Singapur: Famulatur im Melting Pot Asiens

22. September 2010
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Die Stadt der Löwen, wie Singapur genannt wird, ist ein beliebtes Reiseziel unter deutschen Studenten zum Ableisten einer Famulatur oder eines PJ-Tertials. Was man dort erlebt, zeigt dieser Famulaturbericht über den kulturellen Schmelztiegel Südostasiens.

Asien für Anfänger

Singapur liegt an der südlichen Spitze Malaysias, und wird, nur durch eine Brücke mit dem Festland verbunden, vom Ozean umspült. In der Ferne sind die archipelartigen Umrisse Indonesiens erkennbar. Der Stadtstaat gilt als westliches Pendant in Südostasien, für Europäer bedeutet das ein Reisen ins “Asien für Anfänger”. Denn die Geschichte des modernen Singapurs ist gerade mal 50 Jahre alt, wer hier also manifeste und authentische Geschichte vermutet wird wohl eher enttäuscht. Einen tiefen Einblick in die Kulturen Asiens kann diese Stadt also nicht leisten, trotzdem gibt es überzeugende Argumente, die für einen längeren Aufenthalt im Rahmen einer Famulatur oder eines PJ-Tertials sprechen.

Die Festung Südostasiens

Singapur, die “Fine City”, wie sie gerne aufgrund ihres beeindruckenden Bußgeldkataloges tituliet wird, kommt in seiner politisch-ökonomischen Lage dem Europäer wie eine Festung in der ungezähmten Natur vor. Hartes Durchgreifen seitens des Staates bei deviantem Verhalten machen Singapur – auch für allein reisende Frauen – zur Sicherheitsinsel, von der aus man das umgebende, wesentlich traditionsreichere Umland besichtigen kann. Kurztrips übers Wochenende zu den Trauminseln vor Malaysia, oder zur multistaateninsel Borneo sind ebenso möglich und lohnenswert wie Bangkok oder Bali, was mit den örtlichen Billig-Airlines kein finanzielles Problem darstellt.

Singapur selbst bietet natürlich auch seine Möglichkeiten: Kulturbegeisterte können in verschiedenen Stadtteilen, wie “Little India”, “Arab Street” oder “Chinatown” die örtlichen Subkulturen und deren kulinarische Früchte zumindest in groben Zügen kennenlernen. Mit der in unmittelbarer Nähe der Küste liegenden “Sentosa Island”, bieten sich viele Möglichkeiten eines Vergnügungsparks. Tatsache ist leider: so günstig die Nachbarstaaten zu bereisen und zu entdecken sind, desto westlicher sind die Preise in Singapur selbst. Die Unkosten des Lebens sind hier sicherlich mit Deutschland vergleichbar. Eine Ausnahme bildet das Essen, das so günstig und abwechslungsreich ist, dass es tatsächlich keinen Sinn macht, selber zu kochen.

Famulatur und PJ

Die Organisation seiner Famulatur am Singapore General Hospital ist denkbar einfach. Man setzt sich per eMail formlos mit dem Büro des stellvertretenden Dekans in Verbindung und unterhält eine Korrespondenz mit Sekräterin Qui Yan, welche einem genaue Anweisungen für das weitere Prozedere gibt. Meist ist es sogar noch kurzfristig möglich, einen Famulaturplatz zu bekommen. Es empfiehlt sich aber trotzdem ca. ein dreiviertel Jahr vorher die Organisation in Angriff zu nehmen, möchte man in seinem selbstgewählten Department famulieren und einen der begehrten, weil günstigen, Plätze im Schwesternwohnheim bekommen.

Zur Arbeit im Krankenhaus lässt sich sagen, dass die meisten Departments das Maß an Engagement in die Verantwortung des Famulus legen. Im Grunde können die meisten selbst entscheiden, ob sie halb- oder ganztags, oder sogar halb- oder ganzwöchig erscheinen. Da das Krankenhaus recht viele und ständig wechselnde ausländische Studenten beherbergt, ist die Motivation seitens der Ärzte nicht immer so hoch, wie sie wahrscheinlich sein sollte. Wer also mit der Aussicht auf steilen Lernerfolg sein chirurgisches Tertial hier beginnt, kann unter Umständen bitter enttäuscht werden.

Zudem gab es hier für die Studenten im Praktischen Jahr zum Teil recht große Probleme bei der Äquivalenzbescheinigung für das abgeleistete Tertial. Man sollte auf jeden Fall vorher klären, ob die Dokumente vom zuständigen Landesprüfungsamt anerkannt werden. Eine sicherere Möglichkeit ist die Bewerbung um einen PJ-Platz direkt bei der Universität (DUKE NUS), nicht beim Krankenhaus selbst. Die Erfahrung hat gezeigt, das die LPAs Bescheinigungen seitens der Uni eher akzeptieren.

Fazit

Singapur selbst ist eine beeindruckende Stadt, mit einem Flair wie Disneyland, kulturellen Einflüssen so bunt wie die Naturschauplätze rund um den Stadtstaat und einem Hang zur Absurdität und Übertreibung. Es braucht Zeit, um sich an die überwältigen Einflüsse zu gewöhnen und seinen Platz in dieser Stadt zu finden. Aber hat man sich einmal an den Lebensstil hier gewöhnt, so hat man die Möglichkeit, sich alle Facetten des zum Teil subtilen Kulturgemisches und dessen Möglichkeiten hier zu eigen zu machen.

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