TCM-Boom: Tödliche Bärengalle

9. Juni 2017
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Die Verwendung von Bärengalle ist Teil der traditionellen chinesischen Medizin. Da der Handel mit Bärenprodukten verboten ist, steigt die Nachfrage auf dem Schwarzmarkt, dem TCM-Boom sei Dank. Die Entnahme der Flüssigkeit aus der Galle der Bären ist jedoch reine Tierquälerei.

In der traditionellen chinesischen Medizin soll Bärengalle bei Krämpfen und krampfartigen Anfällen Erleichterung verschaffen, „Hitze und giftige Stoffe“ aus dem Körper entfernen oder die Sehschärfe verbessern, um nur einige Anwendungen zu nennen. Bei Preisen von 350 Euro pro Kilogramm ist die Substanz heiß begehrt.

Reinsubstanz in der evidenzbasierten Medizin

Bärengalle enthält als wirksame Komponente vor allem Ursodesoxycholsäure. Als Reinsubstanz synthetischen Ursprungs wird das Molekül verordnet, um kleine Cholesterin-Gallensteine aufzulösen. Auch bei der primär biliären Zirrhose und bei der primär sklerosierenden Cholangitis kommt Ursodesoxycholsäure zum Einsatz. Dafür müsste eigentlich kein Tier sterben oder leiden, der organischen Chemie sei Dank. Aufgrund großer Vorbehalte vieler Patienten gegenüber synthetischen Wirkstoffen in Asien wird anstelle reiner Ursodesoxycholsäure immer noch Bärengalle verkauft.

Tierquälerei und schlechte Hygiene

Wie die NGO „Vier Pfoten“ berichtet, werden in speziellen „Farmen“ Vietnams Kragenbären gehalten. Ihre Gallenblase wird regelmäßig per Ultraschall lokalisiert, um die begehrte Flüssigkeit zu gewinnen. “Die Prozedur ist unglaublich schmerzhaft”, sagt Thomas Pietsch, Wildtierexperte von Vier Pfoten, “und viele Bären sind nicht richtig betäubt.” Da die Eingriffe unter unhygienischen Bedingungen vorgenommen würden, komme es zu Entzündungen und Abszessen.

Die vietnamesische Regierung hat zwar bereits im Jahr 2005 Maßnahmen gegen die grausame Praxis getroffen, scheint aber wenig Erfolg zu haben. Auf den florierenden Schwarzmarkt hat sie wenig Einfluss.

Neben dem Leid der Tiere kommt es aufgrund mangelnder Hygiene immer wieder zu Kontaminationen. Auch haben viele Tiere chronische Infektionen. Der Vorsitzende der vietnamesischen Gesellschaft für Traditionelle Medizin, Nguyen Xuan Huong, warnt vor schwerwiegenden Folgen: „Ich habe bereits drei Patienten an Bärengalle sterben sehen, auch einen meiner Freunde.“ Er hält das Ganze für einen kulturellen Import aus China. Aber TCM verkauft sich eben immer gut – gerade im Westen.

31 Wertungen (4.06 ø)

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13 Kommentare:

Gast
Gast

Danke #12 besser hätte man es nicht schreiben können.

#13 |
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Krhs- Arzt
Krhs- Arzt

@ TCM- Arzt! Wie herablassend ist das denn! Unglaublich! Eine lange bestehende Lehre muss doch nicht zwangsläufig richtig sein!! Wie lange war der Aderlass Mittel der Wahl bei vielen Erkrankungen?

Merken Sie sich: Eine sachlich formulierte Meinung ist nicht “erdreistet”! Mehr Kommentar zu Ihnen verkneife ich mir, weil ich nicht auf ihr Niveau herabsteigen möchte.

Natürlich müssen wir alle derartige Tierquälereien ächten. Wenn sich hier einige rechtfertigen müssen, bitte. Lässt tief blicken.

#12 |
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TCM-Arzt
TCM-Arzt

Ui Herr/Frau Gast Nr.10: Viel Meinung und wenig Ahnung ist eine explosive Mischung :)
Sie erdreisten sich, einer jahrtausendealte, bewährten Heilmethode die Wirksamkeit abzusprechen?
Beschäftigen Sie sich künftig bitte intensiver mit einem Thema, bevor Sie Ihre “Meinung” kundtun!

#11 |
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Gast
Gast

Pseudomedizin, nichts anders ist TCM.
Wir leben in einem hoch entwickelten Land.
Evidenz ist das Zauberword.

#10 |
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Das Problem ist doch daß in diesem Artikel zwei Sachverhalte miteinander verknüpft werden die nichts miteinander zu tun haben:
1. Es gib in den westlichen Ländern, gerade von Patientenseite einen Trend zu komplementären Therapieverfahren wie eben auch der TCM, der ist nicht weg zu diskutieren. Ob das nun schon als Boom zu bezeichnen ist sei ebenso dahingestellt wie die Ursachen dafür.
2. Es gibt im asiatischen Kulturkreis eine, stark an Aberglauben und Mystik angelehnte Volksmedizin, die in Verbindung mit einem gewissen Potenzkult ebendort sehr viel Leid über gewisse Tierarten bringt und sogar deren Existenz gefährdet.
Das sind die beiden Fakten. Daß zwei Fakten aber nicht immer kausal zu verknüpfen sind weiß jeder der Schon mal eine schriftliche Prüfung vom Typ Multiple-Choice gemacht hat.
Denn die besagten Mittel sind weder Bestandteil einer seriösen Chinesischen Medizin noch sind sie auf legalem Wege in Europa erhältlich, da hier unser Tier- und Artenschutzgesetze sehr gut greifen.
Ich halte es für Wichtig auf das Leid von Tieren überall auf der Welt hin zu weisen, da ich der Meinung bin daß wir Menschen dazu kein Recht haben, dies aber mit den Praktiken der Chinesischen Medizin in Europa zu verknüpfen um die Methode zu verunglimpfen halte ich weder für seriös noch für angemessen.

#9 |
  1
Anne Baumgart (Heilpraktikerin, TCM)
Anne Baumgart (Heilpraktikerin, TCM)

Gleich vorweg: Ich bin absolut gegen Tierquälerei, egal zu welchem “Zweck”. Dem Beitrag #2 stimme ich jedoch vollumfänglich zu. Das Charmante an der TCM ist ja, das ich als gut ausgebildeter und informierter Therapeut immer die Wahl habe, welche Methoden ich zum Wohle meiner Patienten anwende und welche Bestandteile ich in meine Rezepturen aufnehme. Dabei kann ich alle ethischen, moralischen, gesetzlichen und wirtschaftlichen Grundsätze anwenden, denen ich unterliege, und muss mich weder zwangsweise (oder gewollt?) der Pharmalobby ausliefern, noch Lebewesen opfern oder die finanziellen Möglichkeiten meiner Patienten oder unseres Gesundheitssystems sprengen. Liebe verantwortungsvolle TCM-Kollegen: Lasst uns gemeinsam weiter daran arbeiten, dass die TCM in unserem Land als das wahrgenommen und anerkannt wird, was sie ist, nämlich – wenn richtig verstanden und angewandt – eine in sich schlüssige, absolut zeitgemäße, moderne, effektive und kosteneffiziente Heilmethode. In Ländern wie der Schweiz oder Australien hat das inzwischen auch der Staat erkannt.

#8 |
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Gast
Gast

Vielleicht halten sich die ganzen Furrys auch einfach mal etwas zurück?
Zu Gast Nr.5

#7 |
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Dr. Hermann Grötschel
Dr. Hermann Grötschel

Man sollte unterscheiden zwischen TCM, einer im Westen beliebten, von einem Amerikaner vor gut hundert Jahren erfundenen Pseudomedizin (wurde mir bei einem Chinabesuch von einem dortigen Mediziner erkärt), die übrigens in China nicht besonders beliebt ist, und der chinesischen Volksmedizin, die auf allerlei Aberglauben basiert und solche obskuren Heilmittel wie Bärengalle, gedämpfte Eselshaut, Nashornhorn, Tigerpenis, Schuppentierschuppen, getrocknete Skorpione und dergleichen verwendet und damit etliche Tierarten existenziell bedroht. Leider ist der Durchschnitts-Chinese mehr von der Wirkung von gemahlenem Nashornhorn als von Viagra überzeugt.

#6 |
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Gast
Gast

Danke an Peta u. Vier Pfoten, dass sie sich für die Bären einsetzen. Schon seit einigen Jahren ist mir diese Quälerei in asiat. Ländern bekannt! Hoffentlich kommen auch die letzten Personen, die sich nicht an Gesetze halten u. – um d. Wohl der Tiere scheren, endlich mal zur Vernunft u. beenden diese Quälerei! Es gibt immer eine Alternative um solch ein Tierleid zu verhindern. Wer ganz gegen synth. Mittel ist, findet auch in der chin./ viet./ ayurved. Medizin Kräuter um gesundheitl. Probleme in den Griff zu bekommen!

#5 |
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Margot Finckh
Margot Finckh

Ich denke, hier geht es nicht um pauschale Diffamierung, sondern um Aufklärung. Schließlich kann man auch mithelfen, dass solche Praktiken in diesen Ländern aufhören, bzw. die Bären gerettet werden (s. großer Bericht von PETA über diese Grausamkeit). Jeder informative Artikel darüber, der – wo auch immer – “durch’s Netz gejagt” wird, ist hilfreich. Spendenkonto s. bei PETA

#4 |
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Stefan Patschky
Stefan Patschky

Da kann ich mich Fr. Dr. Bihlmaier nur anschliessen. Hier in Deutschland / Europa werden solche dubiosen Arzneien nicht verwendet, sowohl tierische als auch geschützte Pflanzen und sind auch auf hier nicht erhältlich. Ein seriöser Therapeut wird immer über offizielle Apotheken bestellen, die ein hohes Maß an Qualität und Ethik in ihren Produkten sicher stellen.
Bevor Sie wieder so einen pauschal diffamierenden Artikel durch das Netz jagen würde ich Sie doch darum bitten erst mal etwas zu recherchieren und sich wenigstens im Rudimentären sachkundig zu machen. Diesen Artikel können Sie getrost in den Gully kicken.

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Dr. med. Susanne Bihlmaier
Dr. med. Susanne Bihlmaier

Jetzt aber mal halblang! Kein seriöser TCM-Arzt behandelt hier in Deutschland mit etwas anderem als Phytotherapie aus der TCM, sprich Heilpflanzendekokte bzw. Granulate. Aus gut dokumentierten und mittlerweile auch erforschten Pflanzen. Und dank z.B. Viagra & Co sind auch vermeintliche Therapeutika der unreflektierten, althergebrachten TCM schon längst von moderner Pharmakologie überholt. So dass Mittel aus der Bärengalle sicherlich bald, für die Bären hoffentlich sehr bald schon zur Vergangenheit gehören werden. Im übrigen waren “Spezialmittel” wie auch Rhinozeroshorn oder Tigerhoden zum Glück immer schon fragwürdiges Privileg der Reichen. Das “gemeine Volk” und die “gemeine Volksheilkunde” bediente sich ebenfalls der pflanzlichen Anteile der TCM. Also bitte nichts verallgemeinern, was so nicht der therapeutischen Realität entspricht.

#2 |
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ini
ini

ihr seid sehr spät, seit j
Jahren protestiere ich dagegen und wünsche den Menschen, die sowas tun, im nächsten Leben gequält zu werden, wie diese Bären!

#1 |
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