

Guter Artikel, der alles noch mal zusammenfasst.
Die Erläuterung und das Einüben der richtigen Inhalationstechnik bei Dosieraerosolen oder Pulverinhalatoren ist Sache der verordnenden Arztpraxis und nicht der Apotheke. Die richtige Inhalationstechnik sollte auch mehrfach bei Asthma- oder COPD-Patienten wieder besprochen und geübt werden. Insulinspritzen lernen die Patienten ja auch nicht in der Apotheke sondern im Rahmen einer strukturierten Diabetesbehandlung mit ärztlich verantworteter Schulung.
Lanaprost wird tatsächlich in bestimmten Kreisen als Wachstumsmittel für Wimpern mißbraucht.
Das mit den Zäpfchen glaube ich auch nicht.

Gut ist der Kommentar von Thomas Georg Schätzler. Tatsächlich sind die mafiös anmutenden Rabattverträge wirklich ein “Medikations-Destabilisations-Management” (MDM) mit erhöhten Arzneimittelrisiken. Ein Kollege berichtete von einem Patienten der immer wieder mit einer gastrointestinalen Blutung aufgenommen wurde. Gastroskopisch fanden sich Blutungstigmata bei sonst gesunder Magenschleimhaut.
ERst nach dem dritten Krankenhausaufenthalt kam heraus, daß das Phenprocoumon-Präparat gewechselt worden war. Der Patient hatte dann regelmäßig dreimaltäglich sein Phenprocoumon xy eingenommen statt des verordneten Captopril xy. Wo liegt hier die ERsparnis dfür die Krankenkasse?
Gerhard Willms, Facharzt für Innere Medizin/Diabetologe DDG

#11 |
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Gast
Gast

DER ABSOLUTE HORROR:
Das war für mich, bevor ich eine Ausbildung als Krankenpfleger/Altenpfleger begann, dies: Was, wenn ich bei der Medikation was verwechsle? Ich begann somit gar keine Ausbildung .Dass eine bloße Verwechslung einer Arzneidroge nicht sogleich tödlich enden muss, aber sehr gefährlich sein kann: Dessen war ich mir immer bewußt.Da ich meine Perplexität , gegen die ich bei äußerster Anstrengung und Konzentration nichts tun konnte,gut kannte, ging ich in meinem Desiderat, eine pflegerische Ausbildung zu unternehmen, nicht mehr weiter.Ich unterließ das, ich kannte mich, meine Abstrusität bei bestem Ordnungswillen, :Denn hier geht es streng zu.Leider weiß ich durch diesen Artikel, dass es nicht nur mir, sondern auch Anderen so ergeht, also ich weiß um das Menschliche.Es gilt aber überall in allen Bereichen, dass Fehler zu vermeiden sind-denn der Mensch verfällt ihnen einfach auch unwissentlich, sicher nie mit Absicht.Ich schätze, dass Fehlmedikationen nicht mal zu 1 Prozent gleich tödlich enden müssen.Nicht mal 1 Promille: So vermute ich. Bestimmt noch weit weniger.1/Millionstel vielleicht nicht mal.Was ich da bloß mutmaße, gilt eh`nichts
Der Beitrag von Herrn Bastigkeit zog mich stark an und ist äußerst fachkundig.
Diese Fachkundigkeit hat mir richtig gut getan.Vielen Dank!

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Apothekerin

Ein guter Artikel mit einigen Auffrischungen, aber eigentlich nichts Neues für Apotheker. Täglich kläre ich auf, auch die am Tag 100. Mutter über das richtige Einführen von Zäpfchen etc…

Fast genauso oft ist es Alltag falsche Verordnungen aufzudecken, den Verordner zu kontaktieren, um so doch das richtige Medikament abzugeben. Also den Arztfehler zu korrigieren.

Umso mehr ärgert es mich, dass schon im ersten Absatz Apotheker als Schuldige hingestellt werden. Es werden nur Fehlerquellen in Apotheken mit Zahlen belegt (keine bei Verordnungen) und obendrauf noch ein Einzelfall von -wie auch anders- einem Apotheker berichtet. Es gibt eine Angaben zu Fehlern der Verordner.

Oftmals werden, gerade im Notdienst von der Ärzteschaft die Namen verwechselt, welches wir Apotheker durch braves vorsichtiges Hinterfragen der eigentlichen Diagnose bemerken. Das ist insofern schwierig, wenn der kranke Patient eben schnell wieder weg möchte und dem Arzt ja schon alles erzählt hat. Und man ihn auch nicht in die nächste Apotheke vergraulen möchte. Noch kommt hinzu, dass wir ja verpflichtet sind nicht das Arzt-Patienten-Vertrauen zu zerstören. Also darf sich der Arzt dann noch damit rühmen, wenn er etwas berichtigt hat, aber dass es der Apotheker war, der ihn drauf hin gewiesen hat, wird vermutlich verschwiegen.
Warum wird also im Artikel die Fehlerquelle, “falsch verordnet” nicht (auch im ersten Absatz) genannt?

Dazu ein Beispiel: verordnet wurde einer Schwangeren “Sulfasalazin” durch nachfragen kam man dahinter, dass sie keine chronische Darmerkrankung sondern Toxoplasmose hat. Demnach hätte der Arzt “Sulfadiazin” aufschreiben müssen… gut, dass da ein Apotheker seinen Job ordentlich gemacht hat. Das Kind kam später gesund auf die Welt.

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Gast
Gast

Zitat eines leitenden Anordners auf einer Station gegenüber dem Pflegepersonal: “Ich werde hier nicht fürs Schönschreiben bezahlt” ….ohne Worte…..

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In diesem wichtigen und klinisch besonders relevante Artikel von Matthias Bastigkeit wird die Bedeutung eines modernen, patientenzentrierten Medikations-Managements einschließlich der Fehleranalysen speziell für den Krankenhausbereich kritisch ausgeleuchtet. Der ambulante Bereich der Versorgungs-Medizin mit seinen bis zu 99% maschinenlesbaren Vertragsärzte-Rezepten kommt dabei etwas zu kurz.

Aus Sicht meiner persönlichen, hausärztlichen Patienten-Medikations-Praxis habe ich seit meiner Praxisgründung 1992 Medikamentenpläne in Gebrauch, elektronisch gespeichert und ausgedruckt seit 1995 bis zum heutigen Praxistag.

Als nachdrücklicher Hinweis für versorgungsferne und medizinbildungsfremde Politiker, Medien, Krankenkassen und Öffentlichkeit: Kein persönlich an den Patienten gerichtetes Rezept (Rp. ist die lateinische Abkürzung für recipe =„nimm“) verlässt meine Praxis ohne die Signatur als Medikamenten-Einnahmevorschrift. Das ist der letzte Teil der Rezeptformulierung, die mit lat. signa („bezeichne“) aus M.D.S. (lat. misce, da, signa “mische, gib und bezeichne“, bzw. nur mit S. abgekürzt wird. Er nennt die Anzahl und Dauer der Anwendung des Arzneimittels und gegebenenfalls Anwendungshinweise.

Und immer noch wird den Patienten/-innen genau dieses GKV-Rezept der Vertragsärzte nach Muster 16 mit essenziellen Informationen für ihre Behandlung in den Apotheken, selbst im Zeitalter von online-Übertragung an EDV-Apotheken-Rechenzentren, einfach weggenommen. Das, und nichts anderes, ist die eigentliche Ursache für Medikamenten-Einnahmefehler bzw. für die Notwendigkeit von Medikamentenplänen im Bereich der ambulanten Haus- und Fachärztlichen Humanmedizin! Der Patient verlässt nach mehreren Arztbesuchen die Apotheke mit mehreren Pillenschachteln und rätselt zu Hause, wer aus verschiedene Fachrichtungen ihm das alles wohl verschrieben hat?

Das scheint Funktionären der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), der Bundesärztekammer (BÄK) und des Deutschen Apotheker Verbandes immer noch vollkommen unbekannt zu sein, als über eine bundesweite Neu-Einführung mit Pseudo-Innovation eines Medikationsplans reflektiert werden sollte. Rezepte nach Muster 16 gehören einfach wieder in die Hände der Patienten z u r ü c k und n i c h t allein in die Fänge der Abrechnungs-Bürokratie!

Aber ausschließlich wir Vertrags-Ärztinnen und -Ärzte sollen mal wieder selbst an Allem schuld sein, wenn unsere Patienten sich nicht mehr erinnern können oder wollen, von welchem Arzt sie wie und wann welche Medikamente einnehmen sollten: Die Apotheke hat es zwar (hoffentlich!) auf der Umverpackung vermerkt, aber diese landete ja schon vor Wochen im Altpapier-Container…

Der in Thüringen als Pilotprojekt bereits realisierte ARMIN-Medikationsplan wird dort als Muster mit 7 verschiedenen reinen Wirkstoffverordnungen kommuniziert und abgebildet: Mit einem hoffnungslos unterdosierten Antibiotikum Clarithromycin 250 mg (hoffentlich nicht bei einer Virusinfektion) und einem niemals doppelblind bzw. im “head-to-head” Vergleich geprüften Gelomyrtol mit 3×2 Dosierung. Das verwirrt unsere Patienten nur!
http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/rezepte/article/910704/medikationsplan-patient-redet.html

Sieben reine Wirkstoffverordnungen pro Quartal, morbiditäts- und leitliniengerecht bzw. evidenzbasiert für unsere GKV-Patienten verordnet, bedeuten je nach Marktlage bis zu a c h t u n d z w a n z i g verschiedene Generika-Verpackungen, -Logos, -Tabletten-Formen und -Farben, -Herstellernamen oder Reimporte aus EU-Ländern in einem e i n z i g e n Behandlungsjahr. Je nach geheimen Rabattverträgen kommen auch noch wechselnde Original-Präparate-Namen hinzu.

Damit muss der bundeweit seit dem 1.10.2016 (!) verbindliche Medikationsplan bis zu 28-mal im Jahr um- und neu geschrieben werden, weil jedes Mal ein anderer, geheimer Rabattvertrag greift bzw. die Hersteller gar nicht immer liefern können!

Auf der beratungs- und versorgungs-fernen pharmazeutischen Suche nach tagesaktuellen Medikamenten-Höchstrabatten ist dies nichts weiter als ein “Medikations-Destabilisations-Management” (MDM) mit erhöhten Arzneimittelrisiken durch Verringerung von Compliance und Adhärenz bei unseren Patientinnen und Patienten.

Die “Versorgungs-Experten” von Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV), Bundesärztekammer (BÄK) und Deutschem Apothekerverband (DAV) haben darüber mit den versorgungsnäheren Patienten und Ärzten gar nicht erst wirklich gesprochen!
http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/rezepte/article/910475/medikationsplan-aerzte-apotheker-einigen.html

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Nichtmedizinische Berufe

Sehr guter Artikel. Lob dafür.
Das Problem ist bekannt: Look alike, Sound alike, die bösartigen Groß- und Kleinbuchstaben (“ml” für Milliliter und “ML” für Messlöffel), Sprachbarrieren, kulturell unterschiedliche Auffassungen eines Themas (z. B. hormonelle Verhütung: der Mann wünscht kein Kind, also nimmt der Mann die Pille oder die Pille wird am Ort des Geschehens angewendet). Von Incompliance des Patienten will ich gar nicht erst anfangen, weil ich bisher auch meiner Oma nicht eintrichtern konnte, dass auch das “bissl Zeuch aus der Drogerie/aus dem Supermarkt” nebenher gefährlich werden kann. Aber ich schweife ab…

Es gibt von der KBV eine Broschüre zum Thema AMTS (“Mehr Sicherheit bei der Arzneimitteltherapie”).

Einen schönen Abend Euch allen.

#6 |
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PA Steffi Kösters-Stroers
PA Steffi Kösters-Stroers

Vielen Dank für den Artikel. Vieles ist bekannt, aber grundsätzlich noch einmal gut zu hören. Wer in der geriatrischen Aufnahme tätig ist, kennt solche Probleme. Da wird 2 x tgl. 2,5 mg Concor eingenommen und dazu noch Bisoprolol 1 x tgl. 5 mg, Einweisung bei Kraftreduktion, Bradycardie… Bei Patienten mit Polypharmazie sieht man häufiger Anwendungsfehler, Doppleverordnungen ect.
Solche Artikel sensibilisieren.

#5 |
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Hast
Hast

Das mit den Zäpfchen glaube ich nicht, das mit den Waschbäraugen auch nicht.

Wenn man als Arzt am Stationstisch verschreibt kommt garantiert jemand entlang, haut einem eine Akte vor die Nase, fragt dieses oder jenes. Im Autobus heißt es ” Fahrer nicht ansprechen während der Fahrt”

#4 |
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Eberhard Zittrell
Eberhard Zittrell

#1: erinert mich an einen Cartoon: Sohn zur Mutter: “Mama, ich kann meine eigene Handschrift nicht mehr lesen”. – “Gut mein Sohn, du wirst Arzt.”

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Rettungassistent Frank Grote
Rettungassistent Frank Grote

Frank Grote Notfallsanitäter / Fachkraft für Notaufnahmen

Vielen Dank für diesen sehr interessanten Artikel.
Bei uns in der Klinik ist das leider so das der Arzt der Pflege sagt was verordnet werden soll und bei der Unterschrift nicht kontrolliert wird was aufgeschrieben wurde.
Meines Erachtens besteht hier Handlungsbedarf.

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Gesundheits- und Krankenpfleger

Ein sehr aufschlussreicher Artikel. Vielen Dank.
Mindestens ebenso wichtig, wie genaues Hinschauen, wäre deutliches bzw. leserliches Schreiben. Viele Klinikärzte geben sich bei ihren schriftlichen Anordnungen in der klinik wenig Mühe, der ausführenden Pflegekraft gut leserliche, leicht zu erfassende Anordnungen zu präsentieren.
Obschon es einer erfahrenen Pflegekraft nach langjährigem Studium ärztlicher Hiroglyphen durchaus gelingen mag, das Gewünschte korrekt herauszufiltern, kommen neue Mitarbeiter bei demselben Versuch sehr schnell an ihre Grenzen.
Sicherlich besteht auch hier akuter Handlungsbedarf.

Aber bitte nicht in der Form: “Wer’s nicht lesen kann, kann ja jederzeit nachfragen”.

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