Er aß viel Gemüse. Resultat: Magenstein

24. Juli 2017
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Fallbericht eines Patienten mit unspezifischen Magenbeschwerden, Gastroenterologen entdeckten Magensteine. Die Ursache soll hoher Gemüsekonsum gewesen sein. Außerdem erstaunlich: Die Steine lassen sich nicht nur mechanisch entfernen, sondern auch chemisch – mit Cola.

Ippazio Ugenti, Gastroenterologe am Klinikum der Universität von Bari, berichtet von einem 76-jährigen Patienten. Dieser stellte sich in der Notaufnahme mit wenig charakteristischen Beschwerden wie Magenschmerzen und Dyspepsie vor. Ansonsten fanden Ärzte lediglich eine Hypertonie ohne ursächlichen Zusammenhang mit den Symptomen. Bei der Anamnese fiel allerdings auf, dass der Patient viel Obst und Gemüse konsumiert.

Der Stein des Anstoßes

Bei der darauffolgenden Gastroskopie entdeckte Ugenti neben einer Ösophagitis vereinzelte Druckgeschwüre. Als Ursache entpuppte sich eine tiefer sitzende, grüne Masse, die Ugenti als Phytobezoar beschreibt, also aus verschluckten Pflanzenfasern gebildete Magen– oder Darmsteine. Meist bestehen derartige Steine aus Ligninen, Zellulose, Tanninen, aber auch aus unverdaulichen Bestandteilen von Früchten oder Gemüse.

Wissenschaftler haben an unreifen Kaki-Früchten beobachtet, wie Bezoare entstehen. Sie fanden heraus, dass ein bestimmtes Tannin namens Shibuol im sauren Milieu des Magens chemische Reaktionen eingeht. Zusammen mit Zellulose und Proteinen entstehen im Zuge von Polymerisationsreaktionen sogenannte Disopyrobezoare.

Die Lösung des Problems

Diese Erkenntnis bringt Ugentis Patienten wenig. Wichtiger waren die in Veröffentlichungen dokumentierten Möglichkeiten, um Magensteine pflanzlichen Ursprungs zu bergen. Dem Kollegen gelang es, mit einer Polypektomieschlinge den Phytobezoar zu zerstören und Bruchstücke aus dem Magen zu spülen. Anschließend erhielt der Senior PPI, ein Antibiotikum und ein Prokinetikum. Sechs Monate später waren alle Strukturen unauffällig.

Finden Ärzte größere Steine, starten sie einen Versuch mit der extrakorporalen Stoßwellenlithotripsie oder mit Lasern, sollte sich die Masse nicht konventionell zerkleinern lassen. Enzyme, die Zellulose oder Proteine abbauen, können helfen, um die Gebilde wenigstens zu minimieren.

Etwas unkonventionell wirkt die Methode, Patienten mit größeren Mengen Cola zu behandeln. Bei Literaturrecherchen stellten Forscher jedoch fest, dass sich jeder zweite Magenstein ohne weitere Intervention aufgelöst hat. Disopyrobezoare erwiesen sich als deutlich hartnäckiger. Nur in jedem fünften Fall hatte die Cola-Intervention Erfolg. Versuche mit Lyse und Endoskop lohnen sich, um Patienten schwerwiegende Eingriffe zu ersparen.

48 Wertungen (4.85 ø)

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7 Kommentare:

Manfred L. DIETWALD, Apotheker
Manfred L. DIETWALD, Apotheker

Ad 2#) Ein Satz mit ANGOLA : An g(C)ola könnt ick mer dusslich und dämlich (menschlich) saufen. — Viele muskelkrampfgeplagte Menschen nehmen Magnesium als Citrat, weil es passabel wasserlöslich ist. Hingegen ist Magnesiumphosphat dies nicht auch im Gegensatz zu Chlorid. So bleibt nur Cellulose und Chitin als Ursache einer ausschließlich, vermeintlichen, vegetarischen Ernährung übrig.

#7 |
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Alchemist
Alchemist

Liebe Marie Sander,

als Studentin der Pharmazie solltest du aber wissen, dass gewisse Fleisch-Arten als Stufe 1 Kanzerogene nach WHO eingestuft werden, oder? Abgesehen davon, dass Massentierhaltung Klima-Killer Nr. 1 ist…

#6 |
  7
Studentin der Pharmazie

“..alles Extreme ist nicht gut “!
Danke Herr Ritschel, genau so ist es. Heutzutage schlagen die Ernährungstrends von einem Extrem ins Andere.
Gesund heißt für mich:ausgewogen und nicht zu viel oder zu wenig von dem Einen oder Anderen, sondern alles in einem Maßen dass es mir und meiner Gesundheit gut tut und förderlich ist. D.h. Fisch, Fleisch in Maßen, Gemüse, Obst, Getreide und Milchprodukte.
Schrecklich, dass alle paar Monate ein neuer Ernährungshype entsteht. Ich kann diese schon gar nicht mehr aufzählen…
Aber wie gesagt: Jedem das Seine, auch wenn das nicht immer der richtige Weg ist, den jeder Körper reagiert nunmal anders.

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Nichtmedizinische Berufe

Ich esse sehr gerne Obst, Gemüse, Salat. Muss ich mir jetzt Sorgen machen?

#4 |
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Gast
Gast

Zu Gast #2: Wie genau stellen Sie sich das denn vor?

#3 |
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Gast
Gast

Könnte man mit der sonst so verschmähten Cola nicht auch bestimmte Krebszellen eliminieren ?

#2 |
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Dipl.oec-troph.J.Ritschel
Dipl.oec-troph.J.Ritschel

Und der Wolf sagte:”Was rumpelt und pumpelt In meinem Bauch herum? Ich meinte, es wären sechs Geißlein, So sind’s lauter Wackerstein’!”- schöne Grundlage für die unendliche Geschichte Fleisch, fleischlos, vegetarisch, vegan…alles Extreme ist nicht gut :)

nebenher ,vergleichbare Konglomerate können sich zB auch unter zeitlich falsch genommener Arzneimittelgabe während der Sondenernährung und gleichzeitiger Antacida Gabe durch Wechselwirkung von Kationen(Magnesium und Calcium )bilden.

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