Antioxidantien: Wirken auch gegen Sepsis

20. Juli 2017
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Ein südkoreanisches Forscherteam fand heraus, dass es bei einer Sepsis eine Alternative zur antibiotischen Behandlung gibt. Zirkoniumdotierte Ceroxid-Nanopartikel können – als verstärkte Mehrfach-Antioxidantien – die fatalen Entzündungsreaktionen der Sepsis stoppen.

Bei einer Sepsis laufen Reaktionen des Immunsystems auf eine Infektion aus dem Ruder und es kommt zu einer wahren Überflutung des Organismus mit reaktiven Sauerstoffspezies. Könnte man diese fatalen Entzündungsreaktionen unterbrechen, gäbe es neue, effektive Behandlungsoptionen. Südkorenanische Wissenschaftler berichten jetzt, dass zirkoniumdotierte Ceroxid-Nanopartikel gegen diese reaktive Sauerstoffspezies wirksam sind. Im Tiermodell beobachteten sie eine stark erhöhte Überlebensrate bei der Behandlung von Sepsen mit diesen Nanopartikeln.

Antioxidantien machen reaktive Sauerstoffspezies unschädlich

Durch einen Teufelskreis von Entzündungsreaktionen des Immunsystems kommt es bei einer Sepsis zu einer lokalen Infektion. Folgen können ein rapider Abfall des Blutdrucks und Organversagen sein. Weil Antibiotika wegen der zunehmenden Resistenzbildung nicht mehr immer zuverlässig schützen können, wird als alternative Behandlungsoption der Stopp der Entzündungsreaktionen interessant.

Taeghwan Heyon von der Seoul National University in Südkorea und seine Kollegen haben hier Ceroxid-Nanopartikel im Blick, die als Antioxidantien reaktive Sauerstoffspezies wie das Superoxid-Anion, Hydroxyl-Radikale und Wasserstoffperoxid unschädlich machen können – sie sind Schlüsselverbindungen bei Entzündungsreaktionen. Cer-Ionen nehmen die reaktiven Elektronen von der Sauerstoffspezies auf und wechseln leicht in eine andere Oxidationsstufe.

Damit diese Reaktion in der lebenden Zelle abläuft, müssen zwei Voraussetzungen gegeben sein. Zunächst müssen Größe und Beschaffenheit der Partikel stimmen. Sehr kleine, zwei Nanometer große Ceroxidpartikel wurden daher mit einer Hülle aus Polyethylenglycol-verknüpften Phospholipiden beschichtet, um in die Zelle eindringen und dort verbleiben zu können. Und zweitens muss das Cer-Ion mit der Oxidationsstufe III (Ce3+) auf der Nanopartikeloberfläche ständig zugänglich sein, was einen Regenerationsprozess mit einschließt. Hierfür entdeckten die Wissenschaftler, dass Zirkonium-Ionen in der Ceroxidstruktur hilfreich sind, denn „die Zr4+-Ionen steuern sowohl das Verhältnis von Ce3+ und Ce4+ als auch die Geschwindigkeit, mit der sich die beiden Oxidationszustände gegenseitig umwandeln“, argumentieren die Wissenschaftler.

Entzündungsprozesse vielversprechendes Ziel

Die synthetisierten Nanopartikel wurden dann auf ihre Fähigkeit überprüft, typische reaktive Sauerstoffspezies zu neutralisieren, und zwar sowohl im Reagenzglas als auch im Tiermodell. Die Ergebnisse waren eindeutig: „Eine einzige Dosis der Ceroxid-Zirkoniumoxid-Nanopartikel unterbrach in zwei Sepsismodellen erfolgreich den Teufelskreis aus Entzündungsreaktionen“. Die Nanopartikel sammelten sich in den Organen mit der übermäßigen Immunantwort an und bauten dort reaktive Sauerstoffspezies ab, wie durch Fluoreszenzmikroskopie und andere Nachweistechniken gezeigt werden konnte. Derartig behandelte Mäuse und Ratten überlebten weit häufiger als die Kontrolltiere.

Diese Arbeiten zeigen, dass bei Sepsis auch andere Behandlungsmöglichkeiten außer der Abtötung der Infektionskeime mit Antibiotika zur Verfügung stehen. Ein vielversprechendes Ziel sind die Entzündungsprozesse selbst, die sich durch Nanopartikel mit geeigneten Redox-Systemen wie dem Wechsel zwischen den beiden Oxidationsstufen von Cer anhalten lassen.

 

Der Text basiert auf einer Pressemitteilung der Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V..

Quelle:

Ceria–Zirconia Nanoparticles as an Enhanced Multi-Antioxidant for Sepsis Treatment
Hyeon, Taeghwan et al., Angewandte Chemie,  doi: 10.1002/ange.201704904; 2017

19 Wertungen (4.05 ø)
Allgemein

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17 Kommentare:

Gast
Gast

@Gast16, es sind auch schon Mediziner auf die absurde Idee gekommen,
Vitamin C Infusionen auf Intensivstationen aufzuhängen…

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24484547/

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5059321/

#17 |
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Gast
Gast

#15… und alles nur weil die Pharmaverschwörung Heilpraktiker davon abhält, Vitamin C-Infusionen auf Intensivstationen anzuhängen!

#16 |
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Gast
Gast

Leider reichen Antibiotika eben auch nicht immer, in deutschen Krankenhäusern sterben ca. 70 000 Menschen im Jahr an einer Sepsis.
https://www.aerzteblatt.de/archiv/175205/Fallzahlen-und-Sterblichkeitsraten-von-Sepsis-Patienten-im-Krankenhaus

#15 |
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Dipl.oec-troph.J.Ritschel
Dipl.oec-troph.J.Ritschel

bei den Artikeln im doccheck-newsletter sind alle Begriffe, die rot unterlegt sind mit einem Querverweis zum Flexicon verlinkt. Das ist gut so- hier kann man nachlesen, was gemeint ist (Definitionen) zB zum Eingangsbegriff der SEPSIS. Das ist eben mehr , als eine “Blutvergiftung”. Da reichen ein paar Zitronen als Alternative eben nicht immer…

#14 |
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Gast
Gast
#13 |
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Rainer Schmidt
Rainer Schmidt

welcher Schwachsinnige will einen Sepsis-Patienten (Intensivstation!) mit Vitamin C statt Antibiotika behandeln

#12 |
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Gast
Gast

#8: Es geht hier um Sepsis, da spielt zurückhaltender Antibiotika-Einsatz aus Angst vor Resistenzbildung nun wirklich keine Rolle. Aber einen Patienten in einer Sepsis dürften Sie (hoffentlich!) auch noch nie in Ihrem Geschäft gehabt haben…

#11 |
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K.Liebermann, Pharmaziestudent
K.Liebermann, Pharmaziestudent

@4: http://www.nano.uni-bremen.de/pdf/Antrag_NanoCompetence_rv_1-9.pdf
die zurückbleibenden CerOxid-Nanopartikel besitzen eine geringe Toxizität gegenüber normalem Gewebe, aber eine erhöhte gegenüber Tumore, da sie immer noch antioxidativ wirken – sie gelten eher als mögliche Adjuvanz in diesem Bereich. Darüber hinaus befinden sich durch den Straßenverkehr bereits jetzt 20-80 μg/m3 in der Luft von Städten.
Ihre Sorge ist also berechtigt, aber die derzeitige Evidenz spricht dagegen, dass die Partikel als Notfallversorgung ungeeignet wären.

Ich möchte Ascorbinsäure-Lösungen nichts absprechen (danke für den Link #4), ich sage nur, dass hier unbegründete Ängste vor anorganischen Verbindungen bestehen.
@Frau Strüber: laut Pascorbin Fachinformation besteht ein reeles Risiko für Calciumoxalat Ausfällung und damit irreversible Nierenschädigung (1,5-2,5 g), bei terminal niereninsuffizienten Patienten max 50-100 mg/Tag. Da sind Dosen wie 7,5 g o.ä. nicht möglich und es müsste eine Alternative her. Sehen sie die NP eher als Chance ALLE Patienten zu behandeln, auch wenn ihnen der Gedanke an synthetische Stoffe widerstrebt.

#10 |
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Liebe Frau Strüber, eine Vit. C-Hochdosistherapie ist nur bei i.v. Gabe möglich. Bei eingeschränkter Nierenfunktion ist sie kontraindiziert und kommt somit für die meisten schwerkranken Menschen nicht infrage.

#9 |
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Ich find den Artikel generell einen guten Ansatz:

Zitat: “Diese Arbeiten zeigen, dass bei Sepsis auch andere Behandlungsmöglichkeiten außer der Abtötung der Infektionskeime mit Antibiotika zur Verfügung stehen”

Eine Alternative oder Ergänzung zu den Antibiotika wird dringend gebraucht. Die Resistenzen werden mehr und die Folgen von UNSACHGEMÄSSER Antibiose (auch Tierzucht) sehe ich jeden Tag in meiner Praxis.

Der Ansatz der Antioxidanzientherapie sollte weiter verfolgt werden.. aber bevor hier teuer synthetisierte Nanopartikel erforscht werden, sollte wirklich der Vitamin C Hochdosistherapie mehr Augenmerk geschenkt werden.

Hier existieren längst die Studien zur Wirksamkeit und trotzdem wird die Hochdosis Infusion sehr selten von Ärzten angewendet. Warum nicht? Ich will jetzt nicht über Pharmaindustrie und Kosten spekulieren, sondern lediglich die Frage stellen:

Warum schauen Ärzte sich das Thema nicht genauer an und führen es als IGeL Leistung in den Praxen ein? Und warum wird das z.B. nicht von der Krankenkasse übernommen?

Vitamin C hat nachweislich antioxidatische Wirkung und den absoluten Vorteil, wenn es sachgemäß verabreicht wird: KEINE schädlichen Nebenwirkungen!

Warum muss dann an synthetisierte Nanopartikel erforscht werden, wo die Nebenwirkungen und Spätfolgen noch überhaupt nicht geklärt sind? Ich versteh das nicht.. leider!

Das gute liegt manchmal so nah! Wahrscheinlich zu nah!

#8 |
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Gast
Gast

Tut mir leid, aber die Vorlage ist einfach zu herrlich: dann schauen Sie doch bitte mal auf Ihrer Psiramseite, was dort über Orthographie steht :)

#7 |
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Gast
Gast

Lieber universal gelehrter Gast 5, schauen Sie doch bitte mal auf Ihrer Psiramseite, was dort über Antioxidantien, zu denen einige Aluhutträger
auch Vitamin C zählen, steht.
http://www.mdpi.com/2076-3921/6/3/49/htm
Im obigen Beitrag geht es darum, daß ein synthetisches Antioxidanz
zur Sepsisbekämpfung geeignet sein könnte.

#6 |
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Gast
Gast

Klassische Beweisführung der Schwurbler: was billig ist muss von der Pharmaverschwörung bekämpft werden, ergo muss es gut sein.
Und jetzt ab mit dem Aluhut, hier geht es nicht um Vitamin C sondern um ein Studienergebnis zur Sepsis.
Vielen Dank!

#5 |
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Gast
Gast

Sagenhaft ! Und wie bekommt man die Nanopartikel aus dem interstitium und den Zellen wieddr raus ? Wir wissen jetzt schon daß sowas das neue Asbest ist, aber erstmal brauchen wir 40 Jahre um das rauszufinden?

Wie wäre es stattdessen mit Vit C 7,5 Gramm i.v.? Das sollte ein Antioxidanz sein ?

Da ist kein Patent drauf ! Schade, zu billig ! Das kann nicht gut sein !

#4 |
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Gast
Gast

@#2 geht nicht, viel zu billig.

#3 |
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Gast
Gast

Noch einfacher ist die Vitamin-C-Hochdosis-Therapie, wenn es um Antioxidanzien geht.

#2 |
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Ärztin

Hä- und jetzt lassen Sie die Antibiotika weg?

#1 |
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