Gewichtsabnahme: Ein hängendes Problem

9. August 2017
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Menschen mit starkem Übergewicht sind stolz, wenn sie es geschafft haben, abzunehmen. Danach leiden sie oft unter hängender Haut am ganzen Körper. Operationen können dies korrigieren – aber sie werden nur bedingt von den Krankenkassen übernommen. Sollte sich das ändern?

In Deutschland sind zur Zeit etwa ein Viertel der Männer und Frauen adipös. Immer mehr Menschen mit starkem Übergewicht entscheiden sich aber dazu, sich von den überschüssigen Kilos zu trennen – und das nicht nur aus gesundheitlichen, sondern auch aus ästhetischen Gründen. Doch wie geht es nach einer erfolgreichen Gewichtsabnahme weiter?

Viele der Übergewichtigen verlieren durch eine Ernährungsumstellung oder bariatrische Operationen 20 bis 40 kg, übrig bleibt viel überschüssige Haut. Die Patienten haben zwar ihr Ziel erreicht, fühlen sich in ihrem Körper aber unwohl. So steigt die Zahl von Anträgen auf körperformende Eingriffe und es stellt sich die Frage, wer die Kosten für eine solche OP tragen sollte: die Solidargemeinschaft oder die Patienten selbst?

In den letzten Jahren gibt es mehr und mehr gesundheitspolitische Maßnahmen, die Übergewicht und Adipositas entgegenwirken sollen. Zu den Zielen einer Adipositastherapie gehört neben der deutlichen Gewichtsabnahme auch, das neue Gewicht langfristig zu stabilisieren und sein Ernährungs- und Bewegungsverhalten dauerhaft zu verändern. In einigen Fällen sind auch psychotherapeutische Maßnahmen sinnvoll, um die psychologischen Hintergründe des problematischen Essverhaltens aufzuarbeiten und zu verändern.

Hängende Haut erschwert das Leben

Um das mühsam erreichte Normalgewicht zu halten, ist es für Betroffene wichtig, sich in ihrem Körper wohlzufühlen, stark hängende und überschüssige Haut ist da kontraproduktiv. „Einige haben durch Disziplin, Sport und eine Ernährungsumstellung in kurzer Zeit stark an Gewicht abgenommen“, erläutert Vincenzo Penna, Geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Plastische und Handchirurgie am Universitätsklinikum Freiburg. „Noch häufiger kommt eine massive Gewichtsabnahme jedoch nach bariatrischen Operationen vor, also Operationen zur Magenverkleinerung oder -umleitung. Manche Patienten nehmen dabei innerhalb von drei bis sechs Monaten 30 bis 50 Kilogramm ab.“ Durch diesen schnellen Gewichtsverlust hat die Haut nicht die Chance, sich wieder zu straffen und hängt dann wie eine zu weite Hülle am Körper.

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Vincenzo Penna, Experte für körperformende Operationen an der Klinik für Plastische und Handchirurgie am Universitätsklinikum Freiburg. © Universitätsklinikum Freiburg

Diese Hautüberschüsse können eine erhebliche körperliche und psychische Belastung sein. „Die Betroffenen wollen ja ihren Körper verändern. Sie wollen einerseits gesünder leben, aber auch ästhetischer aussehen“, sagt Penna. Der Hautüberschuss erinnert die Betroffenen ständig an ihr vorheriges Übergewicht, gleichzeitig fühlen sie sich nicht attraktiv und nicht wohl in ihrem Körper. Viel Selbstvertrauen geht dadurch verloren und es entstehen Schwierigkeiten, sich wieder voll in den beruflichen und privaten Alltag zu integrieren. „Das kann bei manchen so weit gehen, dass sie eine Depression entwickeln“, sagt der Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie.

Körperformende OPs können Wohlbefinden deutlich steigern

Durch sogenannte körperformende Operationen ist es möglich, die Hautüberschüsse zu beseitigen und so wieder ein relativ normales Körperbild zu erreichen. Typische Eingriffe umfassen eine Straffung der Bauchdecke, der Oberschenkel, des Gesäßes oder des gesamten Unterkörpers (Bauchdecke, Gesäß- und Flankenregion) sowie eine Straffung der Brust und der Oberarme. Solche Operationen werden mit möglichst wenigen Eingriffen durchgeführt und so gestaltet, dass möglichst kleine und wenig sichtbare Narben entstehen.

Körperformende Eingriffe können dazu beitragen, dass die Betroffenen zufriedener mit ihrem Körper sind und sich psychisch deutlich stabiler fühlen. Deshalb gehören sie zu den wichtigen Faktoren, mit denen man die Patienten motivieren kann, ihr Gewicht und eine gesunde Lebensweise langfristig beizubehalten. „Aus unserer Sicht sind körperformende Operationen deshalb auch aus psychologischen Gründen sinnvoll“, betont Penna. „Sie können zu einer Langzeitstabilisierung der Patienten und zur Förderung ihrer Gesundheit beitragen.“

Sollte also die Solidargemeinschaft die Kosten für eine OP zahlen, bei der die belastenden Hautüberschüsse entfernt werden? Ist es rein wirtschaftlich sogar sinnvoll? Schließlich sind die Patienten nicht mehr adipös, werden also nicht an den vielen Folgekrankheiten von Adipositas erkranken, und haben mit ihrer Gewichtsabnahme der Solidargemeinschaft einen Gefallen getan.

Voraussetzung für Kostenübernahme: medizinische Notwendigkeit

Der Status quo der Kostenübernahme sieht folgendermaßen aus: Operationen werden bisher nur von den Krankenkassen übernommen, wenn sie als „medizinisch notwendig“ angesehen werden. „Durch die überlappenden Hautpartien kommt es häufig zu starkem Schwitzen, zur Aufweichung des Gewebes und zu Reibung. In der Folge können Pilzbesiedlungen oder wiederkehrende Entzündungen auftreten“, erläutert Penna. Darüber hinaus können die Hautüberschusse zu Haltungsschäden führen. Sie können beim Gehen oder beim Sport hinderlich sein, aber auch beim Wasserlassen und bei sexuellen Aktivitäten. „All diese Fälle stellen eine medizinische Indikation dar“, sagt Penna. „Allerdings muss die Kostenübernahme einer Operation auch in diesen Fällen im Voraus schriftlich von der Krankenkasse bestätigt werden.“

Zur Klärung einer medizinischen Indikation wird die Krankenkasse den medizinischen Dienst der Krankenkassen einschalten. Dieser erstellt ein Gutachten, das die Entscheidungsgrundlage für die Krankenkasse darstellt. Der Patient sollte objektive Befunde sowie Stellungnahmen vom Hausarzt und von Fachärzten, etwa vom Hautarzt, Orthopäden oder Gynäkologen – und gegebenfalls auch von einem Psychologen – vorlegen. „Ein Faktor für die Kostenübernahme ist auch, seit wann das erreichte Gewicht stabil gehalten wurde“, sagt Penna. „Sinnvoll sind mindestens sechs Monate stabile Gewichtsverhältnisse.“

Liegen deutliche dermatologische Probleme vor, sind die Chancen für eine Kostenübernahme relativ gut. Auch orthopädische Probleme und funktionelle Einschränkungen (zum Beispiel beim Toilettengang) können eine Operation rechtfertigen. „Ist eine medizinische Indikation gegeben, werden die Operationskosten in der Regel übernommen“, sagt Penna. „Allerdings kann es sein, dass nur eine Straffung bestimmter Körperbereiche übernommen wird, zum Beispiel von Bauch und Oberschenkeln, aber nicht von Brust, Oberarmen oder Gesäß.“

Viel besseres Lebensgefühl nach der OP

Auch Anke T. aus Weil am Rhein war jahrelang von starkem Übergewicht betroffen – bis sie sich 2014 zu einer Magenoperation entschloss. Sie litt unter Bluthochdruck und Diabetes, die Operation wurde ohne großen Aufwand von der Krankenkasse bewilligt. Anschließend nahm die 47-Jährige insgesamt 40 Kilo ab. „Aber dann kam das Problem mit der überschüssigen Haut“, berichtet sie. „Ich hätte nicht gedacht, dass nach einer Magen-OP so große Probleme auftreten würden.“ Die überhängenden Hautpartien führten zu starkem Schwitzen und zu schmerzhaften Entzündungen am Unterbauch und an den Oberschenkeln.

Nachdem sie ihr neues Gewicht ein Jahr lang gehalten und Befunde von Ärzten gesammelt hatte, wurden ihr nach einem Antrag beim medizinischen Dienst relativ schnell Operationen der Fettschürze am Bauch und der Brüste bewilligt. Nun, nachdem die überschüssige Haut am Bauch operiert wurde, sei dies ein „viel besseres Lebensgefühl“. Auch andere würden positiv auf ihr verändertes Aussehen reagieren, was ihr neues Selbstbewusstsein gebe. „Bei mir lief alles ziemlich gut“, berichtet die Patientin. „Aber ich kenne einige, die bei der Bewilligung solcher OPs große Probleme hatten.“

Schönheitsideal der Gesellschaft spielt eine Rolle

Ob die leistungsrechtlichen Voraussetzungen zur Kostenübernahme für eine körperformende Operation gegeben seien, werde jeweils im Einzelfall entschieden, erläutert Ursula Marschall, leitende Medizinerin der Barmer, der zweitgrößten gesetzlichen Krankenkasse Deutschlands. Dies hänge in erster Linie von der Gesetzgebung, speziell dem Gemeinsamen Bundesausschuss, ab: Er schreibe vor, welche Leistungen von den Krankenkassen erstattet werden dürfen und welche nicht. „Was medizinisch notwendig ist und was Patienten als erforderlich ansehen, unterscheidet sich jedoch oft deutlich“, so Marschall. „Auch wenn sich jemand durch körperliche Auffälligkeiten – zum Beispiel Segelohren – psychisch beeinträchtigt fühlt, darf die Krankenkasse eine korrigierende Operation nicht übernehmen, weil der gesetzliche Leistungskatalog dies nicht vorsieht.“ Für eine Leistungsübernahme sei es erforderlich, dass eine erhebliche, krank machende Beeinträchtigung vom behandelnden Arzt bestätigt werde.

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Ursula Marschall, leitende Medizinerin der BARMER © Foto: BARMER

„In den letzten Jahren sehen wir eine deutliche Zunahme von Anträgen auf körperformende Operationen“, berichtet Marschall. „Das liegt natürlich auch daran, dass Adipositas und bariatrische Operationen zunehmen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch eine hohe Erwartungshaltung, wie der eigene Körper aussehen sollte, die stark mit dem Schönheitsideal unserer Gesellschaft zusammenhängt.“ Bestehe durch die Hautüberschüsse eine ausgeprägte psychische Beeinträchtigung, müsse die Notwendigkeit einer Operation im Einzelfall medizinisch dargelegt werden, etwa von einem Psychiater oder Psychotherapeuten, sagt Marschall weiter.

Psychische Ursachen oft schwer objektivierbar

„Oft ist jedoch schwer objektivierbar, dass psychische Probleme ursächlich auf die Beeinträchtigungen durch überschüssige Haut zurückzuführen sind“, sagt Penna. „Deshalb werden psychologische Gründe eher selten als alleiniger Grund für eine Kostenübernahme akzeptiert.“ Natürlich sei nicht jede körperformende Operation als medizinisch indiziert anzusehen, sagt auch der Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie. „Wenn die Brust oder die Oberarm-Innenseiten etwas hängen, ist das nicht funktionell beeinträchtigend und wäre deshalb eine ästhetische Indikation. Allerdings gibt es natürlich einen Grenzbereich zwischen medizinisch und ästhetisch, wo im Einzelfall abgewogen werden muss.“ Wichtig sei in solchen Fällen, die Gründe für oder gegen eine medizinische Notwendigkeit ausführlich mit dem Patienten zu besprechen.

Auch insgesamt sollten die Betroffenen umfassend über die Möglichkeiten, Grenzen und Risiken körperformender Operationen aufgeklärt werden. Dazu gehört auch, dass sie bereits vor einer bariatrischen Operation erfahren, dass die Folgekosten, etwa für Fettschürzen-Resektionen, nicht zwangsläufig von den Krankenkassen übernommen werden. Weiterhin sollten sie wissen, dass sich nach der Entfernung von Hautlappen Narben bilden können und dass in manchen Fällen weitere korrigierende Operationen notwendig sind. Schließlich sollte auch über mögliche Komplikationen informiert werden. So können in 10 bis 20 Prozent der Fälle Nachblutungen, Wundheilungsstörungen und Serombildung auftreten.

Hautlappen-Operationen sollten Bestandteil der Adipositas-Behandlung sein

Aus Sicht von Anke T. hat sich die Hautlappen-Operation jedoch auf jeden Fall gelohnt. „Die überhängende Haut hat einfach gestört und sie lässt sich auch nicht einfach durch Training reduzieren“, betont die 47-Jährige. Ihr Eindruck sei, dass Magenoperationen in den letzten Jahren leichter bewilligt würden – doch dann würden, vermutlich aus Kostengründen, Folge-Operationen nicht bewilligt. „Aber diese gehören aus meiner Sicht nach einer Magenoperation dazu und sind notwendig, um die normale Körperform wiederherzustellen“, sagt die Patientin. „Da sollten die Krankenkassen ihr Vorgehen wirklich überdenken.“

Auch in der deutschen Leitlinie zur Chirurgie der Adipositas wird gefordert, dass die plastische Chirurgie nach erfolgreicher Gewichtsabnahme Teil des Behandlungskonzepts der Adipositas sein sollte. Bisher sei die wissenschaftliche Evidenz zum Nutzen solcher Operationen jedoch noch nicht ausreichend hoch, heißt es in einem Artikel im Deutschen Ärzteblatt. Deshalb seien weitere Studien notwendig, um den Nutzen körperformender Eingriffe auch wissenschaftlich ausreichend zu belegen. Möglicherweise könnte das dazu beitragen, dass die Kosten in Zukunft häufiger von den Krankenkassen übernommen werden.

48 Wertungen (4.48 ø)
Bildquelle: Yana Mishina, wikimedia / Lizenz: CC0

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40 Kommentare:

Christiane Lücker
Christiane Lücker

AD Beitrag 22- eine Sektio ist eigentlich eine rein med. Indikation- kein ” ich wünsch mir was!”- und dazu dar fes auch nicht verkommen.

Auch in der GKV ist es immer ine Einzelfall Entscheidung, ob und in welchem Umfang plastische Chirurgie erfolgt. Eine Generalisierte Ablehnung gibt es auch hier nicht.

Hinweis parallel- Entwicklung Zuckerkonsum- Adipositas- KHK- diabetes- Karies…-
In den letzten 200 Jahren hat sich der Zuckerkonsum/ Kopf ver- 25 – facht. Anpassung ist in so kurzer Zeit natürlich nicht möglich.
70-80 % des Zuckers werden industriell verarbeitet und in fast allen Lebensmitteln versteckt.
die negativen Effekte von Zucker auf die Gesundheit sind seit den 60- iger Jahren wissenschaftlich bekannt- wurden aber von der Zuckerlobby negiert, Infos wurden und werden unterdrückt, Wissenschaftler verunglimpft, manipuliert…- s. Tabaklobby.

Tatsache ist, Zucker ist genauso schädlich wie Tabak, würde heutzutage nicht mehr als Nahrungszusatz erlaubt.

Empfehle die Lektüre: “Pur- weiß- tödlich” von Dr. J. Yudkin,
und “Die bittere Wahrheit über Zucker” von Dr. Rob. Lustig-

endlich mal wissenschaftlich- med. fundierte Stellungnahmen zu Ernährung…
erst lesen- dann diskutieren.

Wenn Zucker weitgehend reduziert würde, würden wir über Bodylifts wahrscheinlich kaum noch sprechen…

Empfehle die Lektüre

#40 |
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Christiane Lücker
Christiane Lücker

Im Gegensatz zu ihnen, Fr. Stud. med. Soisch, finde ich die Beiträge überwiegend sachlich und fachlich orientiert.
Im Gegensatz zu ihrer ” ich bin ja als Einzige emotional angemessen betroffen und in der Lage mit jedwedem Opfer der Gesellschaft,…, mitzufühlen, verurteile daher alle anderen – und lasse das natürlich auch jeden wissen”- Phrasendrescherei!!!
Ich hoffe sowohl für sie selber, als auch ihre zukünftigen Patienten und Kollegen, das sie es schaffen, von ihrem ” hohen Ross” herunter zu kommen und sich sachlich und qualifiziert an Diskussionen beteiligen.

#39 |
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Studentin der Humanmedizin

Man sollte meinen, Diskussionsteilnehmer dieser Webseite sind zumindest weitestgehend reflektiert und zeigen wenigstens etwas Empathie, da sie in ihrem Beruf ja nicht selten mit Menschen zu tun haben. Leider treffen diese Eigenschaften immer seltener zu. So erschrecken mich immer wieder Kommentare zu diversen Artikeln, dass ich mich wirklich Frage, woher das Gerücht kommt, Akademiker hätten im Großen und Ganzen Niveau? Denn dies spiegelt sich in solchen Beiträgen, die sich nur in der Wortwahl von denen eines Prolls unterscheiden, gar nicht wider.
Vielleicht sind ja auch viele derjenigen, die sinnvolle Beiträge leisten könnten, es einfach leid geworden, sich an solchen Diskussionen zu beteiligen? Schade!

#38 |
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Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA)

#35 nein, wer 60kg und mehr abnimmt, dessen Haut wird sich niemals zurückbilden. Die Haut ist nicht endlos dehnfähig und leiert auch irgendwann aus, wo Risse im Gewebe sind, erst recht nicht und die sind fast immer vielzählig vorhanden. Zudem ist es eben nicht nur gedehnte Haut, sondern auch zusätzlich gebildete Haut die man nur manuell entfernen kann.
Das Bindegewebe ist individuell verschieden.

#37 |
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Eva
Eva

@32+33: Dass Adipositas multifaktorielle Ursachen zugrunde liegen können, da sind wir uns einig. Ebenso darüber, dass das Leben zu manchen Menschen “gemeiner” ist als zu anderen. Wobei auch dieses einer individuellen Auffassung entspringen kann; die von vielen beneideten “Dünnen” hätten so manches Mal auch gerne mehr Kurven oder mehr sichtbaren Trainingserfolg.
Wenn wir anfangen über Lebenssituationen zu reden, müssten wir eine Vielzahl von Hormonen mit einbeziehen von Ghrelin und Cortisol über Melatonin und Oxytocin bis zu Insulin und auch dann wäre noch nicht alles ge- und erklärt.
Träfe man eine allgemeingültige Regelung zu bezahlen oder auch nicht, wäre es für einige objektiv betrachtet nicht fair. Wählten wir eine Einzelfallentscheidung, würden sich mit Sicherheit wiederum viele ungerecht behandelt fühlen und hätten auch gute Argumente, die z.T. öffentlichkeitswirksam vertreten würden. Setzen wir also eine Kommission, evtl. sogar mit wechselnden Mitgliedern ein; fände dies die Zustimmung der Solidargemeinschaft der Beitragszahler?
Worauf ich hinaus will, ist, dass bei keinem, auch nicht diesem Thema, eine absolute, für alle befriedigende Lösung geben kann. Es gibt wie bei allem anderen auch Wahrscheinlichkeiten für positive und negative Konsequenzen, aber keine Garantien.
Was bleibt uns also an Handlungsoptionen übrig? Da ist ein Mensch, der erstmal viel Stärke bewiesen hat. Ob das anhält, kann lediglich vage prognostiziert werden. Negative Konsequenzen nach OP und erneuter Gewichtszunahme wiederum sind ebenso wahrscheinlich, (s.#11 Dr. Pauly) wie die OP dann nutzlos gewesen wäre. Wenn eine medizinische Indikation nicht gegeben ist, was spräche sonst noch gegen eine gewisse “Bewährungszeit”, die auch als Anreiz zum Halten und Ausbauen der neuen Statur positiv genutzt werden könnte?

#36 |
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Ulrike Kellner-Goodwin
Ulrike Kellner-Goodwin

Ich denke die Krankenkassen sollten die Kosten körperformender OPs nur übernehmen, wenn ausgesundheitlichen Gründen sehr viel Gewicht in sehr kurzer Zeit abgenommen werden muss. Alle anderen können so moderat abnehmen, dass die Haut sich mitumbilden kann. Kalorienaufnahme über Grundumsatz und unter Gesamtumsatz führt zu Gewichtsabnahme in langsamem Tempo und ermöglicht eine Ernährungsumstellung, die den Menschen in die Gewohnheit übergeht. Auch das ist ja wichtig.

#35 |
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Studentin der Humanmedizin

Prävention durch Sport???

Kenne eine gehörige Reihe Menschen, die eine sitzende Tätigkeit haben und in ihrer Freizeit noch an ihren PCs hocken, doch dabei spindeldürr bleiben, und Menschen, die sehr viel körperliche Kraft und Ausdauer auf der Arbeit brauchen und in ihrer Freizeit tanzen, dabei jedoch adipös bleiben.

Wie sagt man das so schön? “Um die Freundschaften und das Gewicht zu erhalten muss man vor allem eins: Mund rechtzeitig ZU machen”.

Sehr wirksame Prävention ;)

#34 |
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Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA)

#31 ich denke Frau Stern wollte eher darauf hinaus das viele heute gut 9 Stunden am Tag im Büro sitzen. Nicht Arbeit leisten an und für sich. Kinder, Haushalt, Garten hat schon das 10-fache an Bewegung. Der Durchschnittsdeutsche ist zwar heute 10-12 Stunden außer Haus aber ohne sich dabei wirklich zu bewegen und muss danach erstmal alle seine Sachen erledigen und geht dann ins Bett. Nutzbare Freizeit gibt es oft erst am Wochenende, anstatt regelmäßig innerhalb der Woche. Inzwischen wird vielerorts ausschließlich extrem viel reine Kopfarbeit gefordert, mit Leistungsdruck und ohne Bewegung. Heißt zum Bewegungsmangel kommen dann auch noch schnelle Kohlenhydrate für den Kopf hinzu. Noch vor einigen Jahren gab es das nicht über längere Zeiträume hinweg. Da waren Arbeitszeiten und -umstände völlig anders, was sich auch deutlich im Familienleben wiederspiegelt.

#33 |
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Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA)

Sobald das eine medizinische Indikation hat, hat es auch bezahlt zu werden wie alles andere. Ansonsten darf bald gar keine Behandlung mehr bezahlt ohne Nachweis das es nicht eigenverschuldet ist. Es gibt Kassen die homoöp. Mittel zu Werbezwecken bezahlen aber einige medizinisch notwendige OP’s müssen erkämpft werden, hier läuft gewaltig was schief im System.
Wer so viel Gewicht verliert, das sich wirkliche Hautlappen bilden, der hatte das Übergewicht sicherlich nicht nur weil er gerne Schokolade im Büro isst, denn das wären nicht mehr als max 10-15kg Übergewicht. Das ist sicherlich auch ein Mitgrund dafür weshalb einige nach der Abnahme ein paar Jahre später wieder zunehmen. Das Grundproblem wurde weder beachtet, noch behoben weil sich niemand darum schert. Hauptsache das Symptom ist weg.
Ja, es gibt häufig Fehlernährung und Bewegungsmangel aber das ist nicht die einzig mögliche Ursache. Ein gesunder Körper würde solche Extreme nicht zulassen, sondern mit Appettitverlust oder Bewegungsdrang gegensteuern.
Einige hier haben sehr seltsame Einstellungen. Einerseits werden adipöse Menschen diskriminiert, vorverurteilt, beschuldigt und oft mit dem Problem alleine gelassen. Wenn sie es dann doch irgendwann/-wie geschafft haben zu erreichen was von ihnen gefordert wurde, werden sie mit den resultierenden Problemen aber auch wieder alleine gelassen und immernoch beschimpft und jetzt wird Ihnen sogar notwendige medizinische Behandlung untersagt. Mit welchem Grund? (vorher wären dadurch entstandene Probleme wie Diabetes, Bluthochdruck, Atemprobleme usw aber alle bezahlt worden.)

#32 |
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Eva
Eva

Nennen Sie mir eine Epoche in welcher die Menschen weniger als 10 Stunden am Tag gearbeitet haben, inclusive Haushalt, Kinder, Papierkram, Reparaturen in und um’s Haus, Hühnerhaltung und Garten inklusive. Nicht, dass ich’s perfekt fände, aber -sorry- zu schlicht gedacht.

#31 |
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Nichtmedizinische Berufe

Man muss wie alles, auch dieses Thema differenziert betrachten. In Zeiten, wo Menschen 60 Stunde die Woche arbeiten und rund um Uhr arbeiten, funktionieren viele Regelsysteme nicht mehr, auch nicht mehr die von Darm und Gehirn.

Danke Herrn Tomczak für seine differenzierte Herangehensweise.

Auf dem Niveau von Herrn Licht, sollte diese Diskussion nicht geführt werden.

#30 |
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Eva
Eva

Die Ursache vieler Probleme liegt m.E. nach im laisser-faire-Stil der modernen Zeit. Es gibt sie nicht mehr, die existenzgefährdende Not, die Regeln not-wendig macht. Tisch- und Eßsitten sind kaum noch existent, es fehlt die Messlatte für Zeiten und Mengen. Gegessen wurde früher 3x tgl. plus Pausenbrot. Die Tassen waren winzig, die Eßteller von früher würden heute als Kuchenteller durchgehen. Ich habe eben nachgemessen: Durchmesser der Eßteller meiner Großeltern 21,8cm; mein modernes Geschirr 24,2cm. Man durfte nicht beim Fernsehen oder bei den Hausaufgaben essen, usw. An welchen Maßstäben entlang sollen sich die Kinder denn heute einregulieren können?

#29 |
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Nichtmedizinische Berufe

Beitrag 23 , Dr.Neumann, ich habe das Problem gottseidank nicht, wäre ich aber sofort einverstanden – und sie würden staunen, wie wenig Geld das ist. Nicht umsonst sind oft finanziell schlecht gestellte Menschen, die wenig Budget für Essen haben, dick.

#28 |
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Dipl.Sportlehrer Joerg Tomczak
Dipl.Sportlehrer Joerg Tomczak

Viele der wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der aktuellen Forschung spielen in den Kommentaren leider keine Rolle. Die enge Verknüpfung von Gehirn und Verdauungstrakt sowie die massiven hormonellen Fehlsteuerungen sind noch nicht endgültig bekannt. Wesentlich für diese Diskussion ist jedoch bereits anzukündigen, dass das Essverhalten und damit auch die “Adipositas” primär keinesfalls dem “freien Willen” unterliegen. Deutlicher ausgedrückt: Fürs DICKSEIN kann der Einzelne gar keine Eigenverantwortung übernehmen. Es liegt gar nicht in seiner Macht. So stark ist unsere Willenskraft nicht, um gegen die unbewussten nervösen und hormonellen Steuerungen anzukommen!

Zusammengefasst müssen die medizinischen “Profis” also aktuell resümieren, dass es noch nicht gelungen ist eine “Diätform” als Therapie zur dauerhaften Gewichtsreduktion zu entwickeln. Auch gibt es noch keine Medikation. Die Medizin scheidet logischerweise als wissender Fachberater zu diesem Thema aus! Der Irrsinn dieses medizinischen Unwissens zeigt sich in der rasanten Zunahme von bariatrischen OPs, die als “Hilfe in der Not” dargestellt werden. Folgerichtig scheint dann natürlich auch eine weitere “körperformende OP” logisch.

Wir diskutieren also hier auf dem Niveau wie etwa bei der Welthungerhilfe. Natürlich stellen wir einem verhungernden Menschen Nahrung zur Verfügung stellen. Natürlich existiert ein Leidensdruck bei den Menschen mit übergroßen Hautfalten.

Was wir brauchen sind wissenschaftliche Erkenntnisse. Dann können wir nach menschlich verträglichen Lösungen suchen… und werden sie auch finden. Die Frage ist: WER ENGAGIERT SICH WISSENSCHAFTLICH? Im Vergleich zu den wissenschaftlich nicht fundierten medizinischen Therapeuten vergleichsweise WENIGE.
Da sieht man wo das Geld verdient wird. Also, worüber reden wir hier nochmal?

#27 |
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Medizinjournalist

Erst fressen und saufen lassen und dann als Belohnung die Probleme und Folgen auf die Solidarität abwälzen. Wir benötigen dringend eine Korrektur der Solidarleistungen. Es muss eine Selbstverpflichtung für gesundheitlich sinnvolles Verhalten eingerechnet werden. Nur Abschreckung hat eine Chance, dass nicht alle auf Kosten jeden denkbaren Lebensstil und dessen Folgen auf die Gemeinschaft verlagern. Mensch muss wissen, was er sich antut, wenn er sich antut, was er sich antut. Sonst verlieren wir die Achtung vor dem Leben endgültig. Wir sind schon viel zu weit vorgerückt. Der Medizinmarkt konditioniert die gesamte Bevölkerung in die falsche Richtung: ein wenig Salbe und die Oma springt. Ohne Salbe springt die Oma, wenn sie sich ein Leben lang Ihres Körpers richtig und achtsam bedient und nicht wie ein Fahrzeug behandelt, das man mit Ersatzteilen reparieren kann. Die Medizin hat vor lauter Arroganz, alles besser zu wissen, die nachhaltige Tendenz etabliert, alles von anderen machen zu lassen und durch erfolgreiche Übertragung der Selbstverantwortung des Einzelnen an Krankendings- und Krankenbums uns alle erst in diese Lage gebracht.

#26 |
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Weitere medizinische Berufe

Von meiner Versicherung wird die OP in begründeten Ausnahmefällen übernommen. Jede Anfrage wird einzeln geprüft und bewertet. So sollte es auch im Bereich der GKV sein. Eine pauschale Ablehnung halte ich für nicht gerechtfertigt.

#25 |
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Dieter Grotjahn
Dieter Grotjahn

evolutionäre Folgen für eine Gesellschaft, die sich mit absurdem Tempo von einer artgerechten Lebensweise entfernt: mit der “Kopf unten”-Generation rollt die nächste Welle auf uns zu.

#24 |
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Dr. med. Jürgen Neumann
Dr. med. Jürgen Neumann

Bei der Diskussion, um die Fianzierung etwaiger operativer Masnahmen , sollte der Betroffene zumindest mit der Summe beteiligt werden, welche durch die jetzt verminderte Nahrungsaufnahme eingespart wird.

#23 |
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Gast
Gast

Jetzt möchte ich auch mal polemisch werden: wenn man sagt jeder hat sein Übergewicht ja selbst verursacht und muss dafür, oder die Korrektur, selber aufkommen könnte man ja auch fragen: warum bekommt jede schwangere Frau, die es wünscht, auch wenn medizinisch nicht notwendig, einen Kaiserschnitt = teuerste Art der Entbindung, hat sie ja auch selber verursacht, hätte ja verhüten können……..

#22 |
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1337
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@Christiane Lücker und Andere:

transsexuelle Chirurgie bewegt sich übrigens locker im Bereich von +/i 100.000 Euro, insb. wenn genitalangleichende Maßnahmen vorgenommen werden. Ich kenne Leute, die lassen sich alle 2 Jahre operieren, nur weil eine Hautfalte an einer gewissen Körperstelle verblasst ist und das kostet dann mal locker 10.000 Euro, weil jedes Mal eine Vollhauttransplantation gemacht wird… Einige Eingriffe darunter sind rein ästhetischer Natur. Und da wird nicht so intensiv nachgefragt. Das wird einfach gemacht. Ich gönne es den betroffenen Menschen- sie haben einen hohen Leidensdruck und da ist eine bestmögliche Angleichung an die Geschlechtsidentität im höchsten Maße psychisch entlastend. Aber: die Hautlappenchirurgie ist dagegen, aus finanzieller Sicht, “peanuts”. Es sagt niemand, dass jetzt jeder ehemals adipöser Patient eine solche OP bekommen soll. Es geht darum, dass diejenigen, die wirklich Probleme haben, nicht noch Ewigkeiten betteln müssen. Wenn man die einen für ihr Schicksal verantwortlich macht (adipöse Menschen), dann muss man auch die anderen für ihr Schicksal verantwortlich machen (Raucher, Risikosportler, verunfallte Motorradfahrer, Alkoholiker –> eine Lebertransplantation ist z.B. auch nicht billig!). Darüber hinaus kann man auch der Gesellschaft einen Vorwurf machen- wir leben nicht gerade eine Kultur der gesunden Ernährung und Bewegung vor, vor allem weil die Rahmenbedingungen ungünstig sind. Unser Leben ist auf Leistung getrimmt. Das beginnt schon in der Schule- da gibt es meistens max. 1x Schulsport pro Woche und kaum Anreize, in der Freizeit Sport zu treiben- man muss ja schließlich Turboabi machen. Später an der Arbeit geht es dann so weiter. Wenn man Pech hat, muss man sich im Job buckeln, kommt mit den Nerven am Ende nach Hause und dann soll man sich noch bewegen. Unsere Gesellschaft müsste Bewegung und gesunde Ernährung viel mehr fördern. Was lernt man schon in der Schule über gesunde Ernährung? Gar nichts. Man lernt mathematisch zu integrieren oder lernt sinnfreie Gedichte auswendig, aber kann am Ende der Schullaufbahn nicht mal Nudeln kochen, wenn es einem niemand zeigt. Es ist immer einfach mit den Finger auf andere zu zeigen. Aber man sollte auch mal an sich selbst herunter schauen. (Dast) jeder von uns hat irgendeine Angewohnheit, die ungesund ist.

#21 |
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Heilpraktikerin

Wichtig ist das WIE der Gewichtsreduktion. Begleitet mit klug ausgewählten hochwertigen Vitalstoffen, die z.T. auch bindegewebsstraffend wirken, bleiben keine Fettschürzen zurück.

#20 |
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Christiane Lücker
Christiane Lücker

Apropo: eine relevante psychische Erkrankung, insbesondere Essstörung, ist durch den behand. Psychiater vor einem bariatrischen Eingriff auszuschließen!!!

Und nein, die meisten, die bariatrische Eingriffe beantragen, haben weder endokrinologische Probleme ( auch die sind vorher auszuschließen), noch relevante psych. Probleme.

Fast immer ist es die Kombination aus viel sitzen und viel essen( LKW- Fahrer, Bürotätigkeit…)

Und zu dem Vergleich: Alkis, Raucher, Selbstverletzer, …- sie kriegen ja den Reha- Sport, die Psychotherapie, die Ernährungsberatung und wenn all das nicht hilft, den bariatrischen Eingriff bezahlt, und auch mal den plastischen Eingriff wenn die Vorraussetzungen vorliegen.
Also – wo bitte-ist da die Ungleichbehandlung?

#19 |
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Angela Schwetlick
Angela Schwetlick

Ach ja, da waren sie wieder, all die altbekannten Vorurteile.

Ich kämpfe seit mehr als 20Jahren mit meinem Gewicht. Nutze eine Ernährungsapp. Und ja, leider schaffe ich nicht immer diszipliniert zu essen. Dafür renne ich Ca. 3x wöchentlich zum Sport, Ausdauer und Krafttraining. Ab und an gebe ich mir sogar Bootcamps, wo den ganzen Tag trainiert wird. Dennoch, der BMI ist zu hoch.

Die meisten Ünergewichtigen haben fast jede Modediät durch. Und danach noch ein paar Kilo mehr drauf gepackt, als vorher da waren. Sind sie also wirklich einfach nur undiszipliniert?

Und wenn ich in der Eisdiele eine dicken Menschen ein Eis essen sehe, woher weiß ich, ob es nicht das erste Eis seit Monaten ist? Wenn ich auf’s Kassenband schaue, weiß ich auch nicht, in er/sie alles nur für sich einkauft.

Ich versuche mich täglich vernünftig und gesund zu ernähren. Aber wenn man mal eine Ernährungsumstellung zwecks Gewichtsabnahme gemacht hat wird einem klar, dass diese für’s ganze Leben sein sollte und irgendwann, merkt man, dass die noch verdammt lang ist… Wie viele Raucher, Alkis schaffen es nicht, ihren Suchtstoff aufzugeben? Das scheint schon echt schwer zu sein. Ich muss aber meinen Suchtstoff noch ins Leben integrieren… macht’s echt nicht leichter…

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Christiane Lücker
Christiane Lücker

Also ad 1 : Über die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland ist übergewichtig, fast ein Viertel ist sogar krankhaft übergewichtig (adipös). Bei den Kindern und Jugendlichen sind rund 15 Prozent übergewichtig, sechs Prozent sind bereits adipös. V. a. die Gruppe der adipösen und stark adipösen Menschen wächst.

20- 40 kg Gewichtsabnahme ist nicht besonders viel- und man sieht es der Haut oft noch nicht einmal an- meist auch nicht nach 80 oder 100 kg Gewichtsabnahme!!! Man muß sich den einzelnen ansehen, nicht verallgeminern.

Das Ausmaß der Hauterschlaffung hängt von der genet. Disposition des Bindegewebes, den sonst. Noxen( Nikotin und UV), der Dauer der Adipositas, der Menge an Schwangerschaften mit drastischen Gewichtszunahmen, der Menge an auf und ab des Gewichtes ab…

Abnehmen ist noch relativ leicht, das Gewicht halten viel schwerer. Sehr viele nehmen wieder zu – bei kons. Massnahmen > 90 % innerhalb 1 Jahres.
Nach bariatrischen Eingriffen 20- 30% ( Jojo- Effekt durch Rückfall in altes Essverhalten), daher alle plastischen Eingriffe frühestens nach 2 Jahren.

Und dann sollte natürlich nur das operiert werden, was wirklich einen Befund von Krankheitswert aufweist, zum einen wegen der Operationsrisiken, aber natürlich auch der Kosten, die die Solidargemeinschaft trägt:
der unkomplizierte bariatrische Eingriff kostet ca. 7000- 10.000 Euro, zusätzlich das Krankengeld, plast. Eingriffe kosten ab 10.000 Euro aufwärts plus erneute AU- Zeiten,…….

Wenn man den “Bodylift für alle, die mal abgenommen haben” für gerechtfertigt hält,
dann wäre es nur fair, auch alle Menschen “Ganzkörper- zu liften”, die durch Alterung Falten bekommen, deren Brüste, Augenlider, … hängen, weil das mit zunehmendem Alter nun mal ganz natürlich so ist.

Das ist finanziell einfach nicht zu realisieren.

Und Eigenverantwortung gehört dazu! Zwangsgefüttert wurde keiner!!!

Auch Infos über die schädliche Wirkung von Zucker gibt es inzwischen genügend, den Benefit von Sport kennt auch jeder…

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Ich finde es interessant und erschreckend zugleich, wie in solchen Diskussionen mit zweierlei Maß gemessen wird. Natürlich haben viele adipöse Menschen gegebenenfalls durch ihr Verhalten auch zu ihrem Gewicht beitragen. Oft sind das aber tatsächlich Entgleisungen, die auch auf psychischischen Gründen basieren- Mobbing, Depressionen, vorangegangene Essstörungen, etc. Es ist ähnlich, wie bei der Frage, was zuerst da war- die Henne oder das Ei. Ich glaube nicht, dass es zielführend ist, den adipösen bzw. ehemals adipösen Menschen Vorwürfe zu machen. Wenn sie den Mut und die Kraft aufbringen, sich entgegen aller Widerstände (inkl. der Tatsache, dass der Körper sich seine verlorenen Kilos immer ganz gerne zurückholt- egal, wie pathologisch sie waren!) dazu entscheiden Gewicht zu verlieren und dies auch tun und über einen ausreichend langen Zeitraum halten, so finde ich schon, dass die Allgemeinheit für Hautlappenoperationen aufkommen könnte. Ich hätte jedenfalls kein Problem damit. Es werden genug andere und sinnlosere OPs bezahlt, die teilweise deutlich teurer sind. Ansonsten müsste man, wie hier bereits angeklungen ist, auch den Rauchern, Motorradfahrern, Risikosportlern, Drogengebrauchern etc. die Behandlung verweigern und das wäre auch ziemlich unethisch. Das Risiko eines Rückfalls besteht immer- aber der ehemalige Alkoholabhängige gibt Ihnen auch keine Garantie, dass er nicht, nach aufwendigen und ziemlich teuren Entzugsmaßnahmen und psychotherapeutischen Behandlungen, Jahre später nicht wieder rückfällig wird. Wenn jemand so viel abgenommen hat, dann sollte er aus meiner Sicht dafür auch belohnt werden. Ich würde nicht wollen, dass man mir bis ans Ende meiner Tage ansehen kann, dass ich mal adipös war. Und manchmal wird man auch aus Gründen adipös, die man selbst nicht steuern kann, z.B. durch metabolische Erkrankungen oder medikamentöse Behandlungen. Hinzu kommt auch, dass man, wenn man solche OPs bewilligt, nicht nur dem Betroffenen selbst einen Gefallen tut, sondern am Ende auch irgendwie der Gesellschaft, weil es durchaus sein kann, dass man unter seinem körperlichen Zustand irgendwann einmal so leidet, dass man psychisch nicht mehr dazu in der Lage ist, ein normales Leben zu leben und eins kann ich versprechen- wiederholte Aufenthalte in psychiatrischen Einrichtungen, Psychopharmatherapie, Psychotherapie etc. sind nicht unbedingt günstiger für die Allgemeinheit, als eine OP. Ich kenne einige transsexuelle Menschen- ich gönne ihnen ihre OPs- aber viele dieser OPs sind auch am Ende nur noch ästhetischer Natur und sie werden auch von den Krankenkassen bewilligt. Ich fände es ungerecht, wenn man einer Gruppe von Menschen ästhetisch-motivierte OPs bezahlt, der anderen aber vorenthält.

#16 |
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Gast X
Gast X

Hier über das Ausmaß der Eigenverantwortlichkeit bei Übergewicht zu diskutieren geht eigentlich am Thema vorbei. Die Patienten um die es hier geht haben (mit oder ohne bariatrische OP) eine gewaltige Gewichtsreduktion erreicht die hoffentlich auch eine dauerhafte Lebensstiländerung mit viel Bewegung und ausgewogener Ernährung (welche keineswegs teurer als ungesunde Ernährung ist) beinhaltet. Diesen Menschen kann man nur gratulieren und Respekt zollen. Man sollte ihre eigene Vorleistung anerkennen und sie unterstützen und dazu gehört meiner Ansicht nach auch eine Hautlappen-OP falls gewünscht. Das ist immer noch billiger und sinnvoller als nutzlose Bonusheftchen oder anhaltende Gewichtsprobleme.

#15 |
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Nichtmedizinische Berufe

Gast 3 und Gast 8, die einzigen Kommentare , die frei von Überlegenheit und Häme waren, danke dafür.
Ich selbst habe in meinem Erwachsenenleben schon zwischen 38 und 110 Kilo gewogen.
Ich bin da “reingerutscht”, erst durch eine Anorexie, dann durch eine Gewichtszunahme durch atypische Neuroleptika. Gerade das Gefühl, das alles nicht mehr steuern zu können, unter dem habe ich fürchterlich gelitten, war ratlos, wusste auch gar nicht, was ich machen sollte.
Kommentare wie 1 habe ich genug zu hören bekommen: “Von nix kommt nix” etc., leider auch von Ärzten (Psychiatern).
Zu den OPs: Wenn jemand gesundheitliche Probleme hat, muss geholfen werden. Psychische Probleme werden nicht ausreichend sein, weil man die wegen allem möglichen bekommen kann, auch eine zu große Nase oder zu dicke Oberschenkel. Aber Probleme beim Laufen, Toilettengang etc. das müssten Indikationen sein.
Wie ist es eigentlich bei Schlupflidern, wenn die Sicht behindert ist? Ist das eine Kassenleistung?

#14 |
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Joachim Bedynek
Joachim Bedynek

Frau Dr. Pauly, das sehe ich ebenfalls so. Mindestens zwei Jahre Wartezeit um genetische Anlage oder Charakterschwäche auszuschgließen.
Tägliches Dusche und Trockenföhnen wirken Wunder! Sonst Auto abschaffen und kein Urlaub.

#13 |
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Dr. med. Dieter Mehlhorn
Dr. med. Dieter Mehlhorn

Um keine falsche Diskussion aufkommen zu lassen: Mein Kommentar //1 bezieht sich nur auf 90% der Übergewichtigen. Die restlichen 10% sind leider krankheitsbedingt. Hier bedarf es kausaler Therapie.

#12 |
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Dr. med. Antje Pauly
Dr. med. Antje Pauly

Wichtig ist meiner Meinung nach eine ausreichend lange Phase der Gewichtsstabilität. Ich kenne mehrere Pat. nach bariatirscher Op, die 2-3 J. später wieder massiv zugenommen haben, davon 2, denen zuvor eine Korrektur der Fettschürze von der GKV bezahlt wurde. Die nciht ausreichned dehnungsfähigen Narben führen nun selber zu tief liegenden Narben mit Hautproblemen. Gibt es Studien, wieviel Prozent der Pat. mit bariatrischer OP 5-10 J. später wieder zugenommen haben?

#11 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

Sicher hilft ein Schwarz-Weiß-Denken nicht weiter. Selbstverständlich kann Adipositas durch andere Erkrankungen, Hormonverschiebungen, Medikamente etc. begünstigt werden. Daher sollte bei entsprechenden OP’s ein Antrag auf Kostenübernahme gestellt werden müssen und ein Gutachten eingeholt werden. Ich schaue meist auf das Band im Supermarkt oder das Tischchen in der Eisdiele, was Adipöse sich da antun. Den Supermarkt und den Konditor für die Kilos verantwortlich machen wäre eine Sache, Eigenverantwortung ist eine andere.
Unser Büro befindet sich im 1. OG. Wer nimmt den Aufzug? meist BMI 30+ . So wundert es in den eigenen Reihen nicht. Dann kommt das Argument, dass die Treppen zu anstengend sind, weil so viel Gewicht hochgewuchtet werden muss. Einfach alles der Solidargemeinschaft anlasten überfordert die Systeme.
Sicher haben die Kassen auch Kosten für selbstverschuldete Krankheiten zu übernehmen. Dabei wäre es einfach, die Alkohol- und Tabaksteuer 1:1 in den Gesundheitsfond fließen zu lassen und Unfälle aus den GKV-Leistungen in private (Pflicht)-Unfallversicherungen zu verschieben.

#10 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Von der GKV werden ja auch sonstige “selbstverschuldete” Erkrankungen, Sportunfälle, Motorradunfälle und Suchtfolgen, wie Bronchialkarzinome, Zungentumore etc. von starken Rauchern bezahlt. Da müsste ich als Nichtraucher, Nichtmotorradfahrer und auch Nichtrisikosportler auch ein Veto einlegen, dass dies zu Lasten der Allgemeinheit abgerechnet wird…

#9 |
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Gast
Gast

Es gibt z.B. genügend Fälle von ungewollter Gewichtszunahme bei Burnout und Depressionen u. a. auch durch Medikation mit sedierenden Antidepressiva. Im Vordergrund der Behandlungen steht die “Heilung” der psychischen Krankheit. Über die Gewichtszunahme wird sich oftmals aus therapeutischer Sicht keine Gedanken gemacht. Gilt der Patient psychisch als “geheilt”, wird er mit seinem Übergewicht und etlichen anderen Problemen oftmals alleine gelassen. Mich stört in den ewigen Übergewicht-Diskussionen immer, dass man erst einmal davon ausgeht, dass sich der adipöse Mensch die Pfunde aus freien Stücken und durch ungesunde Ernährungsweise “angegessen” hat. Es gibt in der Tat darüber hinaus auch genügend Therapeuten, die selbst unter Übergewicht leiden. Das kommt oftmals durch das unregelmäßige/falsche Essen aufgrund des anstrengenden Jobs zustande. Wir sollten mehr Verständnis füreinander zeigen. Letztendlich wird unsere Gesellschaft mit Fertigprodukten und Fastfood förmlich in die Adipositas-Falle gelockt. Und auch da frage ich mich, wer das verantwortet? Die Politik? Die Lebensmittelkonzerne? Der Verbraucher? Tragen wir nicht alle gemeinsam daran Schuld? Und wenn ja, … sollten wir alle dazu beitragen, es zu ändern!
Freundliche Grüße aus dem Bereich der Naturheilkunde

#8 |
  6
Svenja
Svenja

Ich habe eine BH Größe von J/K, extreme Rückenprobleme (leicht krumm bereits) sowie häufige Entzündungen unter der Brust. Ich nehme gerade ab und schon jetzt reizt die Haut unten am Schambereich sehr stark, ist stets Feuerrot und brennt. Hat sich an der Bauchfalte einmal stark entzündet und ein Abszess gebildet, das aufgeschnitten werden musste.
Innenschenkel reiben jedes Mal stark, im Sommer. Teilweise knallrot und ich kann nicht so laufen. Brennt furchtbar!
Es wäre jedoch ein Glücksfall, wenn die Kk das übernimmt …

#7 |
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In genau so einem Fall – Hautlappen-OP nach Adipositas – hat ein spezialisierter Rechtsanwalt einen Fall für eine Patientin gegen eine GKV gewonnen, und zwar vor dem als “klägerfeindlichsten Landessozialgericht Deutschlands” apostrophierten LSG in xx. Unter den Hautlappen hatten sich Mykosen gebildet, die GKV wollte aber trotzdem nicht bezahlen.
Die Namen darf ich ja hier vermutlich nicht nennen.
Mit freundlichen Grüßen
Katharina Gutsche

#6 |
  3
Ralf Schambach
Ralf Schambach

Es ist doch wieder schön, daß politisch korrekte Gastkommentatoren anders denkende als “ewig gestrige” bezeichnen. Und jeder adipöse ist suchtkrank oder hat eine andere Erkrankung, die zur Adipositas führt….
Ja, das gibt es. Aber alle????
Und die bewußt falsche Ernährung mit Bewegungsmangel ist es nie.
Dann schauen sie mal beim nächsten Einkauf bei Adipösen in den Einkaufswagen….

Aber wahrscheinlich war das auch politisch unkorrekt.

#5 |
  22
Anja
Anja

Das Ding ist ja auch, dass meiner Meinung nach gesundes, obst- und gemüselastiges Essen (hochwertiges Biofleisch, gesunde Öle, Nüsse…) um einiges teurer ist, als wenn ich mir nur 500 g Toast mit Nutella schmiere…

#4 |
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Gast
Gast

Schwere Adipositas ist häufig eine chronifizierte Essstörung. Dahin kommt man nicht aus freiem Willen. Es handelt sich oft um eine schwere psychische Erkrankung. Dies wird immer noch sehr gern übersehen.

Wenn man das als “Charakterfehler” einstuft, so wie immer noch genügend ewig gestrige Kollegen das auch mit sämtlichen anderen Suchterkrankungen tun, ist natürlich die Mehrzufuhr von Kalorien aus freien Stücken gewählt und sind daher die Behandlung der Folgen nicht von der Solidargemeinschaft zu tragen.
Wie auch die Behandlung aller anderen Suchterkrankungen.

Es gibt genügend Hinweise auf eine Dysregulation des Serotoninstoffwechsels bei Essstörungen. Wie bei allen anderen Suchterkrankungen und OCDs.

Wie genau Serotonin- und Leptinstoffwechsel hier ineinandergreifen, ist noch Gegenstand der Forschung.

Sie tun es offensichtlich, siehe auch unstillbarer Appetit mit nachfolgend immer wieder absurd rapider Gewichtszunahme bei Medikation mit sedierenden Antidepressiva und auch mit serotonergen Antipsychotica.

Freundliche Grüße, Ihre Kollegin aus der Nervenheilkunde

#3 |
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Friedrich Johann
Friedrich Johann

Untern der Auffassung des Vorkommentators dürfte keinerlei Folgebehandlung eines körperschädigenden Fehlverhaltens wie z. B. Rauchen, Alkoholmissbrauch, psychologischer Selbstverletzung und vieles andere mehr, als medizinisch notwendig von den Krankenkassen übernommen werden.
Warum sollte es hier Unterschiede geben?

#2 |
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Dr. med. Dieter Mehlhorn
Dr. med. Dieter Mehlhorn

Für die zusätzliche Nahrungsaufnahme, die zum Übergewicht führte, wurde auch nicht die Krankenkasse bemüht! Dafür war man “Selbstzahler”!

#1 |
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