Tschüss Mutti! – Tipps zur Wohnungssuche

8. September 2010
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Das Wintersemester naht und somit der Studienbeginn. Doch bevor es ans Studieren geht, will eine Wohnung gefunden werden. Was man dabei beachten sollte und wo es Stolpersteine gibt, darüber könnt Ihr Euch im folgenden Artikel informieren.

Jedes Semester wieder begeben sich über 8000 junge Menschen auf eine durch die ZVS organisierte Reise quer durch die gesamte Bundesrepublik. Das Ziel: Einen der begehrten Medizin-Studienplätze für sich beanspruchen, in Form der Immatrikulation. Es folgt das nächste Problem, denn ohne Wohnung und Platz zum Schlafen studiert es sich äußerst bescheiden. Damit ihr bei der Suche nach dem passenden Platz zum Wohlfühlen nicht auf euch selbst gestellt seid, hier nun einige Tipps und Anregungen zur Wohnungssuche:

Überlegungen vorab

Bevor man sich auf die Wohnungsanzeigen stürzt, sollte man sich einige Gedanken machen zum kommenden Abenteuer:
Möchte ich alleine wohnen, oder lieber in eine WG ziehen oder gar eine gründen? Alternativ bietet sich auch ein Zimmer im Studentenwohnheim an. Natürlich gibt es noch exotischere Möglichkeiten, wie etwa eine Wohngemeinschaft mit einem älteren Menschen oder etwa eine Bauwagensiedlung am Rande der Stadt. Die weitere Einquartierung im “Hotel-Mama”, also Status quo, kommt wohl nur für die Wenigsten in Betracht.
Nicht zuletzt vom verfügbaren Einkommen hängt die Wahl der Wohnverhältnisse ab. Dabei gilt grob in absteigender Reihenfolge der Kosten:

Eigene Wohnung >> WG-Zimmer >> Zimmer im Studentenwohnheim
Am Ende muss ein jeder und jede selbst wissen, ob er/sie “WG-tauglich” ist und die Art des Zusammenlebens mag. Andere sehen die eigene Wohnung lieber als Rückzugsgebiet und Privatbereich, in dem man sich entspannen und in Ruhe lernen kann, ohne dabei die Gefahr von fremden Haaren im Waschbecken zu haben.

Die Suche selbst

Hat man sich für eine Wohnform entschieden, folgt die Suche nach dem richtigen Wohnobjekt. Gerade aus der Distanz des vorherigen Wohnorts heraus gestaltet sich dies oft als schwierig, da für Besichtigungstermine nicht selten lange Anreisewege hinzunehmen sind. In solchen Situationen bietet es sich an, mehrere Tage am zukünftigen Studienort zu verbringen und sich verstärkt Wohnungen oder Zimmer anzuschauen. Um das Budget nicht zu strapazieren, findet sich für die Übernachtung in diesem Zeitraum vielleicht eine Jugendherberge in der Nähe oder notgedrungen ein günstiges Hotelzimmer. Teilweise helfen auch die Studentenwerke weiter und vermitteln eine Schlafmöglichkeit für die Zeit der Wohnungssuche. So bietet z.B. das Studentenwerk Gießen eine 3-tägige Unterkunft für einen Unkostenbeitrag von 15€ an. Eine Internetrecherche bzw. Anfrage diesbezüglich kann zumindest nicht schaden.

Man sollte nach Erhalt des Immatrikulationsbescheids nicht allzu lange mit der Wohnungssuche warten, da ja auch andere frischgebackene Studenten auf Wohnungssuche sind. Wo findet man nun geeignete Wohnungsanzeigen? Die typischen Verdächtigen sind hier Lokalzeitungen (oft auch im Internet), WG-Zimmer-Börsen (siehe Links) oder schwarze Bretter an den Unis selbst. Besonders bei letzteren findet man oft Angebote, die speziell für Studenten gedacht sind. Auch ein Blick bei den Wohnungsbörsen der Studentenwerke kann sich lohnen. Wer keine Lust zur Suche hat, kann auch einen Makler kontaktieren, dann allerdings mit entsprechenden Kosten. Diese liegen meist etwa in der Höhe von zwei Monatskaltmieten.

Besichtigung

Früher oder später wird man Wohnungen anschauen und Besichtigungstermine erleben. Hier gilt es, sich nicht vom Vermieter “einlullen” zu lassen und einen kritischen Blick zu behalten. Wenn möglich eine 2. Person mitnehmen, vier Augen sehen mehr als zwei. Auch sollte gezielt nach den Nebenkosten gefragt werden, damit ein böses Erwachen bei der Abrechnung ausbleibt. Bei der Besichtigung auch auf die Lage und die Umgebung der Wohnung achten: Sozialer Brennpunkt oder idyllisches Fleckchen im Grünen? Gibt es eine gute Verkehrsanbindung oder kommt der Bus nur einmal pro Stunde?
Auch auf den Mietvertrag sollte ein prüfender Blick geworfen werden, denn als Mieter muss man nicht jede Klausel akzeptieren. Der Deutscher Mieterbund e.V. bietet auf seinen Internetseiten weitere Infos und Broschüren zum Thema Mietrecht.
Bei WG-Besichtigungen sollte man darauf achten, wie die zukünftigen Mitbewohner sind und Zustand und Sauberkeit der Wohnung selbst betrachten.

Unterschrieben! Und dann?

Nachdem man nun eine neue Wohngelegenheit hat, muss man sich noch um einige organisatorische Angelegenheiten kümmern:

Umzug: Man sollte sich Gedanken machen, was unbedingt mit muss und worin das Hab und Gut verpackt werden soll. Auch der Transport will organisiert sein. Reicht vielleicht der Kombi vom Freund oder muss ich extra einen Transporter mieten? Dabei dann natürlich nach Studentenrabatten Ausschau halten. Wo parke ich dann während des Umzugs? Teilweise könnt ihr bei den Gemeinden ein Parkverbot vor der Wohnung für den Umzugstag beantragen.

Hauptwohnsitz ummelden oder Nebenwohnsitz eintragen:
Möglich beim Rathaus/Stadtbüro des künftigen Wohnorts. Ob man seinen Hauptwohnsitz ändern möchte oder nur einen Nebenwohnsitz eintragen möchte (z.B. weil man vorher noch bei den Eltern wohnte), muss jeder für sich entscheiden. Einige Hochschulstädte locken mit Startgeld und Gutscheinen für die Änderung des Hauptwohnsitzes.

Internet und Telefon: Viele Unis setzen mittlerweile darauf, dass die Studenten direkt ab Semesterbeginn über einen Internetanschluss verfügen und Dinge online regeln können. Deswegen sollte man abklären, ob in der neuen Wohnung ein Breitband-Internetanschluss verfügbar ist, und sich gegebenenfalls einen entsprechenden Anbieter suchen. Teilweise kann auch der Vertrag vom Vormieter übernommen werden. Beim Einzug in eine WG sollte abgeklärt sein, wie der Zugang zum Internet geregelt ist. Als Übergangslösungen bieten sich sogenannte “UMTS-Sticks” an, die von vielen Mobilfunkbetreibern angeboten werden.

Kontoumzug: Gerade als Kunde bei Sparkassen und Volksbanken macht es Sinn, über einen Wechsel zur neuen ortsansässigen Bank nachzudenken. Vorteil: Man hat einen Ansprechpartner vor Ort und muss Dinge bei der entfernten Bank nicht telefonisch klären. Die Berater in den Instituten helfen gerne beim Bankenwechsel. Kosten entstehen dadurch in der Regel nicht, zusätzlich sind Studenten meist von Kontoführungsgebühren befreit. Anschließend nicht vergessen, die neuen Kontodaten an wichtige Personen weiterzumelden, z.B. Arbeitgeber, Kindergeldstelle, Rententräger.

KFZ-Ummeldung:
Wer KFZ angemeldet hat und den Hauptwohnort gewechselt hat, muss auch sein Fahrzeug ummelden. Dies ist leider mit Kosten verbunden, da auch neue Kennzeichen fällig werden, jedoch sind teilweise die Uni-Städte günstiger in einer günstigeren regionalen KFZ-Versicherungsklasse.

GEZ-Anmeldung:
Rundfunkgeräte müssen angemeldet werden, die Anmeldung kann online erfolgen. Verschweigen ist hierbei sinnlos, spätestens beim Wohnsitzwechsel bekommt die GEZ Bescheid und meldet sich entsprechend. Ausgenommen von der Zahlung sind nur BAföG-Empfänger, auch diese jedoch erst ab Meldung bei der GEZ.

Änderungsmittelung an wichtige Kontakte:
Dazu gehören z.B. Zeitschriftenabos. Auf jeden Fall sollte aber die Uni über Eure neue Adresse benachrichtigt werden, sonst erhält Mutti vielleicht demnächst per Post eine Mahnung über eure überzogenen Unibibliotheksgebühren. Für den Übergangszeitraum kann man auch einen Nachsendeantrag bei der deutschen Post einreichen.

Fazit

Möglichkeiten zu wohnen gibt es viele. Damit die Wahl nicht zur Qual wird, sollte man sich vorab Gedanken machen über die Wohnform und die damit verbundenen Kosten. Anschließend kann man mit kritischem Blick auf die Suche gehen, bevor man unterschreibt. Dabei sollte man durchaus seine Entscheidungen überlegen und nicht vorschnell das erstbeste Angebot annehmen.
Leider findet man nicht immer direkt die Traumwohnung und nicht wenige Studenten haben zuerst eine vermeintlich schlechtere Wohnmöglichkeit angenommen, nur um von dort aus für das nächste Semester besser suchen zu können. Jedoch sind auch schon aus der vermeintlichen “Zwischenlösung” in einem WG-Zimmer schon Jahre geworden und zwischen Mitbewohnern echte Freundschaften entstanden.
Diesbezüglich muss wohl jeder seinen eigenen Weg einschlagen, denn die Anforderungen und Wünsche an den eigenen Wohnraum sind mehr als individuell.

In diesem Sinne: Viel Erfolg beim Abenteuer Wohnungssuche!

36 Wertungen (4.25 ø)
Allgemein

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2 Kommentare:

#4 ist von mir.. leider hat er das grad nicht anzeigen wollen :)

#2 |
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So.. mal meine Antwort zu den Kommentaren:

Zu #1: Bei dem Artikel bin ich von “öffentlichen” Studentenwohnheimen ausgegangen, also solche, die vom lokalen Studentenwerk geführt sind. Bei meinen Nachforschungen hat sich dann obrige Liste ergeben.

Zu #2: Man kann eine sogenannte “Übermittlungssperre” beim Einwohnermeldeamt einrichten, was dem Amt die Weitergabe der Daten an kirchliche Verbände, Telefonbuchfirmen, etc. untersagt. Ist allerdings nur sinnvoll, wenn man es parallel zur Hauptwohnsitzänderung durchführt. Allerdings entbindet das natürlich nicht von der Anmeldepflicht bei der GEZ. :)

Zu #3:
Generell ist das Thema Wohnungssuche ja ein riesiges Gebiet, alle WG-Portale zu listen hätte den Rahmen des Artikels wohl deutlich gesprengt, aber danke für den Link. :)

#1 |
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