Studiengebühren = bessere Lehre?

25. August 2010
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Eine Uni mit Geld kann ihren Studenten eine bessere Studiensituation bieten - das war einer der Gründe, an vielen Unis Studiengebühren einzuführen. Allerdings hilft das dem Studierenden nur, wenn die Zusatzbeiträge auch sinnvoll investiert werden.

iPads zur White Coat Ceremony

In welchem Ausmaß Universitäten finanzielle Mittel in ihre Lehre bzw. in ihre Studenten reinvestieren, zeigt ein aktuelles Beispiel aus den USA: Nach der Stanford University ist die UC Irvine School of Medicine die zweite medizinische Fakultät, die ihren Studenten zur “White Coat Ceremony”, sprich zum klinischen Abschnitt, ein iPad bereitstellt. Gespickt mit eBooks, Med-Applikationen, Podcasts, medizinischen Datenbanken etc. sollen sie dem angehenden Arzt alle Möglichkeiten des medialen Lernens in ständiger Verfügbarkeit ermöglichen. Solche ausschweifenden Investitionen, so sinnvoll sie erscheinen mögen, sind ökonomisch nur in solchen Staaten durchführbar, in denen hohe Beiträge im Rahmen von Studiengebühren erhoben werden. In den USA sind das je nach Uni und Studienfach zwischen 3.000 und 40.000 US-Dollar im Jahr, was den Durchschnittsstudent dort mit ca. 12.000 Dollar im Jahr verschulden lässt.

Eine Vier minus für die Studiengebühren

Die Einführung von Studiengebühren in sieben deutschen Bundesländern im Jahr 2005 sollte die deutsche Hochschulbildungsqualität wieder auf internationales konkurrenzfähigeres Niveau heben. Erste Langzeitstudien und Umfragen an den Universitäten offenbaren nun, inwieweit die Universitäten die Studiengebühren für die Verbesserung der Lehre und Ausbildung benutzt haben.

Jährlich führt der Lehrstuhl für Marketing der Uni Hochheim eine Befragung an rund 5000 Studenten durch und fragt nach Zufriedenheit, Transparenz und Einstellung bezüglich der Studiengebühren. Im Allgemeinen zeigt die aktuellste Statistik aus dem Jahr 2010 eine geringe Gesamtzufriedenheit (4,22 im Schulnotensystem), wobei im Vergleich zu den Vorjahren eine signifikante Verbesserung erreicht wurde. Der wesentliche Grund der knapp “ausreichenden” Bewertung ist die mangelnde Transparenz für die Verwendung der Beiträge, zudem die Fremdnutzung z.B. im Rahmen von Gebäudesanierungen oder Finanzierung des administrativen Aufwands. Den Fakultäten kommen mitunter nur 75% der erhobenen Gebühren zur Verbesserung der Lehre zugute. Viele Studenten beklagen auch ein nicht ausreichend formuliertes Mitspracherecht bei der Verwaltung des Zusatzbeitrages.

Zweckgebundene Budgetverwaltung

Nichts desto trotz können je nach Studentenzahl mehrere Millionen im Jahr für die Ausbildung aufgewendet werden. Die Ludwig-Maximilians-Universität München zum Beispiel nutzte das Budgets zum Aufbau neuer Lektorenstellen. Auch das Personal der Studienfachberatung bekam zusätzliche Stellen zugeschrieben. Zum Teil wird das Geld wieder an Studenten zurückbezahlt, wenn diese als Hiwis oder Tutoren angestellt werden. Als allgemeiner Treiber der Gesamtzufriedenheit wurden Öffnungszeiten der Bibliotheken und des Studierendensekretariates verlängert, sowie zahlreiche Sachmittel im Rahmen der Mediendarstellung sowie Computerarbeitsplätze als auch Seminarunterlagen finanziert. Die Universität Bonn dagegen investierte mehr in multimedial ausgestattete neue Bauten. Die medizinische Fakultät hat z.B. in diesem Sommersemester für 20.000EUR den Pathologiekurssaal modernisiert, für 19.800EUR Demopatienten und Dozenten der Psychosomatik bezahlt und für 4.200EUR Fremdsprachtutorien für Mediziner angeboten.

Der Ursprung der vorherrschenden Gesamtunzufriedenheit liegt sicherlich neben oben genannten in der finanziellen Belastung einzelner. Dies propagiert eine finanzielle Selektion der Studenten und widerspricht dem von Deutschland unterzeichneten Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte. Dieser besagt, dass “der Hochschulunterricht auf jede geeignete Weise, insbesondere durch allmähliche Einführung der Unentgeltlichkeit, jedermann gleichermaßen entsprechend seinen Fähigkeiten zugänglich gemacht werden muss” (Artikel 13.2.c), wie Gegner der Studiengebühren argumentieren.

Fazit

Auch dass die Anschaffung von iPads zum Bestehen des ersten Staatsexamens seitens der Universitäten in Deutschland dekadente oder ökonomische Utopie bleiben wird, darüber braucht kein Wort verloren werden. Dass ein höheres Lehrbudget jedoch transparent zur Verbesserung der Lehre eingesetzt werden kann, demonstrieren Universitäten wie die LMU in München oder die Friedrich-Wilhelms Universität in Bonn. Und dass das Geld dringend notwendig ist, kann nicht nur an der Auslagerung medizinischen Unterrichtes des Physikumsjahrganges in miserabel isolierten Baucontainer auf dem Parkplatz der Johannes-Gutenberg-Universiät Mainz gesehen werden. Aber wenigstens erhebt Rheinland-Pfalz keine Studiengebühren.

Diskussion

Weißt Du, wofür Deine Studiengebühren verwendet werden? Bist Du zufrieden mit den Anschaffungen Deiner Uni? Und wofür würdest Du das Geld (nicht) ausgeben? Diskutiert hier mit Deinen Kommilitonen!

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Quellen:

  • Bretz-O (2009): Indikatoren zu Bildung & Wissenschaft – International. Online verfügbar unter http://bit.ly/bPIFzb, zuletzt aktualisiert am 13.08.2009, zuletzt geprüft am 13.08.2010.
  • Husain, Iltifat (2010): UC Irvine School of Medicine joins the party – giving incoming med students iPads with their white coats. Online verfügbar unter http://bit.ly/bErgqR, zuletzt aktualisiert am 16.08.2010, zuletzt geprüft am 16.08.2010.
  • Universität Hochheim, Lehrstuhl für Marketing (2010): Microsoft Word – Ergebniszusammenfassung Gebuehrenkompass 2010. Online verfügbar unter http://bit.ly/bESLd7, zuletzt aktualisiert am 19.05.2010, zuletzt geprüft am 13.08.2010.
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