Brucellose – Die Milch macht’s

22. September 2010
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Bei der Brucellose handelt es sich um eine Zoonose, die unter anderem durch Milchprodukte übertragen werden kann und besonders häufig im Mittelmeerraum sowie in Lateinamerika vorkommt. Unser Autor verrät Euch, wie man sie auf Station erkennt.

Man stelle sich einen Patienten mit rezidivierendem Fieber, Gelenksschmerzen sowie angeschwollenen Lymphknoten vor. Er liegt nun bereits seit einer Woche auf der neurologischen Station, da zudem ein Abszess im Gehirn festgestellt werden konnte. Dir als junger aufstrebender Mediziner ist bei der morgendlichen Blutabnahme eine übelriechende Schweißsekretion aufgefallen. Als Du das Patientenzimmer verlässt, dämmert es Dir plötzlich: Vor kurzem hast Du doch einen Artikel über Brucellose gelesen – das könnte passen! Als Du zurück ins Dienstzimmer gehst, fragst Du beim leitenden Arzt auf der Station nach, ob darauf schon getestet wurde. Dein Gegenüber hebt überrascht die Augenbrauen und lobt Dich für Deinen guten Einfall. Am nächsten Tag kommt das Ergebnis aus dem Labor und es stellt sich heraus: Du hast voll ins Schwarze getroffen.

Alles nur ein Traum? Mitnichten, wenn Du Dir folgenden Artikel durchliest und Dir die Hard Facts einprägst.

Erreger und Symptome

“Brucella” bezeichnet eine Gattung gramnegativer Stäbchenbakterien aus der Familie der Brucellaceae und besteht aus zehn verschiedenen Arten. Für den Menschen am gefährlichsten ist Brucella melitensis, Haupterreger der sogenannten Brucellose. Jährlich erkranken circa 500.000 Menschen weltweit an Brucellose, die Länder mit der höchsten Inzidenzrate befinden sich im Mittelmeerraum sowie in Lateinamerika.

Bei der Brucellose handelt es sich um eine Zoonose, was bedeutet, dass sie von Tieren auf den Menschen übertragen wird. Die häufigsten Überträger sind dabei Hunde und Nutztiere wie Rinder oder Schweine. Durch den Genuss von unpasteurisierten Milchprodukten (zum Beispiel weicher Käse, rohe Kuhmilch oder Butter) wird das Bakterium inokuliert. Die gramnegativen Stäbchen nisten sich in weiterer Folge in der Mukosa des Rachenraums ein. Idealerweise gelingt es dort den Phagocyten sämtliche Erreger zu eliminieren, circa ein Viertel der Bakterien schafft es jedoch durch molekulare Abwehrmechanismen in unseren Abwehrzellen zu überleben. Dies ist der Startpunkt für die Ausbreitung der Brucellen im menschlichen Organismus und führt in weiterer Folge zum Vollbild einer Brucellose.

Nach einer sehr variablen Inkubationszeit, Wochen bis Monate, entwickelt sich ein unspezifisches, Grippe-ähnliches Krankheitsbild mit Fieber, Gelenksschmerzen und Kopfweh. Ein erster Hinweis, dass es sich um eine Brucellose handeln könnte, ist die Mitbeteiligung des retikuloendothelialen Systems in Form einer Hepatosplenomegalie gemeinsam mit einer Lymphadenopathie. Fast schon pathognomonisch für die Brucellose ist eine übelriechende Schweißsekretion. Typischerweise entwickelt sich zudem ein undulierender Fieberverlauf, also lange Episoden mit hohen Temperaturen gefolgt von Phasen normaler Körpertemperatur.

Komplikationen

Bei der Hälfte der Patienten kommt es als Komplikation zu einer Arthritis. Diese ist dann vorwiegend peripher gelegen, sprich an den Knöcheln, Knien, Hüften oder an den Handgelenken, kann sich aber auch in Form einer Sakroileitis manifestieren.

Als zweithäufigste Komplikation der Brucellose ist die Orchitis, also eine Hodenentzündung, zu nennen. Ob Auswirkungen auf die Fertilität durch eine Mitbeteiligung des reproduktiven Systems bei einer Brucellose bestehen, wurde bisher noch nicht ausreichend in klinischen Studien untersucht. Infiziert sich eine schwangere Frau mit dem Bakterium, ist das Abortrisiko deutlich erhöht.

Neben diesen zwei Haupt-Komplikationen kann so gut wie jedes Organ mitbetroffen sein. Möglich sind zum Beispiel auch eine Endokarditis, Meningoencephalitis oder eine Infektion des respiratorischen Systems. Genau aus diesem Grund ist es wichtig, die Brucellose bei Patienten aus den endemischen Gebieten oder aus Risikoberufen in die Differentialdiagnose mit einzubeziehen.

Wer sich auf dem richtigen Pfad wähnt und nun endgültig die Brucellose als solche enttarnen will, sollte einen serologischen Agglutinationstest durchführen lassen. Dabei gilt ein Titer von über 1:160 gemeinsam mit einer passenden klinischen Präsentation als diagnostisch verwertbar. Goldstandard für den Erregernachweis wäre eine Knochenmarksentnahme, doch dies ist in der Praxis natürlich schwer durchführbar.

Therapie

Trifft also endlich das positive Ergebnis aus dem Labor ein, müssen die antimikrobiellen Geschütze aufgefahren werden. Dabei bedient man sich eines von der WHO 1986 festgelegten Therapieschemas, welches zwei mögliche Medikamentenkombinationen vorschreibt: Doxycyclin für sechs Wochen in Kombination mit entweder Streptomycin für zwei bis drei Wochen oder Rifampin für sechs Wochen. Wer sich für Streptomycin entscheidet, muss bedenken, dass dieses Medikament nur intravenös gegeben werden kann, bei Rifampin im Gegenzug können Resistenzen gegen Tuberkulose erzeugt werden. Jedoch wird nicht überall strikt diese Guideline der WHO befolgt. Wichtig ist es auf jeden Fall, Antibiotika zu verwenden, die in den Intrazellulärraum vordringen können und die es schaffen, im sauren Milieu der Makrophagen zu überleben.

Hard Facts

Erreger: Brucella (Gramnegatives Stäbchenbakterium)
Vorkommen: Mittelmeerraum, Lateinamerika
Symptome:
  • grippeähnlich
  • Hepatosplenomegalie
  • Lymphadenopathie
  • übelriechender Schweiß
  • undulierendes Fieber

Komplikationen:

  • Arthritis
  • Orchitis
  • variable Organbeteiligung

Diagnose: Agglutinationstest + Klinik
Therapie:

  • Doxyclin 6 Wochen
  • Streptomycin 2-3 Wochen
  • Doxycyclin 6 Wochen
  • Rifampin 6 Wochen

Ans Werk!

Nun seid Ihr also mit ausreichend Wissen über die Brucellose ausgestattet und könnt dieses hoffentlich einmal zu eurem Vorteil und zum Vorteil eines glücklichen Patienten einsetzen. Und sollte die Diagnose nicht treffend sein, steht ja immer noch Lupus zur Auswahl.

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