Klinikübernahme: Ob das fusioniert?

3. Juli 2017
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Fusionen, Übernahmen und Schließungen von Krankenhäusern sind fast schon an der Tagesordnung. Kaum eine Klinik denkt nicht über ihre Zukunft nach. Was ist zu tun, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein? In Berlin diskutierten Experten über ihre Erfahrungen.

Die Tendenz zu Fusionen sei ungebrochen, die Zahl aber in den vergangenen Jahren konstant, sagte Christian Heitmann, Partner bei der Managementberatung zeb in Münster. Um schnell und differenziert zu erfahren, was sich in in Sachen Fusionen in Deutschland tut, betreibt sein Unternehmen den „Fusionsradar“: Jede Pressemitteilung zum Thema wird ausgewertet, so dass ein aktuelles Bild entsteht. „Der Fusionsradar zeigt, dass es jedes Jahr rund 20 Transaktionen gibt, also Übernahmen oder Fusionen, und es werden zwischen sechs und zehn Krankenhäuser geschlossen“, sagte Heitmann. Es habe 2016 sieben Schließungen gegeben, in diesem Jahr schon sechs Schließungen, Stand Mai. „2016 gab es 13 Transaktionen, das bedeutet, einer kauft den anderen, zudem gab es sieben Fusionen, wo auf Augenhöhe miteinander zusammen gegangen wird“, so der Experte.

Ob eine Fusion den Erfolg bringt, war auch ein wichtiges Thema, über das auf dem diesjährigen Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit Ende Juni diskutiert wurde. Auf die Größe kommt es nicht an, war das Fazit der Experten: langjährige Erfahrung im Krankenhausmanagement zeigt, dass eine Fusion gut vorbereitet sein muss. Neben wirtschaftlichen Aspekten spielen auch Unternehmenskultur und Identifikation eine Rolle, damit der Wandel gelingt.

Die ideale Größe für ein Krankenhaus

Die konkreten Zahlen aus dem Fusionsradar zu Schließungen und Fusionen seien nur die Spitze des Eisbergs, sagte Heitmann. Tatsächlich kenne er keinen Kunden, der momentan nicht darüber nachdenke, wie er kooperieren, fusionieren oder eine bessere Ausgangsgröße schaffen könne. „Dabei ist der Geburtsfehler einer Fusion oder einer Transaktion schlechthin, dass die Häuser erst verkauft werden, wenn es ihnen schlecht geht. Man muss es anders herum machen und ein Haus anbieten, wenn es ihm noch gut geht.“

Über die ideale Größe eines Unternehmens streite man sich seit Jahrhunderten, sagte er: „Größe birgt auch Risiken. Man kann sich komplett übernehmen: es kann passieren, dass man erst nach dem Kauf Risiken erkennt, die man nicht gesehen hat oder nicht sehen konnte. Man muss also aufpassen, denn mit größeren Fusionen kann man auch eine ganze Gruppe gefährden.“ Wichtig sei auch, dass man schon vor der Fusion ein Konzept habe, meinte der Experte: „Wir erleben häufig, dass sich Häuser darüber überhaupt keine Gedanken machen. Sie wollen einfach nur größer werden. Größere Häuser haben eine größere Stabilität, aber nur, wenn dahinter ein Konzept steht.“

Risiken streuen

Diese Haltung bestärkte Peter Schnitzler, Geschäftsführer Finanzen und Controlling der Paracelsus-Kliniken, ein Verbund von 25 Kliniken mit rund 4.000 Betten, 5.000 Mitarbeitern und etwa 400 Million Euro Konzern-Umsatz. Das Unternehmen sei fast 50 Jahre alt und seitdem in privater Trägerschaft einer Eigentümerfamilie, die an einem langfristigen Erhalt interessiert sei. „Unsere Häuser sind eher kleiner, das Unternehmen ist über Zukäufe viele Jahre gewachsen, und es ist sehr breit gestreut. Wir sind in unterschiedlichen Bereichen tätig und wir haben eine gute Mischung an Generalisten und Spezialisten“, sagte Schnitzler.

Hinter dieser Mischung stecke der Portfoliogedanke: Es gehe darum, Risiken zu streuen und dies über eine Diversifikation der Unternehmenstätigkeit herbeizuführen. Das Unternehmen erziele keine sagenhaften Renditen, es gebe aber auch keine existenzbedrohenden Situationen, das Ergebnisniveau sei über Jahre konstant. „In den 50 Jahren seit der Gründung fällt auf, dass kaum ein Haus immer perfekt lief. Letztlich sehen wir, dass die Diversifizierung und damit auch die Größe dazu führen, dass man die Ergebnisse untereinander ausgleichen kann. So entsteht ein dauerhaftes finanzielles Gleichgewicht.“

Schnelle Gewinne und gemeinsame Strategien

Um dieses nicht zu gefährden, müsse es bei größeren Fusionen eine Art evolutionären Prozess geben, bei dem man mit Ärzten, Pflegenden und Leistungsträgern gemeinsam Strategien zu entwickelt, wie man die Krankenhäuser als Gruppe voranbringen könne, glaubt Markus Funk, Geschäftsführer der Hessing Stiftung in Augsburg, eine der größten orthopädischen Fachkliniken in Europa. „Aus ökonomischer Sicht gibt es die Möglichkeit, sehr schnell Effekte zu erzielen“, sagte er.

„Es gibt Skaleneffekte im Einkauf und Synergie-Effekte in den unterschiedlichsten Bereichen, ob es die Verwaltung, die Reinigung oder die Logistik ist. Die Frage ist, ob das wirklich ein Erfolg bei einer Fusion ist. Schnelle Gewinne helfen erst einmal, doch entscheidend für einen erfolgreichen Fusionsprozess ist es, Gemeinsamkeiten zu entwickeln. Gemeinsame Ziele, gemeinsame Strategien, unter Anbindung aller Beteiligten an den einzelnen Standorten. Und daraus Ziele abzuleiten und in den Alltag zu überführen.“

Neue Identität schaffen

Ähnliches berichtete Ines Manegold, Geschäftsführerin der Katholischen Kliniken Emscher-Lippe (KKEL). Sie leite ein Krankenhaus, das seine erste Fusion 1998 gemacht habe, sagte sie. Ein großes Haus, aber das sei keine Garantie für tatsächliche Unternehmensgewinne. Diese liefen seit der Fusion zackenartig, mal positiv, mal negativ. Ihrer Erfahrung nach sei die gemeinsame Identität die größte Herausforderung: „Bei einer Fusion muss man eine neue und eigene Identität schaffen. Sonst verliert man eine Menge Mitarbeiter, die keine Identität mehr haben oder ihre alte behalten, was ebenfalls kontraproduktiv ist“, sagte Manegold.

Mit einer Fusion gerate man in ein gewisses Fahrwasser der Unruhe und des Widerstands. Wenn man dann die interne Strategie nicht schon auf gute Füße gestellt habe, beschäftige man sich nur noch mit sich selbst und nicht mehr mit der Umgebung.

18 Wertungen (3.67 ø)
Bildquelle: mackoi fabon, flickr / Lizenz: CC BY-SA
Medizin

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17 Kommentare:

Bürgerin Marina Bausmer
Bürgerin Marina Bausmer

weil wir kein Geld dafür haben oder es zu teuer ist – Trifft auf so vieles zu- muß es dann trotzdem gehen , etwa durch Fusion und Schließung – Trotz Sparkurs und wWirtschaftlichkeit – Werteschöpfung- Erschöpfung !

#17 |
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geneigter Leser
geneigter Leser

Sehr geehrte Frau Dippold!

Vielen Dank für Ihre Antwort und vor allem Ihr Engagement im BSHV.

Ich hatte mir schon gedacht, dass Ihre Kritik eher die Krankenkassen betrifft. Zum Glück gibt es noch immer viele Ärzte, die Ihren Beruf so ausführen, wie man sich das wünscht. Gedankt wird ihnen immer seltener, eher durch MDK und Budgets Steine in den Weg gelegt und dann noch als habgierig beschimpft.

Bitte machen Sie so weiter!

#16 |
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Daniela Dippold BSHV e.V.
Daniela Dippold BSHV e.V.

Sehr geehrter geneigter Leser ,

von seiten der Krankenkassen,denn dort gibt es keine Diagnoseschlüssel für die seltenen Krankheiten.
Zum Beispiel Exostosen (Hyperostosen ,Osteochondrome ( drei Namen für ein und das selbe Krankheitsbild ) die in 33 Krankheitsbildern oder solitär vorkommen .
Hier wird nur das Abtragen einer einzelnen Exostose von den Krankenkassen übernommen.
Die umliegenden Exostosen müssen jedoch mit entfernt werden,da sie an Wachstum in Rekordzeit zunehmen würden.
Unser Institut für seltene ,chronische Skeletterkrankungen hat einen Zulauf aus ganz Deutschland ,das ist natürlich sehr kostenintensiv für die Klinik .
Die Ärzte kennen sich hier aber bestens aus und handeln stets im Sinne der betroffenen Kinder und auch Erwachsenen.
Da die meisten Krankheitsbilder genetisch ,multikomplex und unheilbar sind, verursachen sie meist auch Probleme im Erwachsenenalter !
Wie Sie aus meinem Bericht entnehmen können,gibt es dieses Problem nicht nur bei den seltenen,chronischen Skeletterkrankungen sondern auch an vielen anderen Kliniken Deutschlands.
Hätten wir prominente Verwandtschaft aus den oberen Reihen ,gäbe es solch ein Problem bestimmt nicht !
Zu unserem 1.ten Symposium hatte ich alle Krankenkassen aus Deutschland eingeladen ,ich habe genau von einer einzigen Krankenkasse eine Absage bekommen,von den restlichen nicht einmal diese.
Diese Patienten haben keine Lobby ,leider !

#15 |
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geneigter Leser
geneigter Leser

Interessanter Beitrag, Frau Dippold.

Bisher ist es mir in meinem Fach nicht vorgekommen, dass notwendige Therapien aus Kostengründen vom Krankenhaus abgelehnt wurden (ich habe in einigen gearbeitet), höchstens die Kostenübernahme von Seiten der Krankenkasse.

Daran würden ja eine Fusion und Privatisierung der Krankenhäuser nichts ändern.

Wären Sie so freundlich, darüber noch einen Satz zu schreiben? Ablehnung seitens des Krankenhauses oder der Krankenkasse?

Vielen Dank

#14 |
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Daniela Dippold BSHV e.V.
Daniela Dippold BSHV e.V.

In erster Linie denke ich bei diesem Artikel an Frau Dr. Schill ,die mit viel Engagement die Aktion ” Ich bin keine Fallpauschale ” auf den Weg gebracht hat.Anstatt mit ihr zu kooperieren , machte die DGKJ e.V. eine neue Kampagne zum selben Thema ” Rettet die Kinderstation “.
Wenn man als Arzt und Klinikleiter Angst haben muss ,diese Patienten zwecks der Unwirtschaftlichkeit zu behandeln ,obwohl eine Behandlung garantiert werden muss,kann es nicht der richtige Weg sein.
Hier muss ein Umdenken aller Beteiligten im Gesundheitswesen statt finden ,denn obwohl diese Kampagnen seit Jahren laufen und auch durch die Medien verbreitet wurden , hat sich nichts geändert.

#13 |
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Gast
Gast

@geneigter Leser
Ganz sicher werden Sie, sobald sie selbst, oder Menschen aus Ihrem nahen Umfeld wegen einer schweren Erkrankung der real existierenden Gesundheitswirtschaft ausgeliefert sind, Ihre Meinung überprüfen.

#12 |
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geneigter Leser
geneigter Leser

Man hat den Eindruck, als würden wir in Deutschland das schlechteste Gesundheitssystem der Welt haben. Das Gegenteil ist der Fall. Trotz Privatisierung.

#11 |
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Max Schlommski
Max Schlommski

Gewinne erwirtschaften und Aktionäre befriedigen!
Zum Glück sind dazu Kunden nötig, sonst gäbe es bald keine Möglichkeit mehr sich noch ein wenig medizinisch behandeln zu lassen.
Patienten sind ja schon vor einer Weile hinten unter gefallen, die zu behandeln ist ja schon zu teuer geworden, geschweige denn eine gewisse Versorgung vorzuhalten.
Irgendwann ist durch das privatisieren alles den Bach runter, ich hoffe nur dass es nicht all zu schlimm wird….

#10 |
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Wolfram Berg-Holldack
Wolfram Berg-Holldack

Das Problem war -die Privatisierung !
Wir sollten die Bundeswehr privatisieren und die Krankenhäuser und anderes soziale Einrichtungen sozialisieren !
Denn wir Steuerzahler finanzieren das alles – auch die Politiker .

#9 |
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Georg Gründel
Georg Gründel

Gewinne erwirtschaften, genau das ist es.
ich hoffe die Menschen die in den Kliniken dafür sorgendas die Häuser gewinne erwirtschaften, irgendwann einmal, wenn sie krank werden von ihrem Eigenen Brot zu essen bekommen.
Denn wo die Monetik Herrscht ist die Ethik gestorben.

#8 |
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Gastarzt
Gastarzt

Wirtschaftliches Interesse im Gesundheitssystem?

Ich meine folgendes mal ganz nüchtern und emotionslos: Stellen wir uns mal eine Idealwelt für jeden vor.

Der Patient kann noch am gleichen Tag einen Facharzt im Umkreis von 5 – 10 km kontaktieren, er hat genug Zeit für jeden Patienten.

Alle Untersuchungen können sofort durchgeführt werden.

Die Medikamente sind preiswert und sofort verfügbar.

In den Krankenhäusern nur Einzelzimmer mit Naßbereich, mehr Krankenschwestern, mehr Ärzte und immer den gleichen Ansprechpartner.

Jede gewünschte und notwendige Operation wird auf Wunsch gleich morgen durchgeführt.

Alle Anschlußtherapien sind sofort verfügbar, Kuren, Rehas, AHBs, Heilmittel etc.

Und die Schwestern, Helferinnen und Ärzte haben alle eine 35 Stundenwoche, jeder Dienst wird großzügig vergütet. Keine Überstunden.

Die Ärzte haben ein Festgehalt ohne Zuverdienstmöglichkeit, damit es keinen Anreiz für unethische Zusatzleistungen gibt. Und sie verdienen genug Geld als Anreiz, um die höchst qualifizierteste Ausbildung auf dem Markt auf sich zu nehmen.

Beim Zahnarzt werden alle Leistungen sofort und zu Lasten der gesetzlichen Versicherungen durchgeführt.

In den Seniorenheimen riecht es nach frischen Blumen, genug Personal für körperliche und seelische Pflege aller Bewohner.

Das sind einige gewünschte und natürlich berechtigte Forderungen der Menschen in Deutschland. Etwas vergessen?

Meine Frage: Merken Sie selbst, was daran nicht stimmt? Für diese Wünsche gibt es bei diesem Anspruchsdenken bei weitem nicht genug Geld in Deutschland. Das ist unbezahlbar! Ihre Lösung?

#7 |
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Gast
Gast

Es geht hier um Krankenhäuser und nicht ob einen Automobilhersteller. Also warum muss das Krankenhaus den unbedingt Gewinn abwerfen? Es handelt sich um eine Einrichtung im öffentlichen Interesse. Niemand erwartet, dass ein Polizeirevier Gewinn macht oder die Feuerwehr…
Und wenn die Krankenhäuser chronisch Zu wenig Geld haben muss man mal gucken woran das liegen könnte. Vllt an den Fallpauachalen der Krankenkassen die sich hinten und vorne nicht rentieren

#6 |
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Ärztin
Ärztin

Im ersten Absatz liegt der Hund doch schon begraben. …”um wirtschaftlich erfolgreich zu sein…” warum muss eine Einrichtung von öffentlichem Interesse wirtschaftlich erfolgreich sein? Muss eine Schule, eine Polizeiwache, ein Ministerium, ein Hydrant denn auch wirtschaftlich erfolgreich sein um nicht ausradiert zu werden? Nein. Aber Hydranten und Ministerien retten je so viele Leben…

#5 |
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Flüchtiger Leser
Flüchtiger Leser

Wenn man in diesem Artikel Krankenhaus und Klinik durch Bäckerei ersetzt, kann man den Artikel auch noch an die BÄCKERBLUME verkaufen.

#4 |
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Hebamme: und noch mehr Geburten im Auto auf der Strasse….

#3 |
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Gast
Gast

Sehr geehrte Frau Grossmann,

ein sehr guter Artikel von Ihnen ,ich vermisse jedoch die Fallpauschalen. Die meisten Krankenhäuser haben keine Schwerpunkte und versorgen alles in allem allgemein.Tauchen jedoch chronisch kranke Patienten auf ,ob alt oder jung zahlt das Krankenhaus definitiv drauf ! Die tatsächlichen Kosten für die erbrachten Leistungen werden von den Krankenkassen nicht zu 100 % übernommen und es entstehen Defizite zum Nachteil des Krankenhauses.Wer will dann noch für diese Patienten da sein,wenn keine Kasse zu 100 % bezahlt ?

#2 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

Nichtsagender Artikel

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