Hepatitis E: Schwein gehabt

1. August 2017
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Zwischen 2005 und 2015 hat sich die Zahl der nachgewiesenen Hepatitis-E-Infektionen in Europa verzehnfacht. Forscher gehen davon aus, dass rohes Schweinefleisch, etwa als Mettbrötchen oder Tartar, die wichtigste Infektionsquelle darstellt. Sie warnen vor allem Risikopatienten.

Angesichts der Diskussion um Hepatitis C und dessen erfolgreiche, wenn auch teure Therapie geraten Hepatitis-E-Viren (HEV) mehr und mehr in Vergessenheit. Ärzte kennen die Erkrankung oft nur von Katastropheneinsätzen. Vor allem nach monsunartigen Überschwemmungen kommt es in Südostasien häufig zu Epidemien. Jetzt hat das European Centre for Disease prevention and Control (ECDC) neue Zahlen zum Vorkommen der Infektion in der EU veröffentlicht.

Freiwillige Überwachung liefert Resultate

Obwohl HEV-Infektionen keine auf EU-Ebene meldepflichtigen Erkrankungen ist, haben 20 Länder Überwachungssysteme aufgebaut. Deutschland ist ebenfalls an Bord, Details regelt das Infektionsschutzgesetz (IfSG), § 7 Meldepflichtige Nachweise von Krankheitserregern.

Europaweit hat sich die Zahl bestätigter HEV-Fälle zwischen 2005 (514 Patienten) und 2015 (5.617 Fälle) verzehnfacht. Im gesamten Zeitraum wurden 28 Todesfälle gemeldet. Für Deutschland gibt das Robert Koch-Institut (RKI) 1.983 Erkrankungen an, Stand 2016. Im Jahr 2005 waren es noch 54.

„Mögliche Erklärungen für den Anstieg der gemeldeten Fälle im Laufe der Jahre könnten das erhöhte Bewusstsein und die Tests auf Hepatitis E sein, aber auch die Ernährung könnte eine Rolle spielen“, so ECDC-Experte Professor Mike Catchpole. „Wenn wir über das Ziel sprechen, Hepatitis bis 2030 zu eliminieren, sollten wir auch an Hepatitis E denken.“

Wie so oft sind schwangere Frauen, Patienten mit supprimiertem Immunsystem oder mit Vorerkrankung der Leber besonders gefährdet. Aber wie kommt es überhaupt zur Infektion?

Riskante Delikatessen

Die European Food Safety Authority (EFSA) schreibt, Lebensmittelübertragungen von HEV scheinen ein wichtiger Weg in Europa zu sein; Schweine und Wildschweine gelten als Hauptquelle von HEV. Deshalb warnen Experten Verbraucher davor, rohes oder nicht durchgegartes Schweinefleisch zu konsumieren. Gleichzeitig sollte auf mehr Hygiene in der Küche geachtet werden.

„In der Vergangenheit dachte man, die Hauptquelle für Infektionen sei das Trinken von kontaminiertem Wasser bei Reisen außerhalb der EU. Heute aber wissen wir, dass Lebensmittel die wichtigste Übertragungsquelle der Krankheit in Europa sind“, so Rosina Girones, Vorsitzende der Arbeitsgruppe der EFSA für Hepatitis E. Ihre Behörde bewertet HEV innerhalb der Union vor allem als Erkrankung reicher Länder.

Bislang ist es nicht möglich, HEV in Lebensmitteln mit vertretbarem Aufwand nachzuweisen. Kausale Therapien sucht man vergebens. Lediglich in China wurde der Impfstoff Hecolin zugelassen.

35 Wertungen (4.23 ø)
Forschung, Medizin

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5 Kommentare:

Biologe
Biologe

HEV Infektionen gibt und gab es schon, seitdem der Mensch Schweinefleisch isst. Vor der entsprechenden Diagnostik wurden HEV-Infektion halt als nicht-HBV/HCV-Hepatitis Infektionen klassifiziert. Der Anstieg der HEV-Infektionszahlen ist also hauptsächlich auf die Einführung und immer konsequentere Diagnostik zurückzuführen.
Immunkompetente Personen entwickeln i.d.R. keine Hepatitis, die Seroprävalenz liegt deutschlandweit bei etwa 17%, bei Männern über 50 Jahren bei über 60%, bei Frauen gleichen Alters bei etwa 30%, was viel über geschlechtsspezifische Essgewohnheiten aussagt.
Also hab ich eh schon Kontakt mit HEV gehabt und kann getrost weiter meine Leberwurst genießen.

Was in dem Artikel nicht nichtEine HEV Infektion

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Das ist ja das Problem: Irgend wann ist ein Erreger im Lebensmittelkreislauf und dann kriegen wir ihn nicht mehr heraus. Die Engländer haben auch seit Jahrtausenden Rindfleisch gegessen und auf einmal gibt es BSE – und in meinen Augen alles durch die Fütterungsbedingungen, die nicht mehr den natürlichen Vorgaben entsprechen. Und dazu kommt eine gewisse Unvernunft des Konsumenten: Ein Mettbrötchen schmeckt halt so gut, und mich wird es nicht gleich treffen. – Ich persönlich mag kein Mettbrötchen, aber ich genieße mein Rindersteak auch gerne medium oder blutig.

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Heilpraktiker

… Im Prinzip stecken sich die Schweine nicht nur gegenseitig an, sondern die Infektionskette läuft zunächst über das Futter. Und dieses kommt heute kaum noch vom Hof, sondern aus nicht nachvollziehbaren Quellen quer über den Globus. Billig ist Trumpf und billig ist eben eher nicht so hygienisch. Und damit sind moderne Haltungsbedingungen geradezu angetan Krankheiten zu verschleppen und Schweine sind offenbar besonders geeignet als Überträger für verschiedene Viruserkrankungen.
Schweine haben auch früher Krankheiten übertragen … inwieweit Schweine auch früher Hepatitis E übertragen haben bleibt offen. Die Nachweisverfahren sind ja noch relativ jung.

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Heilpraktiker

#1 >>Ist doch aber merkwürdig, dass in Deutschland seit ‘zig Generationen Schweinemett gegessen wird und nun soll es auf einmal krank machen.

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Medizinische Dokumentarin

Ist doch aber merkwürdig, dass in Deutschland seit ‘zig Generationen Schweinemett gegessen wird und nun soll es auf einmal krank machen. Für mich ist das eine Milchmädchenrechnung.

#1 |
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