Weiblich, Nichtraucher, Lungenkrebs

8. Juni 2017
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Lungenkrebs ist in den Industrienationen weltweit auf dem Vormarsch. Dieser Trend bietet aber nicht allein in den USA Grund zur Sorge. Immer mehr Nichtraucher sind betroffen – dabei hat sich die Zahl der erkrankten Frauen seit 1990 verdoppelt.

Eine aktuelle Studie aus den USA zeigt, dass sich der Anteil der Niemalsraucher an den Lungenkrebspatienten in den vergangenen 20 Jahren nahezu verdoppelt hat. Mit 66 % bildeten Frauen dabei den größten Anteil der Nichtraucher, die an Lungenkrebs erkrankten. Die Untersuchung schloss 10.600 Patienten mit nichtkleinzelligem (NSCLC) und 1.510 mit kleinzelligem Bronchialkarzinom (SCLC) aus drei Klinikzentren in den USA ein.

Mit Blick auf das NSCLC nahm der Anteil der Niemalsraucher zwischen 1990 und 2011 von 8 % auf 14,9 % zu. Bei den Rauchern steig der Anteil um das 4,5-Fache. Zwar stieg die Zahl der Niemalsraucher mit SCLC ebenfalls an, doch war diese Zunahme statistisch nicht signifikant aufgrund der zu kleinen Stichprobengröße für diese Tumorentität.

Studienlage hinterfragen

Die Autoren merken zu Ihrer Studie selbst an, dass Daten aus drei Klinikregistern in den USA möglicherweise nicht stark genug seien, um daraus einen echten Trend für die höhere Inzidenz von Lungentumoren bei Nichtrauchern abzuleiten. Lokale Risiken könnten durchaus die Ergebnisse beeinflusst haben.

Für den beobachteten Trend spricht hingegen, dass Ähnliches zuvor ebenfalls aus Großbritannien und anderen europäischen Staaten berichtet wurde. Prognosen für Deutschland deuten für 2017 sogar an, dass die Lungenkrebs-Sterberate bei Frauen um circa 9 % ansteigen könnte, während sie bei den Männern bereits seit einigen Jahren rückläufig ist. Damit könnte der Lungenkrebs noch im laufenden Jahr sogar den Brustkrebs als Nummer eins der Tumoren bei den Frauen ablösen.

Eine mögliche Erklärung für diese Entwicklungen: Männer rauchten lange Jahre deutlich häufiger und auch mehr als die Frauen. Dass nun nichtrauchende Frauen öfter an Lungenkrebs erkranken als nichtrauchende Männer, ist möglicherweise eine direkte Folge des Passivrauchens in der Partnerschaft. Dort waren vornehmlich die Frauen über Jahrzehnte dem blauen Dunst ihrer rauchenden Partner ausgesetzt. Hinzu kommen weitere Risikofaktoren, wie z. B. Schadstoffe aus dem sogenannten kalten Rauch, die sich auf Oberflächen ablagern und über Haut oder Mund aufgenommen werden, wie neuere Forschungen unlängst nachwiesen, so das WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

Fazit: Lungenkrebs wird auch bei Nichtrauchern häufiger

  • Die Zahl der Niemalsraucher mit NSCLC stieg zwischen 1990 und 2011 von 8 % auf 14,9 %.
  • Der Anteil der niemalsrauchenden Frauen unter den Patientinnen mit Lungenkrebs verdoppelte sich von 10,2 % auf 22,1 %.
  • Sehr wahrscheinlich geht diese Entwicklung auf das Passivrauchen zurück. Lange Zeit rauchten mehr Männer als Frauen, sodass mehr Frauen vom Passivrauch betroffen waren.

Quellen:

Kalter Tabakrauch. Fakten zum Rauchen
Deutsches Krebsforschungszentrum; Heidelberg, 2016

Proportion of Never-Smoker Non-Small Cell Lung Cancer Patients at Three Diverse Institutions.
L. Pelosof et al., J Natl Cancer Inst 109; doi: 10.1093/jnci/djw295, 2017

26 Wertungen (3.81 ø)

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23 Kommentare:

Ärztin
Ärztin

Ich denke es ist bei dieser Diskussion wichtig nicht zu vergessen dass wir Mediziner sind. Und was haben wir an der Uni gelernt? Wenn ich mich einer potentiell kanzerogenen Substanz aussetze kann es Jahrzehnte dauern bis ich ein Malignom entwickle. Also ja, ich halte es für möglich dass zumindest ein Teil der heute bei Neversmokern diagnostizierten LungenCa auf das Passivrauchen zurückgehen könnten da vor 30-40 Jahren in geschlossenen Räumen zuviel geraucht wurde und die Nichtraucher (und Kinder!!!) keine Möglichkeit hatten sich dem zu entziehen. Allerdings werden Raucher mittlerweile ohnehin wie Aussätzige behandelt. Der Nichtraucherschutz in der Öffentlichkeit ist mittlerweile mehr als Ausreichend. Auch in Privathaushalten verhalten sich die meisten Raucher zunehmend rücksichtsvoll, ziehen sich zum Rauchen auf den Balkon oder ein bestimmtes “Raucherzimmer” zurück. Es sind nur wenige unbelehrbare Idioten, die weiterhin ihre Kinder am Esstisch oder im Auto einnebeln. Es dürfte nur einige Jahre-Jahrzehnte dauern bis sich der positive Effekt dieses neuen Nichtraucherschutzes statistisch bemerkbar macht. Als Exraucherin kann ich beide Seiten verstehen. Das Rauchen in Restaurants und anderen öffentlichen Räumen war eine Zumutung und es ist gut dass sich das geändert hat aber irgendwann kann man es auch mal gutsein lassen und muss nicht noch den letzten verbliebenen Rauchen an den Schandpfahl ketten. Also vertragt Euch liebe Kollegen, denn wer frei von Sünde …

#23 |
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Übrigens, Frau Kollegin, in Flughäfen und Bahnhöfen gibt es tlw. “Gaskammern” (anders kann man das nicht bezeichnen), wo Raucher sich aufhalten dürfen, um eine Zigarette zu rauchen.
Sie sagen, die Raucher sind suchtkrank. Das mag sein. Ich halte mich an den Spruch: Jeder hat ein Laster, nur Trucker haben zwei. Haben Sie keine Macke, die Ihrer Umwelt oder wenigstens ein paar Menschen auf den Wecker geht? Ich wette schon. Mir sind immer alle Mitmenschen suspekt, die denken, ihr Verhalten würde niemandem aufstoßen. Dazu allerdings bedarf es nicht unbedingt des Rauches. Auch ein persönlich permanent belehrendes Verhalten kann bei den Mitmenschen Gallensteine oder ein Magengeschwür auslösen. Und ist das nicht gesundheitsgefährdend? Ich würde empfehlen: Fuß vom Gas. Ihre Zunft profitiert doch auch von den Operationen. Ich will jetzt keine Lanze brechen für die Raucher – aber stellen Sie sich mal vor, die alle gäbe es nicht mehr. Gäbe es dann noch Ihren Arbeitsplatz – oder machen Sie nur Luschi-Anästhesien?

#22 |
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@#20
Zu meiner Studentenzeit gab es selbst in Krankenhäusern Raucheraufenthaltsräume, tlw. auf jeder Etage. In den Stationszimmern wurde gequalmt. Mittlerweile ist in allen öffentlichen Gebäuden, im Zug und im Flugzeug das Rauchen verboten, in Gaststätten und sogar in Büros, selbst wenn dort nur ein einziger Mensch sitzt. Heutzutage sind Raucher, die man bei Wind und Wetter vor die Türe schickt, schon entzückt, wenn dort ein Schirm oder ein Pavillon steht – so bescheiden ist der Raucher von heute geworden. Wen bitteschön, Frau Kollegin, kann der Raucher denn da überhaupt noch belästigen?

#21 |
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Naja, wenn die Raucher endlich mal von sich aus Rücksicht nähmen und nur da rauchten, wo es keinen stört, würde auch niemand meckern. Tun sie aber nicht, weil sie halt suchtkrank sind.

#20 |
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In jedem Falle ist eines klar: sämtliche Krebsfälle eines Lungenkarzinomes von Nichtrauchern dem Passivrauchen zuzuschreiben, sind Bullshit. Sicher hängt es auch von der Histologie ab, was äthiologisch Ursache sein könnte. Hierzu bedarf es weiterer Forschung, die aber nicht den Bias haben darf, daß alles vom Passivrauchen käme. Was würde es für einen Aufstand verursachen, wenn herauskäme, daß die meisten dieser Fälle mit Emissionen z.B. von Kraftwerken oder dem allgemeinen Verkehr zusammenhingen? Oder etwa den kleinen Undichtigkeiten der alten Kernkraftwerke? Undenkbar. Lieber die Raucher stigmatisieren, geht schneller und ist einfacher.

#19 |
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Gast
Gast

Alles nur Vermutungen, weil man auf Teufel komm raus eine Erklärung haben muss. Unwissenheit ist ja nicht auszuhalten!

#18 |
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Gast
Gast

Ich hatte vor Jahren eine Liebe Freundin.Ihre Mutti und sie starben innerhalb einiger Monate an Lungenkrebs .Beide Nichtraucher .Der Arzt in der Klinik ,der beide bis zum Schluss betreute ,meinte nur ,es liegt an den Wellensittichen in der Wohnung.Er ist sehr gegen Vögel im Haus.Viele CA Fälle sind darauf zurückzuführen

#17 |
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Jens Schaefer
Jens Schaefer

@Dr.Lorenz
Danke Sie sprechen mir aus der Seele. Ich glaube manchmal wird einfach Passivrauchen für alles verantwortlich gemacht für das man keine Lust/Zeit/Mittel zur Untersuchung der wahren Ursachen hat.
Wenn ich mir überlege, wer hier vor 30 Jahren alles geraucht hat und vor allem wo überall, dann dürfte es vom Säugling bis zum Greis nur noch Krebskranke geben ausnahmslos. Und vor allem wo gibts das denn, Passivrauchen schädlicher als aktiv rauchen. Also mit anderen Worten bringt Passivessen mehr Kalorien in den Körper als aktives oder wie funktionieren Chemie und Physik seit neuestem in dieser “Post-Faktischen” Welt in welcher immer gegen irgendetwas “angegiftet” werden muss?

#16 |
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Gast
Gast

Bei Baubiologisch – Sanierten Häusern oder Schulen (PCB Kontamination in d 90er) noch – – es kostet erstmal ca 20 % mehr Geld – ist jedoch in Nachhinein – da die Kinder gesünder sind u- wiederum günstiger-

Umweltmedizinische Aufklärung wäre sehr sinnvoll – und Begleitung

#15 |
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Jaja, das Passivrauchen, das ist natürlich an allem schuld, wahrscheinlich auch an Mr. Trumps Twittergebaren.
Wie angesprochen wurde, Radon, Schimmel etc. wird von den aggressiven Weltverbesserern natürlich komplett ausgeblendet. Der Schluß dieses Artikels ist Käse aus epidemiologischer Sicht, die militanten Nichtraucher, die hier ihren Senf dazugegeben haben, liegen sicher genauso falsch. Es wird sich ein Grund finden, das sicher eines Tages. Das Passivrauchen wird es eher nicht sein. Dann müssten ja auch die primären Bronchuskarzinome angestiegen sein, was sie aber nicht sind.

#14 |
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Gast
Gast

Baubiologische sanierte Häuser – damit wäre auch vielen geholfen –
es gibt – Schimmelpilze – in Wohnungen Sick Building Syndrom
#vor 5 Jahren fuhr noch das Umweltmobil von der Krankenkasse bezahlt in
NRW um Schadstoffe zu überprüfen -das war viel sinnvoller als die
blöden Yoga Kurse mit Zwangsbeduftung –
und auch das Parfümerie Syndrom beim Besuch von bestimmten Kaufhäusern bekomen Menschen Asthma Sick Building Syndrom – und Aufklärung über Schadstoffe, bzw deren Potenzierung

#13 |
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Dr. Matthias Rohde
Dr. Matthias Rohde

Es wäre interessant, ob die zunehmend hermetischer abgeschlossenen (energetisch orientierten) Wohnungen mehr Radon-Gas enthalten. Und die Aufenthaltsdauer von Frauen in diesen Wohnungen höher ist, als die von Männern.

#12 |
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Dr. Stefan Graf
Dr. Stefan Graf

Ich fürchte nur, dass die Uneinsichtigen unter den Rauchern diese Studie wieder mit einiger Häme quittieren und als fehlenden Beleg für die Schädlichkeit des Passivrachens instrumentalisieren werden.

#11 |
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Dr. Stefan Graf
Dr. Stefan Graf

@#6: Das stimmt: “…die massive Feinstaub-Belastung”, die ihrerseits durch das Rauchen erhöht wird.

#10 |
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Gast X
Gast X

@7: ganz zu schweigen von den aggressiven Kosmetika in Spraydosen und Zerstäuberfläschchen usw. Haarspray, Parfum, Puder, Deodorant, Raumdüfte…

#9 |
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Gast
Gast

Die Frage ist doch auch wie sich die Zahl der Lungenkrebsfälle und die Zahl der Raucher entwickelt. Stellen wir uns eine Welt ohne Raucher vor. DAnn haben wir natürlich weniger Lungenkrebsfälle, die aber alle bei Nichtrauchern auftreten.

#8 |
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Gast
Gast

Wie sieht’s denn mit aggressiven Putzmitteln in Zerstäuberflaschen aus? Hat das jemals irgendwer untersucht?

#7 |
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Peter Stich
Peter Stich

Kein Wort über die massive Feinstaub-Belastung, dis sehr wohl ihren Anteil am Geschehen haben könnte…..

#6 |
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Michael Groh
Michael Groh

Die Frau meines Freundes starb an Lungenkrebs. Nie geraucht, im Haus rauchte niemand.
ABER: Die Frau machte keinen einzigen unnötigen Schritt, fror deshalb immer (Schilddrüse iO), die Fenster waren fast immer geschlossen, das Essen war überwiegend aus Schnell-schnell-Packungen zubereitet.

Ich halte es mit dem Satz: Die 3 größten Feinde der Zivilisationskrankheiten sind körperliche Bewegung in frischer Luft bei Sonnenlicht.

Wir sollten nicht vergessen, dass wir immer noch Steppentiere sind, die einzigen auf diesem Planeten, die nicht – wie von der Natur vorgesehen – morgens aufstehen, um den ganzen Tag unser Essen, unseren Lebensunterhalt zu suchen.

#5 |
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mathias kim
mathias kim

Das das Rauchen alleine Grund ist wurde wie nachgewiesen? Kalter Rauch?
Wie sieht es mit anderen Schadstoffen in der Umwelt aus (immer mehr Belastung durch Transport)
Sind die menschen alles aus einer Region? Land Stadt etc?

#4 |
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Die gesundheitlichen Gefahren des Passivrauchens werden von Merkel/ GroKo massiv bagatellisiert. Es ist in vielen Fällen immer noch so, daß man als Nichtraucher nicht vermeiden kann, passiv mitzurauchen. In Frankfurt ist es bisher nicht gelungen, Kinderspielplätze rauchfrei zu stell. Die Kippen liegen zuhauf herum. Skandalös! Wozu haben wir eigentlich einen gut bezahlten und noch besser versorgten Gesundheitsminister?

#3 |
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Gast
Gast

Auch Einfluss haben könnte der rückläufige Trend des Rauchens an sich in den letzten Jahren? Sinkt die absolute Zahl der Zigaretten-assoziierten Fälle steigt der Anteil der anders ausgelösten.

#2 |
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Gast
Gast

Leben die Patienten mit NSCLC einfach nur länger? Dadurch würde sich auch die Zahl der Patienten erhöhen…
Es geht nicht klar hervor, ob die Neuerkrankungen (Inz)/Neuerkrankungsrate oder die Anzahl an Erkrankten (Prävalenz) als Grundlage genommen wurde.

Mit der Schlussfolgerung, dass Passivrauchen der Grund für den größer werdenden Anteil an Frauen im Bereich der nierauchenden NSCLC-Patienten ist, wäre ich dementsprechend vorsichtig!

#1 |
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