Darmentzündung: Der Teufel steckt im Kaugummi

31. Juli 2017
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In Kaugummis, Zuckerguss oder Marshmallows ist das Pigment Titandioxid enthalten, das laut Studie in den Darm gelangen und Entzündungsreaktionen auslösen kann – besonders schädlich ist das für ohnehin an Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa erkrankte Patienten.

Die Häufigkeit von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa nimmt in vielen westlichen Ländern seit einigen Jahrzehnten zu. Verursacht werden die Krankheiten durch eine übersteigerte Immunreaktion gegen die Darmflora.

Neben genetischen Faktoren spielen Umweltfaktoren wie der westliche Lebensstil – insbesondere die Ernährung – eine wesentliche Rolle in der Entwicklung dieser Darmerkrankungen.

Gefährlicher Zuckerguss

Nun zeigen Forschungsarbeiten von Gerhard Rogler, Professor für Gastroenterologie und Hepatologie der Universität Zürich, dass Titandioxid-Nanopartikel die Entzündungsreaktionen im Körper von Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen verstärken können.

Titandioxid ist ein weißes Pigment, das in Arzneimitteln, Kosmetika und Zahnpasta sowie zunehmend als Lebensmittelzusatzstoff E171 beispielsweise in Zuckerguss, Kaugummis oder Marshmallows verwendet wird. Bisher existieren keine Einschränkungen für dessen Verwendung in der Nahrungsmittelindustrie.

Die Wissenschaftler um Gerhard Rogler konzentrierten sich bei ihren Untersuchungen auf einen Eiweißkomplex im Innern von Zellen: das NLRP3-Inflammasom. Dieser Proteinkomplex ist Bestandteil des unspezifischen Immunsystems, der Gefahrensignale erkennt und in der Folge eine Entzündung auslöst.

Wird das Inflammasom z.B. durch Bakterienbestandteile aktiviert, spielt die Entzündungsreaktion eine wichtige Rolle bei der Abwehr der Infektionserreger. Ebenso kann NLRP3 durch kleine anorganische Partikel aktiviert werden – mitunter mit negativen Konsequenzen: Treten in den Zellen etwa Harnsäurekristalle auf, führt die Entzündung zu Gicht.

Mehr Titandioxid im ungesunden Darm

Zuerst untersuchte das Forscherteam den Effekt von anorganischen Titandioxid-Partikeln in Zellkulturen. Sie konnten zeigen, dass Titandioxid in menschliche Darmepithelzellen und Makrophagen eindringen und sich dort anreichern können.

Die Nanopartikel wurden vom Inflammasom als Gefahrensignal erkannt, was die Produktion von entzündungsfördernden Botenstoffen auslöste. Zudem wiesen Patienten mit Colitis ulcerosa, deren Darmbarriere gestört ist, erhöhte Konzentrationen von Titandioxid im Blut auf. „Das zeigt, dass diese Partikel unter bestimmten Krankheitsbedingungen aus der Nahrung aufgenommen werden können“, sagt Rogler.

In einem weiteren Schritt verabreichten die Wissenschaftler Mäusen, die als Krankheitsmodell für chronisch-entzündliche Darmkrankheiten dienen, Titandioxid-Nanopartikel oral. Auch hier aktivierten die Partikel den NLRP3-Komplex, was bei den Mäusen zu einer stärkeren Darmentzündung und einer größeren Schädigung der Darmschleimhaut führte. Zudem reicherten sich Titandioxid-Kristalle in der Milz der Tiere an.

Empfehlung: Verzicht auf E171-haltige Lebensmittel bei Darmentzündungen

Ob sich diese Befunde bei Menschen bestätigen lassen, müssen nun weitere Untersuchungen zeigen. „Aufgrund unserer Ergebnisse“, folgert Rogler, „sollten Patienten mit einer Störung der Darmbarriere, wie sie bei Darmentzündungen auftritt, auf Titandioxid-haltige Nahrungsmittel verzichten.“

 

Der Text basiert auf einer Pressemitteilung der Universität Zürich.

Quelle:

Titanium dioxide nanoparticles exacerbate DSS-induced colitis: role of the NLRP3 inflammasome
Pedro A Ruiz et al., BMJ,  doi: 10.1136/gutjnl-2015-310297; 2017

31 Wertungen (4.81 ø)
Innere Medizin, Medizin

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17 Kommentare:

Noreen Drechsler
Noreen Drechsler

Titandioxid findet sich dummerweise ausgerechnet in Mesalazinpräparaten wie den gängigen Salofalk Granu-Stix. Letzte Woche berichtete mir eine CU Patientin, sie habe vor einem Monat ihr Salofalk abgesetzt, seither gehe es ihr viel besser… wen wundert’s?

#17 |
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Heilpraktiker

Ich frage mich seit Jahren, weshalb bei uns in NEM und AM überall Titandioxid sein muss. Aufgefallen ist mir auch, dass in amerikanischen Produkten Titandioxid viel weniger enthalten ist. Muss bei uns alles so weiß aussehen?

#16 |
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Dr. med. Michael Walter Groh
Dr. med. Michael Walter Groh

Und was ist mit der Zahnpasta? Alle Zähneputzer, die versehentlich ein bißchen Schaum verschlucken, belasten sich mit Titandioxid und kriegen eventuell einen entzündeten Darm?

#15 |
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HP Esther Trottmann
HP Esther Trottmann

#12: Titandioxid hat nichts mit Magensaftresistenz, Bioverfügbarkeit, Wirkstoffgehalt, etc zu tun. Es ist ein reiner Hilfsstoff und dementsprechend vollkommen unnötig in Medikamenten. Einige naturheilkundliche Firmen sind bereits dabei, Ihre Präparate ohne Titandioxid herzustellen aber leider noch nicht alle.

#14 |
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Gast2
Gast2

#10: “Titandioxid löste iin Testung an Mäusen Krebs aus”
Titandioxid als Pigment oder als Nanopartikel?
In welcher Konzentration je kg Körpergewicht?

#13 |
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Gast2
Gast2

#10: “ich will einen Wirkstoff und sonst nichts”
Fragen Sie mal einen Apotheker, wie das funktionieren soll?
Wieviel Wirkstoff ist denn in einer Aspirin? Und wie soll diese Menge Ihnen angeboten werden? Oder wie wollen Sie diese Menge einnehmen?
Und wie wollen Sie einen Wirkstoff einnehmen, der erst im Darm seine Wirkung entfalten soll? Er soll ja nicht schon unter Magensaftbedingungen zersetzt werden.

#12 |
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Dr. Gero Beckmann
Dr. Gero Beckmann

Vielen Dank für das Referat zu der interessanten Forschungsarbeit. Allerdings stellt sich hier wieder die Frage nach “Ursache” und “(Aus-)Wirkung”. Erst ist der Darm irritiert/entzündet und – folgend – durchlässig und DANN können alle möglichen Partikel/Antigene etc. den Prozess weiter perpetuieren oder gar verstärken. – Dessenungeachtet war es höchste Zeit, dass man sich mit der Auswirkung von kleinsten Partikeln auf die menschliche Gesundheit beschäftigt hat, wie z.B. bei durch die DFG geförderten Schwerpunktvorhaben.

#11 |
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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

Titan ist nicht das unproblematische Metall ; unbedingt im Umweltlabor testen lassen vor Insertion .
Nach Möglichkeit Keramik -Implantate verwenden .
Ausserdem entsteht ein elektromagnetisches Potential im Mund , wenn sich dort Amalgam , Kronen aus Gold, NEM befinden . Auch lichtgehärtete – “weiße” Füllungen können ein Problem darstellen .
auch in Heizspiralen Elektrischer Zigaretten wird es verendet.
Titandioxid löste iin Testung an Mäusen Krebs aus …

#10 |
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Gast
Gast

Ich kann sicher auf Kaugummi und anderes verzichten, aber, wenn es denn so schädlich ist, was mach ich mit Medikamenten, die ich nicht einfach weglassen kann? Überhaupt, müssen Medikamente gefärbt werden, ob nun weiß oder gelb, ich will einen Wirkstoff und sonst nichts.

#9 |
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Gast
Gast

Nicht zu vergessen auch die häufige Verwendung in der Zahnmedizin, ein umkalkulierbares Risiko,
Titandioxyd wird als Zahnersatz verwendet auch als Lebensmittelzusatz –E171-, führt unter anderem zu ALS = Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)..?
Dieses wird schon seit vielen Jahren kontrovers diskutiert…

#8 |
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Gast2
Gast2

#4: Titandioxid ist im Überzug von weißen Dragees.
Es gibt zahlreiche pharmazeutische Hilfsstoffe in Tabletten und Kapseln. Titandioxid ist nur ein kleiner Anteil davon.

#7 |
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Gast2
Gast2

Wenn Titandioxid verwendet wird, damit etwas weiß aussieht, dann nutzt man die Eigenschaft als Pigment – und das wird schon seit vielen Jahrzehnten eingesetzt, ohne dass es zu gesundheitlichen Bedenken gekommen ist.
Es gibt auch andere Substanzen, um etwas weiß aussehen zu lassen, z.B. Kreide, was aber nicht so effektiv ist.
Nanoskaliges Titandioxid wird eingesetzt als UV-Absorber, z.B. in Cremes und Sonnenlotion mit hohem Lichtschutzfaktor. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass solche Produkte dann in den Magen-/Darm-Trakt gelangen.
Das Partikelgrößen des nanoskaligen Titandioxid sind unterhalb der Größe, die für eine Pigmentwirkung notwendig ist, also kommen sie auch nicht dort vor, wo etwas weiß aussehen soll.
Nun hat nanoskaliges Titandioxid auch eine verdickende Wirkung. Wenn man die braucht, gibt es aber eine viel billigere Alternative, die auch überall eingesetzt wird, nämlich das pyrogene Siliziumdioxid.

#6 |
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Mitarbeiter von DocCheck

Lieber User,
danke für den Hinweis. Wir haben den Fehler korrigiert.
Grüße aus der Redaktion

#5 |
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iGast
iGast

Aha, jetzt verstehe ich, warum in so vielen Arzneimitteln Titandioxid als “Hilfsstoff” drin ist. z.B. auch in Medikamenten die gegen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa verordnet werden. (Mesalazin Eurim)
Gegen weiße Wandfarbe, Kaugummi, Zuckerguß … kann ich mich wehren und auch ab heute keine weiße Wandfarbe mehr trinken, aber auch Atorvastatin und sehr viele andere Medikamente haben TiO2 als Hilfsstoff.

#4 |
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Morbus CROHN, nicht Chron…viele Grüße

#3 |
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Gast
Gast

Haben Sie mal geschaut, bei wie vielen medizinischen Dragees Titandioxid enthalten ist, bzw. in wie wenigen nicht? Das ist ein wichtiges Thema, das hier aufgegriffen wird! Danke.

#2 |
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Schlichte Frage: Muss man denn Kaugummis, Zuckerguss oder Marshmallows mit dem Pigment Titandioxid wirklich essen? Kann man darauf nicht einfach verzichten? Selbst wenn man gar keine chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) oder ein Reizdarmsyndrom als “irritable bowel syndrome” (IBS) hat. Es wäre so einfach, wenn viele Menschen sich nicht ständig irgendwelche chemisch behandelten, künstliche Nahrungsmittel(-Zusätze) einverleiben würden.

#1 |
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