„Dieser Airbus hat drei Notärzte“

25. Juli 2017
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Medizinische Notfälle auf Flügen sind selten, doch durch das zunehmende Alter der Passagiere und häufigere Vorerkrankungen werden sie in Zukunft zunehmen. Wie können sich Fluggesellschaften darauf vorbereiten? Und was ist zu beachten, wenn man als Arzt an Bord Hilfe leistet?

Jeder Arzt könnte damit konfrontiert werden: Eine Durchsage im Flugzeug weist auf einen medizinischen Notfall an Bord hin – und ruft medizinische ausgebildete Fluggäste zur Unterstützung auf. Obwohl lebensbedrohliche Vorfälle auf Flügen selten sind, stellen sie Bordpersonal und freiwillige Helfer vor große Herausforderungen. Denn sowohl die technische Ausstattung als auch das verfügbare Fachpersonal entsprechen nicht der Notfallausstattung in einem Krankenhaus.

Die Zahl der Flugpassagiere nimmt weltweit zu. So reisten 2016 etwa 3 Milliarden Menschen mit kommerziellen Flügen, in Deutschland waren es 201 Millionen. Bisherigen Untersuchungen zufolge kommt es bei einem von 14.000 bis zu einem von 40.000 Passagieren zu einem medizinischen Notfall. In etwa sieben bis 13 Prozent der Fälle führt der Notfall zu einer außerplanmäßigen Zwischenlandung des Flugzeugs. Und etwa 0,3 Prozent der Betroffenen starben in Folge des Notfalls.

Mehr Menschen mit Vorerkrankungen fliegen

Diese Zahlen könnten in den kommenden Jahren weiter ansteigen – unter anderem, weil immer mehr ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen fliegen. „Das Thema medizinische Notfälle bei Flügen wird in den nächsten Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnen“, sagt Prof. Dr. Jochen Hinkelbein, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrtmedizin (DGLRM) und Notfallmediziner an der Uniklinik Köln.

Allerdings gibt es bisher keine Leitlinien, die Maßnahmen für die Vorbereitung auf einem medizinischen Notfall an Bord sowie den Umgang mit solchen Notfällen festlegen. Außerdem werden Häufigkeit, Ursachen und Folgen solcher Notfälle bisher nicht systematisch erfasst. „Dies wäre jedoch eine wichtige Voraussetzung, um eine geeignete medizinische Notfallausrüstung an Bord und sinnvolle Trainingsmaßnahmen für das Bordpersonal zu definieren und geeignete Empfehlungen für den Umgang mit Notfällen an Bord geben zu können“, schreiben Hinkelbein und sein Team. „Wir fordern daher dringend eine internationale, zentrale Datenbank, in der medizinische Notfälle bei Flügen systematisch erfasst werden.“

Spezielle Ausrüstung an Bord fehlt oft

Die häufigsten Ursachen für Notfälle bei Flügen sind einer Studie zufolge ein Kreislaufkollaps bzw. eine Kreislaufinstabilität (Präsynkope) – beides zusammen macht 37 Prozent der Vorfälle aus. An zweiter Stelle stehen Symptome der Atemwege (12 Prozent) wie etwa Atemnot, gefolgt von Übelkeit und Erbrechen (9,5 Prozent). 8,5 Prozent der Betroffenen wurden nach dem Vorfall stationär im Krankenhaus behandelt – meist wegen des Verdachts auf einen Schlaganfall, Atemwegs-Symptomen oder Herzproblemen. In einer weiteren Studie, in der Flugmediziner befragt wurden, waren Herz-Kreislauf-Erkrankungen (40 Prozent) und neurologische Symptome (18 Prozent) die Hauptursachen für Notfälle auf Flügen.

Zwar gibt es an Bord jedes Flugzeugs eine vorgeschriebene Minimal-Ausrüstung für medizinische Notfälle und das Bordpersonal muss ein Training für bestimmte Notfallmaßnahmen absolviert haben, wie es in Europa die European Aviation Safety Agency (EASA) festlegt. An Bord müssen ein Erste-Hilfe-Koffer und bei Flugzeugen mit über 30 Sitzen ein „Emergency Medical Kit“ vorhanden sein. Allerdings ist nicht bis ins letzte Detail festgelegt, was dieses Kit enthalten muss. In den USA ist vorgeschrieben, im medizinischen Notfall-Set einen Defibrillator und Adrenalin zur Behandlung eines Kreislaufschocks mitzuführen – in Europa gibt es solche Vorschriften bisher nicht.

Zusätzliche Ausstattung für Notfälle kann von Fluggesellschaft zu Fluggesellschaft deutlich variieren. So ergab eine Studie des Forscherteams um Hinkelbein, dass von den 13 teilnehmenden deutschen Fluggesellschaften zwar alle die vorgeschriebene Minimal-Ausrüstung an Bord hatten, aber nur vier mit einem Defibrillator und nur sieben mit einem erweiterten medizinischen Notfallset ausgestattet waren. „Insgesamt entspricht die Ausstattung der Fluggesellschaften für medizinische Notfälle den gesetzlichen Vorgaben“, sagt Hinkelbein. Allerdings reiche sie bei den meisten Fluggesellschaften nicht aus, um spezifische Notfallsituationen nach medizinischen Leitlinien zu behandeln, schreiben die Forscher – etwa, um bei einem akuten Herzinfarkt eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durchzuführen.

Neue Leitlinie: Maßnahmen bei Herzstillstand

Ein seltener, aber schwerwiegender Vorfall auf Flügen ist ein akuter Herz-Kreislauf-Stillstand: Dieser macht zwar nur 0,3 Prozent der medizinischen Notfälle bei Flügen aus, ist aber für 86 Prozent der Todesfälle verantwortlich. Eine Arbeitsgruppe der DGLRM um Jochen Hinkelbein hat nun erstmals eine Leitlinie entwickelt, die Fluggesellschaften Maßnahmen zum Umgang mit einem Herzstillstand an Bord empfiehlt. Diese stellten die Forscher Anfang Juni auf der Euroanaesthesia-Konferenz in Genf vor. Nun ist geplant, die einzelnen Fluggesellschaften direkt zu kontaktieren und sie zu überzeugen, diese Aspekte in ihren Notfallmaßnahmen-Katalog aufzunehmen.

Die Leitlinie umfasst unter anderem folgende Maßnahmen:

  • Alle Flugzeuge sollten mit einem Defibrillator oder zumindest mit einem EKG-Gerät ausgestattet sein
  • Die Crew sollte regelmäßig (möglichst alle sechs Monate) ein Erste-Hilfe-Training absolvieren, das ein Training zur Herz-Lungen-Wiederbelebung umfasst.
  • Die Notfallausrüstung und ihr Standort sollten in den Sicherheitsansagen vor dem Flug genannt werden.
  • Nach einem (vermuteten) Herzstillstand sollte das Bordpersonal so schnell wie möglich per Lautsprecherdurchsage um medizinische Unterstützung bitten.
  • Wenn möglich, sollte die Herz-Lungen-Wiederbelebung von zwei Personen durchgeführt werden.
  • Sobald bei dem Patienten ein spontaner Kreislauf zu beobachten ist, sollte das Flugzeug am nächstmöglichen Flughafen landen.

Weitere Notfälle: Schwere allergische Reaktionen und Asthamanfälle

Neben Herzerkrankungen können auch Allergien und Asthma zu Notfällen bei Flügen führen – etwa bei einem schweren Asthmaanfall oder einer schweren allergischen Reaktion. „Über die Häufigkeit solcher Notfälle ist bisher wenig bekannt. Doch wir fürchten, dass dieses Thema bisher nicht die notwendige Aufmerksamkeit erhalten hat“, schreibt ein internationales Forscherteam um Mario Sánchez-Borges vom Centro Médico Docente La Trinidad in Caracas (Venezuela). So schätzen Studien, dass zwei bis vier Prozent der medizinischen Probleme bei Flügen auf Allergien zurückgehen. Die speziellen Bedingungen bei einem Flug könnten Asthmaanfälle oder allergische Reaktionen begünstigen, insbesondere der geringere Sauerstoffgehalt und die niedrige Luftfeuchtigkeit in der Kabine.

Wichtig sei daher, die Häufigkeit von allergischen und Asthma-bedingten Notfällen sowie Möglichkeiten zur Vorbeugung und Behandlung in zukünftigen Studien zu erfassen. „Außerdem sollten Risiko-Passagiere und die Fluggesellschaften mit den notwendigen Maßnahmen ausgestattet werden, um solchen Notfällen vorzubeugen und sie angemessen zu behandeln“, betonen Sánchez-Borges und sein Team. Bisher sei die Ausstattung zur Behandlung solcher Notfälle im Flugzeug begrenzt.

Viele Fluggesellschaften hätten zwar inzwischen Strategien eingeführt, um mit solchen Vorfällen umzugehen. Allerdings gebe es bisher keine standardisierten Maßnahmen für alle Fluggesellschaften. „Hier sollten zusammen mit spezialisierten Ärzten evidenzbasierte Empfehlungen erarbeitet werden“, so die Forscher um Sánchez-Borges. Sinnvoll sei etwa, im Notfallset auch Corticosteroide, Antihistaminika und Beta-2-Agonisten zur Behandlung eines akuten Asthma-Anfalls mitzuführen.

Was sollte man beachten, wenn man selbst Hilfe leistet?

Wer selbst Arzt ist, sollte nicht zögern, bei einem Notfall an Bord medizinische Hilfe zu leisten – auch wenn eine solche Situation eine starke Stressbelastung sein kann. „Man sollte sich bewusst sein, dass diese Hilfe den Ausgang von Notfällen deutlich verbessern kann“, betont Hinkelbein. „Deshalb sollte man auf jeden Fall Hilfe leisten.“ Mit negativen Folgen hätten freiwillige Helfer kaum zu rechnen. „Das Risiko, bei einem möglichen negativen Ausgang haftbar gemacht zu werden, ist nahezu ausgeschlossen“, sagt der Wissenschaftler. „Hier bieten verschiedene Gesetze Schutz für Notfallhelfer an Bord.“

Wer bereit ist, während eines Flugs medizinische Hilfe zu leisten, kann sich bereits vor Abflug informieren, welche Medikamente und medizinischen Geräte an Bord vorhanden sind. „Tritt ein Notfall ein, sollte sich der helfende Arzt zunächst erkundigen, wo sich das Material befindet“, sagt Hinkelbein. „Außerdem ist es günstig, sich mit einem Dokument als Arzt auszuweisen.“

Im weiteren Verlauf sollte der Helfer regelmäßig mit dem Flugkapitän Rücksprache halten, ihm Auskunft über den Zustand des Patienten geben und ihn beraten, ob eine außerplanmäßige Zwischenlandung notwendig sei. Die Entscheidung dafür treffe aber letztendlich der Kapitän.

„Wer im Flugzeug Hilfe leistet, sollte sich klar machen, dass ein Notfall in der Regel bewältigbar ist, die Möglichkeiten dafür aber oft begrenzt sind“, so Hinkelbein. „Letzten Endes sollte jeder so gut Hilfe leisten, wie es in dieser ungewohnten Umgebung eben möglich ist.“

84 Wertungen (4.43 ø)

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38 Kommentare:

Vaith Karl
Vaith Karl

Der Apoplex trat beim Flug von LA nach FFM über Grönland ein und wurde nicht erkannt.
Es bestanden nur sehr starke Kopfschmerzen und Schwindel, Übelkeit.
Man tippte auf Höhenkrankheit, da sonst keine Symptome auftraten.
Nach der Landung über 4 Std später wurde eine Therapie im KH-Flughafencenter durchgeführt, man erkannte auf Schlaganfall als Sprechstörungen 4 Std später dazu kamen und wollte mich zuerst nach Munich weiterfliegen lassen.

Es war ein Drama !

#38 |
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Hatte einmal die traurige Erfahrung bei einem Flug nach Ägypten. Patient war kollabiert, Durchsage durch das Cockpit. Meldete mich dann bei einer Stewardess, die mir schnippisch antwortete: “da können Sie sich anstellen, da sind noch Mehrere”. Ging dennoch hin und versuchte, zu helfen. Apparativ war Condor wirklich gut ausgestattet. Aber alle Helfer bekamen weder einen Kaffee, noch einen netten Brief, rein gar nichts. Sehr traurig. Ein sehr detailliertes Schriftstück mussten wir allerdings ausfüllen.

#37 |
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Dr. med. Gernot Dr. Eysselein
Dr. med. Gernot Dr. Eysselein

Dr.Eysselein, Arzt

“Durfte” selbst schon 2X Hilfe leisten, in einem Fall mußte der Patient über
Stunden betreut werden. Die Ausrüstung im Flugzeug war erbärmlich, auch
bei Cathay. Die Crew war hilfsbereit und man hat sich nachher schriftlich
und mit Upgrade für einen nächsten Flug bedankt.
Viel schlimmer als die mangelnde Ausrüstung empfand ich, daß Patienten
nicht gelagert werden können, damit die Helfer von 2 Seiten arbeiten
können und das alles im Halbdunkel und bei Geschnarche der Mitmenschen.
Völlig unrealistische Forderung: bei allen Fliegern 2 Sitze raus und Platz
für eine ordentliche Notfall-Versorgung. Aber es geht ja um`s Geld,
also nicht machbar!!!

#36 |
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Dr. Elisabeth Pommé
Dr. Elisabeth Pommé

Ich finde, dass es zum guten Ton gehören würde, dass der gewünschte Einsatz eines Arztes an Bord mit der Rückgabe der Kosten für das Flugticket beglichen wird. Schliesslich erspart sich jede Fluggesellschaft einen zu bezahlenden Arzt pro Flug (!).
Irgendwann würde das ohne unser wohlwollen sonst kommen müssen.

#35 |
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Dieter Lehné
Dieter Lehné

Ganz einfach. Die Deutsche Luftwaffe fragen. Wir haben alles. MEDEVAC in Köln.
Die sind gerne bereit Info zu geben. Bitte an das Bundeswehrkrankenhaus in Koblenz oder mich wenden.

#34 |
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Arzthelferin
#33 |
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Dr. med. Marc Heydenreich
Dr. med. Marc Heydenreich

@ Dr.Platz: Ich hätte wie Sie gehandelt, sehr langsam gegeben, oft reicht 1/4 bis 1/2 Ampulle. Allerdings habe ich auf Valium i.v. auch Herzstillstände beobachtet (zum Glück nicht als selbst Behandelnder) . Da frage ich mich dann schon, wie die Rechtslage ist, wenn derart gravierende Folgen einer Therapie eintreten, mit denen wir alle rechnen müssen.

#32 |
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Dr. Saïd Kahla
Dr. Saïd Kahla

Bei interkontinentale Flüge melde ich mich(Anästhesist) beim Personal; die notieren sich sofort den Sitz. Meine Erfahrungen sind unterschiedlich. Im A380 war die Ausstattung hervorragend inkl AED. Das Personal der LH war herausragend und es gab keine Kompetenz Probleme. Ich konnte eine ältere kollabierte Patientin in den oberen Etagen Business verlegen ; da gab es Sitze die man horizontalisieren kann. Ich wurde aus der Not geupgradet damit ich auf die alte Dame aufpassen konnte. Später kam der Purser, hat sich bedankt und eine Menge M&M geschenkt. Hier kann man auch mit dem Mythos aufräumen: falls ich beim einchecken als Arzt oute werde ich geupgradet. Stimmt nicht. Bei der TAP war die Erfahrung nicht so prickelnd. Der Purser wollte den Koffer nicht herausgeben und anschließend nicht öffnen … was ich trotzdem gemacht habe. Hätte ich mir sparen können… war eh nicht viel drin :-0 … später gab es als Dank ein Etui mit Zahnbürste etc… was ich ablehnte mit dem Hinweis ; sie sollten eher den Koffer aufrüsten. Bei der Saoudia war die Personal Bereitschaft groß, da habe ich einen Asthma Anfall behandelt. Patientin aus Indien; ich konnte mich auf arabisch mit dem Personal unterhalten und eine Kollegin hat den englischen Part mit dem Ehemann übernommen. Vorteil bei Saoudia … es gibt ein Gebetsraum im Flugzeug wo man gut arbeiten kann. Der Kapitän wurde stets informiert und hat eine Zwischenlandung angeboten. Die Ursache des Asthmaanfalls wäre das verstreuen von Desinfektionsmittel über die Klimaanlage gewesen. Ob das stimmt ???? Der Koffer war bestückt aber durcheinander. Wir konnten von Jeddah kommend, Frankfurt erreichen ohne Zwischenlandung. Zum Thema US Flieger … da habe ich auch meine Bedenken; ich melde mich nie … sollte einen Arzt gesucht werden würde ich wahrscheinlich auf der Stelle in einen Tiefen Schlaf fallen. In Deutschland gilt das Solidarprinzip aber von den Staten hört man nichts gutes inkl die Regressmentalität wie es die Kollegin beschrieben hat. Eine letzte Erfahrung aus dem TGV auf der Pariser Strecke in Frankreich. Der Arzt wird über Lautsprecher gebeten. Wenn man im letzten Wagen sitzt une der Patient ganz vorne ist das eine lange Strecke. Der TGV verfügt über AED. Nach Diagnose habe ich dem Zugbegleiter gesagt er sollte dem Zugführer sagen er soll wieder starten, man hätte eh nichts machen können mitten in der Champagne. Bei Ankunft im Bahnhof stand einen Rollstuhl zur Verfügung.

#31 |
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Herr Peter Haubold
Herr Peter Haubold

Der Teilsatz “oder zumindestens ein EKG Gerät” irritiert mich. Zum Einen, weil ein AED in der Anschaffung günstiger sein sollte, als ein rein diagnostisches EKG ohne Defibrillator und zum Anderen, weil der Nutzen eines reinen EKGs für den Patienten und damit für den Behandelnden in dieser Situation nicht zu erkennen ist.

#30 |
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Gast
Gast

In Deutschland werden ebenfalls Kurse zum Thema Notfall an Board angeboten (beim größten deutschen Unternehmen). Diese sind ausgesprochen hochklassig und umfassend .
Es stimmt nicht wirklich, das Notfallequipments nur Basisversorgung es möglichen. Außerdem sollte man bedenken, das es sich um ein Personentransportmittel handelt. Wer unterwegs Intensivtherapie betreiben möchte , sollte mit MedEvac fliegen. Es ist schließlich “Notfallmedizin”.

#29 |
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Vor einigen Jahren im Condor-Ferienflieger nach Teneriffa: Kurz nach dem Start eine hyperventilierende und sehr agitierte junge Frau, die sich durch nichts beruhigen ließ. Laut mitfliegendem Ehemann nicht vorerkrankt, da habe ich kurzerhand zu Diazepam i.v. gegriffen und der Rest des Fluges lief vollkommen ruhig ab. Dabei konnte ich mir einen Eindruck von der Notfallausrüstung an Bord machen, die war vorbildlich: Komplett ausgestatteter Notfallkoffer, Defi usw. und hilfsbereites Bordpersonal.
Nach meinem Einsatz musste ich noch ein paar Papiere ausfüllen, danach gab´s von den dankbaren Flugbegleitern eine Menge Spielzeug für unsere Kinder und Champagner für mich und meine Frau. Das war für die Fluggesellschaft deutlich billiger, als die Alternative: Umdrehen und wieder in Frankfurt landen.
Ich war übrigens der einzige Arzt in dem mit rund dreihundert Menschen besetzten Flugzeug, zumindest der einzige, der sich zu erkennen gab…

#28 |
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Martina Grüter
Martina Grüter

die juristischen Konsequenzen würden mich interessieren. Es gibt mehr oder weniger erfahrene Kollegen (manche sind auch nur theoretisch oder nicht ärztlich tätig und haben mit Notfällen nur noch den “Ausbildungsstand nach PJ”.)
Grundsätzlich helfen ja, aber behandeln, wenn das nötige Equiment fehlt/ bzw. eine Diagnostik kaum möglich ist…

#27 |
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Gast
Gast

Wer schon einmal eine CPR bei den sehr engen Verhältnissen im Flugzeug durchführen musste, weiß wie schwierig sich eine adäquate Versorgung darstellt. Es reicht schon den bewußtlosen Fluggast vom Sitz am Fenster in einen Bereich zu transportieren wo eine CPR überhaupt möglich ist. Ein AED und ein Pulsoxymeter sollte überall Pflicht sein.

#26 |
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Eine Empfehlung eines “alten Hasen” lautete: Doktorgrad zwar in den Personalausweis, nicht jedoch in den Reisepass eintragen lassen. So ist man auf Interkontinentalflügen (z.B. In die USA) für solche Fälle “anonymisiert”. Bin mir allerdings nicht sicher, ob ich das gut finden soll…

#25 |
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Dr. med. Gabriele Schmidt-Dorn
Dr. med. Gabriele Schmidt-Dorn

Wer sich interessiert – in Österreich werden Kurse/Fortbildungen “Doc on Board” angeboten

#24 |
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Es bleibt also doch wohl rechtlich problematischer, als es zunächst scheint…

#23 |
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Friederike Schroeder
Friederike Schroeder

Ich habe letztes Jahr sehr schlechte Erfahrungen mit etihad Airlines zwischen Sydney und abu Dhabi gemacht. Mit wurde trotz mehrmaliger eindringlicher Aufforderung der durchaus sehr gut ausgestattete NotfallKoffer des Flugzeuges nicht ausgehändigt. Wir bekamen nicht einmal ein blutdruckmessgerät und palpierten den RR der Patientin! Als Argument war immer der FlughafenArzt gibt das Kommando. Als ich insistierte ihn persönlich am Telefon zu sprechen als die Patientin Thoraxschmerzen bekam wurde dieses ebenso verwehrt. EinE Schwester und ich verbrachten insgesamt 4 Std neben der Patientin am Boden. Auf eine Beschwerde bei der Fluggesellschaft bekam ich den Hinweis dass das personal nur auf das Kommando des FlughafenArztes hören dürfe. Schön wenn das nicht 2 Std dauert bis das laienpersonal die Beschwerden durchgibt. Ich möchte bei denen kein Patient sein!!!

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Dr. med. Dieter Feldmann
Dr. med. Dieter Feldmann

Beim Römheldsyndrom gab ich ergänzend zu den zwei bis drei Dimeticon Tab. eine Nitrolingual Zerbeiß-Kapsel und eine Aspirin Brausetabl. in einem Glas Wasser aufgelöst. Danach war der Patient bald beschwerdefrei.

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Dr. Claudia Hafner-Chvojka
Dr. Claudia Hafner-Chvojka

Dr Claudia Hafner-Chvojka, Ärztin
Bei Lufthansa kann man sich als Arzt registrieren lassen.Dann sollte automatisch beim Einchecken der Purser informiert sein, dass man an Bord ist und bereit ist zu helfen-was ich für eine Selbstverständlichkeit halte. Bin seit über 15 Jahren so registriert und habe immer gern geholfen-war schon verschiedenstes dabei, meist ist es harmlos. Die Crew ist immer sehr hilfsbereit und dankbar-auch, wenn man sich beim Einsteigen nochmals meldet und sagt, wo man sitzt. Irgendwann nach einem “Einsatz” kommt meist ein kleines (Meilen-)Dankeschön und manchmal auch ein Bericht, wenns was größeres war. Bekam irgendwann auch ein “Taschenbuch der Flugmedizin” zugesandt, interessante und durchaus hilfreiche Lektüre, kommt jetzt immer mit.

#20 |
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Dr. med. Dieter Feldmann
Dr. med. Dieter Feldmann

Ich machte in meinen vielen Jahren als Allgemeinarzt und zuletzt als Schiffsarzt die Erfahrung, daß Patienten, die über Herzschmerzen klagten, und Schweiß auf der Oberlippe bzw. Stirn hatten, sehr wahrscheinlich einen Herzinfarkt hatten, der zu schnellstem Handeln zwang.
Ohne diesen Schweiß lag – wie sich später nach EKG und Koronarangiographie
herausstellte – praktisch immer ein Römheldsyndrom vor, bei dem Blähungen von unten aufs Herz drückten. Da halfen zwei bis drei Dimeticon Tbl. Kümmeltee, Fencheltee, den Bauch massieren, auf die linke Bauchseite legen(dann gehen die Winde leichter ab), Wärmflasche auf den Bauch und das Vermeiden von blähenden Speisen wie : Erbsen, Linsen, Bohnen, Äpfel, Birnen, Pilze, rote Rüben, Gurken, Zwiebeln, Weißkraut, Rotkraut, Lauch und Weintrauben.
Dr. med. Dieter Feldmann

#19 |
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Gast
Gast

Ich wurde in Saudi-Arabien mal als Ärztin zu einem 10 Tage alten Neugeborenen, das auch noch ein Frühchen war (wie weit genau ist aufgrund von Sprachbarrieren unklar, war aber sicher unter 2kg), gerufen.
Das Neugeborene hatte Atemprobleme u es war kaum was an Bord – nicht mal eine Sauerstoffmaske… nur die O2 Flasche. Das Baby und die Mutter waren wohl illegal in Saudi Arabien und wurden auf die Philippinen abgeschoben, deshalb dürfte das Baby überhaupt erst an Board gewesen sein.
Habe dann natürlich so schnell wie möglich eine Notlandung empfohlen und mit Stimulieren und Auslassen der O2 Flasche über dem Gesicht versucht eine ausreichende Oxyginierung zu erreichen.
Am Boden wurde das Baby vom Notarztteam des Flughafens entgegengenommen, wie die Sache ausging weiß ich nicht, da ich trotz Nachfragen nie mehr etwas gehört habe.
Bevor ich aber den Medikamtenkoffer gezeigt bekam musste ich mich als Arzt ausweisen u bevor die Notlandung eingeleitet wurde musste ich mehrere Formulare ausfüllen und unterzeichnen. In dem Moment tat ich das natürlich u kümmerte mich wenig darum, da es ja um das Leben des Babys ging, hatte dann aber doch Angst wegen irgendwelchen Kosten. Habe aber nie wieder was von der Fluggesellschaft gehört.
Es war ein riesiges Flugzeug und ich bin mir sicher nicht der einzige Arzt an Board gewesen zu sein. Kollegen denen ich dann davon erzählt habe meinten, sie würden sich auch nicht melden, was mich sehr schockiert hat. Ich appelliere hiermit an jeden Arzt/Ärztin der das liest: bitte meldet euch, es ist stressg u man muss improvisieren aber als Arzt weiß man immer noch besser weiter in solchen Situationen als als Laie. Und zu zweit oder sogar als Team lässt es sich immer leichter handeln. Denkt dran wenn Angehörige von euch an Board eines Fliegers Probleme haben und ihr wisst ein Arzt ist an Board aber meldet sich nicht, wie würdet ihr darüber denken!?
Egoismus ist hier Fehl am Platz, denkt das nächste mal dran wenn ein Arzt ausgerufen wird.

#18 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

Ich hatte bereits einmal das “Vergnügen” über dem Atlantik eine Reanimation mitzumachen. Wir waren ein hervorragendes Team von Helfern (Anästhesist, Assistenzärztin, drei Rettungsassistenten). Die Rea an sich hätte gut funktioniert, war aber aufgrund der Vorerkrankungen und der langen Dauer bis zur Zwischenlandung leider nicht erfolgreich.

Der Flug (mit Air Berlin) war gut ausgerüstet mit AED und Notfallrucksack. Im Rucksack waren jedoch nur vier Venenverweilkanülen, was bei schlechten Venenverhältnissen einfach mal zu wenig sein kann. Hier wäre eine i.o.-Möglichkeit sicher toll. Die vier oder fünf Ampullen Epinephrin sind auch zu wenig, da man alleine für den Landeanflug schon mal gute 10 Minuten rechnen muss. Und da muss der Flieger schon quasi über dem Flughafen sein. Wir hatten über eineinhalb Stunden versucht, den Patienten zu reanimieren.

Problematisch war für mich persönlich aber die Tatsache, dass sich Air Berlin über Monate hinweg jeder Ersatzzahlung für meine Reinigungskosten bzw. die kaputten Schuhe entzogen hat. Hier empfehle ich bei Schäden an Kleidung oder verbrauchtem Material, diese vor Ort unter Zeugen aufzuschreiben / zu fotografieren und dann auch dem Personal sofort den Schaden anzuzeigen und eine Bestätigung (schriftlich!) zu verlangen. Auf den Kosten (sind ja “nur” etwas über einhundert Euro) bin ich dann letztendlich auch noch sitzengeblieben, ganz abgesehen davon, dass uns ein Tag der Flitterwochen verloren ging.
Auch sollten sich Ärzte darauf gefasst machen, je nach Situation, eventuell den Behörden am Flughafen Auskunft erteilen zu müssen. Wir Assistenzpersonal haben da den Vorteil, dass wir uns meist auf den Arzt herausreden können… ;)

Mein Fazit: Die Kollegen im Flieger waren spitze! Die Ausrüstung war insgesamt gut, in Teilen (Viggos, Epinephrin-Ampullen) zu wenig. Das Bordpersonal war super im Anreichen und Dokumentieren, hat soweit möglich in jeder Hinsicht unterstützt. Die Fluggesellschaft drückt sich um jede Zahlung, soweit möglich.

#17 |
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Dr. med. Norbert Siebrasse
Dr. med. Norbert Siebrasse

Ich hab negative Erfahrungen gemacht.Wenn der Flughafenarzt z.B.vor Abflug informiert ist,würde ich keine Hilfe mehr leisten.Er entscheidet ohnehin nach seinen eigenen Vorschriften,auch wenn diese uns völlig überflüssig und sinnlos erscheinen

#16 |
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Rettungsassistent

Bei EasyJet würde mir mal Schnaps und ne O2-Flasche angeboten…
Weiterhin wurde nachgefragt, ob wir zwischenlanden sollen…

#15 |
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DR. HANS-J. SCHEPP
DR. HANS-J. SCHEPP

Da ich früher einmal 3 Jahre lang Notarztwagen-Dienst mit im Mittel 6,5 Einsätzen pro 24 h absolviert habe und daher keine Scheu von Notfällen habe, melde ich mich immer, wenn im Zug oder Flugzeug ein Arzt gesucht wird. Bislang waren die Notfälle relativ leicht zu beherrschen (zum Beispiel Bluthochdruckkrisen, psychiatrische Notfälle, Blutdruckabfälle); geeignete Medikamente standen immer zur Verfügung. Wie es allerdings im Falle einer notwendigen Reanimation wäre, habe ich noch nicht erfahren, bin aber beruhigt, dass die Crew zumindest eine Basisausbildung abgeleistet hat.

#14 |
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B. Lange
B. Lange

Noch während des Studiums -kurz nach dem Physikum- wurde ich zum Helfer eines Notfallpatienten mit akutem Abdomen. Es waren ausreichende Notfallmedikamente an Bord – in Ampullenform – jedoch keine Kanülen, Spritzen, Venenkatheter oder Infusionsbestecke

#13 |
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Gast
Gast

Mich hatte er nun schon mehrmals ereilt , an Bord einer Air Berlin von Ägypten nach Deutschland zu helfen. Die Flugbegleiter sind immer sehr froh wenn man hilft und unterstützen sehr gut. An Bord waren neben einem einfachen Erste-Hilfekoffer auch einige Medikamente , Sauerstoff und ein AED. Dieses befand sich direkt am Anfang des Passagierbereiches oben in einem Dachfach. Für die üblichen Notfälle an Bord meist ausreichend. Zumal niemand über den Wolken eine Maximalversorgung machen muss. Es geht nur um Transportfähigkeit bis zur Landung und die Erstversorgung! Das ist mit einfachen Mitteln oft sehr gut möglich. Bei Bedarf kann man schon während des Fluges den Rettungsdienst am Ziel über den Flugkapitän anfordern lassen.

#12 |
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Gast
Gast

Die medizinische Ausrüstung, die ich bisher bei Flugzeugen gesehen habe ( ist sicher nur eine dürftige Auswahl) , war schlechter als die in meinem Auto. Ich hätte sehr Bedenken, ob ich als Ärztin mehr tun könnte als ein guter Laienhelfer. Zumindest was die am häufigsten in Beitrag genannten Erkrankungen betrifft.

#11 |
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Gast
Gast

guten Morgen,
wie ist die Gesetzeslage in einer solchen Situation für medizinisches Personal (GuK, MfA ….)

#10 |
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Gast
Gast

Sollte ein Arzt an Bord während der Notfallversorgung einen Behandlungsfehler begehen, so ist er bei der Lufthansa über eine Versicherung geschützt.

http://bit.ly/2uBoU04

Dazu prämiert die LH Ärzte, die Hilfe geleistet haben, mit Prämienmeilen bei Miles & More.

#9 |
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Gast
Gast

Es gilt immer das Recht unter der Flagge dessen der Flieger steht solange die Türen zu sind

Das ist Fakt

#8 |
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Den Eid des Hippokrates legt zum Glück kein Arzt ab. Wer von uns das verlangt, hat ihn nicht gelesen.

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@ Dr. med. Roland Lippoldt
Nur zur Klarstellung: früher haben Ärzte den Eid von Hippokrates geleistet
der Eid von Sokrates war das Gegenstück dazu für Lehrer ;))

#6 |
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Gast
Gast

“good samaritian law”
Bitte mal nachschauen, dann erst qualifziert sprechen…

#5 |
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Gast
Gast

#3: Wenn eine Patientin bei einem nicht-lebensbedrohlichen Fall schon vorher mit Klage droht?
Derartige absurde Ausnutzung eines Rechtssystems, bei der es dann letztlich um gewaltige Beträge gehen kann, hat Hippokrates zum Glück auch noch nicht erleben müssen.

#4 |
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Hilfe zu leisten, hat jeder Arzt im Eid des Sokrates geschworen. Angst vor juristischen Schritten sollte zweitrangig sein. Das Leben eines Menschen steht im Vordergrund. Schließlich handelt man mit gutem Wissen und Vorsatz zu helfen.

#3 |
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Gast
Gast

Sehr richtig, #1. Ich hatte mich mal auf einem Amerikaflug auf einen Ruf “Ist ein Arzt an Bord” wegen einer Stewerdess mit Patellaluxation zur Verfügung gestellt. Es wäre kein Problem für mich gewesen, die Patella zu reponieren, wenn sie nicht mit Klage gedroht hätte, falls dabei ein Schaden entstünde. Da ich weder von ihr noch später von Angehörigen verklagt werden wollte (man weiß ja, wie klagefreudig die Amerikaner sind), musste sie mit Schmerzen und einem im Verlauf extrem angeschwollenen Knie weiterfliegen. Tja, was soll man da sagen …

#2 |
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Gastarzt
Gastarzt

Natürlich würde ein Arzt helfen, wenn es zu einem Notfall kommen sollte. Die Aussage, dass ein Helfer international rechtlich geschützt ist, halte ich jedoch für sehr zweifelhaft. Ich hätte bei der Behandlung eines US- Amerikaners mehr Sorge wegen einer anschließenden Klage als Mut ihm zu helfen.

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