Bruxismus: Zähne zusammenbeißen!

25. August 2010
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Wenn Zahnärzte ihren Patienten in die Mundhöhle schauen, erblicken sie meist nicht nur Karies und Zahnstein. Viele Menschen erteilen ihrem Gebiss ständig eine Abreibung, weil sie mit den Zähnen knirschen.

Wer tagsüber und vor allem nachts buchstäblich verbissen ist, baut so psychische Spannungen ab, allerdings auf sehr ungesunde Weise, denn unter Druck mit den Zähnen zu knirschen schädigt das Gebiss. Dadurch entstehen die weitreichenden Folgen des sogenannten Bruxismus, die glatten Abriebflächen auf den Zähnen.
Dieses Abriebflächen geben weit mehr Aufschluss über die psychische Befindlichkeit eines Menschen als angenommen. Zum einen spiegelt der Pflegezustand eines menschlichen Gebisses das generelle Bemühen eines Menschen wieder, für sich selbst zu sorgen und auf die Gesundheit zu achten. Zum anderen lassen Zahnstellung und -abrieb erkennen, ob und wie stark jemand unter seelischem Druck steht.

Viele Menschen verarbeiten ihren Stress, indem sie ihre Zähne während des Schlafs fest aufeinander drücken und mit den Zähnen knirschen. Eine einfache Erklärung dafür ist, wenn jemand tagsüber viel Ärger erträgt und diesen nicht sofort abreagiert und schluckt, muss er dem Ärger nachts auf diesem Wege Luft machen. Dies führt auf Dauer zu Zahnschmelzverlust, Zahnlockerungen und zum Wandern der Zähne, besonders, wenn auch noch die Zunge ihren Teil dazu beiträgt und Druck ausübt. Auch chronische Kopfschmerzen können hier ihre Ursache haben.

Zu allem Überfluss belastet das chronische Knirschen oder Pressen auch das komplette Kiefergelenk, so dass dieses sich vorzeitig abnutzen und stark schmerzen kann. Zusätzlich kann dieses auch knacken und die buchstäblich verbissenen Menschen bekommen vor lauter Anspannung oder Wut die Zähne nur mühsam auseinander.

Warum beißt man die Zähne aufeinander?

Aber alle Körperreaktionen eines Menschen dienen einem bestimmten Zweck. So ist es auch beim Bruxismus. Eine Stressreaktion wirkt sich bei manchen Menschen wie ein Muskelpanzer aus, der dem Schutz dienen soll. Kommt es zu Handgreiflichkeiten und drohen Schläge auf das Kinn, ist es schon sinnvoll, dass die Muskulatur sich verhärten kann, um Knochen und Gelenke zu schützen. Der physiologische Vorteil ist, dass sich ein zusammengepresster Kiefer somit bei einem Kampf nicht verrenken kann.

Behandlung

Doch wer buchstäblich an seinen Problemen herum kaut, hat irgendwann eindeutig ein dauerhaftes Problem. Wichtig ist in der Situation, dass der Patient die passende Behandlung bekommt. Eine rasche Hilfe gegen die Folgen des Zähneknirschens ist eine vom Zahnarzt individuell angepasste Aufbiss-Schiene aus Kunststoff. Damit werden die Zahnreihen auf Abstand gehalten und vor weiterem Schaden bewahrt. Auch die Muskulatur wird hierbei entlastet. Die Ursachen der Verbissenheit werden dadurch aber nicht beseitigt.
Entspannungstechniken wie Yoga oder autogenes Training sowie eine darauf abgestimmte Psychotherapie können dem Patienten helfen. Mit einem psychosomatisch geschulten Facharzt kann der Betroffene klären, ob sich die Lebenssituation durch eine Psychotherapie entspannter gestalten lässt, womöglich zeitweilig unterstützt durch ein angstlösendes Medikament.

Die Ursachen für die nächtliche Abreibung liegen oftmals lange zurück. Verdrängte Aggressionen, Ärger, Sorgen, Trauer, Enttäuschung und jede Art von Hektik und andauerndem Stress können das nächtliche Zähnepressen hervorrufen. Personen, die ihrem Ärger nicht Luft machen und alles hinunterschlucken, sind besonders gefährdet. Auch Menschen mit privatem oder beruflichem Dauerstress können mit der Zeit an Bruxismus leiden, da sie selten nebenher noch ein Ventil finden, um den Stress abzubauen.

Menschen, die Spannungen über die Zähne entladen, sind häufig dazu erzogen worden, sehr gewissenhaft, pflichtbewusst und leistungsbreit zu sein, sich immer durchzubeißen und niemals locker zu lassen. Die meisten Betroffenen kommen gar nicht in die Phase der Entspannung, denn dann würde ihnen auch irgendwann bewusst werden, welchen Wahnsinn sie sonst alltäglich betreiben und dass sie einfach keine Ruhe in ihrem Leben haben. Davor haben die meisten Personen jedoch Angst, denn das würde ihr Kontrollbemühen aufweichen und dann droht aus ihrer Sicht das totale Chaos. Schon früh haben solche Menschen Sätze wie “Zähne zusammenbeißen und durch” gehört.

Fazit

Dauerhaft zerknirschte Menschen müssen daher häufig an ihrer in Kindertagen erworbenen Einstellung zu Themen wie Leistung, Verantwortung, Lust, Freude und Entspannung arbeiten und lernen, Wut oder Trauer rauszulassen. Nur so können sie sich die nächtliche Gebissschädigung abgewöhnen.

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Zahnmedizin

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2 Kommentare:

Samya Mohamed
Samya Mohamed

also mir hat der Artikel sehr gefallen und ich würde diesen nicht als oberflächlich bezeichnen. Ich studiere selbst Zahnmedizin und aktuell gibt es zwar viele Symptombekäpfende Therapien, wie das Tragen von Schienen, doch zur Ursachenbekämfung gibt es nur psychotherapeutische Methoden.

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Dr. med. Elke Wollenhaupt
Dr. med. Elke Wollenhaupt

So einfach kann man es sich nicht machen.

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