Statistisch gesehen unbeliebt: Biomathe

15. September 2010
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Mathematik und Informatik im Medizinstudium: Eine große Hürde im klinischen Studienabschnitt, oder doch eine interessante Abwechslung zum sonstigen Lernstoff? Dieser Artikel beleuchtet, worum es bei dem Fach mit dem Kosenamen "Biomathe" wirklich geht...

Nach langem Lernen und bestandenem Physikum freuen sich die meisten Medizin-Studenten über die neu gewonnene Freiheit der klinischen Semester und die Möglichkeit, endlich mehr als nur Grundlagenfächer auf dem Stundenplan zu haben. Damit gehören die üblichen “Schreckensfächer” der Vorklinik mit mathematischen Grundlagen, wie z.B. Physik oder Chemie endlich der Vergangenheit an… glaubt man zumindest!

Früher oder später wird jedoch das Fach “Q1: Epidemiologie, medizinische Biometrie und medizinische Informatik”, wie es offiziell heißt, auf dem Semesterplan auftauchen und den einen oder anderen in Erstaunen versetzen.
“Was soll ich denn mit Statistik oder Informatik, wenn ich Arzt werden will!”, ist die anfängliche Kritik der Studenten, mit der sich dieses Fach konfrontiert sieht. Umgangssprachlich wird der sperrige Begriff mit dem Wort “Biomathe” abgekürzt, was auch schon die größte Hürde erklärt: Denn nicht wenige Medizin-Studenten haben in der Schulzeit nie wirklich ein gutes Verhältnis zur Mathematik aufbauen können.

Bevor man jedoch streitet, ob dieses Fach auf den Stundenplan gehört, sollte man dessen wesentliche Inhalte betrachten. Da es sich um ein sogenanntes Querschnittsfach handelt, sind dort drei Fächer in einem zusammengefasst, auf die im Folgenden kurz eingegangen wird:

Epidemiologie

Bedeutete der Begriff ursprünglich “Seuchenkunde”, meint er heute aber die Verteilung und Ausbreitung von Krankheiten in einer Bevölkerung. Die Studenten sollen also lernen, mit Begriffen wie Prävalenz, Inzidenz und Risiko adäquat umzugehen, da sie die Grundlage moderner “Sichtweisen” in der Medizin sind.

Medizinische Biometrie

Der eigentliche “Knackpunkt” für viele Studenten. Hier werden Mathematikkenntnisse aus der Oberstufe gebraucht, denn es geht um grundlegende Begriffe der Statistik, Grundlagen der Wahrscheinlichkeitslehre (Stochastik), den Ablauf von statistischen Tests und vielem mehr. Um eine gute Portion mathematischer Theorie kommt man hier wohl nicht herum.

Medizinische Informatik

Auch in der Medizin führt kein Weg an elektronischen Medien vorbei, daher müssen sich angehende Ärzte auch mit Themen wie Informationssystemen oder medizinischen Datenbanken beschäftigen. Auch gibt es Exkurse zum Thema Qualitätsmanagment und dem Datenschutz.

Dabei sind Grundlagen in diesen drei Fächern eben nicht nur für die anstehende Klausur, sondern auch für die spätere ärztliche Tätigkeit wichtig:

Denn wie möchte ein Arzt Artikel aus Fachzeitschriften wie z.B. dem New England Journal of Medicine verstehen, wenn bei ihm Grundlagen der Statistik und Epidemiologie nur Augenrollen und Fragezeichen im Kopf hervorrufen? Eine Beurteilung von Studien ohne fundiertes Grundwissen und die mögliche Anwendung des erworbenen Wissens bei eigenen Patienten scheint so nur schwer möglich. Wer sich in den statistischen Grundlagen auskennt, weiß, dass die alte Weisheit “Traue niemals einer Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast” auch heute noch manchmal traurige Gültigkeit hat.

Ebenso erleichtern gute Kenntnisse im Bereich der Informatik später die Recherche bei einer anstehenden Promotionsarbeit enorm, da als erster Schritt, also bevor die Datenerhebung oder das Schreiben beginnt, stets die Informationsbeschaffung ansteht. Wer einmal versucht hat, “mal eben” genaue Informationen zu einem Forschungsgebiet über eine Google-Suche zu bekommen, weiß was gemeint ist. Hier helfen medizinische Datenbanken enorm weiter, die im Rahmen der medizinischen Informatik vorgestellt werden.

Natürlich könnte sich der geneigte Student eben diese Grundkenntnisse auch im Selbststudium beibringen, oder notgedrungen während einer Doktorarbeit im Selbstversuch erwerben. Doch für die breite Masse der Studenten erscheint es wohl geeigneter, dieses oftmals ungeliebte Fach auf dem Stundenplan zu haben.

Fazit

Wie man sieht, lehrt dieses Querschnittfach also vielleicht doch mehr sinnvolle und nötige Grundlagen, als mancher sich zu Beginn eingestehen möchte. Und diejenigen, die sich auch nach dieser bestandenen Veranstaltung nicht so recht mit der Mathematik anfreunden können, halten als Trost immerhin einen zusätzlichen Schein in den Händen, der sie ein kleines Stück weiter auf dem Weg zur Approbation bringt…

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