Stress: Zu viel Papier, zu wenig Patient

26. Juli 2017
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Ärzte in Praxis oder Klinik mit wenig Berufserfahrung leiden besonders häufig an Stress. Die wichtigsten Auslöser sind Dokumentationspflichten, zu wenig Zeit für Patienten und für eigene Pausen. Eine Befragung ergab, dass gesundheitliche Folgen nicht ausbleiben.

Für die Studie „Stress und Resilienz“ hat DocCheck Research im Auftrag der Asklepios Kliniken bundesweit u.a. 162 Ärzte aus Kliniken und Praxen online befragt. Jeder vierte Kollege stufte sein Stressniveau während des Arbeitstages als „hoch“ und zwei Drittel als „mittelhoch“ ein. Unter der besonders belasteten Gruppe waren mehr Ärzte in Klinken (28 Prozent) als in Praxen (22 Prozent).

Unterschiedliche Auslöser

Nach den wichtigsten Auslösern gefragt, nannten junge Kollegen besonders häufig Dokumentationspflichten (58 Prozent). Bei leitenden Ärzten und bei Praxisinhabern fühlten sich 46 Prozent  davon gestresst. Angestellte Ärzte (28 Prozent Nennung) waren weniger betroffen.

An zweiter Stelle rangierte bereits die fehlende Zeit für Patienten. Übereinstimmend klagten Kollegen über die zunehmende Zeitverdichtung, über fehlende Reserven für unvorhersehbare Ereignisse und keine Pausen. Übergreifend wünschen sich die Befragten außerdem am meisten mehr Zeitreserven  als Puffer für Unvorhergesehenes und Notfälle. Mehr Familienfreundlichkeit stand auch weit oben auf der Wunschliste, gefolgt von mehr Möglichkeiten, Aufgaben zu delegieren, und mehr kollegiale Supervision und Beratung.

Körperliche und psychische Symptome

Die aktuelle Belastung bleibt für viele Ärzte nicht ohne Folgen. Rund ein Drittel der Befragten leidet aufgrund von negativem Stress „regelmäßig“ oder „häufig“ unter körperlichen Symptomen. Sie nannten Kopfschmerzen beziehungsweise Migräne, aber auch Rückenschmerzen, gastrointestinale Beschwerden, Ohrgeräusche oder Symptome aus dem Bereich des Herz-Kreislauf-Systems.

Bei jedem fünften Studienteilnehmer kommen psychische Beschwerden wie Niedergeschlagenheit, Konzentrationsprobleme, Nervosität und Unruhe, Ängste und Panikattacken noch mit hinzu. Besonders stark reagieren Assistenzärzte auf Stress. Von ihnen leiden 47 Prozent an körperlichen und 32 Prozent an psychischen Beschwerden.

Was können Ärzte selbst tun?

Auf bürokratische Anforderungen oder auf die zunehmende Arbeitsverdichtung haben Ärzte kaum Einfluss. Umso interessanter war die Frage, welche Strategien sie selbst entwickelt haben.

Jedem zweiten Interviewten helfen kurze Gespräche mit Kollegen. Rund 43 Prozent greifen zu unterschiedlichem Naschwerk, und 39 Prozent lesen als Ausgleich gerne. Lediglich sechs Prozent der Befragten greifen zu Medikamenten oder zur Zigarette.

15 Wertungen (3.4 ø)

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8 Kommentare:

@ #3 (Gast): “Interessant ist die Reihenfolge: erst die Doku und dann die fehlende Zeit für den Patienten….”

Die Reihenfolge spiegelt die Kausalität wider: *durch* die exzessiv überbordenden Anforderungen an akribische bürokratische Dokumentation fehlt mir die Zeit für den Patienten …

@ #5 (Christin Schauss): “Seit 2004 gibt es den Beruf der Medizinischen Dokumentationsassistentin”

Von mir aus dürfte es auch ein Dokumentationsassistent sein, der mich bei dieser Arbeit entlastet. Diese stellt aber kaum ein Krankenhausbetreiber ein. Kosten ja Geld. Ärztliche Überstunden werden aber großenteils immer noch nicht erfasst / abgerechnet. Ist also billiger. Einfache kapitalistische menschenverachtende Kosten-Nutzen-Rechnung. :-(

#8 |
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Gast
Gast

Hoppla, ich meine natürlich “korrupte Strukturen sollten abgeschafft werden”.

#7 |
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Gast
Gast

Ich bin zwar stolz ein Mediziner zu sein aber zunehmend macht es wenig Spaß. Der ständige und zunehmende Bürokratismus ist beängstigend. Für die Abrechnung unserer Leistungen können zwar Fachkräfte beauftragt werden, aber verantwortlich sind wir. Und das Ganze ob Diagnostik, Therapie und Nachsorge, Personal, Hygiene etc. erfordert Exaktheit und Genauigkeit. Sonst keinen “Lohn”.
Eine Idee der Abhilfe: Praktikum für Politiker an der “vorderen Front”, damit sie die Arbeitswelt kennen lernen. Korrupte Strukturen sollten angeschafft werden.
Das Streben nach Gewinn ist besonders in der Medizin fehl am Platze!

#6 |
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Christin Schauss
Christin Schauss

Seit 2004 gibt es den Beruf der Medizinischen Dokumentationsassistentin, die anfallenden Dokumentationspflichten billiger (und meist besser) erledigt als die Diplomierten.
Schade, dass immer noch so wenig über diesen Beruf bekannt ist und deshalb so wenig genutzt wird.

#5 |
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Weitere medizinische Berufe

So haben wir 1965 gearbeitet
Ich war gerade im Krankenhaus Kreis Konstanz
Die Daten werden manuell vorgenommen, wie 1965
Im Krankenhaus werden die Messdaten des Patienten in eine Liste eingetragen,
Dann im Büro manuell i den Compuert eingehackt,,,, Steinzeit, das natürlich von Krankenschwester in überall fehlt am Bett das Personal
Wir hatten Zusatzleistungen mit der Llianz mit Krankenkartw zum Abrechnen, da wir nicht gemacht, man bekommt nach Wochen die da Rechnungen u d schickt diese an Llianz und zählt vom Wiege Konto die Rechnungen, natürlich erst wenn das Geld auf dem Konto und das Krankenhaus hat erst nach ca. 3 Monaten das Geld. Das ist ein Gundvfür die hohen Kosten
Irrsinn Pleite und Dummheit Wer ist Dein Chef?

#4 |
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Gast
Gast

Interessant ist die Reihenfolge: erst die Doku und dann die fehlende Zeit für den Patienten….

#3 |
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Gast
Gast

Wenn man davon krank wird, wieso macht man das Ganze dann eigentlich? Wieso tut man sich das an?

#2 |
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Gast
Gast

das sind noch andere Berufe auch am Kämpfen
Schreibkräfte für Mediziniesche Gutachten mit Sehnenscheidenentznündung nach ca 4 Jahren berufstätigkeit
Wer fängt damit an –

eine Psychologin, die mit der Technik kämpft um die Gutachten auf Pdf zu bekommen, dafür Überstunden macht.

#1 |
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