Therapiechance bei Kinderdemenz

26. Juli 2017
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Mit bundesweit etwa 700 und weltweit rund 70.000 Erkrankten zählt CLN zu der häufigsten Form der Kinderdemenz. Bisher gab es keine Therapie, mit tödlichem Verlauf. Erfolgsversprechende Ergebnisse bei der Behandlung mit Immunmodulatoren im Tiermodell lassen jetzt hoffen.

Demenz ist keine reine Alterskrankheit – auch Kinder und Jugendliche können davon betroffen sein. Professor Rudolf Martini, Leiter der Sektion Experimentelle Entwicklungsneurobiologie an der Neurologischen Klinik des Würzburger Universitätsklinikums und sein Team sehen gute Chancen, mit etablierten Medikamenten gegen Kinderdemenz vorzugehen.

Bisher nicht behandelbar und tödlich

Kinderdemenzen sind genetisch bedingte Stoffwechselerkrankungen des Gehirns. Sie machen sich zuerst durch eine Verschlechterung der Sehleistung bemerkbar; es folgen epileptische Anfälle, Erblindung, Taubheit, Demenz und ein früher Tod.

 Mehr als zehn Formen der Ceroidlipofuszinosen (CLN) sind bisher bekannt. Sie alle werden durch verschiedene Genmutationen verursacht, sind bislang nicht behandelbar und verlaufen immer tödlich.

Schleichende Entzündung im Gehirn

Verstärkt wird die Krankheit durch eine schleichende Entzündungsreaktion im Gehirn. Das hat die Forschungsgruppe vor einigen Jahren entdeckt.

 Nun verfolgt sie einen Weg, der diese Erkenntnis möglicherweise klinisch umsetzbar macht: „Die Gabe der immunmodulatorischen Medikamente Fingolimod und Teriflunomid zeigt im Mausmodell für die Kinderdemenz eine erstaunliche therapeutische Wirkung“, so Martini. Dieser Effekt hatte sich bereits in allen vorhergehenden grundlagenwissenschaftlichen Experimenten angedeutet.



Degeneration von Gehirn und Netzhaut gebremst

Im Tiermodell haben die beiden Medikamente krankhafte Veränderungen im Gehirn und andere klinische Parameter – wie die Häufigkeit von Muskelzuckungen – deutlich reduziert. Außerdem bewirkten sie, dass die Netzhaut des Auges weniger und langsamer degeneriert.

 Die Netzhaut lebender Individuen wird in Martinis Team mit der Methode der Optischen Kohärenztomografie analysiert. Dieses Verfahren wurde ursprünglich für Augenuntersuchungen beim Menschen entwickelt: „Es erlaubt uns eine anwendungsnahe Verfolgung des Krankheits- und Therapieverlaufes und reduziert die Zahl der benötigten Versuchstiere ganz erheblich.“

Hirnautopsien von Patienten untersucht

Zunächst bewerteten die Wissenschaftler ihre Ergebnisse noch zurückhaltend. Schließlich wussten sie nicht, ob ähnliche Entzündungsreaktionen wie im Tiermodell auch bei Patienten mit Kinderdemenz auftreten und ob sie damit tatsächlich eine neue Behandlungschance an der Hand haben.

 Deshalb untersuchten sie zusätzlich selten verfügbare Hirnautopsien, die ihnen von der „London Neurodegenerative Disease Brain Bank and Brains for Dementia Research“ zur Verfügung gestellt wurden. Ergebnis: Alle untersuchten Proben von Patienten wiesen Entzündungsreaktionen auf, die denen der Modellmäuse erheblich ähnelten. Somit bestehen gute Chancen, dass auch Patienten auf eine Behandlung mit den Immunmodulatoren ansprechen.

Ab in die Klinik?

Die Kinderdemenz ist eine seltene Erkrankung, etwa 700 Kinder in Deutschland und 70.000 weltweit sind betroffen. „Naturgemäß sind diese Erkrankungen für die meisten Pharmafirmen wegen der hohen Entwicklungskosten von Medikamenten für relativ wenige Patienten von geringem Interesse“, so Martini.

 Die Untersuchungen seines Teams zeigen nun aber einen Weg, wie man gegen Kinderdemenz vorgehen könnte: mit bereits im klinischen Einsatz befindlichen Medikamenten, deren Wirkung auf eine Abmilderung der Erkrankung hoffen lässt und deren Nebenwirkungen und Risiken bereits bekannt sind. „Mit Fingolimod und Teriflunomid könnte das gelingen. Diese Medikamente wurden für die Behandlung der häufigsten Entzündungserkrankung des zentralen Nervensystems entwickelt, die Multiple Sklerose“, sagt der Würzburger Neurobiologe. Individuelle Heilversuche wären also möglich, aber kontrollierte klinische Studien mit Patienten wären der Goldstandard.

 

Der Text basiert auf einer Pressemitteilung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.

Quelle:

Fingolimod and Teriflunomide Attenuate Neurodegeneration in Mouse Models of Neuronal Ceroid Lipofuscinosis
R. Martini et al., Molecular Therapy; doi: 10.1016/j.ymthe.2017.04.021; 2017

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Medizin, Neurologie, Pädiatrie

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2 Kommentare:

Ärztin,Zahnärztin Margareta Momkvist
Ärztin,Zahnärztin Margareta Momkvist

Erfreuliche Fortschritte die Hoffnung gibt

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Ärztin,Zahnärztin Margareta Momkvist
Ärztin,Zahnärztin Margareta Momkvist

Erfreuliche Fortschritte die Hoffnung geben

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