Abgase schädigen DNA bei Kindern

24. Mai 2017
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Autoabgase beeinträchtigen in jeder Hinsicht unsere Gesundheit. Jedoch schädigen solche Luftverschmutzungen besonders die DNA bei Kindern und Jugendlichen, wie eine aktuelle Studie zeigt. Die Telomere werden aufgrund der Belastung durch Abgase deutlich kürzer.

Dr. John R. Balmes und Kollegen von der Berkley-Universität in Kalifornien, schlossen insgesamt 14 Kinder mit oder ohne Asthma in ihre Pilotstudie ein. Alle stammten aus Fresno, einer Stadt in Kalifornien (USA), welche wiederholt unter extremem Smog leidet.

Die Forscher hatten es besonders auf sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAK, abgesehen. Diese sind ein häufiges Umweltgift in den Abgasen von Verbrennungsmotoren, wie sie beispielsweise Autos nutzen.

Die Auswahl der Kinder erfolgte nach deren Exposition gegenüber PAK während der vergangenen zwölf Monate vor Studienbeginn. Allen nahmen die Wissenschaftler Blut ab, isolierten daraus die mononukleären Zellen (PBMC) und bestimmten die Telomer-Längen an den Chromosomen der Kinder und Jugendlichen. Das Ergebnis war – gelinde gesagt – eine Überraschung.

Abgasluft verkürzt Telomere

Zwar war bereits seit Längerem bekannt, dass Autoabgase oxidativen Stress verursachen können, der schließlich Lipide, Proteine und DNA schädigt. Dennoch erstaunte es, dass sich dieser Effekt im Rahmen einer Pilotstudie mit nur 14 Individuen, also einer sehr kleinen Stichprobe, bereits nachweisen ließ.

Balmes und Kollegen fanden zudem heraus, dass es einen inversen linearen Zusammenhang zwischen der Menge an PAK in der Luft und der Telomer-Länge geben könnte; je höher nämlich die PAK-Konzentration, desto kürzer schließlich die Telomere. Welche Folgen sich daraus für die Lebenserwartung der Kinder ergibt, bleibt indes vorerst unklar.

Interessanterweise waren Kinder, die unter Asthma litten, dauerhaft höheren PAK-Werten ausgesetzt als die Nicht-Asthmatiker. Darüber hinaus zeigten die Asthmatiker vergleichsweise kürzere Telomere als die Kinder ohne Asthma (Telomer-Länge Asthma = 1,13 zu Telomer-Länge Nicht-Asthma = 1,29).

Aus Telomeren lesen

Die Pilotstudie von Balmes und Kollegen deutet darauf hin, dass polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) aus Verbrennungsmotoren eine wichtige Rolle bei den gesundheitlichen Folgen der Abgasbelastung spielen könnten. Allen voran steht hier das Asthma, aber ebenso können DNA-Schäden, wie z. B. Telomer-Verkürzungen, auftreten.

Kinder und Jugendliche haben sicher andere Regulationsmechanismen als Erwachsene für die Chromosemenintegrität und reagieren daher empfindlicher auf die Wirkungen der PAK. Denn bei Erwachsenen hat die Telomerkürzung weniger Bedeutung in Bezug auf die Alterung, die ausdifferenzierten Zellen im Körper teilen sich nicht mehr. Möglicherweise lassen sich die Ergebnisse zukünftig nutzen, um bei einem Menschen anhand der Länge seiner Telomere auf eine erhöhte Luftverschmutzung in dessen Lebensumwelt schließen zu können.

Die Studie zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, den Schadstoffausstoß aus Verbrennungsmotoren weltweit deutlich und damit spürbar zu verringern. Und eines gilt mit Sicherheit: PAK als Umweltgifte, wie z. B. in der Atemluft, sind nicht nur für Kinder und Jugendliche schädlich. Auch bei Erwachsenen reichern sie sich gern im Körper an und gelten dort als erbgutverändernd, krebserregend und fortpflanzungsgefährdend.

Quelle:

Traffic-Related Air Pollution and Telomere Length in Children and Adolescents Living in Fresno, CA: A Pilot Study. Lee EY et al., Journal of Occupational and Environmental Medicine 2017; 59(5): 446-452

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Bildquelle: Bike SLO County, flickr / Lizenz: CC BY-SA

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7 Kommentare:

Gast
Gast

Honeckers Enkelin ist in Ost-Berlin daran gestorben. Zu spät für sie, aber für uns zum Glück ging die DDR mit vielen Dreckschleudern unter.

#7 |
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Ärztin

Letzendlich wurde hier eine Korrelation zwischen der PAK-Konzentration und der Länge der Telomeren festgestellt, egal wodurch die PAKs verursacht wurden. Und das finde ich schon alarmierend genug.

#6 |
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HP Marie-Christine Wagner/von Fuerstenberg
HP Marie-Christine Wagner/von Fuerstenberg

darum gehörten also Autoabgase und Zigarettenrauch (nicht Zigarrenrauch…) zu den absoluten no-goes während meiner Schwangerschaft…!

#5 |
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Claus Dieter Cappelmann
Claus Dieter Cappelmann

Vieleich liege ich falsch, wir sprechen immer wieder über Abgase, was war eigendlich wo unsere Großeltern, Eltern noch Ofenheizung hatten ohne Russpartikelfilter. Waren die alle Krank? Ist diese Thematik nur hoch gezogen?
Oder ein Vergleich: Kinder die im “Dreck” wie z.B auf dem Lande im Bauernhof aufgewachsen sind – haben kaum Allergien. Kinder in den Städten haben hohe Allergierate.
Was ist denn jetzt richtig? Abgase von
Flugzeugen – Kerosin
Militärfahrzeugen – Diesel
Abfackeln von Gasen,
und vieles mehr…
Gab es schon viel Früher und das ohne Filter.
Mal überdenken Früher und Heute

#4 |
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Gast
Gast

Weiß nicht, ob diese Untersuchung irgendwie zielführend ist. Wieso sind noch nicht einmal die Schadstoffkonzentrationen definiert, die da für irgend etwas verantwortlich gemacht werden?
Ich halte diesen Studienort für ungeeignet. Man möge das doch mal in einer Großstadt in Asien untersuchen, wo es richtigen Smog gibt. Ankara tuts auch, dort ist die Luft in der Abendsonne gelegentlich schön orange und gelbbraun vom vielen Diesel…

#3 |
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Gast
Gast

Die groesste Feinstaubbelastung für einen selber dürfte das Rauchen sein.Ausserdem gibts noch sehr viele Ursachen für PAK s.Jeder Ofen,jede Ölheizung,die chemischen Fabriken in Wohnortnähe usw usw.Es sind bei weitem nicht nur die Autos.Aber die kann man am einfachsten zur Kasse bitten…….

#2 |
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Mitarbeiter Industrie

Interessierte Kreise haben schon immer versucht Asthma und Allergie mit Luftverschmutzung in Verbindung zu bringen, bis zur epidemiologischen DDR/BRD Studie von Erika von Mutius. Korrelationen sind keine Ursache-Wirkungszusammenhänge und in einem kurzen Zeitraum an einer so kleinen Population von 14 Kindern mit mannigfaltigen Einflüssen PAK als (einzige) Ursache zu indentifizieren ist gelinde gesagt gewagt. Dann den Zusammenhang mit “Auto” Abgasen herzustellen ist pure Fiktion. PAK sind allgegenwärtig. Sie gasen z.B. aus Teerprodukten aus und enstehen beim Grillen und Braten und sind vor allem im Zigarettenrauch zu finden. Fresno liegt mitten im für amerikanische Vehältnisse umweltbewußten Kalifornien wo Bau und Gartenmaschinen mittlerweile mehr Abgase produzieren als der Strassenverkehr ! Durch Rußpartikel, Rauch und Flugstaub verbreiten sich die PAK und sind auch im Smog zu finden, aber ungefähr 95 % der vom Menschen aufgenommenen PAK stammen aus der Nahrung nur je 1 % aus Trinkwasser und Luft, weil sie lipopohil sind….

#1 |
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