OTC-Switch: Wir sind mehr als Verkäufer

27. Juni 2017
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Experten aus Politik, Industrie und Apothekerschaft fordern, mehr Rx-Präparate aus der Verschreibungspflicht zu entlassen. Dieser OTC-Switch festigt die Rolle des Apothekers als Heilberufler. Für Kunden hat es nicht nur Vor-, sondern auch Nachteile.

Auf Einladung des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller (BAH) trafen sich Experten aus Politik, Industrie und Apothekerschaft, um über OTC-Switches zu sprechen. Aktuelle Entwicklungen zeigen, dass das Thema, gesundheitsökonomisch betrachtet, viel Potenzial hat.

Millionenschwerer Markt

Zuletzt hat die US-Arzneimittellbehörde Food and Drug Administration (FDA) Levocetirizin aus der Verschreibungspflicht entlassen. Amerikanische Patienten mit allergischer Rhinitis erhalten das Antihistaminikum künftig ohne Rezept. Schätzungsweise 60 Millionen Patienten gehören zur möglichen Zielgruppe.

In Deutschland wurden bei ähnlichen Indikationen Mometasonfuroat und Fluticasonpropionat als OTC verfügbar gemacht. Großes Interesse besteht auch hinsichtlich der Kombination von Aciclovir mit Hydrocortison, um Lippenherpes zu behandeln. Hier hatte der Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht am Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ein positives Votum ausgesprochen. Manche Triptane oder Analgetika sind längst zu Klassikern des Handverkaufs geworden.

Wunsch nach mehr Selbstmedikation

Laut BAH festigen OTC-Switches den „Anspruch von Apothekern in ihrer Rolle als Heilberufler“. Die Beratung in der Selbstmedikation sei die Königsdisziplin der Pharmazie. „Switches mit einer engen Begleitung durch die Apotheker bieten große Chancen für die Versorgung“, sagte Fritz Becker, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes, bei der Konferenz.

Dr. Elmar Kroth zufolge, Geschäftsführer Wissenschaft des BAH, würden sich informierte Patienten wünschen, mehr Verantwortung zu übernehmen. „Switches entsprechen diesem Wunsch nach mehr Selbstmedikation. Der Apotheker unterstützt Patienten dabei mit seiner heilberuflichen Beratung.“

Patienten zahlen die Zeche

Für Patienten sind OTC-Switches ein zweischneidiges Schwert. Sie freuen sich zwar, so manches Präparat ohne lästigen Arztbesuch zu bekommen. Dafür ist jedoch ein Preis zu zahlen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, sind OTCs keine verpflichtende Kassenleistung. Der BAH sieht in vermehrten OTC-Switches einen entscheidenden Vorteil. „Die apothekergestützte  Selbstmedikation entlastet auch das Gesundheitssystem und schafft damit neue Spielräume für die Patientenversorgung“, schreibt der BAH. „Aus diesem Grund werden Switches in Deutschland auch von den zuständigen Behörden unterstützt.“

Angesichts großer Überschüsse, die Finanz-Reserven gesetzlicher Krankenkassen stiegen zuletzt auf 16,7 Milliarden Euro, beginnt sich das Blatt wieder zu wenden. Seit 2012 erstatten einige Krankenkassen OTCs wieder als freiwillige Satzungsleistung – wenn auch zu unterschiedlichen Konditionen. Schwinden die Reserven, könnte es schnell wieder zu Kürzungen in diesem Bereich kommen. 

5 Wertungen (3.6 ø)

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3 Kommentare:

Gast
Gast

Der Verdacht, dass manche AM nur aus wirtschaftlichen Gründen aus der Verschreibungspflicht entlassen wurden, drängt sich mir schon länger auf.

#3 |
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Gast
Gast

Wenn es so ist , wie bei Omeprazol, wäre das o.k. Da kann man kleine Packungen als OTC bekommen, Große für Chroniker sind Rx und damit für den Patienten erstattungsfähig.

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Stephan Schaffer
Stephan Schaffer

Nett verpackt als Stärkung der Rolle des Apothekers. Allerdings zahlt hier nicht nur der Patient, sondern auch der Apotheker die Zeche. Dann ist nämlich schluss mit der AmPreisV. Und die Krankenkassen können wieder sparen.

#1 |
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