Amalgamverbot für Schwangere und Kinder

12. Mai 2017

Ab Juli 2018 darf Amalgam als Zahnfüllung bei Schwangeren und Kindern nicht mehr zum Einsatz kommen. Langfristig will die EU die Verwendung von Quecksilber minimieren. Ob es möglich ist, in der Zahnmedizin ganz auf Amalgam zu verzichten, soll bis 2020 entschieden werden.

Seit Jahrzehnten wird Amalgam als gängiger und billiger Füllstoff bei Defekten in den Zähnen genutzt. Die Legierung ist aber umstritten – neben Kupfer, Silber, Indium und Zinn besteht sie auch aus Quecksilber, einem Schwermetall, das für Mensch und Tier giftig ist. Kritiker bemängeln, dass in den Ländern der Europäischen Union (EU) zu große Mengen des Stoffs in Umlauf kommen und fordern deshalb ein Amalgam-Verbot.

Nur noch in absoluten Ausnahmefällen

Ab Juli 2018 darf Amalgam laut EU-Verordnung nicht mehr bei Schwangeren, stillenden Frauen und Kindern unter 15 Jahren eingesetzt werden. Nur noch in absoluten Ausnahmen soll die Nutzung erlaubt sein. Darüber hinaus müssen Zahnärzte verpflichtend Amalgamabscheider verwenden, die den Stoff im Hinblick auf die Umweltproblematik aus dem Abwasser filtern. Ab 2019 dürfen Zahnärzte Amalgam zudem nur noch in vordosierten verschweißten Kapseln verwenden, damit niemand mit dem Gemisch bzw. den Dämpfen in Kontakt kommt.

Umgesetzt wird diese neue Regelung mit dem Übereinkommen, das EU-Kommission, Mitgliedsländer und EU-Parlament bereits im letzten Jahr verhandelt hatten. Die strengeren Vorgaben zur Nutzung von Quecksilber gehen auf die sogenannte Minamata-Konvention zurück. 2013 beschlossen 90 Staaten, darunter auch die 28 EU-Mitgliedstaaten, die Verwendung von Quecksilber so weit wie möglich zu minimieren. 

Endgültiges Verbot wird überprüft

Ob ein endgültiges Amalgamverbot ab 2030 für Zahnärzte machbar ist, prüft die EU-Kommission bis Mitte 2020. Reparaturen mit Amalgam sind vergleichsweise kostengünstig und laut Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung (KZBV) durchschnittlich 7 – 8 Jahre haltbar. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verweist darauf, dass es bisher kein Füllmaterial mit vergleichbar breitem Anwendungsspektrum und unkomplizierter Verarbeitbarkeit gebe, das ähnliche physikalische Fähigkeiten wie Dentalamalgam aufweise. Im nächsten Schritt sollen alle EU-Staaten bis Mitte 2019 Pläne vorlegen, wie der Einsatz des „Klassikers“ weiter eingedämmt werden kann.

19 Wertungen (4.58 ø)

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19 Kommentare:

Mitarbeiter von DocCheck

Danke für den Hinweis auf die Ungenauigkeit bzgl. der KZBV. Wir haben es geändert.

#19 |
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Gast
Gast

Dieser Artikel ist eine Zumutung!
Entweder absichtlich unsubstantiiert und suggestiv oder extrem schlecht recherchiert.
Auch KBV und KZBV gleichzusetzen, naja….

Es wird einen AM-Diskussion losgetreten obwohl es darum geht, dass man den Eintrag von Quecksilber in die Umwelt reduzieren will. Deshalb haben wir Abscheider mit einer Rückhaltequote von über 95%.
Jedoch musste man in Brüssel feststellen das die Vorgaben aus den Neunzigern (s. Kommentar #Metzner# vielen Dank!) zwar in Deutschland und einigen wenigen anderen Ländern erfüllt werden jedoch in einer Vielzahl der kleineren Mitgliedsstaaten völlig unbeachtet geblieben sind, insbesondere im Hinblick auf die AM-Abscheider.
Obendrein noch die Info der Dental-Industrie im Stellungnahmeverfahren welche glauben macht, dass wir unser Amalgam größtenteils noch per Hand aus metallischem Hg und Feilung zusammenmischen und schon läuft die Maschinerie an.
Dies ist jetzt der Versuch der Kommission nachzubessern v.A. vor dem Hintergrund, dass die nicht erfüllenden Länder ihr Veto bezüglich der hohen Kosten für AM-Abscheider eingelegt haben.
Berücksichtigt man ferner, dass der Haupteintrag von Quecksilber und seinen organischen Derivaten in die Umwelt aus Industrieprozessen stammt während wir mit einer Legierung hantieren, kann man ohnehin nur noch mit dem Kopf schütteln.

#18 |
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In Deutschland soll Amalgam schon seit den neunziger Jahren bei Schwangeren und jüngeren Kindern nicht mehr angewendet werden.
Ich bin mir aber sicher, dass irgendwann auch die Dental-Kunststoffe ins Visier der “Tox-Watcher” kommen und die Überschrift bei BILD lauten wird: “Brustkrebs durch Zahnfüllungen”, wenn sich herumgesprochen hat, dass auch Acrylate BisGMA enthalten können.
Liebe Frau Kurzweil, die Zahnärzte wissen sehr wohl über Ernährung Bescheid und vermitteln das auch ihren Patienten, entweder selbst oder durch ihre Dentalhygienikerinnen.
Seit Anfang der neunziger Jahren bezahlt die GKV Prophylaxe für Kinder und Jugendliche. Das hat riesige Erfolge bei der Kariesprävention gebracht. Haben die Teenager in den Siebzigern im Schnitt noch etwa 12-14 DMF-Zähne gehabt, sieht man heute sehr viele junge Patienten mit kariesfreien Gebissen. Einen solchen Morbiditätsrückgang gibt es selten.
Schlimmer ist, dass die Karies heute sehr viel mehr benachteiligte Bevölkerungsgruppen betrifft, Eltern, die die Gesundheitpflege eher vernachlässigen, zur Beruhigung eine Flasche Saft mit zwei Henkeln in den Kinderwagen legen und mit den Kindern erst zum Zahnarzt kommen, wenn die Nachtruhe gestört ist.

#17 |
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Gast
Gast

Die neuen Fülllungstypen bestehen aus vielen chemischen Komponenten. Viele Komponenten bedeuten viele (neue) Risiken für den Patienten. Die Gefahren sind nur sehr schwer abschätzbar.

Bei Amalgam war die Gefahr klar: Gering erhöhte Wert an anorganischem HG im Serum, aber immer unter dem Grenzwert.

#16 |
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Dr. Petra Fischer
Dr. Petra Fischer

Sehr geehrter Kollege Mauksch!
Ich glaube nicht, dass ein “Trottel” eine AgF lege artis legen kann; ob beim Füllungslegen “Mühe” aufgewandt werden muss, oder nicht, sei bitte keine Grundsatzdiskussion!

#15 |
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Gast
Gast

Herr Makusch, für Verarbeiter ist Amalgam in der Tat ein Problem. Nicht jedoch für die Patienten. Warum man die Absaugung oder alternativ die Frischluftzufuhr am Zahnarztstuhl noch nicht nachhaltig verbessert hat wundert mich, der ich mit Arbeitssciherheit zu tun habe, immer wieder.

Eine gut gemachte A-Füllung übersteht locker 30 Jahre.

Gut gemacht bedeutet: Kräftig verpresst. Nur “reinschmieren” führt zu vorzeitigen Verlusten.

Die von Ihnen geschilderten Probleme mit Ersatzstoffen dürften sich so schnell nicht lösen.

#14 |
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Ärztin
Ärztin

Viele führen hier als Argument für Amalgam die lange Haltbarkeit an. Das Verbot bezieht sich jedoch (zunächst nur) auf Schwangere, Stillende und Kinder… als Nicht-Zahnärztin frage ich mich also inwiefern das für die Amalgambefürworter und jene welche gerne eine Amalgamfüllung hätten ein Problem darstellt. Schließlich sind die Zustände Schwangerschaft, Stillzeit und Kindheit zeitlich begrenzt… bis dahin würde es doch ein anderes Material tun, oder nicht? Ein endgültiges Verbot ab 2030…das ist eine lange Zeit. Bis dahin dürften die von Hr. Dr. Mauksch erwähnten Alternativmaterialien doch hoffentlich zur Verfügung stehen.

#13 |
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Der wichtigste Grund, warum Amalgam nicht verboten wird, ist die “Wirtschaftlichkeit”!! Es ist billig, lange haltbar und leicht zu verarbeiten, so dass es von jedem Trottel ohne Mühe eingebracht werden kann.
Der gesundheitliche Aspekt spielt bei den “Entscheidern” eher eine untergeordnete, oder eigentlich gar keine Rolle.
Fakt ist, es besteht zu etwa 50% aus Quecksilber, einem Gift.
Quecksilber wurde mittlerweile aus vielen Gegenständen des täglichen Lebens erfolgreich verbannt, aber uns Zahnärzten mutet man immer noch zu, diesen hochgiftigen Schweinkarm direkt in frisch aufgebohrte Löcher als Prothese in den Körper eines Menschen fest einzubauen!! Aus Kostengründen!
Der zweite Grund ist die ganz große Frage nach Ersatzmaterialien:
Kunststoff kann hier nicht das Mittel der Wahl sein. Weil die Polymerisation bis in die Tiefe häufig nicht wirklich gut funktioniert. (billige Polymerisationslampen, nicht lange genug draufgehalten…) Es bleiben dann in der Tiefe unterschiedlich viele schlecht – oder gar nicht -polymerisierte Restmonomere übrig, die dann in die Dentinwunde oder gleich in die Pulpa (Nerv) diffundieren und bei empfindlichen Menschen Unverträglichkeiten oder Allergien auslösen können.
Gold ist auch nicht das Mittel dar Wahl, weil es nicht nur teuer ist, sondern weil es mittlerweile zu dem häufiger gefundenen Allergenen zählt und mit anderen Metallen im Mund elektrochemische Reaktionen hervorrufen kann. (Strom und Spannung).
Keramik wäre ein guter Gedanke, sollte aber optimaler-weise mit einem Kunststoffkleber befestigt werden. Wobei wir dann wieder bei den Kunststoffen wären…
Grundsätzlich kann Keramik auch mit Nicht-Kunststoff-Zementen befestigt werden; diese Befestigungsart zählt aber nicht zu den optimalen, kann aber in besonderen Fällen eine Lösung sein.
Es gibt noch eine ganze Reihe von sogenannten Alternativmaterialien, wie Compomere, Ormocere oder Silorane. Alle sind aber noch in der Entwicklung.
Auf jeden Fall sollte bei sensiblen Menschen eine Verträglichkeitstestung als Blutuntersuchung möglichst vor der Verarbeitung durchgeführt werden.

#12 |
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Dr. med. Gernot Dr. Eysselein
Dr. med. Gernot Dr. Eysselein

Einerseits: Kenne nach 35 Jahren Beschäftigung mit der Materie
(Allergologe und Umweltmediziner) keinen – KEINEN –
nachweislich Geschädigten!
Andrerseits: Das Verbot ist eine schizophrene Lachnummer,
wenn es für die Anwenderseite wie Zahnärzte/-innen
und die Helferinnen keine einschränkenden
Regularien gibt.
Der mündige Zahn-Patient sollte selbst entscheiden dürfen,
ob er Amalgam als Ersatzstoff haben möchte.

#11 |
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Gast
Gast

Für Fülllungen aus Ersatzstoffen muss man oft (nicht immer) draufzahlen.

Als GKV Patient gehe ich bei einer Füllung mit einem Ersatzstoff immer mit einer Rechnung nach GOZ nach Hause. Oft mit Faktor 3,5.

Kann ich eine Amalgamfüllung bekommen, zahle ich gar nichts.

#10 |
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Gast
Gast

Was mich an Amalgam stört ist der kosmetische Aspekt.

Ansonsten bin ich damit sehr zufrieden. Meine Amalgamfüllungen haben schon manche neue Füllung aus Kunststoff überdauert.

#9 |
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Gast
Gast

Die beste Füllung, die es je gab.

#8 |
  11

Ich frage mich nur warum das Zeug nicht ganz verboten hat im Sinne der Patienten und auch und besonders unserer Mitarbeiterinnen, die alle in einem vulnerablem Alter sind. Es gelingt immer noch sklerotischen Zahnärzten, deren Horizont am Zahnhals endet, Amalgam zu verteidigen. Man hat Quecksilber aus Fieberthermometern und Blutdruckmessgeräten verbannt, wo es hermetisch eingeschlossen ist, schmiert es aber in Zähne. Das Fischargument zieht nicht, weil diese Exposition dazu kommt. Es ist auch ein Ammenmärchen, dass die Füllungen während der Tragezeit kein Gift abgeben. Ich verweise dazu auf die Publikation von Drasch,

#7 |
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Gast
Gast

Schade, Amalgam habe ich stets gerne genommen. Leicht zu verarbeiten, extrem lange haltbar. Praktisch keine Randspaltproblematik, wie bei Gold.
Ich habe Amlagamfüllungen von 1982, die immer noch als “gut in Schuss” vom Zahnarzt bewertet werden.
Füllungen aus Kunststoff oder Kompositen halten nicht so lange und bergen ein Allergierisiko.
Ein Gesundheitsrisko besteht in der Tat für den Zahnarzt und sein Personal. Nicht für den Patienten.

#6 |
  10

Ich frage mich nur warum das Zeug nicht ganz verboten hat im Sinne der Patienten und auch und besonders unserer Mitarbeiterinnen, die alle in einem vulnerablem Alter sind. Es gelingt immer noch sklerotischen Zahnärzten, deren Horizont am Zahnhals endet, Amalgam zu verteidigen. Man hat Quecksilber aus Fieberthermometern und Blutdruckmessgeräten verbannt, wo es hermetisch eingeschlossen ist, schmiert es aber in Zähne.

#5 |
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Eva Kurzweil
Eva Kurzweil

Quecksilber gehört zu den giftigsten Stoffen und somit nichts im Körper zu suchen, basta… ohne wenn und aber…..
Es will mir doch niemand weismachen dass Sondermüll ungefährlich ist, oder? Und das gilt für “beide Seiten”!

Wenn alle präventiven Maßnahmen auf breiter Ebene veröffentlicht und umgesetzt würden dann bräuchten wir deutlich weniger “Füllungen”.
Welcher ZA weiß schon über Ernährung u. a. Bescheid?

#4 |
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Quecksilber in Amalgamen ist vor allem gefährlich beim Verarbeiten und da für Behandler und Assistenz. Eine gute Amalgamfüllung ist nachhaltig, da langlebig, und setzt weniger Quecksilber frei als Fischkonsum.

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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

schön und gut ! , aber zumindest sollte auch darauf hingewiesen werden,dass die Keramik-Kunststoffe – lichthärtenden Füllungen auch nur ein Störpotential auf einer anderen Ebene darstellen.
Dh.es hakt etwas mit den Alternativen

#2 |
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Heilpraktiker

Quecksilber ist und bleibt ein hoch toxischer Stoff, der weder in Körpern von Kindern noch bei Erwachsenen etwas zu suchen hat. Nur weil Amalgam einfach zu verarbeiten und kostengünstig ist, ist es noch lange nicht gut, blockiert z.B. diverse Enzymfunktionen. Das es anders geht, zeigen Länder, in denen Amalgam schon länger verboten ist. Wie war es doch, Sondermülldepnie Mensch. Ich würde gerne einmal wissen, welche Gefahr von Friedhöfen für das Grundwasser ausgeht, wenn ich an Amalgam, Arzneimittelrückstände, etc. denke.

#1 |
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