Mal wieder eine Tee-Studie

23. Juni 2017
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An widersprüchlichen Hypothesen über den gesundheitlichen Nutzen von Kaffee oder grünem Tee mangelt es nicht. Belegen konnten Wissenschaftler nun, dass Teekonsum epigenetische Veränderungen auslösen kann – zumindest bei Frauen.

In den letzten Jahren ist die Zahl an epigenetischen Studien nahezu explodiert. Forscher wissen, dass Änderungen der Genfunktion möglich sind, die nicht auf Mutation beruhen und dennoch an Tochterzellen weitergegeben werden. Als grundlegende Mechanismen haben sie die DNA-Methylierung, die Modifikation von Histonen oder den forcierten Abbau von Telomeren identifiziert. Vor allem bei der DNA-Methylierung spielt unser Lebensstil eine große Rolle.

Tee ist Frauensache

Weronica E. Ek, Forscherin am Science for Life Laboratory Uppsala, hat Effekte von Tee und Kaffee mit molekularbiologischen Tools untersucht. Die Getränke wurden ausgewählt, weil sie „eine wichtige Rolle bei der Modulation von Krankheitsrisiken beim Menschen zu spielen scheinen, indem sie die Tumorprogression unterdrücken, Entzündungen verringern und den Östrogenstoffwechsel beeinflussen“, schreibt Ek. Diese Mechanismen würden möglicherweise epigenetisch vermittelt, lautet ihre Hypothese.

Zusammen mit Kollegen hat die Wissenschaftlerin in 3.096 Blutproben nach Methylierungsmustern gesucht. Dabei zeigten sich Unterschiede je nach Geschlecht. Bei Teetrinkerinnen gab es Regionen, die anders methyliert wurden als bei Teilnehmerinnen mit anderem Konsumverhalten. Derartige Effekte traten bei Männern nicht auf. Kaffee führte ebenfalls zu keinen Veränderungen auf epigenetischer Ebene. Der eigentliche Erkenntnisgewinn liegt an anderer Stelle: Eks Hypothese, dass die Wirkung von Heißgetränken über epigenetische Prozesse vermittelt wird, konnte somit zumindest in Teilen bewiesen werden.

Heiß, aromatisch und gesund?

Von der Molekularbiologie zur Epidemiologie: Wer täglich mehrere Tassen Kaffee trinkt, tut seinem Körper möglicherweise viel Gutes. In drei großen prospektiven Beobachtungsstudien war der Konsum mit einem verminderten Sterberisiko assoziiert. Koffein als wichtigster Naturstoff hat selbst bei Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz keine negativen kardialen Folgen. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher auf Basis einer randomisierten klinischen Studie. Das aromatische Getränk könnte auch die Prognose bei Darmkrebs verbessern. Neuroprotektive Effekte werden ebenfalls diskutiert.

Ein Extrakt aus Grüntee hat bei Krebspatienten den Spiegel verschiedener Tumormarker verringert. Einzelne Inhaltsstoffe führten hochdosiert und mikroverkapselt im Tierexperiment zur Tumorsuppression. Sie schützen Leberzellen vor der Reinfektion durch Hepatitis-C-Viren, wenn auch nur in vitro. Die Möglichkeiten scheinen schier unerschöpflich zu sein, doch die Evidenz ist gering.

Grundätzlich haben Forscher bei Untersuchungen mit Tee oder Kaffee zwei grundlegende Probleme. Die Getränke sind letztlich ein Gemisch unzähliger sekundärer Pflanzeninhaltsstoffe. Ob sich wünschenswerte Effekte auf ein Molekül reduzieren lassen, weiß derzeit niemand. Ähnlich trist sieht es mit der Wirkung aus. Meistens gibt es nur Daten aus Assoziationsstudien. Kausalitäten lassen sich so also nicht beweisen.

 

Quelle:

Tea and coffee consumption in relation to DNA methylation in four European cohorts
Ek, Weronica, et al.; Hum Mol Genet, doi: 10.1093/hmg/ddx194; 2017

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Forschung, Medizin

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7 Kommentare:

Gast
Gast

Einleitung astrein bei Wikipedia abgekupfert…….

#7 |
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Und was ist jetzt daran so dramatisch?
“Biologische Funktionen von DNA-Methylierungen –
Da die DNA-Methylierung die Nutzung der DNA gestaltet, ohne die Abfolge der Grundbausteine (DNA-Sequenz) zu verändern, ist sie Gegenstand der Epigenetik. Bisher sind im Wesentlichen folgende Bedeutungen der Methylierung von Nukleobasen innerhalb doppelsträngiger DNA bekannt:
Bei Prokaryoten – Schutz vor fremder DNA: Unterscheidung zelleigener DNA von solcher, die von außen in die Zelle gelangt ist.
Fehlerkorrektur bei der DNA-Synthese: Unterscheidung des ursprünglichen (methylierten) DNA-Strangs vom neusynthetisierten Strang, in welchem die Nukleobasen noch nicht methyliert sind.
Bei Eukaryoten – Nutzung der DNA als Informationsträger: Markierung von aktiven und inaktiven Bereichen der DNA, unter anderem abhängig vom Lebensalter.” https://de.m.wikipedia.org/wiki/DNA-Methylierung

#6 |
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@#3 Wenn ich das richtig verstanden habe führt nur grüner Tee und nur bei Frauen zu epigenetischen Veränderungen …. Kaffee hat bei beiden Geschlechtern keine epigenetische Wirkung .

#5 |
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Joachim Bedynek
Joachim Bedynek

Vielleicht hätte man betonen sollen, dass Mutationen für immer im Genom bleiben, DNA-Methylierungen aber nach 2 oder 3 Generationen wieder verschwunden sind.

#4 |
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Joachim Bedynek
Joachim Bedynek

Obwohl ich finde, dass die Mann – Frau – Unterschiede in der heutigen Zeit nicht genug betont werden, befremdet es mich doch, wenn Kaffee nur bei Frauen Methylierung auslösen soll. Bis auf das kleine Y haben doch beide Geschlechter die gleichen Chromosomen und Männer haben doch auch weibliche Hormone, wenn auch weniger.

#3 |
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Manfred L. DIETWALD, Apotheker
Manfred L. DIETWALD, Apotheker

Tee sollte kurz etwas mehr als feucht mit 70-80Grad heissem Wasser behandelt und die erste Fraktion verworfen werden. Dann gewünschte Menge dieses temperierten Wassers dazugeben und nach ca.5 Minuten (Wurzeldrogen bis zu 30Minuten) abgesiebt werden um den Tee danach zu trinken. So verringert man Staubpartikel und Umweltgifte. Die genußvolle Pause trägt ihr Übriges dazu. Die Methylierung kann einem gleich sein. Eine wochenlange Begleituntersuchung wird doch nicht die Experimente begleitet haben.

#2 |
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Gast
Gast

Abgesehen von den Wirkstoffen bringt Teekochen einen weiteren wertvollen Nutzen:
er taktet meinen Tag! Ich nehme mir die Zeit für ein kleines Ritual und eine kurze Pause. Mitten im Alltag. Mitten im Geschehen. Eine genußvolle Pause ist heilsam!

#1 |
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