Glioblastom: Hype um Methadon

4. Juli 2017
Teilen

Glioblastome gehören zu den Krebserkrankungen mit besonders schlechter Prognose. Medienberichte wecken in Patienten nun die Hoffnung, Methadon könnte ihnen helfen. Sollten Ärzte einen Behandlungsversuch wagen oder besser auf neue Studien warten?

In den letzten Monaten haben etliche Formate, darunter BR, NDR, Tagesschau.de oder Stern TV, von sensationellen Behandlungserfolgen durch Methadon berichtet. Dabei ging es häufig um Glioblastome, bei denen Onkologen kaum Möglichkeiten zur Intervention haben. Patienten klammern sich an jeden Strohhalm. Wie sollten Ärzte jetzt handeln?

Ein Kracher im Labor

Claudia Friesen

Dr. Claudia Friesen untersucht seit rund zehn Jahren zytotoxische Eigenschaften von Methadon © Uni Ulm

Dr. Julia Onken von der Charité Berlin und Dr. Claudia Friesen von der Uniklinik Ulm haben Daten von 27 Patienten mit Gliom ausgewertet. Sie erhielten neben Temozolomid, Lomustin (CCNU) sowie Bevacizumab im Rahmen eines individuellen Heilversuchs Methadon zur Unterstützung der Chemotherapie. Die Dosis wurde von fünf auf bis zu 35 Milligramm pro Tag gesteigert. Vegetative Nebenwirkungen wie Tachykardie oder Unruhe oder Interaktionen traten nicht auf. Hinsichtlich des progressionsfreien Überlebens innerhalb von sechs Monaten sehen Onken und ihre Kollegen keine Unterschiede, verglichen mit älteren Daten ohne Methadon.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam Dr. Reddy Akhila vom University of Texas MD Anderson Cancer Center. Sie verglich bei einer retrospektiven Studie das Gesamtüberleben von 164 Patienten. Teilnehmer erhielten Methadon oder andere Opioide. Signifikante Unterschiede ließen sich auch hier nicht nachweisen. Sowohl Onken als auch Akhila schreiben einschränkend, dies sei aufgrund des retrospektiven Studiendesigns, der geringen Patientenzahl und der heterogenen Population auch kaum möglich.

Mit der Thematik befasst sich Friesen schon seit Jahren. Bei einer Arbeit im Labor mit Glioblastoma-Zellen zeigte sie, welche Effekte auftraten. Ausgangspunkt war, dass Methadon als Agonist an µ- und κ-Opioid-Rezeptoren wirkt. Deren Aktivierung kann zur Apoptose führen. Zwar haben viele Tumorentitäten eine erhöhte Rezeptordichte. Für die Behandlung sind es jedoch zu wenige Bindungsstellen. Setzen Onkologen Chemo- und Strahlentherapien ein, erhöht sich die Rezeptordichte allerdings, und Methadon kann wirken.

Bindet das synthetische Opioid an Rezeptoren, werden diese aktiviert. Das führt zur vermehrten Aktivität des Gi-Proteins und zur verminderten Aktivität der Adenylatzyklase. Lange Rede, kurzer Sinn: Die Konzentration an zyklischem Adenosinmonophosphat (cAMP) verringert sich. „Dadurch werden Krebszellen empfindlicher gegenüber der Chemotherapie“, schreibt Friesen im Artikel. Methadon hemmt ebenfalls das P-Glycoprotein-abhängige Ausschleusen von Zytostatika aus Krebszellen und beugt damit Resistenzen vor. Im Labor wirken Zytostatika besser. Wie es bei Patienten aussieht, bleibt offen.

Daten nicht automatisch auf Patienten übertragbar

Angesichts der fehlenden Daten aus klinischen Studien bemüht sich die Uniklinik Ulm, Sachverhalte klarzustellen. In einer Meldung heißt es: „Die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die von der Arbeitsgruppe der Molekularbiologin Frau Dr. Friesen am Institut für Rechtsmedizin der Universität Ulm erhoben wurden, beziehen sich ausschließlich auf vorklinische Experimente entweder mit Zellkulturen oder tierexperimentellen Studien. Diese Daten lassen sich nicht automatisch auf die Situation beim Patienten übertragen.“ Man halte den „unkritischen Einsatz von Methadon außerhalb klinischer Studien für nicht gerechtfertigt“.

Wolfgang Wick

Professor Dr. Wolfgang Wick © DKFZ

Professor Dr. Wolfgang Wick warnte bei Stern TV Ärzte, Betroffenen vorschnell falsche Hoffnungen zu machen: Berichte von Krebspatienten, denen mit Methadon geholfen wurde, seien „kritisch zu betrachten“, sagte der Experte der Neuroonkologischen Arbeitsgemeinschaft in der Deutschen Krebsgesellschaft. „Um Methadon flächendeckend einzusetzen, fehlt die Grundlage.“ Zusammen mit Professor Dr. Ralf Gold von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat Wick deshalb eine Stellungnahme veröffentlicht. Beide Fachgesellschaften raten vom Einsatz des vermeintlichen Wundermedikaments ab.

Zu einem ähnlichen Fazit kommt die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO): „Die vorgelegten Daten zur Wirksamkeit von Methadon bei Patienten mit Gliomen beruhen auf einer einzigen, unkontrollierten Studie. Diese Daten müssen in kontrollierten Studien überprüft werden, idealerweise in einer randomisierten Studie, alternativ in einer Fall-Kontroll-Studie.“ Auf Basis der vorliegenden Daten sei eine unkritische Off-Label-Anwendung von Methadon nicht gerechtfertigt.

Patienten leben zwei bis drei Jahre länger

hilscher

Dr. Hans-Jörg Hilscher © Palliativmedizinischer Konsiliardienst NIL

Dr. Hans-Jörg Hilscher vom Hospiz Mutter Teresa in Iserlohn teilt diese Skepsis nicht. „Die Menschen in meinem Hospiz leben dramatisch viel länger als in anderen Hospizen und ich habe überlegt, woran das liegen könnte“, erklärt er gegenüber Medscape. „Bei etwa zwei Drittel der Patienten gehen die Tumoren zurück oder verschwinden sogar. Bei dem anderen Drittel steigen zumindest Überlebenszeit und Lebensqualität.“

Patienten mit Glioblastomen seien bislang nach rund zwei Jahren gestorben. Unter Methadontherapie lebten sie nun vier bis fünf Jahre und würden im Zweifel an radiogener Demenz sterben. „Es ist schon bitter, zu sehen, dass die Patienten keine Tumoren mehr haben, aber dann an den Nebenwirkungen der Radiotherapie sterben“, ergänzt Hilscher. Hier handelt es sich nur um Fallberichte, nicht um klinische Untersuchungen.

Mit dem Rücken zur Wand

Damit ist die Sachlage mehr als verzwickt. Einerseits fehlen hochwertige Studien, andererseits deuten Labordaten und Fallberichte auf mögliche Effekte hin. Wick: „Die vielen Patientenberichte rechtfertigen, dass wir uns Gedanken machen, wie wir das Ganze klinisch weiterentwickeln.“ Er ergänzt: „Die Studie haben wir beantragt.“ Dann habe man „hoffentlich in drei Jahren seriöse Daten für die Therapie.“

Der Aktionismus zum jetzigen Zeitpunkt überrascht. Vor rund zehn Jahren fand Friesen erste Erkenntnisse, dass Methadon Krebszellen absterben lassen könnte. Seither ist wenig passiert. „Wenn Methadon seine zwölf Euro für vier bis sechs Wochen kostet und in Konkurrenz zu einem Medikament mit 20.000 oder 25.000 Euro steht, kann ich mir vorstellen, dass Methadon keine Chance hat“, sagt die Wissenschaftlerin. Das Opioid ist nicht mehr patentfähig und damit für „Big Pharma“ uninteressant.

Betroffene werden Ergebnisse der geplanten Studie kaum erleben. Beim Glioblastom schwankt die mittlere Überlebenszeit zwischen acht und 17 Monaten. Angesichts mangelnder Alternativen haben Ärzte jedoch die Möglichkeit, Methadon off label einzusetzen. Um später den Vorwurf eines Behandlungsfehlers zu vermeiden, sollten sie zu Beginn die medizinische Begründung und das Einverständnis ihrer Patienten dokumentieren. Später können sie Erkrankte auch für klinische Studien vorschlagen. Bei Methadon, einem alten, gut untersuchten Wirkstoff, ist das medizinische Risiko verglichen mit neuen Molekülen als gering einzustufen. Auch die Kosten halten sich im Rahmen, falls GKVen keine Kosten übernehmen sollten.

157 Wertungen (3.75 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

92 Kommentare:

Gast
Gast

Und ein paar letzte Anmerkungen (und dann bin ich weg): Im Stern-TV-Beitrag berichtet Herr Dr. Hilscher darüber, daß der MDK auf die längeren Überlebenszeiten in seinem Hospiz aufmerksam geworden sei. Warum wurden diese Daten nicht ausgewertet und publiziert? Das ist doch schon öfters mit MDK-Daten gemacht worden. Weswegen hat niemand im Umkreis des Hospizes das bislang in Angriff genommen (ich verlange ja nicht, daß es Dr. Hilscher selbst sein muß)?
Umgekehrt berichtet auch Frau Dr. Friesen über eine erhebliche Anzahl von Fällen, in denen Methadon eine positive Wirkung gehabt habe. Auch wenn eine prospektive randomisierte Studie natürlich der Standard ist, wäre die Publikation einer Fallserie doch auch sinnvoll gewesen. Weshalb ist das nicht geschehen? Waren die Berichte so anekdotisch, daß sie nicht ausgewertet werden konnten?
Nein, bei genauerem Hinsehen fallen mir doch jede Menge Ungereimtheiten auf.

#92 |
  1
Ärztin

Ein Beispiel für verschieden lange Patentlaufzeiten: Imatinib ist als Origninalpräparat mit dem Namen Glivec derzeit alleinig für die Therapie von GIST zugelassen, während die Generika diese Zulassung noch nicht besitzen (http://www.ema.europa.eu/ema/index.jsp?curl=pages%2Fmedicines%2Flanding%2Fepar_search.jsp&mid=WC0b01ac058001d125&searchTab=searchByKey&alreadyLoaded=true&isNewQuery=true&status=Authorised&status=Withdrawn&status=Suspended&status=Refused&keyword=Imatinib&searchType=inn&taxonomyPath=&treeNumber=&searchGenericType=generics). Hintergrund ist, daß die Indikation GIST als Nachzulassung erteilt wurde und das Patent daher später ausläuft. Daß diese Vorgehensweise (die sich auch für Methadon anbieten würde) nicht allgemein bekannt ist, ist ja das eine, daß aber Dr. Friesen und Dr. Hilscher sich diesbezüglich nicht bei BfArM oder EMEA informiert zu haben scheinen (oder bei einem Patentanwalt), und auch die berichtenden Medien nicht (doccheck eingeschlossen), ist verwunderlich. Hat Frau Dr. Friesen wenigstens den aktiven Versuch unternommen, aufgrund ihrer Forschungsergebnisse die Kooperation mit der Pharmaindustrie einzugehen? Oder hat sie nur gewartet, daß ein Unternehmen stattdessen bei Ihr anklopft?
Aber was auch ein “Gschmäckle” hinterläßt: In einer PM der Dt. Krebshilfe wird auf die Projektförderung mit 299.000 € hingewiesen, die Dr. Friesen für die Forschungen erhalten habe, und klinische Studien folgen sollen (https://www.krebshilfe.de/informieren/presse/pressemitteilungen/news-detailseite/methadon-allroundtalent-gegen-hirntumoren/), datiert ist die Meldung auf 2014, sie taucht aber auch beim idw mit dem Datum 2009 auf (https://idw-online.de/de/news336517), was besser paßt, da die initialen Experimente aus dem Jahr 2008 stammen. Frage meinerseits: Was ist denn in der Zwischenzeit poassiert, daß die besagten Studien nicht erfolgt sind? Hat die Krebshilfe den Fördertopf gesperrt? Waren anderweitige Drittmittel nicht verfügbar (DFG usw.)? Oder warum hat Frau Dr. Friesen dieses doch so wichtige Thema brachliegen lassen? – Frau Dr. Friesen, bitte melden Sie sich…

#91 |
  1
Dr. Wolfgang Groeben(Suchtmedizin) Immenstadt
Dr. Wolfgang Groeben(Suchtmedizin) Immenstadt

Methadon und Krebsbehandlung Fakten für Bayern:
1. Methadon ist nicht für Krebsbehandlungen auch in Kombi mit Chemotherapien zugelassen.
2. “Off Label” Verordnung ausschließlich zur Schmerztherapie. Methadon Lsg. 10- 40 mg/d
3. Keine Kassenleistung (Privat BTM)
4. Genaue Dokumentation mit Begründung für die Verordnung von Methadon (z.B. bisherige Analgesie unzureichend, erhebliche NW unter bisheriger Therapie) und Verlaufskontrollen mit Dosisreduktion der Schmerztherapie erforderlich.

#90 |
  0
Stephan Kilian
Stephan Kilian

Bei meiner Mutter sind zwei Giloblastom Rezidive innerhalb weniger Wochen dank der Zugabe von Methadon verschwunden. Allerdings weiß ich auch das es kein Heilmittel ist, jedoch bietet es deutlich höhere Lebensqualität für meine Mutter als eine weitere Op oder Bestahlung. Dies war alles bis jetzt nicht nötig. Erstdiagnose war im Juni 2015!!

#89 |
  1
Gast
Gast

Noch immer lesenswert: http://www.dumont-buchverlag.de/buch/mukherjee-der-koenig-aller-krankheiten-krebs-9783832196448/ – Sehr schön werden in dem Buch auch die Schwierigkeiten und Fallstricke erklärt, die sich beim Verständnis und der Behandlung von Krebserkrankungen ergeben. Auch wenn die additive Methadongabe in der palliativen Situation sicherlich nicht mit einem hochkomplexen therapeutischen Konzept vergleichbar ist: Sorgfalt bei der Untersuchung des Nutzens und Ergebnisoffenheit haben die Patienten verdient. Deshalb, auch wenn es schwerfallen mag: Saubere Studien, keine Schnellschüsse!

#88 |
  2

Nach meiner, leider unmaßgeblichen Meinung, ist es erstmal in einem wirklich dramatischen Fall bzw. bei einem betroffenen Kranken doch ziemlich “unwichtig”, ob schon alles durchgetestet und bewiesen ist!
Motto: wer hilft – hat Recht!
Der Arzt sollte sich natürlich absichern, aber mehr als helfen kann es doch nicht!
Immer diese “Betonköpfe”, von der Pharmaindustrie mal ganz zu schweigen!

#87 |
  2
Dr. med. Michael Schikorski
Dr. med. Michael Schikorski

Wir haben bei einem unserer ältesten Freunde mit miserabler Lebensqualität bei einem metastasierenden Pankreas-Ca eine Schmerztherapie mit Methadon versucht.
Das Ergebnis: schon nach einer Woche waren sämtliche Sekundärbeschwerden abgeklungen und ein erheblicher Anstieg der Lebensqualität zu verzeichnen.
Schon aus diesem Grund lohnt sich dieser billige Therapieversuch.
Onkologische Wirkungen bleiben dagegen wohl abzuwarten.

Wie man hört habe wohl das Dekanat der Universität Ulm die weitere Unterstützung der dortigen Forschungsarbeit abgelehnt. Hängt das etwa mit Versagung von Drittmitteln zusammen?

#86 |
  0
Michael Winkler
Michael Winkler

In den Kommentaren werden immer wieder Dinge durcheinander geworfen.

Hier haben wir nämlich einen Sonderfall.

1)Es gibt keinen Guru der viel Geld verdienen möchte.
2)das Medikament ist samt potentiellen
NW bekannt.
3) es gibt möglicher Weise einen invitro Ansatz zum Wirkmechanismus.
4) die Anwendungsbeobachtung kann ein positiver Hinweis sein.
Nicht mehr und nicht weniger.
5) die Prognose der Patienten ist vergleichsweise klar.
6) chemotherapeutische und radiologische interventionsoptionen sind relativ begrenzt und beeinflussen
Lebensqualität.

Meine Kommentare sehe ich vor diesem Hintergrund.
Die Grundsatzdiskussion :off-label in der Onkologie springt meiner Ansicht nach zu kurz.

#85 |
  0
Gast
Gast

WAS HAT MAN BEI SO EINER DIAGNOSE Zu VERLIEREN!!!!!! Ich würds probieren…..

#84 |
  1
Patrik
Patrik

Unter den Opiaten ist Methadon ein Schmerzmittel, das nicht beduselt. So what ? So hat der Patient wenigstens ein gutes Schmerzmittel. Und falls es sonst hilft, umso besser.

#83 |
  0

Das Zitat von Herrn Hilscher mit mehr als doppelt so langer Überlebenszeit und Tumoren, “die verschwinden”, wundert mich sehr. Ich habe noch nie ein Glioblastom “verschwinden” sehen. So traurig, wie es ist. Vielleicht stimmte die Histologie nicht, weil die Biopsie nicht adäquat war. Aber ein Gliom Grad IV WHO, so bitter es ist, geht “nicht wieder weg”.

#82 |
  12
Gast
Gast

“Compassionate use” ist ja ein netter Euphemismus für “Medikamente benutzten, von denen man nicht weiß ob sie wirken oder nicht”…

#81 |
  1
Gast
Gast

Und noch eine Ergänzung: http://de.testingtreatments.org/tt-main-text/ – bitte laden Sie das Buch “Wo ist der Beweis?” herunter – es kostet nichts! Und dann mögen sich bitte alle einmal das Kapitel zu Trastuzumab (bekannt unter dem Markennamen Herceptin) durchlesen. Und dann können womöglich diejenigen, die hier einem compassionate use so vehement das Wort reden, verstehen, weshalb das nicht immer eine gute Idee ist, und Pharmazeuten wie Onkologen damit ein ganz großes Problem haben.

#80 |
  5
Gast
Gast

@ Christian Becker: Danke für den Link zum Comic, ist witzig und trifft den Nagel auf den Kopf!

#79 |
  1
Gast
Gast

#77: Also ist es falsch keine Studien zu finanzieren, gleichzeitig aber auch Studien zu finanzieren (denn dann will man das ausgegebene Geld ja auch wieder einnehmen)?
In welcher Welt leben Sie denn? Gehen Sie doch mal zum Bäcker und verlangen kostenlose Brötchen, weil er ja wohl nicht so dreist sein wird mit Ihrem Hunger Geld verdienen zu wollen…

#78 |
  1
Elke Häußel
Elke Häußel

Wir können ja warten, bis die Wirksamkeit soweit erforscht wurde, dass das Medikament dann richtig teuer ist, …….dann verdienen ja die wieder Geld daran, die bisher auch daran verdient haben……und die, die es jetzt benötigen, bleiben auf der Strecke, leider!
Ich pflege genug Tumorpatienten!

#77 |
  5
Apotheker

Das Problem, das sich hier stellt, das Viele aber offenbar nicht sehen (wollen, z.T. ja auch verständlich, wenn man selbst betroffen ist), ist, dass Patienten eben auch vor unmoralischen Scharlatanen geschützt werden sollen.

Wie Markus Hahn und andere ja schon angedeutet haben, wird immer mal wieder eine neue Sau durchs Onkologiedorf getrieben. Nicht selten sind das dann auch Substanzen, die nicht verschrieben werden müssen. Naja, kann man ja zusätzlich (richtig kriminell wird es, wenn man sie stattdessen nehmen soll) nehmen, schadet ja nichts.
Mit dieser Einstellung öffnet man aber Abzockern jeglicher Couleur Tür und Tor. Dann werden irgendwelche Kräutermischungen, Vitamine (die es nicht gibt, z.B. B17) etc. angepriesen, zu moderaten bis exorbitanten Preisen – und die hoffenden Patienten kaufen den Kram, ein paar Leute verdienen sich auf deren Kosten dumm und dämlich (aber immerhin nicht die böse Pharmaindustrie :P) – aber letztendlich hat es ja keinem geschadet; die Leute wären ja ohnehin bald gestorben.

Dieser Fall hier ist etwas spezieller, weil das angepriesene Wundermittel ausnahmsweise mal nicht einfach von irgendwem verkauft werden kann, sondern dem Betäubungsmittelgesetz unterliegt – dadurch wirkt es automatisch seriös. Es ist ein echtes Medikament, keine von irgendwem propagierte Wundersubstanz aus Einhornmilch.
Dass es nicht breit eingesetzt wird, ist auch keine Verschwörung der Pharmaindustrie; schließlich werden andere Opioide, die ebenfalls alle keinen Patentschutz mehr genießen, sehr häufig verschrieben.
Abgesehen davon ließe sich Methadon (oder auch Morphium, Oxycodon, …) sehr wohl erneut für eine neue Indikation patentieren und würde dann auch wieder einiges mehr an Geld einbringen, wie Gast #2 ja auch schon richtig bemerkt hat.

So sehr es auch Krebspatienten zu wünschen ist, dass ihnen geholfen wird – einfach eine Substanz einzusetzen, nur weil es angeblich positive Effekte gibt, ist einfach nicht das richtige Vorgehen.

Sehr zu begrüßen ist es natürlich, wenn nun aufgrund dieser Einzelfallbeobachtungen Studien mit gutem Design durchgeführt werden, die die Hypothese der Methadonunterstützung bestätigen (wäre wunderbar) oder eben nicht (dann herrscht aber wenigstens Klarheit).

Noch ein passender Comic
https://xkcd.com/1217/

#76 |
  4
Gast
Gast

Ja, Patienten sollten das Recht haben ihre Therapie mitgestalten zu können – Patienten sollten aber auch das Recht haben, sachlich informiert zu werden. Und das ist bei der Methadon-Debatte schon lange nicht mehr das Fall. Viele Tausende Wirkstoffe sind in der Präklinik sehr wirksam – und in der Klinik dann eben nicht… .

#75 |
  0
Michael Winkler
Michael Winkler

Wo will man Anfangen, wo aufhören.
Hier liegt das Dilemma.
Ich subsumiere für mich inzwischen
Tage mit Lebensqualität vs gesamt Lebensverlängerung.
Leider ergibt sich hier oft eine schwer zu überwindendes Gap.
Andere mögen anders urteilen, ich finde Tage mit Lebensqualität sollten das Maß der Dinge, zumindest höher gewichtet werden.
Hoffnung ist ein wichtiger Baustein.
Leider bleibt auch Missbrauch und Geschäftemacherei dann Eventl. nicht aus.

Dennoch Patienten in der Paliativ-Phase sollten Das Recht haben ihre Therapie mitzugestalten , auch
Off-Label!

#74 |
  0
Markus Hahn
Markus Hahn

@ Michael Winkler

Sie wissen, wie viele Substanzen + Methoden in den Medien und durch Charismatiker mit und ohne Approbation als hoch effektiv angepriesen werden, ohne dass es hierfür Evidenz gibt?

Sie wissen, dass der Anteil der in vitro effektiven antineoplastischen Substanzen (von denen viele voreilig durch die Medien als “Hoffnung auf Heilung” propagiert werden) mit der bisherigen klinischen “(Nicht)Evidenz” von Methadon, die letztendlich einen Platz in der klinischen Anwendung finden, im niedrigen Promillebereich liegt?

Wo wollen Sie da anfangen und wo aufhören? Das macht jedes medizinische Vorgehen völlig willkürlich.

Irrational vorzugehen, weil der Leidensdruck so hoch ist, ist genauso sinnig, wie unsinnige Eingriffe an Patienten vorzunehmen, nur weil sie “noch so jung” sind.

“Austherapiert” gibt es übrigens nicht. Lediglich kann eine tumorspezifische Therapie beendet werden.

Ich lasse meinen gelegentlichen Zynismus übrigens lieber an eskapistischen irrationalen Kollegen als an meinen Patienten aus.

#73 |
  6
Michael Winkler
Michael Winkler

Herr Hahn / Gast
Das Thema ist zu ernst um es abdrifften zu lassen.
Es geht Doch um den Patient.
Ich unterstelle der Kritiker möchte dem Patient falsche Hoffnungen und eventl Nebenwirkungen einer sinnlosen Therapie ersparen.

Der Befürworter möchte im Grunde jede Chance ergriffen sehen und sich dabei nicht bevormunden lassen.

Wie so oft im Leben haben beide recht und unrecht zugleich.

Das Drama für den Patienten ist nur. Er hat keine Zeit!

Also spricht doch nichts gegen einen vergleichsweise harmlosen und billigen off-label Versuch.
Ein austerapierter Patient wird sich nicht als Versuchskaninchen fühlen, sondern vielmehr etwas Hoffnung schöpfen.
Das ist im Grundsatz zunächst gut.

Mögen die Studien parallel die Sachlage klären.

#72 |
  0
Markus Hahn
Markus Hahn

@Gast

Ich werde Taxi fahren, kein Problem. Im Autoradio höre ich mir dann immer die neuesten Frontberichte vom Endkampf zwischen Dr.Rath´s Vitamincoctail, Herrn Dahmer´s “nur Leid ist geil” und Herrn Hilschers “Methadon für alle Fälle” an. Da freu ich mich schon drauf. ;-)

#71 |
  8
Gast
Gast

Sonderbar:

Gegner wie Prof. Dr. Wick & Co befinden sich auf den Honorarlisten der Pharmakonzerne Bayer AG etc. ?

Bekommen Sie etwa Geld für Ihre “kritische Haltung”? Gute Besserung unter diesen Umständen an alle Erkrankten…

http://www.pharma-transparenz.de

P.S. Gruss an diese Ärzte-wenn ihr mal arbeitslos werdet, weil sich solch ein günstiges und wirksames Mittel durchsetzt-in der Politik hättet Ihr beste Berufschancen ;-)

#70 |
  8
Markus Hahn
Markus Hahn

einige Gedanken

– die Ingredienzen solcher Sommermärchen sind in der Regel: charismatische Menschen, die sich berufen fühlen, eine von ihnen entdeckte Methode zum Heil der Menschheit zu propagieren… ungeprüfte Einzelfallberichte…der Unwillen, die eigene Methode wissenschaftlich prüfen zu lassen…die moralische Abwertung derer, die der heilsbringenden Methode kritisch gegenüber stehen….das Narrativ des bösen medizinisch-pharmazeutischen Komplexes, der einfache und wundersam effektive Heilmethoden unterdrückt, um sein todbringendes Gift unter die Leute zu bringen…eifrige mediale Multiplikatoren, mit einschlägigem Weltbild

– ut aliquid fiat dient in der Regel mehr dem Behandler als dem Behandelten; “letzte Strohhälme” ergreifen öfter Behandler und Angehörige als die Patienten selber!

– in den immer sehr emotionalisierten Diskursen, die sich anlässlich solcher Sommermärchen entzünden, kommt es zur Kollusion verschiedener Motive: Angst und Hoffnung todkranker Menschen… Abwehr des mühseligen Realitätsprinzips durch Abrutschen ins magische Denken… Ressentiments zwischen Arztgruppen (interessant ist, dass auch das Methadonschweinchen, das derzeit durchs Dorf gejagt wird, meiner Erfahrung nach am engagiertesten von Allgemeinmedizinern und Zahnärzten verteidigt wird)… die Projektion unangenehmer Affekte, die die Begegnung mit Tod und Ohnmacht auslöst auf die Überbringer schlechter Nachrichten.

– diese Emotionalisierung erschwert eine empathische, aber auf dem Realitätsprinzip gründende Beziehung zwischen Arzt und Patient.

– wer glaubt, hat Recht (zumindest für sich selber). Und unser Gehirn ist evolutionär so zusammengeschraubt, dass die Ratio häufiger lediglich unseren Glauben rationalisiert, als ihn kritisch zu reflektieren.

Das nächste Wunderschwein sitzt schon in den Startlöchern.

#69 |
  11
Gast
Gast

“Der Onkologe therapiert bis zum letzten Tag” das ist die Erfahrung die ich bisher im engsten Familienkreis miterleben durfte. Von Lebensqualität war da die letzten 12 Monate, bis zum Ableben, nicht mehr zu sprechen. Was ist die richtige Therapie bei einer Erkrankung und einer durschnittlichen Lebenserwartung von 9-12 Monaten??
Was kann man da noch falsch machen? Ausser sich zu Versuchskanninchen der Pharmaindustrie zu machen.
Eine Chemo nach der anderen oder es mit etwas kombinieren das noch nicht so ganz erforscht und erprobt ist( evtl. auch nie wird, da man damit kein Geld verdienen kann)?
Ich persönlich finde das die Hoffnung oft mehr Einfluss auf den Verlauf der Krankheit hat, als eine Chemo die den Körper und den Geist mürbe macht.
Deshalb bin ich der Meinung das bei den Ärzten ein Umdenken stattfinden sollte, wenn jemand das Methadon anstatt eines anderen Opiodes nehmen will, sollte man dem Wunsch des Patienten nachgehen und ihm so einen kleinen Hoffnungsschimmer geben, auch wenns es eigentlich keine Hoffnung mehr gibt, denn Lebensqualität ist meiner Meinung nach höher anzusiedeln als Lebensdauer ohne richtiges Leben.

#68 |
  2
geneigter Leser
geneigter Leser

Wer schützt die Patienten, die nach einem letzten Strohhalm greifen? Sie wollen leben!

Wer schützt die Ärzte vor Regressen und Prozessen, wenn bei diesen off- label- Therapien etwas schief geht? Sie wollen helfen, aber nicht vor Gericht landen oder die Zulassung verlieren.

Beide Seiten nur zu verständlich! Diese Pharma- Mafia- Geschichten sind Blödsinn! Ist gibt auch Studien, die nicht von der Industrie finanziert werden.

#67 |
  3
Michael Winkler
Michael Winkler

Was hilft denn alle Ethik, wenn der Betroffene die Studienergebnisse nicht erlebt?
Niedrig dosiertes Methadon wäre mir allemal einen Versuch wert.
Auch wenn es sicher nicht zur Ausheilung kommt, ist relative, von Hoffnung geprägte Zeit, gewonnene Zeit für den Patienten!
In der kurzen Zeit die einem Glioblatom-Patienten bleibt ist jedwede akademische Diskusion nicht zielführend. Hier geht es um das Individuum.
Das hindert ja nicht daran die Sache schnell mit entsprechenden Studien zu überprüfen!!

#66 |
  3
Markus Hahn
Markus Hahn

Wenn ich als Onkologe anfange, jede medial gehypte “Wundersubstanz” (erfahrungsgemäß sind das pro Jahr zwei bis drei, von denen zwei Jahre später niemand mehr spricht) off label einzusetzen, ohne dass es eine solide Evidenz für die Wirksamkeit gibt, kann ich mich gleich als Wunderheiler selbstständig machen.
Das wäre wesentlich lukrativer und würde mir Zeit und Nerven sparen.
Ich wünschte mir, der Kollege aus dem Hospiz, die Diplombiologin und all die unterkomplexen Journalisten würden zumindest die Suppe mit auslöffeln müssen, die sie den Patienten und den behandelnden Kollegen mit ihren unseriösen Verlautbarungen eingebrockt haben.

PS: Die angeblich überdurchschnittliche Überlebenszeit im Hospiz von Herrn Hilscher ist wohl eher auf eine falsche Indikationsstellung als auf die wundersame Wirkung seiner Methadongaben zurückzuführen.
Wenn mir ein Kollege ernsthaft erzählt, er habe seit Jahren durch die Gabe von MTX+Methadon keine Pleuraentlastungspunktion bei Pleurakarzinose mehr durchführen müssen, kann es sich nur um einen Nobelpreisanwärter oder um etwas anderes handeln. Ich tippe auf letzteres.

#65 |
  12

#57-58: Herr Bialaschik, Sie sprechen mir aus der Seele.

#64 |
  0
Gast
Gast

gesponsert von der Pharma…

#63 |
  3
Fabio
Fabio

Wie kan es sei , dass Milliarden in der Krebsforschung verpulvert werden und ein X-Jahre altes Medikament bzw. Ersatzdeoge noch nicht als Krebsmittel getestet wurde? Das hört sich für mich extrem unglaubwürdig an und läsdt mich stark an dem Weltweiten Gesundheitswesen zweifeln..

#62 |
  2
Gast
Gast

Liebe DocCheck-News-Redaktion, können Sie bitte die Kommentare des Herrn “franz laudenbach” löschen? Bei diesen handelt es sich um bewusst irreführende und falsche Aussagen, die eine Gefahr für potentielle Leser darstellen.

#61 |
  1
Gast
Gast

Pharmakologisches-Phytopharmakologie
Pflanzliche Arzneidrogen werden umworben: Sie seien völlig unschädlich etc.
Ein Mimetikum an Morphium aus dem Opium ( zu 10 % enthalten: immerhin!), wie Methadon, kann das als pflanzlich oder muss das als als chemisch -synthetisch gelten?
Chemiker und mehr noch Pharmakologen wussten, das wirksame Molekül zu behandeln: Unwirksame Anteile wurden weggeschnitten, besser wirksame wurden sehr verstärkt: Heraus kamen oft stärker wirksame Medikamente, als sogar das bloße, rein pflanzliche Morphium war:Mir geht es darum, die pflanzliche, phytopharmakologische Herkunft des Opioids Methadon hervorzuheben.Der Nachbau darf den Ursprung nicht vergessen lassen.

#60 |
  3
Gast
Gast

#54: Offensichtlich haben Sie nichts mit Schmerzmedizin zu tun. Der Einsatz von Opioiden gerade bei chronischen Schmerzpatienten ist etwas völlig normales und verbreitetes, nur eben meist nicht Methadon, sondern andere besser handlebare Opioide.
Die chemische Struktur von Methadon ist übrigens ähhm so mittelmäßig ähnlich der Struktur von Morphin.
Aber weder darum noch um Schmerztherapie geht es hier, sondern um die Frage ob man Methadon zur Therapie eines Glioblastomes geben sollte, ohne einen Nachweis für eine zytotoxische Wirkung beim Menschen zu haben.

#59 |
  0
Peter Bialaschik
Peter Bialaschik

Wem diese Krankheit schon fast das Leben kostet , sollte das Recht haben dieses Medikament für sich zu versuchen. Denn bis die ganzen Studien abgeschlossen sind, kann es für den einen oder Anderen bereits zu spät sein. Und Nebenwirkungen?
Wo gibt es diese nicht.
Schlimmer kann es wahrscheinlicher nicht kommen.

#58 |
  2
Peter Bialaschik
Peter Bialaschik

Wer bis zum Hals in Scheisse steht, sollte den Kopf nich hängen lassen.
Aber wem diese Krankheit schon fast das Leben kostet , sollte das Recht haben dieses Medikament für sich zu versuchen. Denn bis die ganzen Studien abgeschlossen sind, kann es für den einen oder Anderen bereits zu spät sein.

#57 |
  3
Gast
Gast

Schöner Artikel!

#56 |
  0
Gast
Gast

Drei Dinge dazu:
1. Obstipation ist keine Nebenwirkung, die von selbst wieder verschwindet; hier stellt sich keine Toleranz des Körpers ein (bei der Übelkeit ist das hingegen meist der Fall).
2. Nichts gegen Methadon als 2nd-Line-Analgetikum, jedoch würde ich zunächst auf ein anderes Opiat rotieren, weil es halt doch besser handhabbar ist.
3. Selbst das nicht gerade als pharmafreundlich bekannte Arzneitelegramm spricht sich unter Berufung auf die im Beitrag genannten Quellen für eine kritische Haltung zur Angelegenheit aus: https://www.arznei-telegramm.de/html/htmlcontainer.php3?produktid=049_02&artikel=1706049_02k

#55 |
  7
Gast
Gast

Phytopharmakon

Wir sollten nicht vergessen, dass es auch stark wirksamne Phytopharmaka gibt: Etwa Morphium vom Mohn, papaver somniferum, eine Arnzneipflanze.Opioide sind mimetisch dem Molekül nachgebaut.Die Wirksamkeit der Phytopharmaka, mit denen oft groß Werbung gemacht wird, indem man versichert: Dieses Mittel ( wie Baldrian etc) ist ja rein pflanzlich, schadet also nicht, wird mit der Kenntnis der Opiate nicht mehr unterschätzt werden können. Das scheinen viele einfach vergessen zu haben.Dass Methadon, ein Stoff, der dem Morphium bezüglich der molekularen Struktur imitiert wurde, nunmehr dermaßen sogar einen Hype bei der Vorsorge von Krebspatienten, die als unheilbar galten, auslöste, freut mich.Mal sehen.Einerseits befürchte ich, dass Opiate/ Opioide schwer chronisch schmerzleidenden Patienten durch das bloße Vorurteil, dass sie süchtig machn, verweigert werden, anderseits werde ich nicht umhin kommen, auf die Stimmen jener zu hören, die wirklich eine anscheinend zunehmende Suchtgefahr reklamieren.

#54 |
  5

Last, but not least zum Thema “Warum jetzt der Medienhype”? Was ich mir zumindest vorstellen könnte: Wenn jemand seit 10 Jahren (Frau Friesens erste Ergebnisse sind 2007/2008 publiziert worden) an einem (zumindest gefühlt) potentiell sehr guten Medikament rumforscht und das Gefühl hat, dass selbst veröffentlichte Fallbeispiele, etc. keinen Geldgeber ausreichend reizen, so dass man zwar forscht und forscht, es aber niemandem zugute kommt – würde man da nicht irgendwann versuchen, die Öffentlichkeit abseits der Medizinjournale zu nutzen? Die Aufmachung in den verschiedenen Medien selbst ist ja nicht unbedingt den Forschern anzulasten – und meines Wissens nach dient der Medienrummel ja jetzt auch als PR für das Spendenkonto, um jetzt endlich eine gute Studie machen zu können…

#53 |
  2

Was die Nebenwirkungen angeht: Wir verschreiben keine Smarties – man sollte schon im Gespräch mit dem Patienten betonen, dass man da keine Versprechen machen kann, eben weil die klinischen Studien fehlen, aber wenn jemand, der eine voraussichtliche Lebenserwartung von kleiner 6 Monaten und entsprechende Schmerzen hat, fragt, ob er es versuchen kann und ihm offensichtlich klar ist, dass das nur ein Strohhalm ist, würde ich mich auch der u.g. Position anschließen: Es ist im Bereich der Schmerztherapie zugelassen, es gibt auch unabhängig von Frau Friesen und Herrn Hilscher Berichte über durchaus positive Effekte des Wechselns, gerade bei unzureichender Schmerztherapie (z.B. http://theoncologist.alphamedpress.org/content/21/8/981.abstract ). Es ist also durchaus kein komplettes Teufelswerk, auch nur darüber nachzudenken – aber man muss halt eben deutlich mit dem Patienten besprechen, dass die Datenlage noch sehr dünn ist.

#52 |
  0

Was die Nebenwirkungen angeht: Wir verschreiben keine Smarties – man sollte schon im Gespräch mit dem Patienten betonen, dass man da keine Versprechen machen kann, eben weil die klinischen Studien fehlen, aber wenn jemand, der eine voraussichtliche Lebenserwartung von

#51 |
  0

Ein paar Sachen würde ich hier doch gerne nochmal rausarbeiten wollen:
Der (biochemische) Punkt ist eben genau die Mischung von D und L Methadon, damit ist (wie hier mehrfach richtig beschrieben) Polamidon nicht dasselbe wie das in den Artikeln von Frau Friesen und Herrn Hilscher benutzte D,L-Methadon 1% (und das Andocken des D-Methadons am NMDA ist sowohl für die Verhinderung der Toleranzentwicklung wichtig als auch wohl für die vermutete pro-apoptotische und Chemo-unterstützende Wirkung – man braucht also beides, D und L).
Methadon steht auf der BtM-Liste zur Schmerztherapie und somit ist die von Herrn Hilscher publizierte Lösung bei SCHMERZEN im Rahmen einer Tumortherapie KEIN Off-Label-Use, während die vorgefertigten Rezepturen wie Methaliq, etc. alle nur die Zulassung als Substitutionsmedikament haben, so dass dabei doch ein Off-Label-Use vorliegt.
Was die Nebenwirkungen angeht: Wir verschreiben keine Smarties – man sollte schon im Gespräch mit dem Patienten betonen, dass man da keine Versprechen machen kann, eben weil die klinischen Studien fehlen, aber wenn jemand, der eine voraussichtliche Lebenserwartung von

#50 |
  0
Gast
Gast

Nebenwirkungen von Opiaten/ Opioiden

Die sind natürlich: Verglichen jedoch mit den wirklich positiven Wirkungen, sind sie gering. Anfangs nur kann Übelkeit bis zum Erbrechen kommen: Das legt sich wieder. Anfangs nur eine rosa Brille: Die Umstellung bei wirklich sehr schmerzkranken Patienten erfolgt doch recht schnell und nur eines zählt: Dass der schreckliche Schmerz weg ist.Kurz Obstipation: der Darm wird sich schon wieder umstellen und an die Droge gewöhnen.EtcVergleichen wir die organotoxischen Nebenwirkungen der doch nicht wirklich wirksamen nichtsteroidalen Antirheymatika, können wir das Fürchten lernen.Etc.

#49 |
  3
Gast
Gast

@ Gast 46: Jedes Schmerzmedikament zu seiner Zeit. Das hängt von der Schmerzstärke und Art des Schmerzes ab. Im übrigen entwickeln Opiatpatienten bei richtigem Einsatz zwar keine psychische, aber eine körperliche Abhängigkeit – was aber nicht bedeutet, daß das Medikament gesteigert werden muß, denn ein Suchtdruck ist nicht vorhanden. Das ist völlig normal, und wenn die Behandlung mit dem Opiat nicht mehr erforderlich ist, dann muß es schrittweise reduziert werden, bevor es ganz abgesetzt werden kann.

#48 |
  0
Gast
Gast

@ Thomas Basten:
Es tut mir leid, aber der MDK reicht mir als Quelle nun einmal nicht aus. Wenn das so stimmen sollte, dann können die Gründe sehr unterschiedlich sein: Korrelation bedeutet nicht immer Kausalität. Aber wie schon Herr van den Heuvel richtig schrieb: “Der Aktionismus zum jetzigen Zeitpunkt überrascht.” Warum gerade jetzt diese mediale Aufregung entsteht, ist mir schleierhaft. Wenn das zur Folge hat, daß eine saubere Studie sich der Thematik annimmt, dann hatte die Berichterstattung im Fernsehen wenigstens eine gute Folge. Unabhängig davon, wenn bei einer (nicht sonderlich großen und sehr heterogenen) Anzahl von immerhin mehr als 10% mit Methadon behandelten Patienten dauerhaft Übelkeit und Verstopfung auftreten, dann ist das nicht trivial und kann insbesondere in der palliativen Situation sehr belastend sein. Und ich warne davor, etablierte Therapieverfahren gegen Methadon “aufrechnen” zu wollen: Jawohl, Chemotherapien können sehr toxisch sein, aber hier läßt sich Risiko gegen Nutzen abwägen. Momentan geht das beim Methadon einfach nicht!! Überhaupt, wie ich schon versucht habe klarzumachen, ich habe ein generelles Problem mit Medikamenten oder Verfahren, die urplötzlich das aktuelle Heilsversprechen (im Doppelsinn des Wortes) sein sollen. Bislang habe ich bei solchen Sachen erlebt, daß am Ende nur Enttäuschung übrig blieb.

#47 |
  2
Gast
Gast

Ich bin wirklich nur Gast und Laie.Ich freue mich allerdings, dass ein synthetisches Opioid wie Methadon gerade gegen Krebs nicht nur analgetische, sondern auch gegen den Krebs lebensverlängernde Wirkungen zeigt. Ich verfolge überhaupt die Debatte um den Einsatz von Opiaten (Morphium) und Opioiden aller Klassen seit Jahren: Aber als Laie.Ich erweitere die Diskussion deswegen kurzerhand:Es ist nahezu ein Verbrechen, einem Menschen, der sehr starke Schmerzen hat ( nicht nur bei Krebs), eine im Grunde doch pflanzliche Arznei zu verweigern und ihn mit organotoxischen schwach wirksamen , nichtsteroidalen Analgetika abzufertigen, deren Resultat allzuoft ist, an der Nierendialysemaschine zu hängen: Wohl wissend: Diese schwachen Schmerzmittel bewirkten ohnehin noch nie eine Schmerzfreiheit.Die Phobie gegen Opioide scheint unbegründet: Denn wer denn wird wirklich davon süchtig?
Verschwindet der Schmerz, braucht das keiner mehr. Zu sagen, dass der, der wirklich chronisch starke Schmerzen hat, nunmehr abhängig sei, geht nicht.Wer so starke Schmerzen hat, kann Hilfe finden.Nun, es freut mich, dass Methadon derart positive Wirkungen bei Krebskranken zeigt: Und ich möchte nicht hören, dass das nun Süchtige seien.

#46 |
  6
Gast
Gast

#44: Ach interessant. Quelle? Lassen Sie mich raten: die wird nicht kommen.

#45 |
  1
Thomas Basten
Thomas Basten

@Gast43: Auch dem MDK ist bereits aufgefallen, daß die Pat. in dem Hospiz daß von Dr. Hilscher geleitet wird (und in dem Methadon verabreicht wird) signifikant länger leben. Das spricht gegen Wunschdenken.

#44 |
  3
Gast
Gast

Zunächst die Frage, ob auch andere Substanzen, die auf den µ-Rezeptor wirken, nicht ebenfalls einen solchen Effekt haben könnten – auf jeden Fall, denke ich, ein fruchtbares Forschungsfeld.

Was nun die konkrete Diskussion hier anbelangt: Wenn ich mir die Kommentare hier durchlese, dann meine ich bei den Methadon-“Befürwortern” folgende Argumentation herauskristallisieren zu können: Ein harmloses Arzneimittel kann bei Todgeweihten nicht schaden, daher sollte der Versuch unternommen werden. – Zunächst einmal untersteht Methadon noch immer den Betäubungsmittelgesetzen der jeweiligen Staaten, und das zurecht. Wenn wir also ein Opioid geben, dann sollten wir nicht ängstlich, aber auch sorgfältig sein, und auf keinen Fall leichtfertig.
Ein zweites Argument: Wenn Patienten Tumorschmerzen leiden, dann sollten diese mit Methadon behandelt werden, um gleich den behaupteten antitumorösen Effekt mitnutzen zu können. Gerade bei Glioblastomen kann ich aus der eigenen klinischen Erfahrung feststellen, daß dies zu einem Off-Label-Use führen könnte, denn Tumorschmerzen spielen bei dieser Krebsart weniger eine Rolle (Kopfschmerzen durch das Hirnödem sind mit Glucocorticoiden meist gut behandelbar). Vorsicht daher, es können Haftung und Regresse drohen.
Um das ganze auf eine griffige Formel zu bringen: Ich habe in den letzten Jahren diverse Tumortherapien kommen und gehen sehen, z.T. auch mit erheblichen Toxizitäten, bestehend aus etablierten patentfreien Präparaten (TPF-Schema), habe erlebt, wie teure Innovationen still und leise wieder eine Nebenrolle spielen (Cabazitaxel) und habe nicht zuletzt auch feststellen müssen, wie Scharlatane Patienten um Geld und Leben gebracht haben. Bevor ich irgendwelche medizinischen Klimmzüge mache, will ich Fakten sehen, und zwar belastbare! Genau das sind wir unseren Patienten schuldig, wenn es um solch schwerwiegende Entscheidungen, wie die Behandlung von Krebserkrankungen mit stark wirksamen Opiaten, geht. Gerade auch in der palliativen Situation! Ich hätte kein gutes Gewissen, wenn ich eine Theapie anwende, mit der ich falsche Hoffnung verbreite, und die am Ende vollkommen nutzlos ist. Wissen wir denn genau, daß die Beobachtungen von Dr. Hilscher nicht auf Wunschdenken und Verzerrungen beruhen? Wissen wir umgekehrt nicht auch, daß In-Vitro-Versuche oftmals nicht in die Realität übertragbar sind?

#43 |
  1
Gast
Gast

Ohh bitte Herr Laudenbach, nicht dieser Blödsinn schon wieder.

#42 |
  0
Thomas Basten
Thomas Basten

@Gast….13 Patienten klagten über vorübergehende Übelkeit, 4 über persistierende Übelkeit und Obstipationen…. das sind natürlich, verglichen mit der sanften Wirkung der Chemo, in der Tat wirklich katastrophale NW.
DAS ist eine peinliche Vorstellung….

#41 |
  2
Michael Blumenstein
Michael Blumenstein

Ja, es gab auch einmal eine Therapieform mit ein wenig Borax gegen Arthrose und Osteoporose. Da hat die Pharmaindustrie zu einem Zeitpunkt, zu dem sie noch garnichts gegen Osteoporose im Angebot hatte weltweit für ein Verbot gesorgt. Unser Bundesinstitut für Risikobewertung könnte sich 1 mg tgl. als noch vertretbar vorstellen (Ein Bio-Apfel enthält bis zu 10 mg). Also tgl. nur 1/10 Apfel essen? Kochsalz ist in der 30- fachen Mindestdosierung tödlich, auch mutagen. Wer für Kochsalz (wie für Borax) einen Sicherheitsfaktor von 1000 einführte, würde alles menschliche Leben vernichten. Es riecht im Umfeld der Pharma- Industrie immer nach Korruption und Bedrohung, oft genug stinkt es auch! Alle Beteilgten werden sich für ihr Verhalten ggfs. auch verantworten müssen. Mir wäre als Mitglied im Bundesinstitut für Risikobewertung nicht wohl… Zeit für einen Umbruch! Nicht nur beim Methadon.

#40 |
  3
Thomas Basten
Thomas Basten

@Gast Nun, ich kenne persönlich eine Patientin die seit 7 Monaten Methadon 2×25 Tropfen einnimmt. Verträglichkeit: Exzellent, Nebenwirkungen: Null
Außerdem habe ich beruflich mit Methadon zu tun und kann daher meine Aussage gerne nochmals wiederholen. Methadon hat in der für Tumorpatienten üblichen Dosierung SO GUT WIE KEINE NEBENWIRKUNGEN. Sie können natürlich auch gerne Fr.Dr. Friesen kontaktieren. Selbstverständlich hat auch sie “nur” Beobachtungen gemacht. Meine Beobachtung nach 25 Jahren beruflicher Tätigkeit ist übrigens, daß außer der Pharmaindustrie kaum jemand wirklich von Chemo (siehe Avastin) oder profitiert. Ist aber nur so eine Beobachtung….

#39 |
  8
franz laudenbach
franz laudenbach

Versucht OPC
OPC = Traubenschalen-, Kernextrakt (Rote Trauben wirken stärker)!.
Laut Franz Robert:
OPC treibt Krebszellen innerhalb von 24 Std. in den Selbstmord.
OPC ist in Apotheken erhältlich! (60 Kapseln für 60 Tage = €16)!
Anm.: Ein Jahre alter, 2€ großer Fleck am linken Auge (Hautkrebsverdacht so die Ärztin) ist tatsächlich innerhalb 24 Std. verschwunden.

#38 |
  40
Roland Reininghaus
Roland Reininghaus

L-Polamidon Tr. (5*20ml = 49€) ist für starke Schmerzen zugelassen, also nicht unbedingt Off-label, TTK bei 10 mg tgl.: 1€. Was außer NW spricht dagegen?

#37 |
  3
Gast
Gast

#30: Die Aussage, es gäbe keinerlei Nebenwirkungen widerlegt im übrigen bereits die kleine Studie mit den 27 Patienten, die oben genannt wird. (z.B. im Pubmed nachzulesen). 13 Patienten klagten über vorübergehende Übelkeit, 4 über persistierende Übelkeit und Obstipationen.
Peinliche Vorstellung, tut mir leid.

#36 |
  6
GastJohn Rexholm
GastJohn Rexholm

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich kann mit Stolz sagen, daß ich das beste, nicht zugelassene, Krebsmittel habe.
Es hat schon vielen austherapierte Patienten, die vom Krankenhaus nach Hause geschickt worden sind um zu sterben, geholfen und leben heute noch!
Es sind über 200 Fälle! Man darf das eigentlich nicht sagen, weil die Pharma Mafia könnte ja etwas in die Wege leiten!
Alle, die Krebs haben, sollten keine Chemo oder Strahlentherapie machen! Es gibt viel bessere Alternative! Der Krebs bringt dich nicht um, aber die Chemo!

#35 |
  29
Apotheker

#20 Meinen herzlichen Dank, Frau Kollegin! Die Ausgabe liegt noch ungelesen auf dem Stapel.

#34 |
  0
Gast
Gast

#30: Meines Wissens sagt eben jener Dr. Hilscher nur, dass er eine Beobachtung gemacht hat. Ohne wirklich auszuwerten, ohne belastbares Studiendesign etc., d.h. auch mit allen Beobachtungsfehlern behaftet u.s.w.
Da Sie ja umfangreiche “Ahnung von der Materie” haben, kennen Sie diese bestimmt und wissen auch, wie zuverlässig eine solche subjektive Beobachtung ist.

#33 |
  2
Gast
Gast

All die “die bösen profitgierigen Ärzte wollen diese tolle Medikament nicht erforschen” – Redner sollten sich vor Augen halten dass Methadon eines von vielen ist, was als “das” Heilmittel für Krebs verkauft wird. Und das schon nächste Woche vielleicht das nächste Medikament gepuscht werden könnte und dann die gleichen Reden geschwungen werden. Und ja, sicher sind die Zellkultur-Ergebnisse vielversprechend und es sollte weiter erforscht werden, aber von solchen vielversprechenden Ergebnissen gibt es Tausende für jede x-beliebige Krankheit – und die herauszufischen die dann wirklich halten was sie versprechen ist nicht einfach.
Und der Vorteil an Methadon ist doch, dass man es Krebspatienten regulär als Schmerzmittel verordnen kann – sprich es braucht keine Zulassungsstudie, damit es überhaupt für diese Leute verfügbar ist.
Deshalb denke ich sollte man pragmatisch sein und es dort einsetzen wo es, wenn es denn doch nicht nützen sollte, zumindest nicht schadet – sprich bei Leuten die ohnehin Schmerztherapie benötigen oder die trotz Ausschöpfen aller “regulären” Therapien eine sehr schlechte Prognose haben und somit auch Gefahren wie eine Ateminsuffizienz in Kauf nehmen würden.
Aber man muss sich auch vor Augen halten, dass dies eine rechtliche Grauzone ist und der Hausarzt der es verschreibt dies verantworten muss. Denn wenn in 3 Jahren bei der Studie dann herauskommt dass mit Methadon letztendlich doch mehr Patienten früher verstorben sind, mehr Nebenwirkungen hatten…, muss der Arzt dies vor sich und den Angehörigen rechtfertigen, also find ich auch die “wie kann man das nicht verschreiben!”-Rufe nicht fair. Es gibt mittlerweile viele Ärzte, die dieses Medikament einsetzen und wenn der eigene Hausarzt nicht dazu gehört, steht es jedem frei, sich an jemand anderen zu wenden ohne ihm deswegen Vorwürfe zu machen – denn momentan weiß man einfach nicht ob es hilft oder nicht.

#32 |
  1
preciousMa
preciousMa

Il est clair, je remercie de l’information.
preciousMa

#31 |
  4
Thomas Basten
Thomas Basten

@Gast: Offenbar keine Sie keine Ahnung von der ganzen Materie. Daher hier ein kleiner Tipp: Setzen Sie sich doch einfach mal telefonisch mit Dr. Hilscher in Verbindung. Das ist ganz einfach. Er wird Sie sehr gerne in die “Geheimnisse” der Methadon – Behandlung von Tumorpatienten einweihen. Da bin ich mir ganz Sicher!
Und um es nochmals ganz deutlich zu sagen: Methadon hat in der Dosierung wie sie zur Behandlung von Tumorpatienten eingesetzt wird SO GUT WIE KEINE NEBENWIRKUNGEN!!!

#30 |
  9
Michèl Bürkholz
Michèl Bürkholz

Das ist ja wieder so typisch! Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht!

#29 |
  9
Gast
Gast

#26: Nennen Sie mir doch bitte mal die guten Ergebnisse? Oder haben Sie (wie anscheinend viele andere) die Quellen nicht nachgesehen und beurteilen die ganze Sache nach Informationen aus dritter Hand?

#28 |
  6
Dr. Sabine Dettling
Dr. Sabine Dettling

#19 Es handelt sich hier um D,L Methadon, Methadonhydrochlorid nicht um Polamidon. Ein kleiner aber feiner Unterschied. Schade, dass sie sich nicht wirklich mit dem Thema vertraut gemacht haben.

#27 |
  1
Max Schlommski
Max Schlommski

Bei eh sterbenskranken ein Medikament verweigern weil es zwar bekannt und im Labor gute Ergebnisse gab, aber nicht genug studiert wurde, halte ich für Unfug.
Das Medikament ist kontrollierbar, nicht teuer und immerhin eine Chance die es so nicht gäbe!

#26 |
  3
Gast
Gast

#19: Polamidon ist die L-Form, das hier angewandte Methadon das Racemat. Also leider nicht gleich.

#25 |
  0
Gast
Gast

#23: Das tut mir leid, und Sie haben in dieser schrecklichen Situation mein vollstes Verständnis. Vermutlich würde ich Ihnen in diesem Fall auch einfach Methadon verschreiben, alleine damit Sie sich nicht fragen müssen, was gewesen wäre wenn…
Aber: das Medikament ohne Wirknachweis bzgl. Glioblastomen flächendeckend anzuwenden, ist trotzdem falsch. Man kann natürlich von einem derartig erkrankten Patienten nicht erwarten, wissenschaftliche Überlegungen einzubeziehen, wenn man derartig mit dem Rücken zur Wand steht (und damit schließe ich auch einen Arzt selbst nicht aus, der sich vielleicht mangels Alternativen einfach dazu entschließen würde, das Mittel zu nehmen).
Deshalb finde ich es umso verwerflicher und unseriöser von allen beteiligte Akteuren, sich hier aus welchen Motiven auch immer in die Medien zu drängen, ohne selbst entsprechende Untersuchungen (z.B. echte und belastbare klinische Studien) angestellt zu haben.
Ja, vermutlich hätte die Pharmaindustrie eine solche Studie nicht finanziert, aber es ist ja nicht so, dass man dann keine Studien machen könnte, insbesondere wenn man 10 Jahre Zeit hatte, derartiges zu planen und Mittel einzuwerben.
Aber auf die böse Pharmaverschwörung zu schimpfen die alles tut, um die eigene geniale Entdeckung zu unterdrücken, ist natürlich immer einfacher. Und Primetime-Sendezeit in den großen Fernsehsendern bekommt man damit natürlich auch ganz wunderbar.
Daher frage ich mich hier schon, ob es v.a. um das Wohl von Glioblastom-Patienten geht oder vielleicht doch nicht so ganz…

#24 |
  7
Frau Elvira Graf
Frau Elvira Graf

Was sollen diese Bedenken gegen Methadon bewirken??? Mein Mann verstarb im Mai 2016 an einem Glioblastom, alle klassischen Therapieversuche scheiterten, nichts hatte geholfen, nur diese schrecklichen Nebenwirkungen waren zu verzeichnen!! Hätte ich doch nur vor 1 1/2 Jahren davon gehört, mein Mann und ich hätten ohne zu zögern Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt um an ein Rezept zu kommen. Er hatte keine Chance, er hatte nur 4 Monate nach Diagnosestellung. Selbst wenn die progressionsfreie Überlebenszeit sich “nur” um 1-2 Jahre verlängert, so ist das ein Gewinn. Mein Mann wurde nur 49 Jahre alt. Also verdammt noch mal, gebt das Zeug frei!!!!

#23 |
  7
Gast
Gast

Es gibt durchaus Fallberichte in den einschlägigen Internetforen von Patienten mit sehr schwerwiegenden Nebenwirkungen (bis hin zum Koma) von der Polmidon Therapie. Es ist eben nicht einfach so ein Medikament, dass man doch mal zusätzlich geben kann da der Patient eh nichts mehr zu verlieren hat.
Und ja, wir Ärzte sollten auch an Medikamenten unabhängig von der Pharmaindustrie forschen – das ist auch möglich, wenn auch arbeitsintensiv. Reine Einzelfallberichte können aber allenfalls hypothesengenerierend sein und ein flächendeckender off-label use ist nicht zu empfehlen – vor allem in Sinne der Patienten.

#22 |
  10

Dieses “nach einem Strohhalm greifen” hat häufig eine leicht verständnislose-mitleidige Konnotation, so als wären die Betroffenen unwissende Kinder. Vielleicht ist Methadon, speziell in der Behandlung des Glioblastoms, aber ja doch ein ganzer Strohballen. Hand aufs Herz: wer von den Kollegen würde, bekäme er morgen diese Schreckensdiagnose gestellt zum BTM-Rezept greifen und wer würde – der guten wissenschaftlichen Ordung halber – genügend Studien nach Goldstandard, inklusive Cochrane-Empfehlung abwarten wollen. Die mediale, tw. sensationslüsterne Aufbereitung dieses Themas stellt allerdings tatsächlich ein Problem dar.

#21 |
  1
Angestellte Apotheker

Jörg Horlitz

in der DAZ Nr. 26 vom 29.6.17 ist ein keiner Artikel über BtM-Rezepturen. Auch die Rezeptur für 1% Methadon HCL-Lösung zur Schmerztherapie incl. Dosierung.

#20 |
  0

Methadon ist lange auch unter den Namen Polamidon bekannt. Ein starkes Schmerzmittel, dessen Wirkung und Nebenwirkungen gut dokumentiert sind. Bei Tumorschmerzen kann man sehr wohl mit einem Opiat “freier Wahl” therapieren, was soll daran Off-Label sein? Wenn das Methadon dann noch cancerotoxische Wirkung entfaltet, wunderbar. Anders sieht es vielleicht im Augenblick noch aus, falls man Methadon alleine in der First-Line einsetzen will.

#19 |
  1
Apotheker

Zu #17 gebe ich zu bedenken, dass ein off-label Einsatz immer auch Risiken birgt. Die hohen Zulassungshürden schützen auch vor echten Katastrophen. Man hat zum Glück aus Contergan gelernt. Ich halte meinen persönlich haftenden Kopf nur hin, wenn ich hinreichende wissenschaftliche Rückendeckung habe.

#18 |
  12
Gast
Gast

Seit 10 Jahren bekannt aber offensichtlich wegen geringer Gewinnspanne nur halbherzig weiter erforscht. Vielleicht wäre eine intensivere staatlich Forschung unabhängig von der Pharmaindustrie mit öffentlichen Geldern zielbringender. Krankheiten wie Malaria und Co sind bestimmt noch wesentlich besser therapierbar mit überschaubaren Aufwand. Ich sehe auch einen Trend das unser Gesundheitssystem genauso wie unsere Gesellschaft wie eine Schere auseinandergeht. Allgemeinmediziner die keine Zeit für Kassenpatienten haben, Ortsabhängige Operationshäufigkeiten z.B. bei Hüftgelenken. Vielleicht haben viele Ärzte beim bulemieartigen auswendiglernen im Studium auch den Blick fürs wesentliche verlohren: Sie sind da um Menschen zu helfen! Dazu gehört auch über den Tellerrand zu schauen und neue Therapiemöglichkeiten mitzuentwickeln – wie z.B. hier dazu beitragen, dass möglichst schnell vernünftige Studien durchgeführt werden und möglichst viele Ärzte es Off-label einsetzten. Betroffene Menschen haben eh nichts zu verlieren und der finanzielle und Betreuungsaufwand ist auch sehr überschaubar. Alles andere ist meiner Meinung nach von oben herab und nicht im Sinne der Patienten.

#17 |
  5
Dr. Sabine Dettling
Dr. Sabine Dettling

Wären die Halbgötter in Weiß selbst betroffen, sie würden bestimmt auf die Studie warten, die bestenfalls in 3 Jahren vorliegt…nicht. Was haben wir zu verlieren? Als hätten die klassischen Behandlungen keine Nebenwirkungen!

#16 |
  7
Apotheker

Da mir (Apotheker) gerade heute der Wunsch nach Methadon zur Schmerztherapie bei Tumorschmerzen angetragen wurde, habe ich mit dem potentiell verschreibenden Arzt unterhalten.
Leider war bei diesem auch keine genaue Vorstellung über die Therapie vorhanden. Er sprach von einer 1prozentigen Lösung, davon dann 15 Tropfen. Keine Angabe über Tagesdosierung, Dosis pro Tropfen, Details zur Rezeptur. Wenn Sie, Herr Boss, ein konkretes “Rezept Uni Ulm” haben, würde ich das gerne mal sehen. Die Apotheke der Uniklinik war nicht in der Lage dazu bzw. richtete aus, dass sie keine solchen Tropfen herstellen würden und auch keine Vorschrift dafür hätten. Und es kann nicht reichen, einfach D/L-Methadonhydrochlorid in Wasser zu lösen. Was ist mit Konservierung, was ist mit (in der Substitution üblichen) Missbrauchsschutz durch Glycerol und/oder Zucker? Stabilität des Wirkstoffs in Wasser?
Ohne diese Angaben kriege ich das nie durch die Plausibilitätsprüfung.

Und da der Arzt das nur analgetisch einsetzen will, bleibt die Frage nach dem Fertigprodukt aus L-Polamidon von Sanofi, welches eine Zulassung als Analgetikum besitzt. Er meinte, die in Ulm würden das Racemat einsetzen. Die Stellungnahme der Uniklinik Ulm widerspricht dem und sagt, dass sie gar nichts einsetzen.

#15 |
  1
Gast
Gast

Das Methadon keinerlei Nebenwirkungen habe, ist doch Unsinn!
Da offensichtlich Studien jetzt anlaufen, wird man in einer absehbaren Zeit ja genaueres Wissen bzgl. Wirksamkeit gegen Glioblastome.
Sind die erwähnten mehreren Patienten eigentlich allesamt an Glioblastomen erkrankt, oder schmeißen Sie hier auch wieder alle Tumorentitäten in einen Topf?
Natürlich ist es nicht schön, dass es eine Menge Krankheiten gibt, gegen die man heutzutage nicht viel tun kann.
Aber dann einfach irgendwelche Medikamente ohne Wirknachweis geben, frei nach dem Motto “Was die Pharmaindustrie nicht finanzieren will, muss gut sein!”?
Mehr als fragwürdig.

#14 |
  29
Horst Boss
Horst Boss

Methadon(hydrochlorid) ist sehr gut erforscht. Die von vielen Ärzten diskutierten und befürchteten Wirkungen scheinen erst ab dreimal täglich einhundert Tropfen langsam aufzutreten (nach Rezept Uni Ulm). Wir reden hier aber lediglich von täglich zweimal zwanzig bis fünfunddreißig Tropfen. Meist vorübergehende Nebenwirkungen, wie ggf. Verstopfung, leichte Übelkeit und kleinere Schweißausbrüche, sind wohl nicht zu erwarten. Warum um alles in der Welt soll man dann ein solches Medikament Krebspatienten vorenthalten? Es kann höchstens nützen, schaden wohl kaum. Ich kannte mehrere (Fach)Ärzt/e/innen, im Alter von 45 bis 68 Jahren, die im vergangenen Monat bis ca. zehn Jahre zurück an Krebs verstorben sind. Alle waren irgendwann sehr enttäuscht von der Medizin. Einer sagte einen Tag bevor er starb wortwörtlich: “Ich hätte nie gedacht, dass die Medizin so wenig zu bieten hat.” Bis kurz vor seinem Tod kannte man ihn als Hardliner. Und gerade er sagte diesen Satz. Ich finde, man sollte sich nicht gegenseitig beschimpfen und versuchen zu blockieren, sondern helfen, wo es nur möglich ist. Das ist eigentlich unser aller menschlicher und sowieso beruflicher Auftrag. Man darf sich nicht immer nur hinter rechtlich Sicherheit-bietenden Leitlinien verstecken. Und man muss sich stets im Klaren darüber sein: Jeden von uns könnte es als Nächsten treffen. Und dann…? Ich traue mich hier meinen Namen zu nennen. Das ist für mich selbstverständlich.

#13 |
  5
Gast
Gast

#9: Jedes Medikament hat Wirkungen und Nebenwirkungen. Daher ist ein Grundsatz der Medizin, Substanzen auf ihre tatsächliche Wirksamkeit zu überprüfen (im Rahmen klinischer Studien), und sie dann zu verschreiben. Ist doch gar nicht mal so schwierig.
Die Frage, ob jetzt der Arzt Schuld ist, der Patienten die Hoffnung auf Wunderheilung durch Methadon nimmt, oder diejenigen die eine solche Hoffnung ohne Belege erweckt haben, ist natürlich jetzt die Frage.

#12 |
  1
Gast
Gast

Ich verstehe nicht so ganz, warum Frau Dr. Friesen noch nicht längst in Zusammenarbeit mit Klinikern eine klinische Studie gestartet hat wenn die Fallberichte doch angeblich so überzeugend sind. Ich führe selber eine Investigator initiierte Studie mit einem Medikament durch für das es keinen Patentschutz gibt und an dem die Pharmaindustrie kein Interesse hat. Klar musste man erstmal Drittmittel einwerben, aber mit einer soliden präklinischen Datenlage ist das kein riesengroßes Problem – es muss ja auch nicht gleich die große randomisierte Phase III Studie sein. Und natürlich sollten Daten wie Lebensqualität miterhoben werden – das ist in gut geplanten Studien eigentlich eine Selbstverständlichkeit… .

#11 |
  2
Dr. rer. nat. Karl-Albert Rinast
Dr. rer. nat. Karl-Albert Rinast

Das Problem am Methadon-Hype ist, dass jetzt auch in der Selbsthilfe sehr viele Patienten mit anderen Krebsentitäten aufschlagen, die unbedingt Methadon als letzten Strohalm und teilweise auch schon weit früher verlangen. Die Art und Weise, wie das Thema an die Öffentlichkeit gepusht worden ist, kann man nur sehr unglücklich nennen. Und das immer wieder Abheben auf die böse Big Pharma macht es nicht besser. Es ist schon richtig, dass die Industrie wenig Interesse haben wird, weil das wirtschaftliche Potential eher gering ist. Nur tut man sich damit auch, was den Anreiz betrifft seriöse Studien aufzulegen, keinen Gefallen.
Es kursieren mittlerweile auch Ärztelisten von Ärzten, die Methadon bereitwillig verchreiben, auch bei Tumoren, die definitiv keine Opioid-Rezeptoren besitzen.

#10 |
  3
Heilpraktikerin

Man stelle sich vor: ein Patient mit Glioblastom stellt sich einem Arzt vor und bekommt als Antwort, Methadon käme wegen der mangelnden Studienlage nicht in Frage. Als hätte dieser Patient wenigstens eine Alternative außer dem baldigen Tod. Und wie sind die Nebenwirkungen von Methadon, so gravierend, daß sie einem andernfalls Todgeweihten nicht zugemutet werden können? Das sollte doch von denen überdacht werden, die Entscheidungen treffen…

#9 |
  9
Gast
Gast

Unabhängig von der Überlebensdauer wäre es interessant zu überprüfen, ob es den Patienten tatsächlich physisch und psychisch besser geht unter zusätzlicher Gabe von Methadon. Mut, Hoffnung und Kraft wiederfinden, um die Therapien durchzuhalten sind m.E. ein ebenso wichtiger möglicher Beitrag von Medikamenten (wie vielleicht Methadon?), die evaluiert werden sollten. Es zählt nicht nur die Quantität der Überlebenszeit bei solch schwerwiegenden Erkrankungen, sondern besonders auch die Qualität. Ich bin zwar Nichtmedizinerin aber als Sterbebegleitung im Hospiz kann ich dies wirklich nur befürworten.

#8 |
  0

In sog. ausbehandelten Fällen wäre eine Low-Dose-Chemo mit Methadon kombiniert wohl die Methode der wahl.

#7 |
  6
Gast
Gast

#5: Dann sollten Sie vielleicht noch mal nachlesen. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28314286). Die Studie untersucht erstens nur, ob Methadon in Kombination mit bestimmten Chemotherapien verträglich ist. Woher genau nehmen Sie die Information, dass mit Methadon das Langzeitüberleben verbessert wird? Aus der o.g. Studie sicher nicht, die kommt nämlich bzgl. des Überlebens auf keinen Vorteil.
“Es wird in absehbarer Zeit keine Studien geben[…]”: Lesen Sie nochmal nach, drittletzter Absatz. “Studie haben wir beantragt […] in drei Jahren […] Daten”.
Hören Sie doch bitte auf, in einer ernsthaft geführten Diskussion falsche Fakten auf den Tisch zu werfen!
Den (nicht weiter begründeten) unterschwelligen Vorwurf, die Pharma-Lobby und Ärzteverbände und damit die einzelnen Ärzte würden die Anwendung von Methadon verhindern wollen finde ich im übrigen ziemlich dreist.
In diesem Sinne: Polemisieren (mit falschen Fakten) ist so einfach, kommen Sie raus aus der Komfortzone.. (und arbeiten Sie an Ihrer Rechtschreibung!)

#6 |
  22
Gast
Gast

Progressionfreie Überleben nach 6 Monaten:
Wenn man sich die Studie der Charitee genau anschaut:
– Nach 6 Monaten lebten noch alle 27 Patienten.
– Bestrahlung, Operation und Chemotherapie wirken so gut das man 2 Jahre überleben kann.
– Erst mit Methadon wird das Langzeit überleben wesentlich besser.. Die Studie ist noch viel zu jung.
– Lieber Arzt: Sie verdienen viel Geld mit Ihrer Arbeit. Sie sind sehr gut ausgebildet. Sie sollten sich mal Gedanken machen, welche Möglichkeit für Sie besteht das Projekt weiter zu fördern. Sie sollten sich mal Imanzipieren von Ihren Ärzte Verbänden und Pharma Lobby. Es wird in absehbarer Zeit keine Studien geben die alle Möglichkeiten von Methadon auslotet.. Absagen ist so einfach, kommen Sie raus aus der Komfortzone..

#5 |
  30
Gast
Gast

#3: Eben das bleibt doch nachzuweisen, denn in den bisherigen kleinen Studien konnte ja eben nicht gezeigt werden, dass es ihnen besser geht.
Wenn die Lebensqualität in einzelnen Berichten steigt, ist das zwar schön und emotional berührend, hat aber keinerlei Aussagekraft über Wirkung (oder Nichtwirkung) eines Medikamentes.
Mit polemischen Argumenten schwerkranken Menschen Hoffnungen und Versprechungen zu machen, die man nach aktuellem Wissen so nicht halten kann, finde ich nicht richtig.

#4 |
  12
Gast
Gast

Wenn es Patieten damit besser geht, als mit anderen Schmerzmitteln, wo ist dann das Problem? Die Lebensqualität steigt, den Berichten nach. Genau darum geht es doch! Kein Dahinsiechen.
Methadon ist gut erforscht, die Nebenwirkungen sind beherrschbar.
Es soll auch Patienten geben, die haben nichts mehr zu verlieren, warum Ihnen das Medikament vorenthalten?

#3 |
  7
Gast
Gast

Auch das Ärzteblatt hat sich mit dem Thema beschäftigt und den Wissensstand zusammengefaßt: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/75734/Diskussion-um-potenzielle-Anti-Tumor-Wirkung-von-Methadon – so bedauerlich es für den Einzelfall ist (ich habe erst heute jemandem seine Nachfrage nach Methadon abschlägig bescheiden müssen), solange keine ausreichenden Daten vorhanden sind, solange kann ich es niemandem guten Gewissens empfehlen. Und ich gebe folgendes zu bedenken: “Levomethadon soll aufgrund seines komplexen pharmakokinetischen Profils mit einer unvorhersehbaren Halbwertszeit nur von erfahrenen Ärzten eingesetzt werden.” Dies mit einem LoE 1- und Empfehlungsgrad A aus der aktuellen LL Palliativmedizin bezieht sich zwar primär auf die Schmerztherapie, dürfte jedoch auf andere Anwendungen übertragbar sein.
Zu Frau Dr. Friesen: Die Nachzulassung von Wirkstoffen auf eine neue Indikation mit erneutem Patentschutz dürfte doch bekannt sein? Warum allerdings Dr. Wick jetzt eine Studie veranlassen wird, und Frau Dr. Friesen das nicht längst selbst schon angekurbelt hat, dürfte ihr Geheimnis bleiben…
Was Herrn Dr. Hilscher angeht: Aus den diversen Interviews mit ihm geht zwar deutlich hervor, daß er sehr rührig und von Methadon überzeugt ist (so z.B. in http://www.uniklinik-ulm.de/fileadmin/Institute/Rechtsmedizin/Rumpelkammer/MamazoneMAG-Juni2015.pdf), aber nun nicht gerade sauber belastbare Daten vorzuweisen hat. Unabhängig davon halte ich einen Teil seiner Aussagen für sachlich falsch, z.B. bezüglich der Obstipation unter Opioiden, die unter Methadon geringer sei, da es bereits über die Mundschleimhaut aufgenommen werde: Dann dürften transdermale Systeme und die S.c.- oder I.v.-Gabe ja gar keine Verstopfungen verursachen. Es ist aber nicht so (was sich leicht dadurch erklärt, dass die µ-Rezeptoren myenterisch und nicht in der Darmschleimhaut sitzen). Unerfreulicherweise werden auf obskuren Sites seine Aussagen zitiert (z.B. von einem Vertreiber des sog. Vit. B17), aber unabhängig davon bleibt ein unangenehmer Dissens zwischen Dr. Hilschers Euphorie und den aktuellen Leitlinienempfehlungen bestehen, letztere dadurch unterlegt, daß Studien zum Thema keinen relevanten Vorteil für Methadon gegenüber Morphin fanden.
Weiter: Ob die Patienten tatsächlich an radiogener Demenz sterben, möchte ich dann doch säuberlich belegt sehen – gerne kann er dies in einer strahlentherapeutischen Zeitschrift veröffentlichen, da es eine einmalige Chance wäre, Daten zu Normalgewebsreaktionen zu erheben. Ich jedenfalls habe bislang von solchen Daten noch nichts gehört. Wenn wir uns die einschlägige Literatur (so. z.B. “Radioonkologie” von Bamberg/Molls) anschauen, dann sehen wir, daß solche Demenzen vorkommen, jedoch nicht der Regelfall sind. Gewiß besteht auch ein Unterschied, ob ein Teil des Hirns (so beim Glioblastom) (und welcher Teil genau) oder das gesamte Gehirn (so bei multiplen Metastasen, prophylaktischer Ganzhirnbestrahlung usw. bestrahlt wird) und welche Dosis appliziert wird – Stichwort Hippokampusschonung.
Und zuletzt: Dr. Hilscher sieht Methadon ja als Wundermittel auch bei Nicht-Hirntumoren an. Hierzu ein makabrer Hinweis: Am Ende des Mamazone-Artikels findet sich der Link zur Website der Patientin, die den zweiten Erfahrungsbericht geschrieben hat. Vier Monate nach Veröffentlichung in Mamazone war die Frau tot…

#2 |
  12
Gast
Gast

Habe einen der betreffenden Beiträge im ARD (oder ZDF, weiß ich nicht mehr genau) gesehen.
Abgesehen von einer gewissen Skepsis, weil natürlich mal wieder über DAS Wundermittel gegen DEN Krebs berichtet wurde, fällt mir bei kurzem googeln auf, dass o.g. Dr. Friesen eine Chemikerin, beschäftigt in der Rechtsmedizin zu sein scheint, also mit klinischer Onkologie keinerlei Erfahrung zu haben scheint (man korrigiere mich gerne, falls das nicht stimmen sollte!).
Die auf Pubmed einzusehenden Studien waren eine in-vitro-Studie und dann ein paar klinische Studien, die eine geringe Fallzahl hatten, nicht verblindet waren oder sonst methodisch auf den ersten Blick äußerst schwach erschienen.
Weitere Argumente waren dann der o.g. Dr. Hilscher, der sich ausschließlich auf einen retrospektiven und subjektiven Erfahrungsbericht beruft (hier wurden nicht mal tatsächlich retrospektiv Daten gesammelt und vollständig ausgewertet, sondern er hatte nur “den Eindruck”), außerdem Erfahrungsberichte von einer Patientin, deren MammaCa in Remission war und die auch mal Methadon genommen hatte.
Diesen “Beweisen” gegenübergestellte kritische Meinungen wurden dann sofort als von “der Pharmaverschwörung” korrumpiert dargestellt und diffamiert.
Alles in allem nicht, was ich mir unter seriösem Journalismus vorstelle, aber sicherlich geeignet um Patienten die sich an einen Strohhalm klammern falsche Hoffnungen zu machen.
Ich kann mir zwar durchaus vorstellen, dass hier auch z.B. Frau Friesen verfälscht / aus dem Zusammenhang gerissen zitiert wurde etc., insgesamt kam mir die ganze Angelegenheit aber reichlich unseriös vor.
Bleibt spannend, ob jemand zu diesem Thema tatsächlich anständige klinische Studien machen wird…

#1 |
  16


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: