Welche ist die beste Medizin-Uni?

26. Juli 2017
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Abi in der Tasche, Berufswunsch klar: Arzt! Doch wo studiert es sich am besten? In Deutschland oder besser im Ausland? Groß- oder Kleinstadt? An der staatlichen Uni oder an der privaten Hochschule? Ein Ranking der besonderen Art.

In Deutschland kann man an 35 verschiedenen Hochschulen Medizin studieren. Verteilt werden die Plätze über die zentrale Vergabestelle von Studienplätzen (Hochschulstart.de). Jede medizinische Fakultät kann ihre individuellen Zulassungsbedingungen jedoch selbst wählen.

Welche Uni passt zu mir?

Welcher Typ bist du? Liebst du das pulsierende Leben einer Großstadt, die gar nicht groß genug für dich sein kann? Dann bist du wahrscheinlich in Berlin, München oder Düsseldorf am besten aufgehoben. Hier kannst du auch die meisten Kommilitonen erwarten (LMU München ca. 6.300, Berlin ca. 5.100, Düsseldorf ca. 3.100 Medizinstudenten).

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Landkarte © Deutsche Hochschulmedizin

Magst du es eher ein bisschen kleiner und familiär? Dann fühlst du dich wahrscheinlich in kleineren Städten wie Freiburg, Greifswald oder Regensburg wohler. Die kleinsten medizinischen Fakultäten findest du an der Uni Oldenburg (ca. 120 Studenten), der Uni Witten-Herdecke (ca. 570 Studenten) und an der Uni Greifswald (ca. 1.410 Studenten).

Spezielle Zulassungskriterien

Ist der Wunschort gefunden, lohnt ein Blick auf die Zulassungsbestimmungen der Lieblingsuni, um keine Chance auf einen der begehrten Plätze zu vertun. Eine Übersicht über die individuellen Zulassungskriterien der Universitäten mit medizinischer Fakultät in Deutschland hat die Stiftung für Hochschulzulassung hier zusammengestellt.

Während man an der Universität München beispielweise seinen Abischnitt durch eine einschlägige Berufsausbildung oder einen Test für medizinische Studiengänge (je nach Ergebnis) aufwerten kann, setzt die Charité Universitätsmedizin neben der Abinote und dem Studienort-Erstwunsch auch auf den sogenannten HAM-Nat. Der HAM-Nat ist ein Multiple-Choice-Test mit Fragen zu medizinisch relevanten Aspekten der Fächer Mathematik, Physik, Chemie und Biologie. Die Fragen überprüfen Kenntnisse und ihre Anwendung auf Schulniveau. Wer an der Charité studieren möchte, sollte unbedingt seine Emailadresse bei der Stiftung für Hochschulzulassung angeben, denn die Einladung zum HAM-Nat erfolgt ausschließlich per E-Mail und ist auf 850 Personen pro Semester beschränkt.

Individuelles Ranking

Im Netz finden sich zahlreiche Uni-Rankinglisten, die immer wieder „die besten Medizinunis“ küren. Diese Listen sollte man als angehender Medizinstudent stets kritisch hinterfragen. Denn was nützt einem eine renommierte medizinische Forschung, wenn man sich die Miete im Studentenwohnheim nicht leisten kann? Was nützt das hohe Ansehen einer Fakultät, wenn die Durchfallquoten dort bereits in der Vorklinik überdurchschnittlich hoch sind?

Um dieses Dilemma zu lösen, hat das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) ein nützliches Tool entwickelt, mit dem sich jeder angehende oder wechselfreudige Medizinstudent seine individuelle Rankingliste an deutschen Unis mit medizinischen Fakultäten erstellen kann. Die Rankingergebnisse basieren auf Daten, Fakten und den Urteilen von rund 150.000 Studierenden und 9.000 Professoren.

Neben Fakten zu Studium, Lehre, Ausstattung und Forschung umfasst das Ranking Urteile von Studenten über die Studienbedingungen an ihrer Hochschule sowie für einige Fächer die Reputation der Fachbereiche unter den Professoren. Zum Hochschulranking vom CHE nach individuellen Kriterien geht es hier.

 

Die CHE Suchmaschine rankt Meidzin-Unis nach individuell ausgewählten Kriterien. Hier nach Miete im Studentenwohnheim und allgemeinen Studienbedingungen.

Stand 2015.

Die CHE Suchmaschine rankt Medizin-Unis nach ausgewählten Kriterien. Hier nach Miete im Studentenwohnheim und allgemeinen Studienbedingungen, Stand 2015. Anmerkung: Die Darstellung auf der Übersichtsseite enthält die Hochschulnamen, daher werden sowohl die HU als auch die FU Berlin dort aufgeführt, tatsächlich sind in Berlin alle Medizinstudenten unter dem Dach der Charité -Universitätsmedizin vereint.

 

Oder doch lieber ins Ausland?

Das Magazin Times Higher Education erstellt jährlich nach fünf Kriterien eine Rangliste der besten Hochschulen weltweit. Die Universitäten werden nach den Kriterien Lehre, Forschung, Zitierhäufigkeit, Internationalität und anhand ihrer eingenommenen Fördergelder bewertet. Die weltweite Liste der besten medizinischen Fakultäten führen an:

  1. University of Oxford in England
  2. University of Cambridge in England
  3. Imperial College London in England
  4. University College London
  5. Johns Hopkins University in den USA

Weitere Plätze in der Rangliste sind hier einsehbar. Wer sich für eine der renommierten Universitäten im außereuropäischen Ausland begeistert, sollte im Hinterkopf behalten, dass sein Abschluss dort möglicherweise in Deutschland (oder auch ganz Europa) nicht immer problemlos anerkannt wird. Dasselbe gilt für Medizinstudenten, die in Deutschland studiert haben und im außereuropäischen Ausland praktizieren wollen.

Medizin an der Privatuni

In Deutschland gibt es mittlerweile auch fünf private Hochschulen, an denen man Medizin studieren kann.

Die Vorteile:

  1. Man kann den teilweise extrem hohen NC als Zulassungskriterium umgehen.
  2. Die Kurse sind klein und überschaubar, der Kontakt zu den Dozenten persönlich.
  3. Der Patientenkontakt findet viel früher statt als bei den alten, etwas verstaubten Lehrplänen der staatlichen Uni, bei denen sich die Studenten die ersten beiden Jahre nur mit Theorie herumschlagen müssen.

Die Nachteile:

  1. Auch hier gibt es straffe Auswahlverfahren, die den Bewerbern einiges abverlangen, wenn es darum geht, die Hochschule von ihrem Engagement im Studium zu überzeugen.
  2. Das Studium an einer privaten Hochschule ist teuer, denn ein Semester kostet dort zwischen 6.000 und 11.500 Euro. Eine Alternative ist ein (hart umkämpftes) Vollstipendium.

Informieren kann man sich direkt auf den Webseiten der privaten Hochschulen:

Welche Medizinuni gewinnt?

Das eindeutige Fazit: Die ultimativ beste Medizinuni gibt es nicht. Um die richtige Uni zu finden, muss man im Vorfeld einiges an Zeit investieren, in der man sich über Zulassungskriterien und das Angebot informiert. Sobald alle Daten gesammelt sind, gilt: Hör auf deine persönlichen Bedürfnisse und Wünsche.

31 Wertungen (2.39 ø)
Humanmedizin, Studium

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11 Kommentare:

Susanne B Schink
Susanne B Schink

Zitat: Hier nun die Antwort des CHE-Hochschulranking-Teams:
“Die Darstellung auf der Übersichtsseite enthält die Hochschulnamen, daher werden sowohl die HU als auch die FU dort aufgeführt. Auf der Detailseite sehen Sie dann die detaillierte Bezeichnung.”
Beide Detailseiten führen zu “Charité -Universitätsmedizin Berlin”. Die Liste ist also keineswegs veraltet, sondern eher detailgetreu :-)
Herzliche Grüße
Sonja Schmitzer”

Danke für Ihre Antwort. Warum zitieren Sie Listen, die Sie (im Vorfeld) gar nicht kritisch überprüft haben und, im Fall von Berlin, keinen Sinn machen? “Detailgetreu” mag es zwar sein, Sinn macht es deswegen noch lange nicht. Es gibt nur eine Fakultät, egal wie viele Links Sie finden.
Dass Sie in Ihr Ranking die Mietpreise für die Städte in einer großen Grafik einfliessen lassen, unter dem (reisserischen) Titel “Welche ist die beste Medizin-Uni?” ist schade, das hat nun wirklich nichts mit den Bedingungen im *Medizinstudium* zu tun, sondern gilt doch für alle Studierenden in den diversen Städten. (Und wie lange die Wartezeiten auf einen Wohnheimplatz sind, betrachten Sie auch nicht — günstige Miete mag zwar toll sein, aber wenn man lange warten muss… egal was man studiert.) Kritische Anmerkungen gab es auch von anderen, denen ich mich anschliesse.
Bitte keine Sommerloch-Füller mit schnell zusammengegoogelten Beiträgen. Wirklich, DocCheck kann es besser. :-)

#11 |
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Gast
Gast

Der Artikel erweckt den Anschein, als könne man sich aussuchen, an welcher Uni man Medizin studieren möchte, sobald man sein Abi in der Tasche hat.
Diese Darstellung geht schlicht an der Realität der überwältigenden Mehrheit von AbiturientInnen vorbei, die gerne Medizin studieren möchten.
Selbst mit einem Abischnitt von 1,0 ist einem ein Studienplatz an der Wunschuni längst nicht sicher. Und mit einem Schnitt von unter 1,5 bleiben nur noch ein extrem gutes Abschneiden im TMS oder HAMNat, oder eine 3-jährige Berufsausbildung. Alles, was keine 1,x hat, hat gleich verschissen und kann entweder 14 Semester warten, oder versuchen mit viel Geld im Ausland oder auf juristischen Wegen an ein Medizinstudium zu kommen.
Alles andere mag für Fächer gelten, die zulassungsfrei sind und ist sicherlich auch ganz nett. Aber für junge Leute, die gerade aus der Schule kommen ist der Artikel keine Hilfe.

#10 |
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Medizinjournalistin

Hier nun die Antwort des CHE-Hochschulranking-Teams:

“Die Darstellung auf der Übersichtsseite enthält die Hochschulnamen, daher werden sowohl die HU als auch die FU dort aufgeführt. Auf der Detailseite sehen Sie dann die detaillierte Bezeichnung.”

Beide Detailseiten führen zu “Charité -Universitätsmedizin Berlin”. Die Liste ist also keineswegs veraltet, sondern eher detailgetreu :-)

Herzliche Grüße

Sonja Schmitzer

#9 |
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Medizinjournalistin

Liebe Frau Schink,

im aktuellen CHE Hochschul-Ranking in Cooperation mit “Zeit Campus” werden die FU und die HU Berlin in der Tat noch getrennt aufgeführt. Abrufbar ist die Liste hier:

https://ranking.zeit.de/che/de/rankingunion/show?&left_f1=309&left_f2=23&left_f3=42&left_f4=525&left_f5=133&order=alpha&unionview=table&subfach=&esb=36&ab=3&hstyp=1#&left_f1=309&left_f2=23&left_f3=42&left_f4=525&left_f5=133&order=alpha&unionview=table&subfach=

Warum das so ist, haben wir bei “CHE” angefragt. Wir werden Sie auf dem Laufenden halten!

Herzliche Grüße

Sonja Schmitzer

#8 |
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Zahnarzt

Die ZVS verteilt auch schon seit lange keine Studienplätze mehr – die heißen nun hochschulstart.de

#7 |
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Susanne B Schink
Susanne B Schink

Wie veraltet ist dieser Beitrag? Zwei verschiedene Universitäten in Berlin (“Freie Universität” und “Humboldt Universität”) fürs Medizinstudium? Das gibt es schon seit ca. 2003 nicht mehr, es heisst Charité Universitätsmedizin Berlin und vereinigte die humanmedizinischen Fakultäten beider Unis… Da hat wohl jemand Listen veröffentlich, der/die wenig Ahnung hat.
DocCheckNews kann das eigentlich besser…

#6 |
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Gast
Gast

#4: Ich denke schon, dass es ein paar Kriterien gibt, die verhältnismäßig objektiv sind.
Dazu gehören denke ich die Ergebnisse des M1/M2 (deutschlandweit vergleichbar, und Studienerfolg ist denke ich ja schon ein wichtiger Indikator für die Wahl der Uni).
Daten wie im hier verlinkten CHE-Ranking die Anzahl der Studenten, die in Regelstudienzeit +2 Semester abgeschlossen haben ist auch recht aussagekräftig.
Vorsichtig wäre ich bei den subjektiven Bewertungen, hier gibt das CHE-Ranking leider nicht die Anzahl der der abgegebenen Bewertungen an! In diversen anderen Ranking-Portalen gibt es aber einige Unis, in denen die Anzahl der Bewertungen sehr niedrig ist, und damit kaum repräsentativ. Man sollte sich dann immer vor Augen halten, dass u.U. eine kleine Gruppe das Ergebnis für eine ganze Uni stark verzerren kann! (Beispiel: vor einer Weile wurde hier anhand eines solchen Bewertungs-Rankings die Uni Frankfurt als grauenhaft schlimm dargestellt, im CHE-Ranking bei “Abschlüsse in angemessener Zeit” liegt sie aber in der Spitzengruppe).
Die Studienbedingungen zu vergleichen ist zwar gut, für Abiturienten aber kaum zu überblicken (z.B. alle Klausuren an einem Tag: ist das nun ein Nachteil, weil stressig, oder ein Vorteil, weil man so auf die M2-Tage vorbereitet wird?)

#5 |
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Sebastian Schulze
Sebastian Schulze

Klingt als hätte sich da jemand mit Absicht sehr zurückgehalten. Ob die Lehre gut oder schlecht ist magschwer zu vergleichen sein; anders sieht es bei den Bedinungen aus. Z.B. Wie viele Antrittsversuche hat man, werden alle Klausuren am selben Tag geschrieben etc. Ich denke wenn man gewollt hätte, hätte man auch hier gut etwas zum vergleichen gefunden!

#4 |
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Student der Humanmedizin

Solche Rankings haben keinerlei praktische Aussage.
Jeder kann überall ein guter Arzt werden. In Oxford oder in Timbuktu. Auf was es ankommt sind das eigene Engagement etwas lernen zu wollen und persönliche Mentoren, die einen weiter bringen.
Auch an vermeintlichen Top Unis läuft so einiges falsch in der Lehre…
Eigene Erfahrung.

#3 |
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Gast
Gast

Die nicht-“verstaubten” Lehrpläne z.B. an der Uni Witten-Herdecke hat aber, wenn man sich den weit unterdurchschnittlichen Punkte-Mittelwert des vergangenen M2 betrachtet (232, deutschlandweites Mittel 244) anscheinend auch nicht so viel gebracht.
Ich kann jedem nur raten, wenn erzählt wird, wie toll / wie schlecht eine bestimmte Uni ist, sich die Punktezahlen der M1/M2-Prüfungen anzusehen (auf der Seite des IMPP verfügbar).
Das ist der einzige objektive deutschlandweite Vergleich, und der sieht mitunter ganz anders aus als die Ergebnisse aller Rankings…

#2 |
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Gast
Gast

Zulassungskritierien sind doch kein Kriterium für die beste medizinsiche Hochschule, sondern wohl eher für die beste, in die Sie noch hineinkommen. Erbärmlicher Satz.

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