Endometriose: Ein Diagnose-Dilemma

11. August 2017
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Endometriose ist schwer zu diagnostizieren: Meist vergehen mehrere Jahre, bis sie sicher erkannt wird. Viele Frauen erkundigen sich nach Ultraschall-Untersuchungen, weil sie nach einer „sanften" Alternative zur Laparoskopie suchen. Diese sind allerdings nur bedingt aussagekräftig.

Die Endometriose ist nach dem Uterusmyom die zweithäufigste gynäkologische Erkrankung. Etwa vier bis zwölf Prozent aller Frauen erkranken zwischen der Pubertät und den Wechseljahren daran. In Deutschland sind es jedes Jahr etwa 40.000 Patientinnen. Genaue Angaben zur Häufigkeit existieren nicht. Zwischen den ersten Beschwerden und der Diagnose vergehen drei bis zwölf Jahre. In der Zeit breiten sich Endometriose-Herde weiter aus. Frauen leiden an Schmerzen, und Paare wundern sich über Kinderlosigkeit. Frühe chirurgische oder medikamentöse Therapien führen trotz möglicher Rezidive zu einer besseren Prognose.

Umso häufiger stellen Patientinnen Fragen zur möglichen Vorsorge durch Ultraschall-Untersuchungen in ihrer Praxis. Privatdozent Dr. Karl-Heinz Eichhorn aus Weimar erläuterte gegenüber DocCheck Details. Der Gynäkologe ist Inhaber eines DEGUM-Zertifikates Stufe III gemäß Zertifizierungsrichtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin.

Verantwortung beim Gynäkologen

„Die GKVen übernehmen alle indizierten Ultraschalluntersuchungen“, so Eichhorn. „Die Verantwortung für die Indikationsstellung hat der betreffende Frauenarzt.“ Dies sei vor allem bei gynäkologischen Untersuchungen, sprich Anamnese, Palpation und Kolposkopie, relevant.

Eichhorn zitiert aus dem einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM), Stand 3. Quartal 2017, Abrechnungsziffer 33044 (Sonographische Untersuchung eines oder mehrerer weiblicher Genitalorgane, gegebenenfalls einschließlich Harnblase, mittels B-Mode-Verfahren). Verpflichtende Leistungsinhalte seien sonographische Untersuchung eines oder mehrerer weiblicher Genitalorgane, eventuell einschließlich Harnblase. Fakultativ komme eine transkavitäre Untersuchung mit hinzu.

„Als reine Vorsorgeuntersuchung, beispielsweise als Screeninguntersuchung für Eierstockkrebs, Gebährmutterhöhlenkrebs oder Endometriose, also ohne dass der Frauenarzt vorher mit anderen Untersuchungsmethoden Auffälligkeiten festgestellt hat oder entsprechende Symptome vorliegen, wird der vaginale Ultraschall von den gesetzlichen Kassen nicht bezahlt“, sagt Eichhorn.

Symptome kommen spät

Anhand von Beispielen verdeutlicht er das Dilemma: „Bei gynäkologischen Bauchspiegelungen werden fünf bis 55 Prozent der Endometriosen meist im kleinen Becken gefunden, dabei weisen nur die Hälfte dieser Patientinnen Beschwerden auf.“ Ultraschalluntersuchungen liefern seiner Erfahrung nach als alleinige Diagnostik bei Unterbauchbeschwerden nur Hinweise auf seltene Endometriosezysten der Eierstöcke. „Diese sind aber meist Zeichen einer langjährigen Endometriose“, konstatiert der Gynäkologe.

Ähnlich sieht die Sachlage bei Endometriosen in der Gebährmutterwand aus. Eichhorn: „Auch hier führen erst Anamnesen wie spätes Auftreten von Dysmenorrhö und Hypermenorrhö und eine schmerzhafte Palpation des Uterus zur Indikationsstellung für eine Ultraschalluntersuchung.“

17 Wertungen (4.12 ø)
Bildquelle: Chepko Danil, thinkstock / Lizenz: CC BY
Gynäkologie, Medizin

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15 Kommentare:

Mitarbeiter von DocCheck

Liebe Leser, danke für die Kommentare. Die Einwände halten wir teilweise für berechtigt. Daher haben wir die Überschrift geändert und den Artikel überarbeitet bzw. einen neuen Fokus gesetzt.

#15 |
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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

sorry, LEIDLINIEN der gesetzl KK s

#14 |
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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

Ich verstehe einfach nicht , warum nicht primär das Wohl des Patienten im Mittelpunkt steht u. ewig in das fragliche Sparhorn der gesetzlichen KKs geblasen wird , die uns politisch sozialistisch gewollt u. dadurch fraglich ! ? legitimiert um unsere erbrachte Arbeit bringen über die Budgets , Investitonsstaus in Krankenhäusern produzieren , kleine Vorort-Kh. platt machen u. Kh-ketten in den Hals werfen und sich anmassen .zu wissen , welche Medizin nach Leitlinien ( Leitlinien der gesetzlichen budgets die Zwangsversicherungsnehmer zum Wohl der KK schlucken dürfen .

#13 |
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Herr Kollege Dr. med. W. Aschauer, Gynäkologe, #11 und #1: Ihr Dogmatismus erschreckt mich doch sehr. Denn der IGeL-Monitor unterliegt weder einem Monitoring nach Facharzt-Standard, noch einer Überprüfung durch die jeweils kompetenten Fachgesellschaften und ist oft nur populistische Demagogie.
Die Autorinnen und Autoren des IGeL-Monitors gehören dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) an, speziell dem MDS, dem Medizinischen Dienst beim Spitzenverband Bund (SpiBu) der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV-Kassen) von dem sie auch bezahlt werden. Interessenkonflikte liegen auf der Hand, zumal Vertragsärzte, KVen, KBV bzw. insbesondere die Versicherten selbst und damit potentielle, von Krankheiten betroffene Patientinnen und Patienten oder ihre Interessen-Vertreter von den IGeL-Beratungen grundsätzlich ausgeschlossen sind.
Nach wie vor gilt im “Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V) – Gesetzliche Krankenversicherung – (Artikel 1 des Gesetzes v. 20. Dezember 1988, BGBl. I S. 2477)
§ 12 Wirtschaftlichkeitsgebot
(1) Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten. Leistungen, die nicht notwendig oder unwirtschaftlich sind, können Versicherte nicht beanspruchen, dürfen die Leistungserbringer nicht bewirken und die Krankenkassen nicht bewilligen.
(2) Ist für eine Leistung ein Festbetrag festgesetzt, erfüllt die Krankenkasse ihre Leistungspflicht mit dem Festbetrag.
(3) Hat die Krankenkasse Leistungen ohne Rechtsgrundlage oder entgegen geltendem Recht erbracht und hat ein Vorstandsmitglied hiervon gewußt oder hätte es hiervon wissen müssen, hat die zuständige Aufsichtsbehörde nach Anhörung des Vorstandsmitglieds den Verwaltungsrat zu veranlassen, das Vorstandsmitglied auf Ersatz des aus der Pflichtverletzung entstandenen Schadens in Anspruch zu nehmen, falls der Verwaltungsrat das Regreßverfahren nicht bereits von sich aus eingeleitet hat.”
Diagnostischer und therapeutischer Luxus und Rundum-sorglos-Pakete werden n i c h t bezahlt. Ihr Dogmatismus in allen Ehren, aber nur mit IGeL-Monitor Strategien gefährden Sie u.U. Menschenleben!
Mit freundlichen und kollegialen Grüßen, Dr. med. Thomas G. Schätzler Facharzt für Allgemeinmedizin Dortmund

#12 |
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Dr. Wilfried Aschauer
Dr. Wilfried Aschauer

Herr Kollege Schätzler,ich bin ein absoluter Gegner von IGEL Leistungen!Ich stehe voll hinter dem IGEL Monitor!Der US ist entweder medizinisch indiziert oder Schwachsinn!

#11 |
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Werner Wöhrle
Werner Wöhrle

@ Nr. 8: Nein, man muß in so einem Fall eben nicht kämpfen – man muß sofort die Praxis wechseln, nicht ohne der geldgeilen Medizinerin deutlich die Meinung zu sagen…

#10 |
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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

Ultraschall hin, Ultraschall her ,
Tasten hin , Tasten her : ist doch mehr oder weniger im Anfangsstadium der Endometriose brotlose Kunst .
Das einzig Reelle ist ein umfangreicher Hormontest , der natürlich auch nicht bezahlt wird .
Null-Acht_ fufzehn- Kassenevidence oder unfähige Beratung von Kassenvertretern u. vorgebenden Ärzten .

#9 |
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Esther Jagella
Esther Jagella

Es gibt leider auch Frauenärzte die den Ultraschall verweigern trotz einer, in mehreren OPs, bestätigten Endometriose. Ich musste mich von einer Ärztin nach meiner zweiten OP dermaßen abkanzeln lassen, was mir einfalle die IGeL-Leistung zu verweigern mit meinem Hinweis dass bei mir meist sowieso ein Ultraschall gemacht werden muss. Die Dame hat sich so in Rage geredet dass ich angeboten habe den US selber zu bezahlen! Die Kasse hat mir im Nachhinein bestätigt dass die Leistung bei einer Indikation durchaus bezahlt wird, da fühlte ich mich zu der unmenschlichen Behandlung doppelt bestraft. Also selbst wenn die Indikation da ist muss man kämpfen!

#8 |
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Noch schlimmer bei der qualifizierten Ultraschalldiagnostik
zur Vorsorge und Früherkennung beim Ovarialkarzinom! Diese ist nämlich alternativlos!
Trotzdem ‘hetzt’ der “IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes der Gesetzlichen Krankenkassen”, immerhin eine Körperschaft Öffentlichen Rechts und deshalb zu juristischer Objektivität und transparenter Nachprüfbarkeit verpflichtet, weiterhin g e g e n “Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung”, um von den eigenen Unzulänglichkeiten bei der gesetzlichen Krebsvorsorge (vgl. PSA-Testung beim Mann) abzulenken:
http://www.igel-monitor.de/IGeL_A_Z.php?action=abstract&id=58
Unter “IGeL-Info kompakt” steht dort wörtlich:
“Einen Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung bewerten wir mit „negativ“. Eierstockkrebs, auch Ovarialkarzinom genannt, ist die fünfthäufigste Krebstodesursache bei Frauen. Zur Früherkennung wird von den gesetzlichen Krankenkassen ein jährliches Abtasten ab dem 20. Lebensjahr bezahlt. Frauenärzte bieten darüber hinaus Ultraschalluntersuchungen der Eierstöcke an, oft im Rahmen einer „gynäkologischen Krebsvorsorge“. Besteht ein Verdacht auf Eierstockkrebs ist der Ultraschall eine GKV-Leistung, ohne Verdacht eine IGeL. Ultraschalluntersuchungen sind als IGeL bei vielen Arztgruppen weit verbreitet: Jede fünfte angebotene IGeL ist ein Ultraschall.”

#7 |
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Wohlwissend, dass die bi-manuelle Tastuntersuchung als Krebsvorsorge bei der Frau das Ovarialkarzinom gerade n i c h t rechtzeitig erfassen kann, hebt der GKV-IGeL-Monitor im Folgenden darauf ab, dass “eine im Juni 2011 veröffentlichte große Studie bestätigte, was andere Studien bereits angedeutet haben: Mit Ultraschalluntersuchung sterben gleich viele Frauen an Eierstockkrebs wie ohne Untersuchung.”
Er verschweigt dabei, dass bei einer derartig hochmaligne und aggressiv verlaufenden Krebserkrankung eine Frühdetektion gar nicht sofort auf die Gesamtmortalität durchschlagen kann. Es ist ein diagnostisches Armutszeugnis, zu behaupten: “Diese und andere Studien zeigen jedoch, dass Frauen durch Fehlalarme häufig unnötig beunruhigt und sogar eigentlich gesunde Eierstöcke entfernt werden. Eine erneute Suche nach aktuelleren Studien im Juli 2014 bestätigte unsere Bewertung. Auch ärztliche Fachgesellschaften raten inzwischen von der Untersuchung ab.”
Ein Nachweis über diese vorwissenschaftlichen, abenteuerlichen und z. T. wahrheitswidrigen Behauptungen wird nicht geführt. Die Einlassung, “der IGeL-Monitor wird von einem Team erstellt, das der evidenzbasierten Medizin verpflichtet ist. Initiator und Auftraggeber des IGeL-Monitors ist der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS). Finanziert wird der MDS vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)” und führt sich damit selbst ad absurdum.

#6 |
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Irrtum, Herr Kollege Dr. med. W. Aschauer Gynäkologe #1: Wenn die Sonografie “einem
im Frühstadium überhaupt nicht weiter” hilft, zugleich aber “von jedem vernünftigen
Kollegen sicherlich gemacht” wird, bleibt doch die Frage, warum das, was bei einem bloßen Verdacht zum Ausschluss von… eben offiziell n i c h t von den Gesetzlichen Krankenversicherungen der GKV honoriert wird. Das müssen doch die behandelnden Vertrags-Ärztinnen und -Ärzte selbst entscheiden dürfen, statt ein ebenso insuffizienter wie hypertropher Medizinischer Dienst mit seinem fragwürdigen IGeL-Monitor beim Spitzenverband Bund (SpiBu) der GKV-Kassen, als dem Finanzdienstleister für unsere Patientinnen und Patienten!

#5 |
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Gast
Gast

Meine Endometriose war noch nicht mal bei neun vorausgehenden Laparoskopien sichtbar, geschweige denn auf dem Ultraschall. Erst die Hysterektomie brachte die Gewissheit (zusätzlich zu einem Myom, upps). Wie viele dumme Sprüche ich mir 20 Jahre lang anhören musste, erspare ich euch im Detail. Nur soviel: es gibt ihn tatsächlich – den Arzt, der sich nicht entblödet, den Spruch “andere Frauen haben auch ihre Tage” zu bringen.

#4 |
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Gast
Gast

Blöd nur, dass Endometriose auf dem Ultraschall nicht unbedingt sichtbar ist

#3 |
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Dr. Birgit Löffler
Dr. Birgit Löffler

was will mir dieser Artikel eigentlich sagen???

#2 |
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Dr. Wilfried Aschauer
Dr. Wilfried Aschauer

Die Überschrift des Artikels ist ein völliger Blödsinn!!! Hier muss ich die Kassen
in Schutz nehmen!
Die Anamnese ist das A und O der Diagnosestellung! Der US hilft einem
im Frühstadium überhaupt nicht weiter und wird von jedem vernünftigen
Kollegen sicherlich gemacht!
Dr. med. W. Aschauer Gynäkologe

#1 |
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