Tuberkulose: Hans Castorp ist wieder da

24. Mai 2017
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Die lange in Vergessenheit geratene Tuberkulose ist mit den Einwanderern wieder verstärkt nach Deutschland gekommen. Da sie schleichend beginnt, sind die Symptome am Anfang nicht eindeutig und somit schwer zu diagnostizieren. Ärzte sollten die Krankheit auf dem Schirm haben.

„Drei Monate lang lief ich von einem Arzt zum nächsten. Sie haben auf alles Mögliche getippt, es gab endlose Untersuchungen, doch niemand fand heraus, was ich habe“, sagt Sandra Bollinger. „Schließlich brachte eine Bronchoskopie die Wahrheit ans Licht. Es war TB, Tuberkulose.“ Bollinger zählte damals nicht zur Risikogruppe, war weder alkohol- noch drogenabhängig, rauchte nicht, kam nicht aus einem Land mit häufiger TB. Sie war 27 Jahre alt, Studentin der Soziologie in Hamburg, hatte weder Kontakt zu Kranken noch eine Reise ins Ausland unternommen, ihr Gesundheitszustand war gut. Und: es war 1994. Eine Zeit, in der die Tuberkulose oder Schwindsucht in Deutschland als nahezu ausgestorben galt.

Heute ist das anders. Die Zahlen steigen seit Jahren, von 4.325 Patienten im Jahr 2013 und 4.533 im Jahr 2014 auf zuletzt 5.915 Fälle im Jahr 2016, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) kürzlich bekanntgab. Grund dafür ist die Tatsache, dass die Krankheit in den Herkunftsländer von Migranten aus Asien, Afrika und Osteuropa weiter verbreitet ist als hierzulande. Und auf diesem Weg wieder in Deutschland ankommt. Damit die Fälle von erkrankten Einwanderern gleich nach der Einreise erkannt und behandelt werden können, zählt mittlerweile ein Gesundheitscheck zum Standard für Flüchtlinge. Die Zahl von TB, die so diagnostiziert wurde, betrug laut RKI im Jahr 2015 1.255 Fälle. Im Jahr 2014 waren es 425, gut doppelt so viele wie 2013 mit 198 Fällen.

Warnschilder an den Türen

Insgesamt sind diese Zahlen noch immer gering, sagt Nicolas Schönfeld, Oberarzt an der Klinik für Pneumologie am Helios-Klinikum Emil von Behring in Berlin. Hier werden viele Tuberkulose-Kranke über Monate behandelt, ein Trakt ist reserviert für die noch ansteckenden Patienten. Zwei junge Männer mit Mundschutz holen sich Getränke von einem Rollwagen, an den Zimmertüren hängen Warnschilder und Piktogramme zum Umgang mit Infizierten. „Der Anstieg ist im Grunde nicht hoch“, sagt Schönfeld. „Wir müssen immer bedenken, von welchem Ausgangswert wir diese Veränderung betrachten. Wenn wir zehn Jahre zurückschauen, dann ist da zur jetzt gestiegenen Inzidenz insgesamt kein Klassenunterschied. Das ist alles nicht so dramatisch.“

In fast allen Bundesländern ist die Zahl der Erkrankungen gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Einzige Ausnahme: Mecklenburg-Vorpommern.

In fast allen Bundesländern ist die Zahl der Erkrankungen gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Einzige Ausnahme: Mecklenburg-Vorpommern © RKI

 

Dennoch ist die Tuberkulose eine Erkrankung, die es in Deutschland wieder gibt, und mit der Ärzte rechnen müssen. Da sie schleichend beginnt, sind die Symptome vor allem am Anfang nicht eindeutig und somit schwer zu diagnostizieren. „Ich hatte Husten und war verträumt“, sagt Bollinger, „ich hatte diese klassischen Zustände, wie Franz Kafka oder Thomas Mann es beschrieben haben. Du lebst wie in Trance. Es kommt schleichend. Du merkst nicht, wie du immer müder wirst und matt, du bist ein bisschen wie auf Droge.“

Wenig Erfahrung mit der Diagnose

Zum Nachweis einer latenten tuberkulösen Infektion empfiehlt das RKI einen Tuberkulin-Hauttest (THT) mittels Mendel-Mantoux-Methode und einen Interferon-Gamma-Test. Entscheidend ist jedoch das Röntgenbild, sowohl zur Erkennung als auch zur Beurteilung des Verlaufs während der Behandlung. Hier zeigen sich auffällige Flecken als Zeichen von Entzündungsherden und den typischen Kavernen. Schließlich erfolgt der Nachweis des Erregers aus einer Reihe bakteriologischer Laboruntersuchungen wie Magensaft, Liquor und Urin sowie Bronchial- oder Trachealsekret. Je nach Lokalisation können auch andere Biopsie- oder Punktionsproben genommen werden.

Ein Problem ist der Mangel an Bewusstsein: Betroffene und Ärzte haben keine Erfahrung mit TB und kommen weder auf die Idee, dahingehend zu untersuchen, noch sind sie entsprechend ausgestattet. Hinzu kommt, dass sich die Krankheit nur schleichend bemerkbar macht. Lange bevor Symptome wie Husten, Nachtschweiß, Fieber und Gewichtsverlust auftreten, fühlen sich Patienten noch fit. Niemand merkt, dass sie krank sind. Die Ansteckungsgefahr ist übrigens nicht sehr hoch – zwar wird TB über Tröpfchen übertragen, doch man muss schon mehrere Stunden in einem geschlossenen Raum zusammen sein, um sich zu infizieren. Eine Ansteckung im Bus oder an der Kasse gibt es nicht.

Jedes Jahr Millionen Tote weltweit

Tuberkulose kommt überraschend: Schätzungen zufolge ist rund ein Drittel der Weltbevölkerung mit dem Bakterium infiziert, doch nur bei etwa zehn Prozent bricht die Krankheit tatsächlich aus. Der stäbchenförmige Erreger namens Mycobacterium tuberculosis schlummert eingekapselt im Körper, bis dessen Immunsystem unter Stress schwächelt, beispielsweise durch eine Erkrankung oder der  körperlichen Anstrengungen einer Flucht. Auch Bollinger hat eine Erklärung: „Bei mir kam damals viel zusammen. Ich habe sehr viel gearbeitet, schlecht geschlafen und schlecht gegessen. Mein Vater war gestorben, ich war insgesamt sehr geschwächt.“

 

Im Süden und im Osten häufen sich die Fälle von TBC-Kranken, die im Ausland geboren wurden. Die Aufteilung in NUTS-Regionen ist eine europäische Systematik zur statistischen Erfassung.

Im Süden und im Osten häufen sich die Fälle von TBC-Kranken, die im Ausland geboren wurden. Die Aufteilung in NUTS-Regionen ist eine europäische Systematik zur statistischen Erfassung von Regionen © RKI

 

Einmal ausgebrochen, verläuft die Krankheit, nicht oder falsch behandelt, letal: TB zählt heute mit HIV und Malaria zu den häufigsten tödlichen Krankheiten der Welt. Jedes Jahr infizieren sich rund 10 Millionen Menschen neu, allein 2015 starben 1,8 Millionen Menschen. Doch nicht überall: Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkrankten 60 Prozent der Patienten 2015 in China, Indien, Indonesien, Nigeria, Pakistan und Südafrika. Auch Russland und ehemalige Sowjet-Republiken wie Tschetschenien und die Ukraine sind besonders betroffen.

10 Millionen Euro für neuen Impfstoff

Der Zugang zu Medikamenten ist in vielen Ländern schwierig, und die Therapie dauert lange. Die Standardtherapie ist eine Gabe von vier verschiedenen Antibiotika über zwei Monate und zwei Antibiotika über noch einmal vier Monate. Bei richtiger Behandlung liegt die Heilungsrate heute bei 90 Prozent, abhängig vom Gesundheitszustand des Patienten.

Besorgniserregend sind jedoch die seit Jahren ansteigenden Fälle von Resistenzen, also Bakterien, die mit den bekannten Antibiotika nicht zu behandeln sind. Auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke antwortete die Regierung kürzlich, sie sähe in der  Vermeidung von Resistenzen und der Entwicklung neuer Antibiotika ein wichtiges Element jeder Anti-Tuberkulose-Strategie, die unter anderem auf der Agenda für den G20-Gipfel stünde. Bisher hat Deutschland rund 10 Millionen Euro in einen der weltweit vielversprechendsten neuen Impfstoffkandidaten gegen TB gesteckt. Derzeit stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) weitere 850.000 Euro in den Kandidaten VPM1002, sieht jedoch keine Zulassung durch die europäischen Arzneimittelagentur (EMA) innerhalb der kommenden fünf Jahre.

Immer mehr Resistenzen gegen Antibiotika

„Wir haben mit der Tuberkulose viele Probleme“, sagte Sébastien Gagneux, Mikrobiologe an der Universität Basel: „Sie ist eine komplizierte Krankheit einerseits, auf der anderen Seite sind die Methoden, die wir zur Verfügung haben, extrem veraltet. Ein Beispiel ist die Diagnosemethode. Sie ist mehr als 100 Jahre alt und die gleiche, die schon Robert Koch angewendet hat.“ Auch die Medikamente selbst seien über 50 Jahre alt. „Es gibt einen Impfstoff, der ist über 90 Jahre alt und funktioniert leider nicht richtig“, so Gagneux. „Ein anderer Punkt ist, dass die Behandlung sehr lange dauert.“ Patienten müssten sechs Monate einen Cocktail von mindestens vier Antibiotika nehmen, also einen Haufen Pillen schlucken, jeden Tag, über eine lange Zeit.

„Es gibt zwei Möglichkeiten, wie sich Resistenzen entwickeln. Die eine ist, es passiert während der Behandlung eines Patienten“, erklärt der Mikrobiologe. Es kann damit zu tun haben, dass die Antibiotika eine schlechte Qualität haben, dass die Dosis nicht stimmt oder dass der Patient nicht alle Pillen schluckt, die er eigentlich schlucken müsste in der Zeit von sechs Monaten. Ein anderes Szenario sei, dass ein Patient resistente Bakterien habe und diese direkt auf einen anderen übertrage.

Individuelles Resistenzmuster für jeden Patienten

„Resistente Bakterien sind genauso ansteckend, in gewisser Weise sogar noch etwas stärker ansteckend, als empfindliche Tuberkulose-Bakterien“, sagt Schönfeld. Problematisch sei, dass es alle möglichen Formen der Resistenz gebe auch Mehrfach-Resistenzen: „Wenn die Bakterien resistent sind gegen die beiden wichtigsten Medikamente in der Tuberkulosetherapie, das Isoniazid und das Rifampicin, so spricht man von der Multiresistenz. Sie kann aber durchaus auch mehr Medikamente umfassen“, so Schönfeld. „Sind noch zwei andere wichtige Substanzgruppen in die Resistenz mit einbezogen, so sprechen wir von der extensiven, so genannten XDR-Resistenz.“ Jeder Patient mit einer resistenten Tuberkulose habe wahrscheinlich einen eigenen Bakterien-Stamm und ein individuelles Resistenzmuster, insofern sei jede Behandlung auch individuell. Dies betreffe auch die Isolation: „Es gibt Menschen, die sind gar nicht ansteckend, und andere, die in Einzelfällen bis zu drei Monate und länger ansteckend sein können“, sagt der Pneumologe. Allerdings gebe es in Deutschland genügend fachliche Expertise und genügend Institutionen, „um das gut zu managen.“

Bollinger musste nur zwei Wochen in Quarantäne bleiben: „Danach war ich nicht mehr ansteckend und konnte mich im Krankenhaus frei bewegen, rausgehen und spazieren gehen.“ Wie sie sich angesteckt hat, weiß sie bis heute nicht. Sie arbeitete nebenbei in einem Altenheim und vermutet, dass es dort geschah, denn die Krankheit bricht oft bei älteren, geschwächten Menschen aus. Und: „Viele Verwandte meiner Großmutter sind in den zwanziger Jahren an Tuberkulose gestorben. Es gibt auch eine erbliche Disposition.“

65 Wertungen (4.78 ø)

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11 Kommentare:

Gast
Gast

#5 Ich bin völlig Ihrer Meinung, ich sehe tagtäglich das Grauen vor meiner Tür ,auch in Form von respektlosen , kleinen Drecksbratzen.

#11 |
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Tinchen
Tinchen

Ich möchte wissen warum dieser(siehe unten) unsinnige Satz geschrieben wurde!!!
Veräppelt werden ist unterste Schublade.

KOPIE:
Eine Ansteckung im Bus oder an der Kasse gibt es nicht.

Die Ansteckung erfolgt überall ,wenn mich einer !anhustet!…..,
durch winzige Speichel-Tröpfchen durch die Luft und anschließend von mir oder einem anderen Menschen eingeatmet .

#10 |
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Gast
Gast

@ Dr. Gabriel: bei der Ausfnahmeuntersuchung von Asylbewerbern gehörte 2015 eine sorgfältige Auskultation der Lunge zum Procedere, ebenso eine Röntgen-Thorax. Wenn ein Röntgen nicht empfehlenswert war (Kinder und Schwangere) wurde ein Quantiferontest gemacht. Wie das Vorgehen aktuell ist weiß ich nicht.

#9 |
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Wolfram Berg-Holldack
Wolfram Berg-Holldack

Es ist schon erschreckend,das am Ende meines Lebens(Jahrgang 1944) wieder die TBC in den Fokus rückt.Wir haben alle einen “Schatten auf der Lunge”
Hunger und Unterernährung als Kriegsfolge und Vertreibung war die Ursache.
Es ist falsch die “Tröpfcheninfektion” ,wie im Artikel beschrieben als nicht hochrisikohaft zu bewerten.Jede Menschenansammlung in geschlossenen Räumen
bedingt dieses Risiko.Das Problem liegt in der Art des Bakteriums -es überlebt verkapselt in jeglicher Zustandsform -da helfen Antibiotika nur in der Akutphase bedingt und eine Impfung überhaupt nicht.
Gut ernährt und gesund sein -Sport treiben und positiv denken !
Geht auch im Alter !

#8 |
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Heinz Brettschneider
Heinz Brettschneider

mir scheint einfach die Symptomatik zu wenig unter Ärzten bekannt zu sein. Da wüsste ich gerne mehr!

#7 |
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HP W. Scholz
HP W. Scholz

Liegt das bei den alten Patienten vielleicht daran, daß z.B. durch Rheumamedikamente die Kapsel um einen TBC Herd aufgelöst wird? Wie bei meiner Mutter fast geschehen?
Sie fand eine Alternative und war dann über 30 Jahre beschwerdefrei.
Ich kann dem Notfalldozenten nur zustimmen. [Kommentar von Redaktion gekürzt]

#6 |
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Doz.Notfmed
Doz.Notfmed

“Das Leben Es muss weitergehen” so der öffentliche Tenor über das letzte sinnlose Morden. Es lebe die Globalisierung UNO, UNESCO, Menschenrechtskonvention etc. Ist das echt der Preis für dieses EUROPA? Gesellschaftliche Spaltung Kriminalität Verrohung Todesopfer über Todesopfer und jetzt auch noch bekanntermaßen die zwangsweise aufblühende Kontagiosität und Rückkehr längst kontrolliert eingedämmter Krankheiten. Wirtschaftlich verwahrloste Kriegstreibende Länder ohne ausreichenden Impfstatus über den Erdball wandern zu lassen kann nur von ein paar verantwortungslosen selbstsüchtigen Blendern initiiert werden. Seit langem, ständig steigende Antibiotikaresistenzen fordern täglich auf der ganzen Welt ihren Tribut. Im 21. Jahrhundert eine derartige Entwicklung durch ein paar unfähige selbstgefällige Blender entscheiden über die Köpfe ihrer Untertanen. Es ist unfassbar, dass ein Land wie Deutschland systematisch an internationalen Ansehen verliert. Ich unterrichte in der Notfallmedizin und darf im Hinblick auf Eigenschutz & Co gelegentlich auf das Gram-Bakterium, MRSA und TB zu sprechen kommen. Die meisten halten das für Panikmache oder Selbstdarstellung…! Die Zeit bringt es an die Oberfläche. Die Zeit der Viralen und Bakteriologischen rückkehrenden Todesfälle (Vgl. ev. 20iger) könnte ich mir vorstellen. Ja verehrte Frau Cortes, Gesundheitskontrolle ist als Basismaßnahme in dieser äußerst traurigen Tatsache anzumerken. Angesichts eines korrupten Pharma- / Partei-Lobbyismus, prägen Oberhand gewinnend auch noch Kanzerogene Stoff – Entwicklungen (PCB) das nächste Jahrtausend. Mir fällt nur eines ein, Nur die dümmsten Kälber …..

#5 |
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Dr. med.vet. Stefan Gabriel
Dr. med.vet. Stefan Gabriel

Ich habe in den siebzigern als Wehrpflichtiger noch die Reihenuntersuchungen erlebt, als Medizinstudent durften wie uns erst nach der jährlichen Röntgenkontnrolle einschreiben bzw. rückmelden.
Ich hoffe nur, daß russische Spätaussiedler und mediterrane Flüchtlinge sorgfältig untersucht werden. Alle ! ….
???????????????
Das ist nicht fremdenfeindlich !

#4 |
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Nichtmedizinische Berufe

Noch bis in die Neunziger hinein musste ich als Lehrerin jährlich zum Tuberkulintest. Als er einmal positiv war, auch zum Röntgen – Gottseidank – .
Dann war ich längere Zeit im Ausland (dort wunderte man sich, dass ich nicht geimpft war ) und als ich zurückkam, wollte keiner die graue Gesundheitsbe-scheinigung mehr sehen.
Soll die Gersundheitskontrolle wiederr eingeführt werden?

#3 |
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Klaus Fischer, Chemiker
Klaus Fischer, Chemiker

Mindestens die Tb-Berufskrankheit gab es schon immer. In den 60-iger Jahren des letzten Jahrhunderts halfen die Medikamente Rimifon und Neoteben noch, auch Streptomycin und vor allem viel frische Luft in offenen Liegeräumen in Heilstätten. Es dauerte seine Zeit und Heilung trat ein.

#2 |
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Dr. med. Paul Ute
Dr. med. Paul Ute

Danke, daß Sie die Tuberkulose in den Fokus rücken. Noch ein paar Anmerkungen:
1. Der THT-Test ist viel zu unspezifisch (viele falsch positive Reaktionen), wir verwenden immer den Interferontest.
2. Monatelang müssen Patienten nicht mehr in den Kliniken bleiben (nur bei besonderen Fällen), in der Regel sind es 4 Wochen.
3. Zu sagen, der Anstieg sei nicht hoch, halte ich für hochproblematisch. Es ist ein Anstieg um 1/3! Und ich kenne die Zeiten mit vielen tausend Tbk-Kranken noch. Die Problemlage ist heute anders. Das Managen der ausländischen Patienten nach der Klinikbehandlung (hier ist der Patient noch “satt, sauber und trocken”) ist äußerst aufwändig: Sicherung der Med.-einnahme, DOTS, wiederholtes Nichterscheinen zu Kontrollterminen, tagelange “Ausflüge” zu unbekannten Orten werden unternommen, Kontaktpersonen werden nicht erinnert bzw. verschwiegen , Vorhandensein zahlloser Kontakte durch Wohnsituation, Mobilität, große Community usw. usf.. Selbst in Landkreisen sind derzeit >50% der Tbk-Pat. von ausländischer Herkunft und beschäftigt die Mitarbeiter der Tuberkuloseberatungsstellen im Übermaß. Man muß den Problemen ins Auge sehen, sonst kann man nicht an Lösungen arbeiten und nicht aus falsch verstandener political correctness so tun, als sei alles easy und der Anstieg der Zahlen durch die Reaktivierung von Tbk`s der Nachkriegsgeneration (so in der Lokalpresse zu lesen) geschuldet. Die sich ankündigende Problemlage war bereits 2014 für uns “Akteure” erkennbar. Appelle blieben ohne Wirkung. Krankheiten sind nie politisch! Krankheiten sind Krankheiten sind Krankheiten, Punkt!

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