Lipödem und G-BA: Warten auf Godot

21. Juli 2017
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Viele Patientinnen hatten lange auf diese Entscheidung gewartet. Gestern entschied der G-BA: Liposuktion bei Lipödem wird bis auf Weiteres keine Leistung der GKV. Das Gremium sieht erstmal nur „Potenzial als erforderliche Behandlungsalternative“ und will neue Studien.

Patricia leidet an einem Lipödem, einer massiven Fettverteilungsstörung mit Ödembildung. „Wenn ich das Geld hätte oder kreditwürdig wäre, würde ich mich direkt operieren lassen“, sagt die 23-Jährige in einem Interview. Je nach Zahl an Liposuktionen muss sie mit 2.000 bis 10.000 Euro rechnen. Ihre Versicherung bezahlt nur Kompressionsstrümpfe. „Das ist das einzige, was die Kasse übernimmt. Mehr steht uns Frauen nicht zu“, ärgert sie sich. Manchmal gibt es noch Lymphdrainagen. Kassen zahlen Liposuktionen aber nur selten, vielleicht in jedem zehnten Fall, schätzen Betroffene. Da die Ursache der Erkrankung bisher unbekannt ist, gibt es keine kausalen Therapien. Wissenschaftler vermuten genetische Prädispositionen und hormonelle Veränderungen als Ursachen. Sie forschen aber nach wie vor ohne erkennbaren Durchbruch.

Schlechte Daten, kein klares Signal

Patientenvertreter im Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatten deshalb angeregt, das Verfahren nach geltenden Kriterien zu überprüfen. Am 20. Juli fiel das mit Spannung erwartete Votum: Liposuktionen hätten „Potenzial als erforderliche Behandlungsalternative“. Auf Basis der vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse sei es aber nicht möglich, zu entscheiden, ob der Eingriff eine Kassenleistung werde, so der G-BA in einer Mitteilung.

Patientinnen hatten auf eine klare Entscheidung gehofft. Schon im Mai 2014 kündigte der G-BA an, ein Beratungsverfahren zur operativen Behandlung des Lipödems mittels Fettabsaugung zu initiieren. Ein Jahr später folgte schließlich eine Aufforderung an Medizinproduktehersteller, eigene Stellungnahmen abzugeben. Ein zähes Verfahren, wie DocCheck bereits berichtete. „Wir sind sehr enttäuscht über die Entscheidung, da die Liposuktion bei Lipödem die einzige wirksame Methode ist, um diese schwere Fettverteilungsstörung zu behandeln“, sagte Marion Tehler, Patien­tenvertreterin im G-BA von der Lipödem-Hilfe Deutschland.

„Bei der Aufnahme des Beratungsverfahren hatten wir die Hoffnung, gute wissenschaftliche Studien zum medizinischen Nutzen des Eingriffs für die Patientinnen zu finden“, kommentiert Dr. Harald Deisler, unparteiisches Mitglied im G-BA und Vorsitzender des Unterausschusses Methodenbewertung. „Leider hat sich diese berechtigte Erwartung nicht erfüllt, wir hätten uns hier ein anderes Ergebnis der Studienrecherche und -auswertung gewünscht. Stattdessen müssen wir feststellen, dass die vorhandenen Studien entscheidende Fragen – beispielsweise zur Notwendigkeit von Wiederholungseingriffen oder zur Funktionsfähigkeit der Lymphbahnen nach der Operation – offenlassen.“ Laufende Studien, die neue Erkenntnisse versprochen hätten, fand Deisler nicht.

Neue Studie, neues Glück

Jetzt plant der G-BA eine Erprobungsstudie zu initiieren. Beanstandet das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) aktuelle Entscheidungen nicht, definieren Experten Eckpunkte zum Studiendesign. Deisler: „Wir erwarten, dass eine entsprechende Erprobungsrichtlinie im Januar 2018 beschlossen werden kann.“

Ziel der Untersuchungen sei, Nutzen und der Risiken der Liposuktion auf einem „ausreichend sicheren Erkenntnisniveau“ zu erfassen, schreibt der G-BA. Versorgungsforscher erhoffen sich vor allem Details zu Indikationen, Vergleichsinterventionen, zu patientenrelevanten Endpunkten und zu Qualitätsanforderungen für Leistungserbringer.

Einige ihrer Fragestellungen:

  • Verringern Liposuktionen die Beschwerden?
  • Verbessert sich die Lebensqualität?
  • Wie ist der langfristige Nutzen?
  • Sind Folge- beziehungsweise Wiederholungseingriffe notwendig?
  • Wie sicher ist die Methode?

Liegen alle Daten vor, plant der G-BA ein neutrales Institut mit der Auswertung zu beauftragen. Erst dann lässt sich klären, ob Liposuktionen zum regulären GKV-Leistungsanspruch werden.

Betroffene Frauen berichten, wie sie die Krankheit beeinträchtigt und zeigen ihren Körper.

Mythen und Missverständnisse

Wie viele Patientinnen von möglichen Neuregelungen profitieren, lässt sich derzeit kaum abschätzen. Lipödeme treten nahezu ausschließlich bei Frauen auf, meist in der Pubertät, der Schwangerschaft oder im Klimakterium. Laut S1-Leitlinie sind je nach Studie 0,1 Prozent, aber auch zwischen 7,0 und 9,0 Prozent aller Frauen betroffen. Untersuchungen in Kliniken zeigten Werte zwischen 8,0 und 18,0 Prozent. Möglicherweise lassen sich derart schwankende Zahlen damit erklären, dass Lipödeme, sonstige Ödeme und Adipositas nicht in jedem Fall klar voneinander abgegrenzt worden sind.

 

Abgrenzung von Lipödem

Abgrenzung von Lipödem, Lipohypertrophie, Adipositas und Lymphödem © S1-Leitlinie „Lipödem“

Welche Rolle Hormone und deren Rezeptoren spielen, ist Thema von Forschungsprojekten. Jedenfalls führen Phasen mit hormoneller Umstellung zur Hypertrophie und Hyperplasie von Fettzellen. Außerdem verändern sich Bindegewebsstrukturen. Durch Störungen der Kapillarpermeabilität gelangt mehr Flüssigkeit aus Gefäßen in das Zwischengewebe.

Diese pathologischen Vorgänge führen zur ungleichen Fettverteilung zwischen dem Stamm und den Extremitäten. Grund ist eine Vermehrung des Unterhautfettgewebes an den Extremitäten. Ödeme und Hämatome nach leichten Verletzungen sind Bestandteil des Krankheitsbildes. Patientinnen klagen über Schmerzen, wobei sie ästhetische Effekte und die damit verbundenen psychischen Belastungen mindestens ebenso stark beeinträchtigen.

Fortschreitender Verlauf

Der Leidensdruck wächst mit fortschreitendem Krankheitsverlauf, wobei Aussagen zur zeitlichen Progression kaum möglich sind. Drei Stadien sind bekannt:

  • Stadium 1: Glatte Hautoberfläche mit gleichmäßig verdickter, homogen imponierender Subkutis
  • Stadium 2: Unebene, überwiegend wellenartige Hautoberfläche, knotenartige Strukturen im verdickten Subkutanbereich
  • Stadium 3: Ausgeprägte Umfangsvermehrung mit überhängenden Gewebeanteilen

Die Leitlinie nennt je nach Schweregrad und vorherrschendem Symptom Kompressionen, manuelle Lymphdrainagen, Bewegung und Liposuktionen als Therapie:

 

Lipödem: Thrapie

© S1-Leitlinie „Lipödem“

„Zur dauerhaften Reduktion des krankhaften Unterhautfettgewebes an Beinen und Armen wird die Liposuktion eingesetzt“, schreiben Experten in der Leitlinie. „Sie ist insbesondere dann angezeigt, wenn trotz konsequent durchgeführter konservativer Therapie noch Beschwerden bestehen bzw. wenn eine Progredienz von Befund (Unterhautfettvolumen) und / oder Beschwerden (Schmerzen, Ödeme) auftritt.“ Jetzt bleibt Betroffenen nur, abzuwarten oder die hohe Summe von mehreren tausend Euro selbst zu zahlen.

47 Wertungen (4.6 ø)

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24 Kommentare:

Frau im Gesundheitswesen
Frau im Gesundheitswesen

Es hat den Anschein, als ob das Gesundheitssystem das Lipödem nicht richtig anerkennt. Es sind eben nicht nur “dicke Weiber, die weniger fressen sollten”. So etwas zu behaupten ist wirklich die reine Frechheit. Ich selbst habe ein Liplymphödem, was seit einer Kahnbeinteilabtragung im Alter von 16 Jahren seinen Weg von den Füßen bis zum Gesicht genommen hat. Seit 30 Jahren erhalte ich nun Lymphdrainagen. Eigentlich sollte ich noch Kompressionsstrumpfhosen tragen, aber das geht mittlerweile nicht mehr, da ich durch eine chronische Durchfallerkrankung – ganz profan – die Strumpfhosen einfach nicht so schnell heruntergezogen bekomme (Stärke 2). Ich kann keine Röcke oder Hosen mit engeren Beinen oder kurzärmelige T-Shirts tragen, weil es ganz einfach scheiße aussieht. Ja, es ist auch ein kosmetisches Problem, aber nicht nur. Menschen glotzen, sehen eine dicke Frau und denken, dass sie zu viel isst. Leider denken das auch manche Ärzte.

#24 |
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Gast
Gast

Ich finde es unfair, dass Frauen sich einen Kaiserschnitt wünschen dürfen weil sie Angst vor der Geburt haben& es wird bezahlt. Hier liegen ausreichend Studien vor über die möglichen Negativfolgen, sowohl für mutter als auch das Kind. Der Psyche wird hier viel Platz eingeräumt.
Ein schmerzhaftes Lipödem mit all seinen möglichen Folgen ist aber ein kosmetisches Problem & soll selbst bezahlt werden? Ich sehe hier null Fairness.
Das Leben findet eingeschränkt statt, & es können viel Folgeerkrankungen aufkommen, von der Psyche mal ganz abgesehen. Vielleicht könnte man hier auch mal zusehen dass es ordenltiche Studien gibt.
Natürlich will/soll jeder Fall geprüft sein, aber fair.

#23 |
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Gast
Gast

Auch ich bin betroffen und auch ich habe mich auf eigene Kosten mit Liposuktion behandeln lassen. Zuerst die Innen- und Aussenseiten der Oberschenkel und die Innenseiten der Knie. Endlich konnte ich wieder normal gehen, anstatt ständig um meine Geschwülste “herumzulaufen”. Meine Knie- und Hüfschmerzen ließen auch nach. Die Operation hat meine Gesundheit und Lebensqualität enorm gesteigert.
Neun Jahre später machten die Ober- und Unterseiten der Oberschenkel nun Probleme und ich hatte wieder genügend Geld gespart.
Diesmal ging die Operation schief. Obwohl ich bei der grössten deutschen Kette für plastische Chirugie war, scheint der Operateur mich verwechselt zu haben. Mein Gesäß wurde abgesaugt und erneut die Knie-Innenseiten. Sporadisch auch die Ober- und Unterseiten der Oberschenkel.
Seitdem meine guten braunen Fettzellen am Gesäß fehlen, habe ich eine massive Zunahme an schlechten weißen Fettzellen am Bauch, eine Fettleber, erhöhte Fettwerte, Bluthochdruck, einen offenen Rechtsstreit wegen Körperverletzung und natürlch weiterhin alle Probleme des Lipödems.
Wäre die Liposuktion eine Kassenleistung, gäbe es auch für die Operation Standards und Qualitätskontrollen und wir wären vor diesen Pfuschern sicher.
Und nochmal zum kosmetischen Aspekt. Mittlerweile hat sich mein Lipödem auch auf die Arme ausgedehnt. Eine Folge ist, dass ich bei normalen Blutdruckmessungen am Oberarm solche Schmerzen empfinde, dass die Werte verfälscht sind. Langzeit-Blutdruckmessung ist dadurch absurd. Die Stauung bei Blutentnahmen sind kaum auszuhalten und anschließend ein fettes Hämatom. Und die Nackenverspannungen durch Fehlhaltung, weil ich die Arme nicht mehr physiologisch an den Körper bekomme.
Das ist nicht kosmetisch das ist bitterer schmerzhafter Alltag eines Menschen mit Lipödem!!

#22 |
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Gast
Gast

Hallo möchte mich auch mal einklinken.Ich schreibe im Namen meiner Mutter (80J)die auch seit Jahren dieses Problem hat.Das wird jedoch von den Ärzten leider nicht erkannt oder einfach ignoriert.Wir hörten auch schon beim Arztbesuch sie sollte mal nicht so viel “fressen”dann wäre sie auch nicht so dick.Bei meiner Mutter kommt erschwerend dazu das sie keinen Stoff auf der Haut ertragen kann und alles was eng ist. Wickeln und Kompression nicht möglich.Jeder Arzt ignoriert das und will sich nicht weiter damit auseinandersetzten.Für eine OP ist meine Mutter zu alt.Ich leide jeden Tag mit wenn ich sehe wie schmerzhaft das ist und man nicht helfen kann.Wir sind alleingelassen.Traurig!!!!!

#21 |
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Gastfrau mit Lipödem
Gastfrau mit Lipödem

Ist die derzeitige Studienlage tatsächlich so aussagearm wie vom G-BA dargestellt, finde ich dessen Entscheidung nachvollziehbar.

Hierüber hätte ich mir in Ihrem Beitrag eine Erörterung gewünscht, ob dies tatsächlich der Fall ist.

Auch mir fällt auf, dass die fachlichen Befürworter der Liposuktion wohl nahezu ausnahmslos aus dem Chirurgen-Metier zu kommen scheinen. Selbst als Patientin fällt es mir hier schwer, einzuordnen, von welchen Interessen geleitet eine Liposuktion empfohlen wird – stehe hier tatsächlich ich als Patientin im Vordergrund?

Ich bin argwöhnisch, ob es nicht ein bisschen so ist, wie wenn man sein Auto zu Pitstop bringt – die wollen einem immer neue Bremsen verkaufen, denn das ist ihr Geschäft.

#20 |
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Nicovet
Nicovet

#10: “rein kosmetische Fälle”… natürlich sieht es nicht gut aus, wenn meine Unterschenkel abends überm Knöchel so dick sind wie meine Waden, und sich überm Knie ein leicht überhängender Wulst bildet. Damit könnte ich aber einigermaßen leben – wenn es nicht so furchtbar SCHMERZHAFT wäre! Es schränkt im Alltag ein, ständig hat man das Bedürfnis, die Beine hoch zu legen – ein entspanntes Gespräch am Stehtisch ist nicht wirklich möglich, auch nicht mit Kompressionsstrümpfen. Und tragen Sie mal Kompressionsstrümpfe oder -hosen bei 30° im Schatten (und dann muss man ja noch was drüber tragen, sieht sonst irgendwie komisch aus)!
Mich belastet das Lipödem jeden Tag körperlich, auch wenn es nur Grad 1-2 ist. Wenn ich die Kohle hätte, würde ich sofort eine Liposuktion durchführen lassen.

#19 |
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Gast
Gast

Trotzdem ist es sehr traurig und beschämend, dass die Krankenkassen rumzicken ,und sich weigern eine notwendige OP zu bezahlen.

#18 |
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Joachim Bedynek, Anthropologie
Joachim Bedynek, Anthropologie

Ich stimmemeiner Vorrednerin zu, besonders dem letzten Satz.

#17 |
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Gästin
Gästin

Ich hatte als Teenie schon ein Lipödem, wurde als “Fettarsch” beschimpft, obwohl ich lange Zeit untergewichtig war. Als ich 25 war, habe ich mir das Geld zusammengespart und einen Kredit aufgenommen und mich damals für 10.000 Mark operieren lassen. Der Chirurg sagte zu mir: “Wenn Sie jetzt nicht sehr viel zunehmen, muss der Eingriff nicht wiederholt werden.”
So war es auch. Er hat meine Lebensqualität enorm verbessert, er hat der KK wohl auch die Bezahlung einer Psychotherapie erspart. Ich würde es immer wieder selbst bezahlen ,besser als ein Autokauf oder fünfmal Urlaubfahren.

#16 |
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Freya Höchtl
Freya Höchtl

Der Bericht bleibt leider auf dem Entweder Oder. Die Kassen verkaufen ihr konservatives Konzept, die Operateure verkaufen ein anderes Konzept.
Niemand spricht über Trauma als Auslöser. Niemand spricht über die Thematik und den Zusammenhang mit den Nebennieren. Mir hat eine amerikanische Ärztin weitergeholfen, in dem sie mich darauf aufmerksam machte, wie der Zusammenhang (Entwicklung- und auch Schock-) Trauma und Lipödem aussieht. Seither habe ich, mit einer Stärkung der Nebennieren, einer antientzündlichen Ernährungsumstellung (und Darmsanierung), einer Stärkung der Mitochondrien und Traumatherapie (Somatic Experiencing nach Peter Levine) viele viele Kilos abgenommen, der Schmerz ist gänzlich weg.
(Natürlich ist alles selbst zu bezahlen!)
Einzelfall? Ich bin fest davon überzeugt: Nein. Das kann für viele Frauen – auch – eine Lösung sein. Meine Krankenkasse war nicht daran interessiert zu erfahren, wie dieser Erfolg sich eingestellt, auch meine behandelnde Ärztin nicht. Sie hat es gesehen und es interessiert sie nicht. Warum nicht? Ja, eine gute Frage…
Alles Gute für Euch alle, liebe betroffene Frauen.

Hormontest Nebennieren: das machen viele HeilpraktikerInnen
Mitochondrien, KPU/HPU, ATP etc.: auch das machen viele HeilpraktikerInnen
Somatic Experiening: http://www.somatic-experiencing.de

#15 |
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Gabi
Gabi

Guten Tag, vielen Dank für die Info…………. ich hätte mal eine Frage.
Wo kann man sich erkundigen welche “Probanten” für die Erprobungsstudie infrage kommen. Welche Vorraussetzungen müssen erfüllt werden und gibt es überhaupt schon derartige Vorgaben um an solch einer Studio teilzunehmen.
Ich bin 60 Jahre alt und leide seit mehr als 30 Jahren an Lipolymphödem Stufe III. Alle konservativen Maßnahmen sind ausgeschöft und ich habe alle Vorgaben der KK erfüllt. Trotzdem hat der MDK abgelehnt………………. Es wäre ein großer Lichtblick an dieser Studie teilnehmen zu können. Gibt es Infos……… Vielen lieben Dank

#14 |
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Klaus Czepan
Klaus Czepan

Kann “Gast” voll zustimmen. Seine Erfahrung ist auch meine Erfahrung als geprüfter und zertifizierter ML/KPE Therapeut. Es ist ja nicht so, dass die Krankenkassen die Liposuktion überhaupt nicht erstatten und man wird eben nicht jeden Fall sofort mit Liposuktion behandeln, eben auch wegen den Risiken. Leider haben die Betroffenen oft eine Tortour hinter sich, bis das endlich richtig diagnostiziert wird und dann sind sie meist schon da, Schmerzen in den Knien etc. Es braucht eben bei jetziger Datenlage eine Einzelfallbegründung für Liposuktion zur Kostenerstattung dutch die KK. Natürlich gibt es klamme Kassen, die mauern evtl. mehr als notwendig. In so einem Fall bitte zeitnah sich nach anderen KK umschauen.

#13 |
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Gast
Gast

Wenn eine lymphatische Stauung mit im Spiel ist dann wirds nicht ganz ohne konsequente Kompressionsstrumpfbehandlung in Kombination mit konsequenter Lymphdrainage (leider für den Betroffenen zeitaufwendig) gehen. Die gestörten Lymphbahnen lassen sich leider nicht absaugen. Will nicht heißen, daß eine Volumenreduktion die Folgen fürs Gewebe etwas abmildern könnte. Eigentlich würde ich mir wünschen daß bei gesicherter Diagnose die konsequente Entstauungstherapie verordnet werden könnte, und die Liposuktion dann bezuschußt würde, wenn die konservativen Maßnahmen nicht mehr greifen (ähnlich wie bei bariatrischen Operationen zur Gewichtsreduktion).

#12 |
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Gast
Gast

Selbst habe ich ein schweres Lipödem. Dank des Lipödems nun Totalschäden der Knie. Selbst ist das Lipödem nicht tötlich, kann aber schwerwiegende Erkrankungen hervorrufen. Die Schmerzen die man beim Lymphen etragen muß, kann sich keiner vorstellen. Kompressionsbekleidung kann tiefe Schnitte verursachen, sie schnürt bei vielen Betroffenen das Gewebe ab. Nerven werden geschädigt. Könnte noch mehr aufzählen.
Wenn man selbst die Schmerzen nicht erfährt, für den ist es leicht das Urteil als positiv zu bezeichnen.

#11 |
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Gast
Gast

Beim echten Lipödem hilft nur die OP mit Reduktion der Haut.
Das ist Fakt.
Es ist keine Krankheit!
Es ist eine Fettgewebsverteilungsstörung, die sich mit der Hormonkonstellation
in der Pubertät ergibt.
Das Problem liegt darin, dass es eben auffällt, wie eine besondere Nasenform.
Die Narben nach der OP fallen auch auf.
Alle Fälle, in denen die Fettverteilungsstörung mit Liposuction alleine zu beheben ist, sind rein kosmetische fälle. DAS gehört nicht in den Bereich der Erstattung durch die Krankenkassen. Ich finde die Entscheidung richtig!

#10 |
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Klaus Czepan
Klaus Czepan

Bei der jetzigen Datenlage und den bekannten Risiken einfach zu behaupten, die Liposuction sei die einzig wirksame Therapie ist dreiste Quacksalberei und Scharlatanerie. Derartige Meinungsmacher gibt es genug in wissenschaftsfernen Kreisen. Wenn etwas passiert sind sie es ja nicht gewesen, sondern die “Schulmediziner”.

#9 |
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momi
momi

Wenn ein Lymphödem tatsächlich und objektiv diagnostiziert wird mit Abgrenzung differential diagnostisch von anderen Ödemen unterschiedlichen Genesen besonders von Lymphödem und Lipohypertrophie bleibt die einzige wirksamste Therapie des Leidens die Liposuction.
Die Übernahme der Kosten bleibt wie bei anderen Erkrankugen unterlegt für die medizinische Notwendigkeit zur Therapie eine medizinisch anerkannte Erkrankung und zu Vermeidung ihrer Folgen.
Warum werden die Kosten für die Folgen einer Erkrankung wie DFS oder Diab. PNP in weitgehendem Umfang übernommen? Warum gilt es nicht gleichartig für die Übernahme der Kosten der richtigen Therapie des Lipödems .Die Patientinnen mit Lymphödem leiden auch an schweren Folgen der Erkrankung in körperlichem und seelischem Bereich. Das sollten wir eigentlich diskutieren.
mfkg

#8 |
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Gast
Gast

Was ist mit Kryolipolyse?

#7 |
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momi
momi

der Bericht und die Darstellung der Fotografin sind gut, allerdings nicht alle dargestellte leidende Frauen haben Lipödem sondern eine Lipohypertrophie!
Tatsache ist die einzige Therapie des Lipödems bleibt für die Liposuction gehalten. Eine KPE lässt das ödematöse vermehrte Fettzellen nicht verschwinden daher bleibt die evtl. wiederholte Liposuction auch wenn zur Beeinträchtigung der Lymphgefäßsystems was nachträglich durch eine KPE nachgeholfen werden muss. Die Patientinnen die unter Lympödem leiden haben in psychosozialer Ebene erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität. sie sind in Sinne des Gesetzes seelisch und körperlich behindert meistens in jungen Alters. Die Verantwortung sollte das medizinische Gesetz übernehmen.

#6 |
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Klaus Czepan
Klaus Czepan

wird es frühzeitig und richtig als Lipödem diagnostiziert, dann helfen Kompressionsstrumpfhosen sehr gut. Sie müssen Kompressionsklasse 2 oder 3 und aus Flachstrickgewebe vom Fachgeschäft konfektioniert sein. Eine Anmessung muss von Hand erfolgen und nicht mit dem Laserscanner, denn nur die erfahrene Hand kann die Messergebnisse der noch vorhandenen Elastizität des Gewebes anpassen. Liposuktion ist problematisch wegen der Gefahr der Zerstörung des Lymphtransports. Es gibt Fälle, wo nach Liposuktion die Situation völlig problematisch wurde. So wird man bei der jetzigen Datenlage erst einmal nicht invasiv verfahren. Alles andere wäre unverantwortlich.

#5 |
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Klaus Czepan
Klaus Czepan

wird es frühzeitig und richtig als Lipödem diagnostiziert, dann helfen Kompressionsstrumpfhosen sehr gut. Sie müssen Kompressionsklasse 2 oder 3 und aus Flachstrickgewebe vom Fachgeschäft konfektioniert sein. Eine Anmessung muss von Hand erfolgen und nicht mit dem Laserscanner, denn nur die erfahrene Hand kann die Masse der noch vorhandenen Elastizität des Gewebes anpassen. Liposuktion ist problematisch wegen der Gefahr der Zerstörung des Lymphtransports. Es gibt Fälle, wo nach Liposuktion die Situation völlig problematisch wurde. So wird man bei der jetzigen Datenlage erst einmal nicht invasiv verfahren. Alles andere wäre unverantwortlich.

#4 |
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Gast
Gast

Bei aller Unklarheit bezüglich der Genese ist eins jedoch allen bewusst: NUR die Liposuktion bringt den Betroffenen wirkliche Entlastung, dass die KKs diese weiterhin nur in Ausnahmefällen bezahlen wollen, geschieht aus rein monetären Gründen-ist EIN(!) Paar Kompressionsstrümpfe (zusätzlich Lymphdrainage in Stadium 2) im Halbjahr doch wesentlich günstiger.

#3 |
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Klaus Czepan
Klaus Czepan

Zuvorderst sollte dieses Krankheitsbild sicher diagnostiziert und vom Primären oder Sekundären Lymphödem unterschieden werden. Dazu gehört eine verbindliche Weiterbildungspflicht für alle Allgemeinmediziner in diesem Bereich. Wie oft sehe ich, dass Diuretika verordnet werden oder Diätempfehlungen gegeben werden. Auf derartiger Grundlage muss jede Statistik versagen.

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Weitere medizinische Berufe

Liebe DocCheck-Leser, sehr geehrter Herr van den Heuvel,

nach meinen mehr als 5 Jahren Recherchen und den Angaben mancher Komplementärmediziner sowie Patientinnenbefunde ist Lipödem, die weitgehend unbekannte aber sehr weit verbreitete Volkskrankheit fast nur bei Frauen, eine primäre Mitochondriopathie (also Erkrankung der Mitochondrien, das sind die Zellorganellen, in den Fettzellen!) Da demnach Lipödem ein Gendefekt in der mitochondrialen DNA (mtDNA) in den 37 (bis 39 Genen) in den Zellkraftwerken wäre, scheint bei den meisten Patientinnen eine Fettabsaugung nicht geeignet, da es technisch nicht möglich ist, nur die durch Erbkrankheit defekten extrem kleinen Mitochondrien IN den Zellen bzw. Fettzellen einer Patientin abzusaugen, bei einer Liposuktion werden ganze Areale gebietsweise abgesaugt einschließlich aller gesunden Mitochondrien und es können zudem Lymphgefäße manchmal geschädigt werden.

Am St. Georg College in London (Dr. Pia Ostergaard) gibt es Genstudien zu Lipödem seit März 2016 bis voraussichtlich Februar 2018, zu den innovativen Behandlungsansätzen wie der multimodalen Mitochondrientherapie bei dieser erblich bedingten Fettstauungskrankheit sollte m.E. dringend weiter geforscht werden. Die Ursache von LIPÖDEM ist also inzwischen bekannt und somit auch eine neue kausale Therapie möglich! Hierzu bedarf es allerdings umgehend wissenschaftlicher Studien mit einer größeren Betroffenenzahl.

Herzliche Grüße
Ihre
Dagmar Schmidt-Neuhaus
Freie Publizistin seit 2011 (Fachgebiet Mitochondrienmedizin),
nominiert für den Bayerischen Gesundheits- und Pflegepreis 2017 mit:
http://www.lipolymphoedem.de
(ca. 130 Seiten zu LIPÖDEM mit 2.400 Schlagwörtern und Details zu den mitochondrialen Dysfunktionen inkl. wissenschaftlicher Referenzen und Quellen, Selbst-Test, Ernährungsempfehlungen bei Mitochondriopathien und vielem mehr) sowie dem neuen Expertenverzeichnis für die Besondere Untersuchungs- und Behandlungsmethode Mitochondriale Medizin:
http://www.mitochondriopathien.de/experten

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