Hormonell bedingter Bluthochdruck ist heilbar

17. Mai 2017
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Bluthochdruckpatienten nehmen häufig lebenslang Medikamente gegen die Symptome. Einige Betroffene könnten sich das allerdings sparen. Eine Studie zeigt, dass die Krankheit in sechs Prozent der Fälle auf einer Hormonstörung beruht, die sich mit einer OP beheben lässt.

Arterielle Hypertonie betrifft in Deutschland über ein Viertel der Gesamtbevölkerung. Zu den Ursachen der Erkrankung, die mit einem hohen Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall einhergeht, kann eine behandelbare Hormonstörung zählen. Ein Zuviel des Blutdruckhormons Aldosteron könnte bei sechs Prozent der Erkrankten der Auslöser sein, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) anlässlich einer aktuell erschienenen Studie.

Operation könnte dauerhaft heilen

Bluthochdruck ist eine Volkskrankheit, von der laut Robert Koch-Institut jeder dritte Erwachsene im Alter zwischen 18 und 79 Jahren betroffen ist. Die Hypertonie schädigt im Laufe der Jahre die Gefäße mit der Folge, dass Hochdruckpatienten häufiger einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall erleiden. Die Ursachen der Hypertonie sind noch nicht vollständig erforscht, aber der Lebensstil, also zu wenig Bewegung, ungesunde Ernährung, Übergewicht und Stress, spielt eine wichtige Rolle. „Hinter einem erhöhten Blutdruck steht häufig aber auch eine behandelbare Hormonstörung. Bei sechs Prozent der Hypertoniker findet sich eine Mehrsekretion des Blutdruckhormons Aldosteron“, sagt Professor Dr. Martin Reincke, Präsident der DGE. Er verweist auf eine Studie aus Italien, die ein neues Licht auf die Häufigkeit des hormonell bedingten Bluthochdrucks wirft. „In so einem Fall kann eine Operation den Blutdruck dauerhaft heilen“, so Reincke, der auch Direktor der Medizinischen Klinik am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München ist.

Die krankhafte Mehrbildung des Blutdruckhormons Aldosteron wird als Hyperaldosteronismus oder Conn-Syndrom bezeichnet. Gebildet wird Aldosteron in den Nebennieren. Das Hormon regelt den Kochsalz- und Flüssigkeitsgehalt des Körpers. Bei einem Aldosteronüberschuss kommt es infolge einer vermehrten Natrium- und damit Wasserrückresorption in der Niere schließlich zu einem Anstieg des Blutdrucks. Die Verdachtsdiagnose eines Hyperaldosteronismus lässt sich über den sogenannten Aldosteron-Renin-Quotient (ARQ) bestimmen: Er ist gekennzeichnet durch einen erhöhten Aldosteronspiegel und einen supprimierten Reninspiegel.

Conn-Syndrom häufiger bei zunehmenden Hypertoniegrad

Ein Forscherteam aus Turin wertete die Daten der prospektiven PATO-Studie (Primary Aldosteronism in Torino) aus, an der neun Hausarztpraxen teilnahmen. 1.672 Patienten mit Bluthochdruck (569 mit neu manifestiertem, 1103 mit bekanntem Hypertonus) wurden zwischen 2009 und 2014 auf das Vorliegen von Hyperaldosteronismus leitliniengerecht untersucht. Bei auffälligem Hormonstatus erfolgte eine weitere Diagnostik in Form von Bestätigungstests, Bildgebung und Nebennierenvenenkatheterisierung. 99 Patienten (5,9 Prozent) hatten am Ende ein gesichertes Conn-Syndrom, davon 27 mit Aldosteron-produzierendem Adenom und 64 mit beidseitiger Hyperplasie der Nebennieren. Reincke erwähnt ein weiteres interessantes Ergebnis der Studie: „Die Conn-Wahrscheinlichkeit stieg mit zunehmendem Hypertoniegrad an.“ So wurde bei 11,8 Prozent der Patienten mit Grad 3, also der schwersten Form des Bluthochdrucks (Blutdruck ≥180/110 mm Hg), ein Conn-Syndrom festgestellt, bei Hypertonie Grad 1 (≥140/90 mm Hg) waren es 3,9 Prozent und 9,7 Prozent bei Grad 2 (≥160/100 mm Hg).

Was zeigen die Ergebnisse?

Die Bedeutung der Turiner Studie liegt für den DGE-Präsidenten vor allem darin, dass die Ergebnisse die Zahlen aus Spezialambulanzen in einem nicht vorselektionierten Krankengut aus der Allgemeinpraxis bestätigen. „Bei sechs Prozent der an Bluthochdruck Erkrankten kann man von einer Hormonursache ausgehen und diese ist behandelbar oder auch heilbar“, so Reincke.

Für Professor Dr. Matthias M. Weber, Leiter der Endokrinologie und Diabetologie der Universitätsmedizin Mainz, zeigen die Ergebnisse, dass viele Tausende von Patienten durch eine Operation oder eine medikamentöse Therapie eine gute Chance hätten, ihren hormonell bedingten Bluthochdruck in den Griff zu bekommen. „Für uns ergibt sich daraus die Forderung, dass alle Hypertoniker zumindest einmal untersucht werden sollten, ob ein Conn-Syndrom vorliegt“, betont DGE-Mediensprecher Weber.

 

Der Text basiert auf der Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V..

 

Quellen:

Prevalence and Clinical Manifestations of Primary Aldosteronism Encountered in Primary Care Practice
Monticone S et al.; Journal of the American College of Cardiology, doi:10.1016/j.jacc.2017.01.052, 2017

Conn-Syndrom: Eine neue Studie belegt die Relevanz hormoneller Blutdruckursachen
Martin Reincke; Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie, 2017

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3 Kommentare:

“Primärer Hyperaldosteronismus (Conn-Syndrom)” titelt die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) unter
http://www.endokrinologie.net/krankheiten-conn-adenom.php
“Als primären Hyperaldosteronismus (Conn-Syndrom) bezeichnet man eine Erkrankung der Nebennieren, bei der eine Überproduktion des Hormons Aldosteron vorliegt. Aldosteron wird in der äußersten Schicht (Zona glomerulosa) der Nebennierenrinde gebildet und ist maßgeblich an der Regulation des Wasser- und Salzhaushalt des Körpers beteiligt. Durch den Effekt auf den Salztransport in der Niere führt es zur Ausscheidung von Kalium und zur Rückresorption von Natrium und Wasser.

Häufigkeit
Während bisher vermutet wurde, dass nur bei weniger als 1% der Patienten mit Bluthochdruck ein primärer Hyperaldosteronismus als Ursache der Hypertonie vorliegt, geht man heute davon aus, dass die Erkrankung eine der häufigsten Ursachen für eine sogenannte sekundäre Hypertonie darstellt. Die Angaben über die Häufigkeit des primären Hyperaldosteronismus hängen dabei von der untersuchten Population ab und reichen von 4-12% in spezialisierten Hochdruckambulanzen bis zu 32% bei Patienten mit einer schweren bzw. medikamentös nicht einstellbaren Hypertonie. Noch höher ist der Anteil bei Patienten mit einem Bluthochdruck und niedrigem Kalium-Spiegeln im Blut (Hypokaliämie). In nicht ausgewählten Patienten mit Bluthochdruck ist die Häufigkeit des Conn-Syndroms hingegen deutlich seltener.”

Schlussfolgerungen für die hausärztliche Praxis:
In der nicht-spezialisierten Praxis ist die spontane Inzidenz des Conn-Syndroms mit 1 bis maximal 3 Prozent von allen Hypertonikern anzunehmen.
Screening v o r Therapie mit RAS-Blockade des Renin-Angiotensin-System:
1. Kalium im Serum bestimmen (cave: Lagerung der Blutproben)
2. Bei Hypokaliämie OIII-labormäßige Renin-Bestimmung
3. Bei Conn-Syndrom-Verdacht Hypertensiologie-Spezialisten einschalten.

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Wenn es denn so einfach wäre.
Und, hat er seinen Salzkonsum reduziert? 3gr pro Tag sollten es dennoch sein.

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Gast
Gast

Mein Sohn,42 Jahre alt,bekommt Lisinopril verordnet.Als er mir das erzählte,fragte ich ihn,ob er nicht seinen Salzkonsum ein wenig einschränken könnte.Er schaute mich ganz verduzt an und meinte,wieso?Ich salze mein Essen eigentlich immer noch nach.Was hat das denn damit zu tun?
Der verordnende Facharzt hat nicht ein einziges Wort darüber verloren und mein Sohn keinen blassen Schimmer von diesen Zusammenhängen.
In Anbetracht einer oft lebenslangen Medikamenteneinnahme finde ich das doch sehr traurig.Das dauert doch nur ein paar Sekunden,einen darauf hinzuweisen.Wurde aber nicht gemacht.

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