Sectio caesarea: Painkiller Stillen

16. Juni 2017
Teilen

Immer mehr Frauen entbinden per Kaiserschnitt. Eine von fünf Müttern leidet noch drei weitere Monate nach dem Eingriff unter chronischen Schmerzen. Stillen scheint einen positiven Einfluss auf die postoperativen Schmerzen zu haben, wie eine Assoziationsstudie zeigt.

In Deutschland entbindet fast jede dritte Frau per Kaiserschnitt, berichtet das Statistische Bundesamt. Jede vierte Geburt in Großbritannien, in den USA oder in Kanada findet ebenfalls mit chirurgischer Hilfe statt. In der Folge treten bei jeder fünften Mutter chronische Schmerzen auf. Die Beschwerden halten meist drei oder mehr Monate an. Viele Patientinnen versuchen, auf Analgetika zu verzichten. Jetzt zeigt Dr. Carmen Alicia Vargas Berenjeno aus dem spanischen Sevilla, dass Stillen möglicherweise die Beschwerden lindert.

Wer stillt, leidet vielleicht weniger

Zusammen mit Kollegen rekrutierte Vargas Berenjeno 185 Mütter, die sich zwischen Januar 2015 und Dezember 2016 einem Kaiserschnitt unterzogen hatten. Alle Frauen wurden zu ihren Stillgewohnheiten befragt. Forscher erfassten außerdem das Schmerzniveau 24 sowie 72 Stunden und vier Monate postoperativ.

Fast alle (87 Prozent) Mütter stillen ihre Babys. Mehr als die Hälfte (58 Prozent) gaben ihnen zwei Monate oder länger die Brust. Genau 23 Prozent aller Frauen, die weniger als zwei Monate gestillt hatten, berichteten am Studienende von chronischen Schmerzen. In der Vergleichsgruppe mit längerem Zeitraum waren es nur acht Prozent. „Alle Unterschiede erwiesen sich auch nach der Anpassung des mütterlichen Alters als bemerkenswert“, kommentiert Vargas Berenjeno.

Die WHO-Empfehlung lautet, Säuglinge sollten während der ersten sechs Lebensmonate ausschließlich gestillt werden. Laut KiGGS-Studie traf das auf lediglich zwölf Prozent aller Mütter in Deutschland zu. 54 Prozent stillten zu diesem Zeitpunkt noch, gaben aber weitere Kost.

Besteht wirklich ein Zusammenhang?

Damit wäre der Rat der Weltgesundheitsorganisation auch gut, um Schmerzen vorzubeugen. „Vorläufige Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Stillen für mehr als zwei Monate vor chronischen Schmerzen nach dem Kaiserschnitt schützt“, resümiert die Autorin. „Ein weiterer guter Grund, Frauen zum Stillen zu ermutigen.“

Vargas Berenjeno muss selbst einsehen, dass Assoziationsstudien bekanntlich mit großen Unsicherheiten verbunden sind. Kausalitäten beweisen sie nicht. Zahlreiche Einflussfaktoren machen die Sachlage schwierig. Beispielsweise fand Vargas Berenjeno heraus, dass Mütter mit Hochschulausbildung ein geringeres Risiko haben, chronische Schmerzen zu entwickeln, als Frauen mit niedrigerem Abschluss. Welche Rolle Ängste bei der Nozizeption spielen, bleibt unklar. Immerhin war jede zweite stillende Frau (54 Prozent) davon betroffen.

Auf biochemische Faktoren geht die Forscherin nicht ein. Durch das Stillen wird bekanntlich Oxytocin ausgeschüttet. Das Hormon führt nicht nur zur Kontraktion des Uterus. Ältere Studien geben Hinweise, dass Oxytocin die Wundheilung beschleunigt.

14 Wertungen (4.07 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

8 Kommentare:

Heilpraktiker

#6 Danke für den Tip:)

…..hätte ich gebrauchen können.
5 Geburten, 3 spontan mit schweren Komplikationen, 2 Kaiserschnitte.
Aber Stillen hilft tatsächlich!!!

#8 |
  0
Gast X
Gast X

Die alte Diskussion Sectio oder Spontanentbinding. Ist schon typisch dass wir gleich wieder bei diesem Thema landen obwohl es doch in dem Artikel eigentlich nicht darum geht sondern ums Stillen.

Stillen ist gut! Es gibt sehr viele Gründe die dafür sprechen und wenig dagegen. Jetzt gibt es noch einen! Und weil Stillen so gut und wichtig ist ist auch die Stillberatung wichtig. Ganz besonders weil es für viele Frauen zu Beginn ein sehr holpriges und frustrierendes Unterfangen ist. Schmerzen, wunde Brustwarzen, ein unregelmäßiger Rhythmus, ein wütendes hungriges Baby das vielleicht noch Schwierigkeiten beim Trinken hat, Rückenschmerzen, … viele sind nach kurzer Zeit so genervt dass sie aufgeben. Das ist furchtbar schade. Dabei würden in vielen Fällen ein paar Tipps und Anregungen ausreichen um die ersten Klippen zu umschiffen.

Darum sollten wir uns kümmern und nicht um die fanatische Diskussion ob es denn nun ein Kaiserschnitt oder eine Spontangeburt wird. Denn Frau Riggers hat recht. Riskant ist beides. Sowohl eine Sectiowunde als auch die Verletzungen einer Spontangeburt können vor allem in den ersten Monaten heftige Beschwerden verursachen. Langzeitschäden können ebenfalls nach beiden Geburtsmodi auftreten.
Natürlich wäre es für viele wünschenswert eine Spontangeburt zu bevorzugen wenn keine medizinischen Gründe dagegen sprechen, besonders wenn eine Frau plant mehrere Kinder zu bekommen. Auch ich persönlich habe der Spontangeburt den Vorzug gegeben. Das weiß aber vorher keiner! Niemand kann einem versprechen dass es bei einer Spontangeburt nicht doch zu erheblichen Geburtsverletzungen, bleibender Inkontinenz, einem Geburtsstillstand, einer lebensbedrohlichen Nachblutung oder einem hypoxischen Hirnschaden kommt. Niemand kann einem eine unkomplizierte Spontangeburt versprechen. Die Größe des Kindes ist manchmal nur schwer zu bestimmen und die Lage kann sich kurzfristig ändern. Wenn eine Frau nach ausführlicher Beratung und Abwägung aller Risiken sich der Sicherheit ihres Kindes wegen für einen Kaiserschnitt entscheidet ist das ihre Sache!

#7 |
  0
Heilpraktikerin

Ich hatter vier Kaiserschnitte, die Schmerzen werden mit jedem Mal stärker. Schauder. Nach dem zweiten habe ich ein homöopathisches Mittel entdeckt das einen Riesenunterschied gemacht hat (nein, nicht Arnica, das hatte ich vorher schon probiert).

Die letzten zwei Kaiserschnit Geburten waren beide viel schmerzloser.

Auf die Gefahr hin, dass ich jetzt von ‘Placebo!’-Schreien beworfen werde, hier ist das Mittel, weil es vielleicht doch einer Leserin helfen könnte: Staphysagria.

Alles Gute!

#6 |
  2
A.Riggers
A.Riggers

Auch Spontangeburten sind risikoreich ….. Meine erste Geburt war eine geplante Sectio aufgrund BEL. Ich habe voll gestillt, absolut keine nennenswerten probleme gehabt danach, alles wunderbar verheilt, alles perfekt,!! Vier einhalb Jahre später Spontangeburt, gerissen, Venen geplatzt, Libido wegen Sensibilitätsstörungen futsch, Scheidungraffung nötig !!! Zimmernachbarin, spontane Erstgeburt, nach schwerem Einriss mit Aufreissen einer Corona mortis fast verblutet unter der Geburt ( Hb 3!!) ……. Sorry, ich werde niemals einer Frau von einer geplanten Sectio abraten oder zu einer Spontangeburt ausdrücklich raten….. Das muss wirklich jede Frau für sich entscheiden !!!

#5 |
  7
Gast
Gast

Weniger Kaiserschnitte = weniger chronische Schmerzen. Kaiserschnitte sollten nur mit medizinischer Indikation vorgenommen werden. Der Kaiserschnitt “auf Wunsch” ist in meinen Augen indiskutabel – ein schwerer operativer Eingriff mit Risiken für Mutter und Kind, die einzugehen nur durch medizinische Gründe gerechtfertigt sind.

#4 |
  5
Gast
Gast

Warum kommt es überhaupt zu einem solch rasanten Anstieg der Kaiserschnittentbindungen?

Ein wunderbarer Dokumentarfilm über die aktuelle Geburtssituation in Deutschland und darüber, was Geburten sicherer macht :

http://www.die-sichere-geburt.de/phone/index.html

(3 Kino-Premieren in den letzten Wochen und hoffentlich bald für alle zu sehen!)

#3 |
  2
Gast
Gast

Selbst nach der Menopause habe ich (Z. n. 1 x Kaiserschnitt) noch stechende Schmerzen – nicht ständig, aber immer wieder ohne konkreten Auslöser.

#2 |
  2
Anja
Anja

Ich habe ebenfalls ständig Stiche im Unterleib nach meinem dritten Kaiserschnitt vor 7 Monaten. Ganz besonders, wenn sich der Stuhlgang durch den Dickdarm bewegt. Ob das Verwachsungen sind? Stille auch noch voll. Ich werde anscheinend damit leben müssen. Kollateralschaden?

#1 |
  4


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: