Morbus Dupuytren: Stocksteifes Händchen

25. August 2010
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Morbus Dupuytren schränkt die Bewegungsfähigkeit einzelner Finger ein. Eine Studie der Universität Erlangen zeigt, dass eine Strahlentherapie die Erkrankung in einem frühen Stadium aufhalten kann und langfristig sicher ist.

Im Alter lässt die Beweglichkeit der Finger oft nach. Aber nicht immer sind degenerative und entzündliche Erkrankungen der Gelenke die Ursache dafür. Vor allem Männer können einzelne Finger ebenfalls immer weniger ausstrecken, wenn sich das Bindegewebe in ihren Handinnenflächen übermäßig vermehrt und sich dadurch Knoten und Strängen bilden. Diese Veränderungen sind charakteristisch für Morbus Dupuytren, wie die Krankheit nach ihrem Entdecker benannt wird. Die gutartigen Wucherungen gehen von Fibroblasten, speziellen Bindegewebszellen, aus, die aus bisher unbekannter Ursache zuviel Kollagen produzieren.

Es dauert oft Jahre, bis die zunächst nur tastbaren Verhärtungen die Bewegungsfähigkeit in den Grund- und Mittelgelenken der Finger einschränken. Typischerweise ist bei Morbus Dupuytren-Patienten hauptsächlich der Ringfinger betroffen. Bislang wurde meistens erst im fortgeschrittenen Stadium versucht, mit Hilfe einer Operation die Symptome der Erkrankung zu beheben oder wenigstens zu lindern.

Alternative zur Operation

Seit einigen Jahren gibt es mit der Strahlentherapie eine Alternative zum chirurgischen Eingriff. Wie eine in der Fachzeitschrift Strahlentherapie und Onkologie veröffentliche Studie der Universitätsklinik Erlangen zeigt, kann eine Bestrahlung mit Röntgenstrahlen vor allem im frühen Stadium die Krankheit zum Stillstand bringen. In der retrospektiven Studie wurden 135 Patienten mit 208 erkrankten Händen, die seit 1982 eine Strahlentherapie erhalten hatten, nochmals einer Nachbeobachtung unterzogen.

„Bei den meisten Patienten kam es nach der Bestrahlung zu einem Stillstand, bei einigen sogar zu einer Verbesserung der Erkrankung“, sagt Oliver Ott, Oberarzt an der Strahlenklinik in Erlangen und Mitautor der Studie. Vor allem in den Frühstadien war der Erfolg der Behandlung nicht zu übersehen. Im Anfangsstadium der Krankheit, wenn die Patienten nur an Verhärtungen litten, blieben 87 Prozent der Probanden über einen durchschnittlichen Zeitraum von 13 Jahren progressionsfrei: Im leicht fortgeschrittenen Stadium, also wenn die betroffenen Finger weniger als fünf Grad nach vorne gebeugt waren, konnte die Krankheit bei 70 Prozent der Testpersonen aufgehalten werden.

Wenig Erfolg in späten Stadien

In späteren Stadien von Morbus Dupuytren erwies sich die Bestrahlung als deutlich weniger erfolgreich. Bei der Mehrzahl dieser Patienten trat die Krankheit nach der Therapie wieder auf. Alle Patienten wurden nach dem gleichen Schema behandelt: Das betroffene Hautareal wurde in zwei Serien mit je fünf Einzelsitzungen bestrahlt. Zwischen den beiden Serien lag eine Pause von sechs bis acht Wochen, damit sich das bestrahlte Gewebe wieder regenerieren konnte. Die Gesamtdosis der Röntgenstrahlung betrug 30 Gray.

Warum die Strahlentherapie Morbus Dupuytren vor allem im Frühstadium stoppen kann, ist noch unklar: „Vielleicht bewirkt die Röntgenstrahlung, dass sich im Bindegewebe die überschießenden Fibroblasten zu Fibrozyten ausreifen. Diese vermehren sich nicht so stark und bilden auch weniger Kollagen“, vermutet Ott. Befürchtungen, dass die Radiotherapie schwere Spätschäden bis hin zum Hautkrebs auslösen könnte, hat die Studie der Erlanger Mediziner widerlegt. „Selbst bei den Patienten, deren Behandlung am längsten zurücklag, fanden wir keinen Tumor, der sich auf die Strahlentherapie zurückführen hätte lassen“, berichtet Ott.

Nur leichte Nebenwirkungen

Allerdings litten einige Patienten im Anschluss an die Bestrahlung an leichten Nebenwirkungen: Bei 23 Prozent der Probanden kam es zu einer Hauttrockenheit und einer vermehrten Schuppenbildung, bei sieben Prozent zu einer Verdünnung der Haut. Ott: „Auch wenn diese Veränderungen über Jahre anhalten können, nahmen die Patienten sie gerne in Kauf, da Morbus Dupuytren unbehandelt so weit fortschreiten kann, dass die betroffene Hand ihre Funktion verliert.“

Auch andere Experten beurteilen die Studienergebnisse der Universitätsklinik Erlangen positiv: „Die Strahlentherapie ist eine wirksame und sichere Behandlungsoption, sagt Professor Rita Engenhart-Cabillic, Direktorin der Abteilung für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg. „Die besten Ergebnisse werden in den ersten beiden Jahren nach der Diagnose erzielt, wenn es noch zu keiner wesentlichen Einschränkung der Fingerstreckung gekommen ist.“ Mittlerweile, so die Medizinerin, sei dieses Verfahren in der gesetzlichen Krankenversorgung etabliert und jeder Patient in Deutschland finde im Umkreis von rund 50 Kilometer einen Strahlentherapeuten, der es anbiete.

114 Wertungen (4.19 ø)
Medizin

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11 Kommentare:

Dr.med Fritz Gorzny
Dr.med Fritz Gorzny

Wo gibt es im Raum KOblenz eine entsprechende Therapiemöglichkeit?Bitte mailen.
Dr. Fritz Gorzny
dr.fritz_gorzny@web.de

#11 |
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Dr. med. Ralf Nyszkiewicz,
danke für Ihre differenzierte Stellungnahme. Wenn es mich mal treffen sollte, würde ich auch erstmal auf die Mesotherapie vertrauen, auch wenn ich sehr schätze, was Handchirurgen alles können (meine Tochter brauchte neulich einen).

#10 |
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Nach eigener Erfahrung als Handchirurg kann ich die Euphorie über diese Behandlung nicht wirklich nachvollziehen. Die Narben, die nach der Bestrahlung entsthehen, sind, wenn die (meines Erachtens langfristig auf den Patienten nahezu immer zu kommende) Operation erforderlich wird, erheblich problematischer als die nach einer vorangengangenen Operation entstandenen Narben. Die OP wird deutlich schwieriger, als im nicht vorbestrahlenten Gebiet. Es ist schade, dass nicht die komplette Studie veröfentlicht wurde, sondern lediglich das Abstract. (s. auch Kommentar Dr. Eilers)Die Dupuytren-Erkrankung verläfut erfahrungsgemäß in Schüben mit zum Teil viele Jahre dauernder scheinbarer Ruhe. Insofern ist eine Behandlung im Frühstadium (wo also noch keine Funktionsbeeinträchtigung vorliegt und es auch bei dem Spontanverlauf der Erkrankung noch viele Jahre dauern kann, bevor eine echte Behandlungsnotwendigkeit vorliegt) als ein sehr zweifelhaftes Vorgehen anzusehen. So lange keine Funktionseinschränkung vorliegt, besteht keine Behandlungsnotwendigkeit. Dann mit einer derartigen Dosis zu bestrahlen und die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Patienten zu kommende Behandlung des Rezidives zu erschweren, halte ich persönlich für wenig sinnvoll und kann vor einer derartigen Empfehlung nur warnen. Zu der Frage von Dr. Guggenbichler: die (fachgerecht durch einen erfahrenen (!) Handchirurgen durchgeführte) Operation ist weiterhin der Goldstandard in der Therapie des M. Dupuytren und führt bei stadiengerechter Operation im Regelfall zu sehr guten Ergebnissen.

#9 |
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Mich erstaunt als Nicht-Arzt die Höhe der Dosis: Die Herddosis wird als Herd-bezogene Energiedosis in Gray (Gy) angegeben. Typische angestrebte Herddosen liegen bei der Strahlentherapie gutartiger Erkrankungen in der Größenordnung von 0,5 bis 20 Gy; bei bösartigen Erkrankungen im Bereich von 45 bis 80 Gy. Wie schlecht sind die Ergebnisse von anderen Behandlungsoptionen, dass eine Strahlenbelastung dieser Größe als kleineres Übel angesehen wird?

#8 |
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Werde mich selbst dieser Behandlung unterziehen.

#7 |
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Rainer Rutz
Rainer Rutz

Als selbst Betroffener vermisse ich in dem Artikel einen Hinweis darauf, dass rund ein Viertel der an der Dupuytrenschen Kontraktur erkrankten Männer gleichzeitig unter einer induratio penis plastica (IPP) leiden. Ist das ein Tabuthema? Es wird davon ausgegangen, dass die “Ablagerungen” identisch sind mit denen in den Händen, allerdings mit oft gravierenden Folgen. Röntgenbestrahlung wird hier schon seit langem als “Therapie” angeboten – ohne jeden Erfolg.

#6 |
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bin überrascht

#5 |
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Prof. Dr. med Helmut Schöfer
Prof. Dr. med Helmut Schöfer

In der Frankfurter Uni-Hautklinik bestrahlen wir seit mehreren Jahrzehnten die Dupuytren´sche Kontraktur mit sehr guten Erfolgen. Wichtig ist die rechtzeitige Behandlung: vor der Fixierung der Kontraktur/Fehlstellung der Finger! Danach hilft m.E. nur noch der Handchirurg.

#4 |
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Angela Leyrat
Angela Leyrat

Super. Als Physiotherapeutin behandle ich immer wieder auch Patienten mit Dupuytren. Weder diese Therapieform ebenfalls weiterempfehlen. Danke

#3 |
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Dr. med. Monika Kohler
Dr. med. Monika Kohler

Der Artikel hat mir weitergeholfen, hatte erst vor kurzem wieder eine Patientin mit Dupuytren im Anfangsstadium. Jetzt weiß, was ich ihr empfehlen kann. Vielen Dank!

#2 |
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So weit ich mich erinnere, wurden damals in Erlangen drei Gruppen gebildet: Bestrahlung, Superoxid-Dismutase und nur Beobachtung und die Ergebnisse waren identisch. Sind die beiden anderen Gruppen jetzt auch nachuntersucht worden? Falls nicht, ist die Arbeit wertlos!

#1 |
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