PJ-Aufwandsentschädigung: Begriffe differenzieren

3. Juli 2013
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Die bvmd spricht sich wiederholt für die Einführung einer bundesweit einheitlichen Aufwandsentschädigung im Praktischen Jahr aus. Sie fordert weiterhin dazu auf, in diesem Zusammenhang klar zwischen den Begrifflichkeiten Entschädigung und Vergütung zu unterscheiden.

In vorangegangen Positionspapieren hat sich die bvmd bereits für eine einheitliche Aufwandsentschädigung im Praktischen Jahr (PJ) ausgesprochen. Die Änderung der Approbationsordnung im Jahr 2013 deckelt die Gewährung von Geld- und Sachleistungen anhand §13 des Bundesausbildungsförderungsgesetzes (BAföG). Dies sei, so die bvmd, ein geeigneter Weg, einen reinen Qualitätswettbewerb der Ausbildungsstätten im Praktischen Jahr zu ermöglichen, da somit kein finanzieller Wettbewerb möglich sei.

Nach Ansicht der bvmd solle die Qualität der Lehre als Kriterium für die Auswahl des PJ-Lehrkrankenhauses im Vordergrund stehen. Man befürchte ansonsten, dass sich im Rahmen der neu eingeführten PJ-Mobilität eine Bewerbung der Studierenden auf die finanziell attraktiven Häuser fokussieren würde.

 Allerdings setze die Approbationsordnung in ihrer jetzigen Fassung keinen einheitlichen Satz fest, wodurch die Ausbildungsstätten nicht in die Pflicht genommen würden, eine Aufwandsentschädigung anzubieten.

Mit der Einführung einer bundesweit einheitlichen Aufwandsentschädigung könnten die Studierenden, so die bvmd, auf eine Erwerbstätigkeit, neben der Ausübung des Klinikalltages, verzichten. Dies sei sehr wichtig, damit Ruhephasen ausreichend eingehalten werden könnten. So würde weder die Sicherheit der Patienten noch die Gesundheit der Studierenden durch eine womöglich resultierende Übermüdung leiden. Des Weiteren könne der Lernerfolg durch die Möglichkeit einer angemessenen Vor- und Nachbereitung des Stationstages verbessert werden.

Entschädigt! Nicht vergütet.

Damit kein Attraktivitätsdefizit zwischen ambulantem und stationärem Sektor entstehe, sollten die für die ambulante Versorgungssicherheit zuständigen Institutionen eine solche Aufwandsentschädigung zahlen. 

Die bvmd fordert daher, dass ein bundeseinheitlicher Satz in Anlehnung an den §13 des BAföG zur PJ-Aufwandsentschädigung eingeführt wird. Gleichzeitig sollten Sachleistungen in Form von Mahlzeiten während der Anwesenheitszeiten und Dienstkleidung, die die bvmd als notwendige Sachleistung für die Ausübung der Ausbildung im PJ erachtet, von der bisherigen Regelung der Approbationsordnung in Bezug auf Geld- oder Sachleistungen ausgenommen werden. 

Die bvmd betont weiterhin, dass eine Aufwandsentschädigung, nicht jedoch eine Vergütung, gefordert wird.

Eine Aufwandentschädigung im PJ entschädige qua Namen lediglich einen Aufwand im Rahmen der Ausbildung der Studierenden. Trotz der Aufwandsentschädigung dürften Studierende nicht als Arbeitnehmer mit vergüteter Tätigkeit angesehen werden.
 Die Studierenden befänden sich während ihres Praktischen Jahres noch in ihrer Ausbildung und leisteten jede damit verbundene Tätigkeit zu Ausbildungs- und nicht zu Arbeitszwecken.
 Der Terminus der Vergütung suggeriere jedoch, so die Bundesvertretung, dass Studierende Angestellte der Ausbildungsstätte seien, was in keiner Weise gegeben sei. 
Die beiden Begriffe seien somit keinesfalls gleichzusetzen, auch wenn dies in der allgemeinen Debatte oft getan würde. Für künftige Diskussionen sei eine klare Differenzierung der Begriffe notwendig.

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Humanmedizin, Pharmazie, Studium

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4 Kommentare:

Student der Humanmedizin

Also wenn eine Aufwandsentschädigung oder wie auch immer man es nennen will Pflicht wird könnte sich (zumindest in Einzelfällen, je nach Höhe sicher auch flächendeckend) das Problem ergeben, dass manche Krankenhäuser keine PJler mehr annehmen. Oder irre ich micht? (Gibt es eine Pflicht für Krankenhäuser soundsoviel PJ-Plätze pro Jahr zu vergeben?)

#4 |
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Post-PJler
Post-PJler

Wie immer, wenn Menschen ohne praktischen Bezug (siehe Sachbearbeiter in Landesprüfungsämtern, Sekretäre im Gesundheitsministerium) Regeln zur Praxis entwerfen sollen, kommen abstruse Ansichten heraus. Wir werden also im Praktischen Jahr nicht “zu Arbeitszwecken” eingesetzt?!?
Das sehe ich, übrigens insbesondere nach vielen Monaten am Universitätsklinikum, ganz anders. Besonders am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf fand der Einsatz der PJler vor allem zu Arbeitszwecken (zu deutsch: Hilfsarbeiten) statt.
Hierzu eine etwas veraltete Übersicht über die “Praktischen Fertigkeiten” aus einer studentischen Evaluation von 2010 (die trifft nicht mal im Ansatz meine Erfahrungen):
1. Blutentnahmen (235x), 2. Patientenaufnahme (166x), 3. Dokumentation/Arztbriefe schreiben (152x), 4. Braunüle legen (107x) + 7. Zugänge legen (52x), 5. Visite (104x), 6. OP-Assistenz (75x) + 8. Haken halten im OP (42x)…
Ich habe von extrem vielen PJ-Kolleginnen gehört, die aufgrund der ganzen Blutentnahmen und Braunülen nicht mal an der Visite teilnehmen durften. Im OP bis weit nach Feierabend als dritte Assistenz (dabei bitte die Klappe halten, der Chirurg muss sich konzentrieren und ist chronisch unterzuckert) am Tisch stehen. Ach ja: Reha-Anträge oder Arztbriefe schreiben, weil das die Assistenten zeitlich nicht schaffen…
…es ist einfach lächerlich!

#3 |
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Amen!

#2 |
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Lydia Böhme
Lydia Böhme

“nicht zu Arbeitszwecken”: Wer das nach Monaten voll Aufklärungen, Aufnahmen und Blutabnahmen in Massen noch glaubt, frage ich mich…

#1 |
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