Die Dosis macht das Gegengift

23. Mai 2017
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Bienengift besteht aus mehreren Komponenten. Fünf davon sind für Allergiker relevant, auf ihnen basieren sämtliche Präparate zur Hyposensibilisierung. Ein aktueller Bericht zeigt: Die Dosis einzelner Allergene ist häufig zu gering und eine Therapie wirkungslos.

Die Präparate, die zur Hyposensibilisierung bei Bienenstichallergien eingesetzt werden, enthalten nicht immer alle relevanten Giftbestandteile. Das ergab eine Untersuchung von Allergieexperten am Helmholtz Zentrum München und an der Technischen Universität München (TUM). Möglicherweise könnte dies einen Einfluss auf den Therapieerfolg haben.

Es wird heiß, Allergiker werden unruhig

Mit dem Sommer beginnt für viele Allergiker auch die Angst vor Bienenstichen. „Allergische Reaktionen gegen Insektengifte sind potenziell lebensbedrohlich und eine der schwerwiegendsten Hypersensitivitätsreaktionen“, erklärt PD Dr. Simon Blank, Arbeitsgruppenleiter am Zentrum Allergie und Umwelt (ZAUM). 

Hier kann die Allergen-spezifische Immuntherapie – im Volksmund besser bekannt als Hyposensibilisierung – helfen. Dafür wird den Patienten das Gift in sehr geringen Dosen unter die Haut gespritzt. Das soll dazu führen, dass sich der Körper daran gewöhnt und eine überschießende Reaktion des Immunsystems im Falle eines Bienenstichs ausbleibt. Jedoch gibt es laut Blank und seinem Team bei dem Verfahren möglicherweise Verbesserungsbedarf.

Allergene stark unterrepräsentiert

„Mittlerweile ist bekannt, dass es sich beim Bienengift um einen Cocktail handelt. Darin sind vor allem fünf Komponenten besonders relevant für Allergiker“, erklärt Blank. „In unserer aktuellen Untersuchung von kommerziellen Präparaten konnten wir allerdings zeigen, dass diese sogenannten Major-Allergene nicht überall in ausreichender Menge vertreten sind – manche Allergene sind stark unterrepräsentiert!“

Während in manchen Präparaten alle Giftkomponenten gleichmäßig vorkamen, seien in anderen bis zu drei der fünf Allergene in zu geringen Mengen vorhanden gewesen, so die Autoren. Was das genau für den Therapieerfolg bedeutet, das können die Wissenschaftler noch nicht konkret benennen. „Bisher kann durch Studien nicht belegt werden, wie groß die Bedeutung für die Therapie ist. Da aber rund sechs Prozent der Patienten ausschließlich gegen diese drei Allergene sensibilisiert sind, könnte deren Unterrepräsentation in den Präparaten zumindest für diese Patienten Einfluss auf den Therapieerfolg haben.“

Maßgeschneiderte Hyposensibilisierung

Wenn also Patienten nun auf bestimmte Allergene im Bienengift reagieren, diese aber eventuell nicht in ausreichender Menge in den Präparaten vorkommen, ergibt sich die Frage, wie stark die Hyposensibilisierung gegen Bienenstiche dem Einzelnen nutzt.

 Prof. Dr. Carsten Schmidt-Weber, Direktor des ZAUM: „Die überwiegende Mehrheit der Patienten profitiert von einer solchen Behandlung. Allerdings wäre eine wünschenswerte Zielsetzung, die sich aus dieser Arbeit ergibt, dass Patienten künftig eine maßgeschneiderte Behandlung bekommen. Also ein Präparat mit genau den Allergenen, auf die sie reagieren.“ Aufgrund der Kosten und der relativ kleinen Patientenzahlen lägen individuelle Therapien jedoch noch in weiter Ferne.

 

Der Text basiert auf einer Pressemitteilung des Helmholtz Zentrums München.

 

Quelle:

Component-resolved evaluation of the content of major allergens in therapeutic extracts for specific immunotherapy of honeybee venom allergy
Simon Blank et al.; Human Vaccines & Immunotherapeutics, doi: 10.1080/21645515.2017.1323603; 2017

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2 Kommentare:

Gast
Gast

Bei mir selbst wurde vor rund 30 Jahren eine Allergen-spezifische Immuntherapie gegen Bienengift durchgeführt. Ich kann nur jedem empfehlen, diese Therapje nur dort durchführen zu lassen, wo nach Abschluss der Therapie ein Probestich mit einer echten Biene durchgeführt wird. In meinem Fall hat sich so herausgestellt, das die übliche Dosis nicht ausreichend war. Erst nachdem diese auf das 1,5 fache gesteigert worden war, war die Therapie erfolgreich.

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Gast
Gast

Interessante Studie! Aber was hat die Schwebfliege auf dem Titelbild damit zu tun?

#1 |
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