Die Linke: „Reden wir erst mal über Geld“

29. Juni 2017
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Wer mehr Patienten versorgt, soll mehr verdienen – unabhängig von der Versicherung der Patienten. Davon ist Kathrin Vogler, gesundheitspolitische Sprecherin der Linken, überzeugt. Sie erklärt im Interview, wofür Ärzte stimmen, wenn sie bei der Bundestagswahl Die Linke wählen.

Frau Vogler, was sind die Schwerpunkte ihrer Gesundheitspolitik?

Die Reformen der letzten Jahrzehnte haben unser Gesundheitswesen mehr und mehr zu einem Markt gemacht. Es geht um höchstmögliche Profite. Das halten wir nicht für einen geeigneten Bereich der Daseinsvorsorge, die die Gesundheit ja sein sollte. Deshalb geht es uns darum, das Gesundheitswesen so zu gestalten, dass es sich an den Interessen der Patienten orientiert.

Was bedeutet das für Ärzte?

Die Arztpraxis sollte wieder zu dem werden, wozu sie ursprünglich einmal gedacht war, nämlich zu einem Ort der Prävention und Versorgung von Patienten – und dies nach dem besten Stand der wissenschaftlichen Praxis, nicht in erster Linie nach ökonomischen Kriterien.

Für die Linke in der Gesundheitspolitik

©Kathrin Vogler

Was haben Ärzte in der Gesundheitspolitik von den Linken zu erwarten?

Wir setzen uns für mehr Kooperation statt Konkurrenz ein. Das heißt, wir wollen eine gemeinsame Bedarfsplanung für Krankenhäuser und ambulante Versorgung einführen. Im Augenblick wird diese über die Kassenärztliche Vereinigung gemacht, die einen Sicherstellungsauftrag hat. Daneben findet die Krankenhausplanung statt, für die, zusammen mit den Krankenkassen und der Krankenhausgesellschaft, die Länder zuständig sind. Wir wollen, dass dies ein gemeinsamer Bereich wird – gerade im Hinblick auf die schlechte Versorgung im ländlichen Raum.

Wie kann man sich das konkret vorstellen?

Man könnte zum Beispiel gemeinsame Planungsausschüsse bilden, so dass auch die Länder und Krankenversicherungen sich besser abstimmen in der Frage, welchen Versorgungsbedarf es gibt. Dazu brauchen wir eine wissenschaftliche Versorgungsforschung zu der Frage, wo es eigentlich hingehen muss in den jeweiligen Regionen.

Wenn sie ganz allein regieren könnten, was würde sich für Ärzte ändern?

Reden wir erst einmal über Geld. Im Moment haben wir zwei verschiedene Versicherungssysteme, sodass das Einkommen von Ärzten sich danach orientiert, wie viele Privatversicherte in der Kartei sind. Das macht es für Ärzte unattraktiv, dort zu arbeiten, wo die meisten kranken Patienten leben, nämlich in den sozialen Brennpunkten der Großstädte oder im ländlichen Raum. Wir wollen eine gemeinsame solidarische Versicherung für alle, sodass der Arzt bei jedem Patienten mit dem gleichen Honorar rechnen kann. Wer mehr arbeitet und mehr Patienten versorgt, soll auch mehr verdienen. Wir wollen also das Leistungsprinzip in die ärztliche Vergütung einführen. Es soll nicht weniger Geld in den Honorarpool einfließen, es soll aber anders verteilt werden.

Das ist ja eigentlich eine durchweg kapitalistische Vorgehensweise.

Nein, es ist eine Frage der Gerechtigkeit. Wenn sich jemand in Gelsenkirchen Nord für seine ohnehin benachteiligten Patienten zehn Stunden am Tag abrackert, dann soll er auch mehr verdienen als derjenige, der am Starnberger See am Nachmittag wohlsituierte Patienten versorgt.

Wohin geht die Reise? Wo stehen wir in 20 Jahren? 

Die Frage ist, wie sich unser Gesundheitssystem entwickelt. Setzen wir weiter auf Wettbewerb und Profitstreben, dann werden wir irgendwo da landen, wo heute die USA stehen mit einer eklatanten Ungleichheit in der Versorgung. Wir können aber auch umsteuern und das Gesundheitssystem solidarisch ausrichten. Dann sehe ich eine Zukunft, in der Ärzte in Teams zusammen mit anderen Gesundheitsberufen für jeden Patienten maßgeschneiderte Therapien entwickeln. Ich sehe ein System, in dem der Staat in die Forschung investiert, damit wir dort, wo es weniger lukrativ ist, neue Medikamente  entwickeln. Und ich sehe ein Land, in dem jeder eine vernünftige Krankenversicherung hat, die ihn gesund hält.

25 Wertungen (3.28 ø)

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14 Kommentare:

Gast
Gast

Es braucht auch Zeit für Patienten, nur aus wirtschaftlichen Gründen die Patienten in einem Takt von kaum 5 Minuten durch zu ziehen nur um mehr zu verdienen halte ich für unethisch. Die Zeit mit dem Patienten sollte vergütet werden, nicht die nur die Anzahl. Vielleicht lieber ein Vergütungsprinziep wie in der Schweiz, gleiches Geld für gleiche Arbeit und genug Geld um Zeit für die Patienten zu haben.
Warum gehen denn so viele Patienten zum Homöopathen? Der ist oft der Erste, der eine ordentliche Anamnese macht, statt den Patient nach 5 Minuten mit einem Rezept vor die Tür zu setzen. Dafür sind Patienten auch gerne bereit privat zu zahlen. Das sollte einem doch zeigen, was den Patienten die Zeit mit ihrem Arzt wert ist.

#14 |
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Gast
Gast

Wäre schön wenn man die anderen Parteien auch zeigen würde. sonst ist es parteiisch.

Und passt bloß auf mit den Linken! Sie sind gut darin, Dinge zu versprechen die die Leute hören wollen – vor allem wenn sie nicht an der Macht sind glänzen sie, wie alle Radikalen. Schaut euch die Links (kommunistisch) regierten Länder an, wie es da mit der medizinischen Versorgung und den Ärzten aussieht. Alle kriegen das gleiche heißt Links – leider kriegen dann alle den gleichen Dreck.

In den osteuropäischen Ländern ist Korruption im Krankenhaus absolut normal, weil die Ärzte zu wenig bekommen. Und mal im Ernst, ist es wirklich gerecht wenn jemand der mehr bezahlt für seine Versicherung gleiches bekommt? Wollen wir wirklich noch schneller getaktete Massenmedizin? Denn eins sage ich euch, dann wird es sofort eine 2 Klassen Medizin geben wie wir sie noch nicht erlebt haben. Alle Versicherten werden wie Konserven möglichst schnell industriell abgefertigt, egal wie und einzelne Privatleute kaufen sich die allerbeste Behandlung – Oligarchen?

“the fascists of the future will call themselves anti-fascists” – Die nazis waren auch anti- alles mögliche. Ich wähle lieber Parteien mit positiver Botschaft als Parteien die immer nur fordern alles umzuschmeißen in der Fieberfantasie es wäre dann automatisch besser.

#13 |
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Gast
Gast

Viel verändern will die Linkspartei anscheinend auch nicht.

Glaubt den ersthaft jemand, dass eine “bessere Planung der Versorsungsbedarf” die zahlreichen Probleme und Missstände des deutschen Gesundheitswesen beheben kann?

Das (wirkliche) Problem in Deutschland ist sicher nicht die Verteilung von Arztpraxen und Kliniken, und auch nicht die Finanzierung (Privat und gesetzliche Krankenkasse) sondern eher die Struktur, Aufbau und Besitzverhältnisse des Gesunheitssystems. Da müsste man rangehen.

#12 |
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Gast
Gast

So ,nach dem Motto Masse statt Klasse, nichts für mich. Deshalb habe ich mir auch einen Privatarzt meines Vertrauens gesucht, da ich leider mit den Kassenärzten keine besonders guten Erfahrungen gemacht habe. Für einen guten Arzt, bin ich auch bereit mehr zu investieren , und dieser Doc berechnet sein Honoar Einkommensbedingt. Das heißt, auch Geringverdiener können endlich mit einer guten Medizin gesund werden.

#11 |
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Joachim Bedynek, Anthropologie
Joachim Bedynek, Anthropologie

Warum soll Einer, der sein Geld in eine PKV oder Zusatzversicherung investiert im Krankheitsfall nicht ein wenig besser versorgt werden, als Einer, der es vornehmlich in Urlaubsreisen oder Alkohol investiert. Was ist Gerechtigkeit ??

#10 |
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Gast
Gast

Schöne Sprüche nett verpackt. Wir Ätzte sollten nicht vergessen, was damals in der Kulturrevolution in Osteuropa und Asien passiert ist. Es ging nicht ohne sie, aber aus dem Bedarf mit ihnen führte dazu, dass Ärzte vom Ansehen und Gehalt als “Klassenfeind” ein sehr tristes Dasein führen mussten bzw müssen. Daran hat sich nach meiner Erfahrung nur wenig geändert in kommunistischen Ländern…

No way for me!

#9 |
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geneigter Leser
geneigter Leser

…..bis sein Budget erschöpft sich. In meinem Fall ca. drei Wochen vor Ende des Quartals!!

#8 |
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Weiß die Linke wovon sie redet, auch heute verdient der Arzt mit der quasi lkopfpauschale leistungsorientiert,wer viel durchschleust verdient auch mehrGast
Weiß die Linke wovon sie redet, auch heute verdient der Arzt mit der quasi lkopfpauschale leistungsorientiert,wer viel durchschleust verdient auch mehrGast

Weiß die Linke wovon sie redet auch heute verdient der Arzt mit der quasi kopfpauschale leistungsorientiert,wer viel durchschleust verdient auch mehr

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Gast
Gast

Sehr geehrte Frau Vogler, fragen Sie doch einfach mal die Ärzte selbst, ob sie eine “Einheitsversicherung” für ihre Pat. haben wollen.

#6 |
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Gast
Gast

@r.Berndt
zur Bürgerversicherung steht doch was im Interview: Ärzte sollen von für alle Patienten das gleiche bekommen, also wird die Privatversicherung abgeschafft?
haben sie den Artikel richtig gelesen?

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Gast
Gast

Naja, wer mehr versorgt verdient mehr bedeutet ja schnelles Abfertigen der Patienten … das widerspricht doch dem Ansatz vom Ort der Prävention und des “gut aufgehobenen” Patienten, oder nicht?
Wie wäre es zur Abwechslung mal für ein vernünftiges Honorar das entsprechend der GOÄ für alle Patienten bezahlt wird und ein Ende der Scheinselbstständigkeit im KV System dass die wirtschaftlichen Risiken auf den Arzt überträgt aber eine frei Gestaltung wie in der Wirtschaft unmöglich macht … ?

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Gast
Gast

hervorragend! Damit in Zukunft noch mehr Patienten wie am Fliessband abgefertigt werden können. Hauptsache viele!!

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Gast
Gast

Und wohlgemerkt, auszudehnen sind diese Gedanken auch auf das zum desolaten Geschäftsmodell gewordene Pflegesystem.

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r. berndt
r. berndt

Das nenne ich ein investigatives und hilfreiches Interview:
Kein Frage, keine Antwort, ob
– Bürgerversicherung kommen soll
– Krankenkassenlandschaft sich ändern soll
– Zahl und Zuschnitt der Kliniken so bleiben soll
– Kliniken für ambulante Behandlung geöffnet werden sollen
– die Freiberuflichkeit gestärkt – oder wenigstens erhalten – werden soll (“Ärzte in Teams”???)
– es weiter das KV-System oder bilaterale Verträge geben soll
– die Budgetierungen im ambulanten Bereich bleiben sollen
usw. usf.
Aber nach aktuellem Stand wäre es ja ohnehin irrelevant…

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