Übergewicht durch Stress: Fettverteilung im Fokus

4. Juli 2013
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Bei großem Stress werden vermehrt Glukokortikoide ausgeschüttet, die an der Bildung von Übergewicht beteiligt sind. Bisher war unklar, warum das Fettgewebe vorrangig im Bauch als viszerales Fett gebildet wird. Forscher fanden nun einen mitverantwortlichen Mechanismus.

Die beteiligten Wissenschaftler unter der Leitung von Martin Bilban vom Klinischen Institut für Labormedizin der MedUni Wien entdeckten dabei eine Kette von molekularen Mechanismen, die durch die Bildung von Glukokortikoiden angekurbelt wird. Dabei sind das Glukokortikoid-abhängige Gen „LMO3“ und das Enzym 11βHSD1 die entscheidenden Faktoren: Veränderungen in der Bildung von LMO3 spielen eine wichtige Rolle bei der Umverteilung des Fettgewebes in Richtung Bauchfett – diese Veränderungen werden durch den höheren Glukokortikoid-Spiegel und durch das Enzym 11βHSD1 angestoßen.

„Das Enzym ist sozusagen das Ladegerät für LMO3, das dann die Umverteilung vollzieht“, erklärt Bilban. So konnten die Studienautoren zeigen, dass LMO3- und 11βHSD1-Spiegel im Bauchfett adipöser Patienten eng korrelieren. Darüber hinaus fördern beide auch die Fettzellbildung. “Auf molekularer Ebene wirkt dabei LMO3 stimulierend auf PPARγ, dem Schlüsselgen für die Fettzellbildung“, so Bilban.

Generell wird zwischen zwei Fettdepot-Typen unterschieden: zwischen viszeralem (innerem) Bauchfett und subkutanem Fettgewebe, das unter der Haut sitzt. Das Fettverteilungsmuster ist ein wichtiger Faktor für das Gesundheitsrisiko bei Übergewicht bzw. Adipositas. Bei zu viel Bauchfett – dem für Männer typischen Fettverteilungstyp – erhöht sich das Risiko für ernsthafte Probleme wie Typ 2-Diabetes, Schlaganfälle, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und mehrere bedeutende Krebsarten. Co-Studienleiter Harald Esterbauer: „Bauchfett ist nicht nur böses Fett, es wird auch bevorzugt unter Stress gebildet.“ Die Entschlüsselung dieses molekularen Mechanismus könnte in Zukunft dazu beitragen, so Bilban, neue Therapiemöglichkeiten für das metabolische Syndrom (viszerale Fettleibigkeit, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette und Insulinresistenz) zu entwickeln. So wäre es denkbar, die Ansammlung von viszeralem Fett durch eine Blockade von LMO3 gezielt zu verhindern.

Glukokortikoide – nur im Überfluss gefährlich

Grundsätzlich haben Glukokortikoide vielfältige wichtige physiologische Aufgaben im menschlichen Körper: Sie beeinflussen den Stoffwechsel, den Wasser– und Elektrolythaushalt, das Herz-Kreislauf-System und das Nervensystem. „Ohne sie können wir nicht leben “, sagt Esterbauer. Störungen des Glukokortikoid-Haushaltes können sich im sogenannten Cushing-Syndrom zeigen. Auslöser dieses Syndroms sind entweder eine körpereigene Überproduktion oder die langanhaltende Einnahme von Cortisonpräparaten. Beides erhöht das Risiko für das metabolische Syndrom – u. a. durch eine vermehrte Bildung von viszeralem Fettgewebe.

Originalpublikation:

Human But Not Mouse Adipogenesis Is Critically Dependent on LMO3
Josefine Lindroos et al.; Cell Metabolism
, doi: 10.1016/j.cmet.2013.05.020; 2013

71 Wertungen (4.35 ø)

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13 Kommentare:

Gast Sybille Krainz
Gast Sybille Krainz

…Ernährungs- Infos
…. d e s a s t r ö s ……
..und langsam werd’ ich …
…. a d i ( b) ö s ….. ;-)

#13 |
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Sven Rohark
Sven Rohark

Lustig hat die Wissenschaft wieder mal einen neuen Schuldigen gefunden – der Stress. (Und die ganzen schlanken haben denn also nicht.) Heute kamm gerade unser Nachbar rüber – zeigte auf seinen Bauch und meinte den Bekommt er nicht weg – so gestresst sah der gar nicht aus – sieht er nie aus. Und lustig – sobald man den mal einige tage auf Rohkost setzen würde da verliert er an gewicht. Bevor nun einer sagt – ja Karotten & Co haben doch zu wenig Kalorien – ja mag sein. Muss ja keine gemüserohkost sein. Lasst in Macadamianüsse futtern oder Datteln mit Rohmilch, oder rohe Leber und Austern – und es passiert das Gleiche.

#12 |
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Jörg Kuhn
Jörg Kuhn

@ Wolfgang Sanwald
Genau! Entschleunigung statt Beschleunigung!
Der Leistungswahn greift in alle Lebens- und Arbeitsbereiche.
Was zählt sind Ergebnisse und zwar schnell.
Und dann will/soll jeder noch dem Idealbild der Medien/Gesellschaft entsprechen.(90/60/90)!
Kein Wunder, das die Zahl physisch und psychisch Erkrankter so immens zunimmt. Die Pharmaindustrie freut’s….

#11 |
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Jörg Kuhn
Jörg Kuhn

Eine sehr wichtige Entdeckung!
Aus medizinischer Sicht ein grosser Erfolg in der Prävention und Behandlung von “den” Zivisilationskrankheiten!
Aber auch für viele Menschen, die sich mit Selbstzweifeln plagen und auch von Ärzten diskriminiert werden!
Menschen, die schon viele erfolglose Diäten hinter sich haben können endlich Hoffnung schöpfen.
Wichtig ist das jetzt schnell die nächsten Schritte folgen.

#10 |
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Alexander locher
Alexander locher

Ich denke, dass nicht nur Stress und die “Begleiterscheinungen” als Hauptursache genannt werden kann. Wie unten schon darauf Hingewiesen, muss hier auch das Ganzheitlicht mit einbezogen werden.
Ob ein Medikament “LM03-Blocker” eine Lösung ist, wage ich zu bezweifeln. (Medikament da ==> Ich kann mirs doch leisten)
Meiner Meinung nach ist der größte “Dickmacher”, “Stressverursacher” die direkte Umgebung des Menschen (Privat, Arbeit). Wichtig ist hier das soziale Umfeld. Es sind meistens Menschen, die sehr viele “Ausreden” bereit haben, um verschiedene Vorhaben nicht durchzuführen, die Ihnen wirklichen helfen würden “Stress” und/oder Fett abzubauen.
Es wird, meiner Meinung nach, nicht helfen, eine Medikamentengesellschaft “gesunden” zu lassen.
Doch woher bekommen wir soviele “Begleiter” für solche Menschen?
Ich denke, ob mit oder ohne Medikament, wenn das Bewusstsein für ein anderes Verhalten nicht angewandt wird, werden wir immer mehr zu einer “Fetten” Gesellschaft anwachsen.

#9 |
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Yves Nater – Emotionsmanager
Yves Nater – Emotionsmanager

Interessanter Beitrag. noch bessere Kommentare!

Sehr geehrte Frau Schröter, ganz richtig erkannt. Stress muss definiert werden. Da Stress ein individuelles erleben von Situationen bedeutet. Stress hat auch viel mit dem autonomen Nervensystem und der Hormonausschüttung zu tun. Mehr Infos? Dann finden Sie Webseiten über Heartmath und dem Stressreduktionsprogramm.

Sehr geehrte Frau Dr. Backert-Isert
Danke für diesen Einwurf. Ihre Meinung teile ich mit Ihnen zu 100% Letzthin las ich gar eine Studie die sich mit der Lichtaufnahme von Körperzellen beschäftigte. Sehr interessant wie ich finde, denn man fand heraus, dass Licht bestimmte Aktionen in den Zellen auslöst. Ergebnis der Studie, die Entwicklung eine Pille!!! Sehr spannend, ich dachte Licht gibt es umsonst – der Sonne sei dank :-)

Frohes Erwachen kann ich da nur wünschen: raus aus der Abhängigkeit, rein in die Selbstverantwortung.

#8 |
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Heilpraktikerin

Gute Ratschläge kann man geben, nützen den Betroffenen überhaupt nicht viel.
Das man ein Problem hat, merkt man wenn ,,das Kind in den Brunnen gefallen”ist.
Warum sollte man vorher was tun? Nicht jeder setzt Bauchfett durch Stress an, andere haben einen Gehöhrsturz, Burnout, Magersucht usw.
Und Stress kann man sich machen, aber man bekommt ihn viel öfter gemacht, und es kann ganz viel Zeit vergehen bis man da raus findet oder ,,die Zeit alle Wunden heilt”.

#7 |
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Forscher entschlüsseln zwar die Vorgänge im Stoffwechsel, zerlegen es im Detail und suchen Lösungen in Blockaden bestimmter, elementarer Bestandteile. Dabei geht die Ganzheitlichkeit verloren und es wird suggeriert, die Lösung aller Probleme läge in der Einnahme von Pillen. Weit gefehlt ! Schon die alten Homöopathen und davor die Philosophen erkannten, dass die Lebenshaltung ein essentieller Bestandteil der Gesunderhaltung und -werdung ist. Das steht jedoch sowohl unserer Arbeitshaltung als auch der Nahrungsmittelindustrie im Wege. Die Eigenverantwortung wird an die Krankenkassen und die Pharmaindustrie abgegeben und wenn wir erkranken, suchen wir die Schuld bei anderen und überziehen diese mit Prozessen. Schöne neue Welt !

#6 |
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Toni Maria Nürmberger-Ergünoglu
Toni Maria Nürmberger-Ergünoglu

Immer mehr Forschungsergebnisse gehen neuerdings in diese Richtung. Ich empfehle Ihnen die Lektüre von Artikeln zum Thema “Selfish Brain” der Forschungsgruppe um Prof. Dr. Achim Peters bzw. seine Veröffentlichungen zum Thema Übergewicht durch Stress.

#5 |
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Neher
Neher

Da lobe ich meinen Hausarzt!
Der ruft das Medikament am Arbeitsplatz auf und druckt es gleich aus
und übergibt es mir mit seiner Erklärung. Das ist sehr rationell
und ist nur 1 Vorgang.

Bei meinem vorherigen Hausarzt:
Geht es erst zur Arzthelferin, die gib es ein, druckt es aus geht zum Arzt zum Unterschreiben und gib das dem Patienten = 4 – 5 Vorgänge und Patient wartet oft lange auf das Rezept je nach Publikumsverkehr
Dieser Arzt braucht sicher eine Halbtagskraft mehr

#4 |
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Gabriele Schröter
Gabriele Schröter

Hmm, auch das übliche Bild von Stress sollte mal hinterfragt werden. Auch ein Langzeitarbeitsloser hat Stress, wenn auch vermeintlich viel Zeit.

#3 |
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Gabriele Schröter
Gabriele Schröter

“So wäre es denkbar, die Ansammlung von viszeralem Fett durch eine Blockade von LMO3 gezielt zu verhindern.” (s.o.) Am Besten noch viel früher ansetzen: Abbau von Stress, z.B. durch Sport, dazu noch ausgewogene Ernährung… aber die LM03-Blocker-Pillen ließen sich bestimmt besser verkaufen!

#2 |
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Es scheint sich die Geschichte vom Kummerspeck zu bestätigen.
Nach den Berufsstress kommt der Freizeitstress.
Unsinnige Diäten, unsinnige Bewegungssportarten.
Wann endlich wachen wir auf und entschleunigen unser Leben ?
Unsere Nachbarn in Europa haben das besser im Griff.
Kein Diätwahn,kein Bewegungswahn,keine Hektik
In der Ruhe liegt die Kraft ,kein Stressfett anzusetzen.

#1 |
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