Depression: Der Freudenschrittmacher

27. Juni 2017
Teilen

Für Patienten mit einer schweren, therapieresistenten Depression gibt es möglicherweise bald eine neue Behandlungsmöglichkeit. In einer vierjährigen Studie profitierten sieben von acht Patienten von einer Tiefenhirnstimulation. Vier der Patienten wurden geheilt.

Gegen schwere Depressionen existieren verschiedene therapeutische Ansätze: medikamentöse und/oder psychotherapeutische Behandlungen, sowie Stimulationsverfahren wie die Elektrokrampftherapie. Doch bei manchen Patienten schlägt keine dieser Therapieoptionen an – sie gelten als austherapiert. Nicht selten beenden diese Menschen aufgrund der anhaltenden Hoffnungslosigkeit ihr Leben selbst.

Tiefenhirnstimulation für schwer Depressive

Ärzte der Abteilung für Interventionelle Biologische Psychiatrie an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg konnten nun in einer Langzeitstudie zeigen, dass auch diesen Menschen geholfen werden kann. Das Freiburger Therapieverfahren beruht auf einer Tiefenhirnstimulation. Diese Stimulation konnte die Symptome von Patienten mit bislang nicht behandelbaren, schwersten Formen von Depression über mehrere Jahre lindern oder sogar beheben. Etabliert ist das Verfahren bereits bei Parkinson-Patienten, wo die Hirnstimulation bereits seit Jahren als Standardverfahren gegen Bewegungsstörungen erfolgreich zum Einsatz kommt.

Implantation in achtstündiger, komplizierter Operation

An der kleinen Langzeit-Studie nahmen acht Patienten teil. Alle litten an einer bisher nicht therapierbaren schweren Depression, die bereits zwischen drei und elf Jahre dauerhaft anhielt. Diesen Patienten implantierten die Freiburger Ärzte in einer jeweils achtstündigen, komplizierten Operation über ein Loch in der Schädeldecke dünne Elektroden ins Gehirn, mit denen sich der superolaterale Zweig des medialen Vorderhirnbündels, der für die Wahrnehmung von Freude verantwortlich sind, stimulieren lässt. Diese Hirnregion ist auch wichtig für die allgemeine Motivation und damit für die Lebensqualität des Patienten.

Der Stimulator ähnelt einem Herzschrittmacher. Er sendet kontinuierlich leichte, elektrische Impulse von 3 bis 5 Volt in die entsprechende Region des Gehirns. Nach der Implantation wird die Hirnstimulation in einem etwa achtwöchigen Verfahren genau an den Patienten angepasst.

Lange Wirksamkeit ab dem ersten Monat

Den Erfolg der Hirnstimulation bewerteten die Ärzte alle vier Wochen mit der etablierten Montgomery-Asberg Rating Scale (MARDS), einem Fragebogen zur Beurteilung der Schwere einer Depression. Die Skala reicht von null bis 60 Punkten; ab 10 Punkten liegt eine Depression vor.

Bereits nach vier Wochen sank der MARDS-Wert im Durchschnitt von 30 Punkten auf 12 Punkte ab. Bis zum Ende der Studie nach vier Jahren sank der Wert noch weiter leicht ab. Die Schwelle zur Depression von zehn Punkten unterschritten vier Patienten. Insgesamt hatten sieben der acht behandelten Patienten bei kontinuierlicher Stimulation bis zum Beobachtungszeitpunkt nach vier Jahren anhaltende Verbesserungen der Symptome. Die Therapie blieb über die gesamte Zeit gleich wirksam.

Die Freiburger Ärzte stimulierten mit Elektroden eine Region im Gehirn, die an der Wahrnehmung von Freude beteiligt ist. Dadurch wurde die Depression bei sieben der acht behandelten Patienten gelindert. Credit: Universitätsklinikum Freiburg

Die Freiburger Ärzte stimulierten mit Elektroden eine Region im Gehirn, die an der Wahrnehmung von Freude beteiligt ist. Dadurch wurde die Depression bei sieben der acht behandelten Patienten gelindert. © Universitätsklinikum Freiburg

„Andere Therapieformen verlieren oft im Laufe der Zeit ihre Wirksamkeit. Damit ist die Tiefenhirnstimulation ein vielversprechender Ansatz für Menschen mit bisher nicht behandelbarer Depression“, so Studienleiter und Psychiater Thomas Schläpfer, Leiter der Abteilung für Interventionelle Biologische Psychiatrie an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg.

Nebenwirkungen durch Anpassung der Stimulation vermeidbar

Bei manchen Patienten löste die Hirnstimulation kurzzeitig eine verschwommene Sicht oder Doppelbilder aus. Diese Sehstörungen konnten die Ärzte jedoch beheben, indem sie die Stimulus-Stärke anpassten. Die antidepressive Wirkung der Stimulation wurde dadurch nicht beeinflusst. Keiner der Patienten erlitt Persönlichkeitsveränderungen, Denkstörungen oder andere Nebenwirkungen.

Studienleiter und Psychiater Thomas Schläfer sagte gegenüber dem SWR: „Es ist schon etwas Unglaubliches, dass bei diesen schwerstkranken Patienten eine relativ einfache Stimulation, die kaum Nebenwirkungen hat, diesen Effekt gezeigt hat und das über vier Jahre. Das denke ich, ist schon ein Durchbruch.”

Möglichkeit einer europäischen Registrierung

Volker Coenen, Neurochirurg an der Uniklinik Freiburg, geht davon aus, dass sich die Tiefenhirnstimulation bei schwer depressiven Menschen ohne weitere Therapieoptionen als Standardverfahren durchsetzen könnte. Dazu müssten sich die vielversprechenden Ergebnisse der ersten Langzeitstudie allerdings in der Anfang 2017 angelaufenen, fünfjährigen Studie mit 50 Probanden wiederholen. Dann sieht Prof. Coenen die Möglichkeit einer europäischen Registrierung des Therapieverfahrens, nach dem die Therapie auch bei Patienten außerhalb einer klinischen Studie angewendet werden darf.

 

Quelle:

Bevernick, B.H. et al. Deep brain stimulation to the medial forebrain bundle for depression- long-term outcomes and a novel data analysis strategy. Brain Stimul. 2017 May – Jun;10(3):664-671.

 

66 Wertungen (4.7 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

19 Kommentare:

Christoph Neuwirth
Christoph Neuwirth

Nun, allen Diskussionen zum Trotz… Es ist eine ermutigende kleine Studie! Und wenn nach somatischer und psychiatrischer Evaluation und Therapie keine Besserung erreichbar ist, dann sollte dieser Pfeil im Köcher weder vorverurteilt noch undifferenziert verschossen werden. Aber es braucht eine Phase III Studie in jedem Fall!

#19 |
  0
Dr.Rüdiger Hübschmann
Dr.Rüdiger Hübschmann

…der superolaterale Zweig des medialen Vorderhirnbündels, der für die Wahrnehmung von Freude sind…
Erinnert an die Hirnatlanten aus Zeiten von Broca und co.. Wie hat man untersucht, “wo” die Wahrnehmung von Freude (de)codiert wird?
Wie valide sind solche Untersuchungen?

#18 |
  0
Apotheker
Apotheker

Sehr gut, dass es eine weitere Therapieoption für schwer Erkrankte Depressive gibt, auch wenn dies längst noch nicht Standard ist.
An dieser Stelle wundert mich jedoch die Reaktion vieler Gäste, denn warum Angst haben und verunsichert sein?
Nur weil es eine neue Methode gibt wird diese nicht unmittelbar und überall eingesetzt. Herzschrittmacher werden auch nicht jedem Patienten implantiert, der mit einem wirksamen Medikament behandelt werden kann. Ebenso werden keine Herztransplantationen durchgeführt, wenn dies nicht notwendig ist.
Was aber ist mit den Patienten, bei denen es keine wirksame Alternative gibt?
Warum eine Therapie mit Psychopharmaka weiterführen, die statt Nebenwirkungen keine Besserung mit sich bringt?
Depressionen sind trotz moderner Medizin immer noch weit verbreitet und von schweren Depressionen betroffene Menschen und deren Angehörige brauchen neue Therapieansätze, wenn keine Behandlung ausreichend anschlägt. Hier muss das oberste Ziel sein den Depressiven zu helfen, Lebensqualität zu steigern und Suizide zu vermeiden.

Ob Kassen die richtigen Entscheidungsträge für die Durchführung einer solchen Therapieoption sind, sollten wir kritisch hinterfragen. Wie ist es hier z.B. bei Patienten mit Adipositas, die keine Magenverkleinerung erstattet bekommen. Meiner Meinung nach sollten diese Entscheidungen die behandelnden Ärzte treffen. Entsprechende Fachgesellschaften müssen hier federführend sein und Leitlinien erstellen.
Dieses Vorgehen ist seit Jahren in der evidenzbasierten Medizin üblich und erfolgreich.

…und es ist wirklich nicht IMMER die Hypothyreose, bei Dr. House ist es auch eher selten Lupus…

#17 |
  1
Gast Dr. Mp
Gast Dr. Mp

Ersatzteillager, nein DANKE !!!

#16 |
  2
Gast Ritis
Gast Ritis

#gnihihi

Allen Depressiven sei verordnet, den Artikel samt Kommentaren zu lesen.

Da kommste aus dem #roflol und dem *ganzbreitgrins* bestimmt nicht mehr so schnell raus

(Klar, das selbstbeobachtete Ich bringt bloß ‘ne N=1, dafür aber auch die 100% beobachteter positiver Wirkung)

#15 |
  3
Remedias Cortes
Remedias Cortes

Gast11:Der Patientenkreis, der gemeint ist, der hat keine Fehldiagnose, der ist auch für Laien sofort ersichtlich schwer depressiv. Ich habe eine betroffene Freundin. Von den Psychopharmaka hat keines angeschlagen und das EKT nur ein paar Wochen eine Besserung erzielt.
Dass ein Patient einfach so einen Hirnschrittmacher bekommt, glaube ich weniger, dazu ist das Verfahren zu teuer.
Bei acht Patienten – da frage ich mich immer, ob nicht die vermehrte Zuwendung, der medizinische Aufwand während einer solch kostspieligen Studie , die genauere Untersuchung nicht schon eine Besserung bewirken kann.
Ich hoffe sehr, dass die Studien weitergehen und Erfolg haben, denn die schweren therapieresistenten Depressionen sind für die Kranken fürchterlich quälend.

#14 |
  0
Dr. Doreen Wagner
Dr. Doreen Wagner

Dieser Artikel scheint mir etwas zu schön dargestellt zu sein. In Bonn wurde meinem Vater im Jahr 2015, depressiv seit dem er 18 Jahre ist, auch ein “Tiefenhirnstimulator” einoperiert. Der Erfolg war nicht wie erwartet und er hat diesen wieder im September 2016 in Freiburg heraus operiert bekommen. In der Zeit hat er mehrere Mitpatienten getroffen. Hier hat, laut seiner Aussage, keiner eine große Verbesserung erzielt. Ich denke es ist tolle Forschung die gemacht wird, aber das Verhältnis, dass 7 aus 8 Patienten einen Erfolg erzielten, sollte doch näher beleuchtet werden. Als mein Vater die Einwilligung zum Eingriff gegeben hat, lag die Wahrscheinlichkeit eine Verbesserung zu erzielen bei 50%. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich dies innerhalb von ein paar Jahren auf 90% (wie in der Studie angegeben 7 aus 8) erhöht hat.

#13 |
  3
Gast
Gast

# 8- Junigast: In 20 Jahren eigener Autoimmunerkrankung der Schilddrüse sind mir noch keine Co-Patienten begegnet, ob in der realen oder Internetwelt, die nicht immer auch psychisch mitbetroffen waren bei der Erkrankung. Eine Unterfunktion, wie leicht auch immer, ob manifest oder nur latent, wirkt sich in den allermeisten Fällen zuerst im Gehirn aus. Und eine nach endlich erfolgter Diagnose (falls überhaupt) folgt dann oft eine zu niedrige Behandlung wegen TSH-Gläubigkeit oder ausschließliche Behandlung mit Thyroxin, obwohl eine winzige Menge T3 an der Stimmung so viel bewirken kann.
Und dann wundert man sich, warum es Diagnosen wie Chronic Fatigue oder Fibromyalgie erst seit “Entdeckung” des TSH-Tests gibt….
Davor mußten Ärzte den Patienten untersuchen und diagnostizieren, statt auf einen Laborzettel zu starren und Werte abzulesen. Mich hat in 20 Jahren hier in Deutschland kein Arzt körperlich untersucht, trotz Schilddrüsendiagnose. Kein Anschauen der gelben Handflächen in der Unterfunktion, der massiven Hornhautbildung ohne entsprechende Arbeit, kein ASR Test…..ich glaube, die wissen nicht einmal mehr, worauf sie achten müssten.

#12 |
  6
Gast
Gast

Das Problem ist doch, dass die meisten Diagnosen überhaupt nicht zutreffen. In der Regel benötigt es schon einen stationären Aufenthalt um zu einer gesicherten Diagnose zu kommen. Viele Diagnosen werden aber in der Praxis gestellt, da guckt kein zweiter drauf. Leider sind die Möglichkeiten therapeutischer Art so minimal. Verhaltenstherapie vers. Psychoanalyse – mehr ist nicht vorgesehen. Das ist ein Armutszeugnis, aber Mediziner sichern sich
halt diese Märkte.

#11 |
  11
Gast
Gast

Hoffentlich bald auch Borderline Patienten, BPS ist eine schwere Nervenerkrankung. Ich möchte auch operiert werden ,damit ich den Wahnsinn dieser schizophrenen Welt ertragen kann . Danke!!!

#10 |
  6

Es gibt eine tiefe Hirnstimulation (tief im Gehirn), ein Tiefenhirn haben wir nicht… deshalb bitte tiefe Hirnstimulation.
:)

#9 |
  3
Junigast
Junigast

Ein erheblicher Teil der therapieresistenten depressiven Patienten, die mir bisher begegnet sind, hatten erhebliche andere Probleme, die differentialdiagnostisch idR nicht geprüft werden: Folsaeuremangel, Vitamin D Mangel im Osteoporose induzierenden Bereich, extrem chronische Eisenmangel Zustände, und dann vor allem Autoimmune Schilddrüsenerkrankungen. Alles gut diagnostizierbar, idR aber nicht gemacht, schon gar nicht in der Psychiatrie vor Ort. Die Diskussionen kt den Hausaerzten, was dazu alles geprüft werden müssen, enden meist frustrierend.
Bei der Vorstellung, dass man dann bald schneller einen Schrittmacher im Hirn hat als eine sorgfältige Ausschlussdiagnose, wird es mir ganz anders. Ich würde mir wünschen, dass es seitens der Kassen klare Vorschriften gibt, was vor der Diagnose einer Depression an Diagnostik zu tun ist. Und dass bei Verdacht auf Autoimmunitaet auch mal mit Thyroxin behandelt wird, statt erstmal x Antidepressiva zu versuchen.
Hochwertige Selbsthilfeforen sind voll von Berichten über extreme Verbesserung auch chronifizierter psychischer Auffälligkeiten, nachdem endlich von einem umsichtigen Arzt die richtige Diagnose gestellt wurde.
Ich wünschte, hier würde auch mal Geld in die Forschung gesteckt.
Wenn ich die autoimmunen Patienten ausnehme, sinkt der Anteil der depressiven in meiner Praxis von deutschlandweiten 60% auf 20%. Und den autoimmunen kann man helfen. Durch lesen neuerer Artikel zum Thema Homoneinstellung, ggf. Kombitherapie mit Thybon, und das alles dann guenstig und auch mit durchschlagendem und anhaltendem Erfolg.
Sollte das zu denken geben?

#8 |
  7
Biochemiker
Biochemiker

Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem, Mut und auch Fehler sind unabdingbar um in die Zukunft zu gehen. Diese Arbeit wird hoffentlich vielen Menschen helfen.

#7 |
  3
Gast
Gast

Ich bin ein wenig verunsichert: Welche Relevanz hat eine Studie mit 8 Teilnehmern? Ganz ehrlich, wie kann man so was wissenschaftlich ernst nehmen. Mich würde die statistisch fundierte Fallzahlkalkulation als Basis der Untersuchung interessieren. Ansonsten ist das Ganze als Beobachtung einiger Einzelfälle zu werten. Gerade wenn die Behandlung erfolgversprechend ist, sollte man in einem ernsthaften Stichprobenumfang arbeiten, um den Patienten keine wirksame Behandlung vorzuenthalten!

#6 |
  10
Gast
Gast

Also ehrlich gesagt finde ich die THS bei der nur ein Teil des Gehirns ganz gezielt stimuliert wird weniger “brachial” als den ganzen Körper und das ganze Gehirn einer Substanz auszusetzen die weniger Wirkung aber dafür viele Nebenwirkungen hat. Natürlich gibt es viele Patienten denen Antidepressiva sehr gut helfen oder die nur phasenweise unter Depressionen leiden und auf eine Langzeittherapie nicht angewiesen sind. Aber wenn das ganze Leben eines Menschen nur noch aus Depression und Verzweiflung besteht und auch Medikamente keine Linderung bringen und der Patient der THS gegenüber aufgeschlossen ist, wieso dann nicht diese”brachialen” Methoden” anwenden?

#5 |
  4
Horst M
Horst M

Die Webseite lautet:

http://www.tiefehirnstimulation.info.

Dort finden sich auch Interviews mit allen Kliniken und Chirurgen, sowie Studien und Patientenmeinungen, um sich ein klares BIld zu machen.

#4 |
  1
Horst M
Horst M

Ich habe selbst eine THS im Jahr 2004 wegen einer Zwangsstörung bekommen – ebenfalls im Rahen einer Studie.

Seit 2008 ist die THS bei Zwangserkrankten kassenzugelassen.

Und diese Chance verdienen auch die Menschen mit Depressionen.

Warum eigentlich unterscheiden zwischen physischer und psychischer Erkrankung:

Bei Parkinson, Tremor, Dystonie – ebenfalls kassenzugelassen – wird kaum diskutiert – bei psychischen Erkrankungen endlos.

Bis dato hatte ich 20 verschiedene Medikamnete plus ambuanter und stationärer Verhaltenstherapie bekommen mit keinerlei Wirkung.

Heute bin ich zu 90 % beschwerdefrei.

Das war brachial verglichen mit der THS – unabhängig davon – ohne diese würde ich heute hier nicht mehr schreiben können.

Zitat Proessor Pawelczik – lange Jahre Psychiater an der renommierten Cristoph – Dornier Klinik in Münster:

” Unter den therapierefraktären Zwangskranken gibt es so schlimme Fälle, etwa ein bis zwei Prozent, da würde ich nicht davor zurückschrecken, die Tiefenhirnstimulation zu empfehlen. “

https://www.aerzteblatt.de/archiv/43803/Stereotaxie-Hirnschrittmacher-Rueckkehr-der-Psychochirurgie.

Ich habe aufgrund meiner Erfahrungen eine eigene Webseite gegründet, weil dieses ” brachial ” Argument immer wieder und sinnlos auftaucht.

Ich kenne Professor Coenen persönlich und habe auch ein Interview mit ihm geführt.

Was er – laut seiner Vorstudie mit außerordentlich hohem Erfolg versucht – ist eben jene Kassenzulassung zu erreichen.

Und das ist aller Ehren wert:

Denn letztlich muss jeder selbst darüber entscheiden dürfen.

Ich werde meine Webseite hier nicht nennen, da ich nicht weiß ob der eitrag dann gestrichen wird.

Aber man sollte sich schon genau informieren, ehe man etwas als brachial abtut, denn ansonsten können wir auch jegliche Chirurgie als brachial einstufen.

#3 |
  0
Evelyne Hohmann
Evelyne Hohmann

# 1 Psychopharmaka sind auch brachial, gut bei Menschen, die seit 30, 40 Jahren diese Medikamente erhalten und mit den unterschiedlichen Nebenwirkungen zu leben haben

#2 |
  2
Gast
Gast

Na, ich weiß nicht. Bevor ich mit einem Metall-Teil im Gehirn durch die Gegend laufe, vetraue ich doch lieber klassisch auf Antidepressiva und die böse, böse “Big Pharma”-Industrie. Bei einem überschaubaren Teil an therapie-resistenten Patienten könnte Tiefenhirnstimulation möglicherweise eine sinnvolle Option sein, in der Realität wird dann aber am Ende diese brachiale Methode vermehrt bei Patienten eingesetzt, die mit einer klassischen Psychopharmakotherapie und unterstützenden Therapien besser aufgehoben wären.

#1 |
  26
Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: