Prostatabiopsie: Was viele Ärzte falsch machen

9. Juni 2017
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Resistenzen gegen Fluorchinolone treten immer häufiger auf. Das liegt unter anderem am weit verbreiteten Einsatz in der Humanmedizin. Nun zeigen Forscher anhand von Prostatabiopsien, dass es bessere Wirkstoffe zur Infektionsprophylaxe gibt.

Allein in Deutschland werden schätzungsweise 20.000 transrektale Prostatabiopsien pro Jahr durchgeführt. Infektionen sind die häufigsten Komplikationen. Deshalb verabreichen Ärzte prophylaktisch Ciprofloxacin. Diese Strategie hat auch ihre Schattenseiten. Sie führt zur immer stärkeren Verbreitung von Resistenzen.

Leichtfertige Verordnungen

Laut Analysen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) schreiben Mediziner Fluorchinolone wie Ciprofloxacin bei diversen Indikationen allzu leichtfertig auf. Mit knapp 5,9 Millionen verordneten Arzneimittelpackungen handelt es sich um die viertgrößte Gruppe der Antibiotika, die von niedergelassenen Ärzten verordnet wurden. Die Wirkstoffe verursachen nicht nur teils schwerwiegende Nebenwirkungen, sie verschärfen die Problematik resistenter Keime immer weiter.

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Sinnvoller wäre, Fluorchinolone als Reservesubstanzen zurückhaltend einzusetzen. Bei vielen Indikationen gibt es tatsächlich gute Alternativen. Das zeigen Wissenschaftler jetzt am Beispiel von Prostata-Biopsien.

Eine sichere Alternative

Tommaso Cai vom Department of Urology am Santa Chiara Regional Hospital, Trient, hat Ergebnisse einer retrospektiven Studie zur Pharmakoprophylaxe veröffentlicht. Er wertete Daten von 1.109 Männern aus, die sich einer transrektalen Prostatabiopsie unterzogen hatten. Sie erhielten vorbeugend Ciprofloxacin (477 Personen) oder Fosfomycin-Trometamol (632 Personen). In 83 Fällen traten Komplikationen auf. Dazu gehörten 72 Harnwegsinfekte. Bei 53 Patienten ließen sich Fluorchinolon-resistente Erreger nachweisen.

Verglich Cai die Gruppen mit Ciprofloxacin und Fosfomycin-Trometamol, zeigte der letztgenannte Wirkstoff deutlich bessere Eigenschaften. Es gab signifikante Unterschiede bei symptomatischen Harnwegsinfekten (12,9 versus 1,6 Prozent) und Uroseptitiden (1,8 versus 0,3 Prozent). Hinsichtlich der Nebenwirkungen fand der Forscher keine signifikanten Unterschiede.

Fosfomycin ist bisher das einzige verfügbare Epoxid-Antibiotikum. In Form seines Salzes Fosfomycin-Trometamol kann es oral eingenommen werden. Bislang sind die Resistenzraten noch vergleichsweise gering. Damit, schreibt Cai, könne der Wirkstoff als sichere, wirksame Alternative zu Fluorchinolonen bei Prostatabiopsien eingesetzt werden.

28 Wertungen (4.54 ø)

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6 Kommentare:

Dr. med. Anton Stadelmann
Dr. med. Anton Stadelmann

Und was sagen Sie dann den HNO Aerzten, welche ohne Grund Ciproxim ins Aussenohr träufeln ? Das hat mich als orhopädischen Chirurgen vor Jahren als ich davon erfuhr mehr erschreckt als die Urologen.

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Gast
Gast

@# 3:
Es geht um transrektale Prostatabiopsien!
Bevor Sie an Witze und Händewaschen denken, bitte richtig informieren…

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Gast
Gast

Die Multiresistenzen bei AB werden doch durch prophylaktischen unsinnigen Einsatz bei Tieren in der Landwirtschaft erzeugt.
Also nicht immer sind die Ärzte in der ersten Reihe angesiedelt.

Die spitze Feder

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Dr. med.vet. Stefan Gabriel
Dr. med.vet. Stefan Gabriel

Die “vorbeugende” Antibioticagabe ist ja wohl ein böser Witz…? Wenn sowas gemacht wird, dient es lediglich der Resistenzförderung. Perioperativ täts ja wohl ein singel shot i.v.. Händewaschen soll auch hilfreich sein……

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Dr.med. Joerg Zimmermann
Dr.med. Joerg Zimmermann

Ja, da hätte der ansonsten fleißige Journalist besser durchgängig recherchiert, bevor den Ärzten mal wieder weitgehendes Kollektivversagen vorgeworfen wird.

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Danke für diesen umfassenden und kritischen Bericht zur rationalen Antibiotika-Therapie und Multresistenz-Vermeidung.

Die Sache hat nur einen, in Deutschland entscheidenden Haken: Bei uns ist diese Wirksubstanz nur und ausschließlich zur Anwendung bei F r a u e n zugelassen.

“Fosfomycin ist ein Breitbandantibiotikum, also ein Wirkstoff, der viele verschiedene Keime bekämpfen kann. Zur Einnahme wird es bei akuten unkomplizierten Harnwegsinfektionen (durch Fosfomycin-empfindliche Erreger) bei Frauen vom 12. bis zum 65. Lebensjahr angewendet wird” steht im Beipackzettel auch für das Markenpräparat Monuril 3000.
http://www.onmeda.de/Medikament/Fosfomycin+Aristo+3000+mg+Pulver+zur+Herstellung+einer+L%C3%B6sung+zum+Einnehmen–wirkung+dosierung.html

Da müssten sich die “Gesundheitsbürokratie” und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erst mal bewegen.

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