Diätversprechen oder Diätverbrechen?

9. Juni 2017
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Süßstoff statt Zucker: Wer mit seinem Übergewicht kämpft, versucht es gerne mit einer Umstellung auf zuckerfreie Produkte. Doch die Studienlage zu Aspartam ist widersprüchlich. Soll man Patienten in ihrem Vorhaben unterstützen oder bremsen?

Es ist Sommer. Spätestens jetzt wollen viele Patienten und besonders Patientinnen abnehmen. Doch was sollen Ärzte und Apotheker übergewichtigen Patienten raten, wenn diese begeistert erzählen, dass sie von Cola auf Cola light umgestiegen sind oder ihren Kaffee anstelle von Zucker nun mit Süßstoff süßen? Keine leichte Aufgabe für einen Arzt.

Natürlich haben Zuckeraustauschstoffe wie zum Beispiel Aspartam einige Vorteile. Sie enthalten weniger Kalorien als Zucker, sind in der Regel für Diabetiker geeignet und tragen weniger zur Kariesbildung bei. Allerdings sind in den letzten Jahren auch verstärkt Nachteile dieser Ersatzstoffe beschrieben worden. Verschiedene Studien berichten, sie sollen angeblich Krebs auslösen, Schlaganfälle und sogar Demenzerkrankungen fördern. Es stellt sich die Frage: Was ist dran am Phänomen Aspartam? Ist der Stoff wirklich schädlich? Und soll man Patienten nun von Diätprodukten abraten oder sie in ihrem Enthusiamus bestärken?

Schlaganfall und Demenz: Schlägt der Süßstoff zurück?

Was vermeintlich gegen Aspartam und Zuckeraustauschstoffe spricht, ist in diversen Studien zu lesen. So wurden im Rahmen der sogenannten Framingham-Studie  beispielsweise 2.888 Personen unter 45 Jahren und 1.484 Personen über 60 Jahre über einen Zeitraum von 10 Jahren hinweg begleitet. Anhand eines Lebensmittel-Frequenz-Fragebogens wurde diesbezüglich die Getränkeeinnahme der Teilnehmer in Kohorten-Untersuchungen ermittelt und quantifiziert.

In den folgenden sieben Jahren erlitten in der Teilnehmergruppe der zu Beginn der Studie unter 45-Jährigen 97 Personen einen Schlaganfall, 81 davon einen ischämischen Schlaganfall. Erstaunlicherweise waren hierbei die Personen, welche zu Beginn der Studie einen Konsum von mehr als einem Diät-Getränk pro Woche im Fragebogen angegeben hatten, dreimal häufiger von einem ischämischen Schlaganfall betroffen, als Teilnehmer, die zuvor angegeben hatten, keine Diätgetränke zu konsumieren.

Auch in der Gruppe der zu Beginn der Studie über 60-Jährigen zeichnete sich ein ähnliches Bild ab. Während der folgenden sieben Jahre erkrankten 81 Teilnehmer an einer Demenz. Ebenfalls auffällig war hier das erhöhte Risiko in der Gruppe der Diät-Getränk-Konsumenten mit einer ermittelten Hazard Ratio von 2,89. Insgesamt konnte im Rahmen der Studie festgestellt werden, dass Personen, die häufig künstlich gesüßte Getränke konsumierten, später dreimal häufiger an Schlaganfällen oder Demenz erkrankten.

Eigentlich nicht sehr verwunderlich, schon seit Jahren wurde in verschiedenen Studien diskutiert, dass mit Süßstoffen versetzte Getränke mit einem erhöhten Risiko für kardiometabolische Erkrankungen zusammenhängen können. Für echte, zuckerhaltige Süßgetränke hingegen konnte in dieser Studie aber keine Assoziation mit Schlaganfällen oder Demenz gefunden werden.

Aspartam und Krebs

Weitere Studienergebnisse aus den letzten Jahren attestieren Aspartam auch eine krebsfördernde Wirkung. Der Zuckeraustauschstoff besteht zum größten Teil aus Asparaginsäure und Phenylalanin. In der Industrie ist er besonders beliebt, weil seine Süßkraft nahezu 200 mal höher ist, als die von Zucker. Dementsprechend muss der Stoff nur in geringen Mengen eingesetzt werden, um eine entsprechende Süße im Produkt zu erzielen.

Der Energiegehalt des Produktes liegt damit deutlich unter dem Wert , den es bei einer entsprechenden Süße mit Zucker aufweisen würde. Das ist vermutlich einer der Hauptgründe, weshalb Aspartam heute in vielen Diätgetränken, aber auch in Kaugummi, anderen Süßwaren, Backwaren und teilweise auch Fertiggerichten enthalten ist. Außerdem weisen mit Aspartam gesüßte Produkte gegenüber Zuckerhaltigen den Vorteil auf, dass Kariesbildung deutlich geringer gefördert wird und das Produkt auch für Diabetiker besser geeignet ist.

Dass Aspartam allerdings neben diesen Vorteilen eventuell auch erhebliche Nachteile mit sich bringt, suggerieren diverse Studien über den Zusammenhang von Aspartam und Krebs.

Männer sind betroffen

Anhand von Daten aus zwei Studien untersuchten US-amerikanische Forscher den Einfluss von Aspartam-Konsum auf das Risiko einer Krebserkrankung. In einem Analysezeitraum von 22 Jahren wurden hierzu circa 120.000 Personen untersucht. Unter den Probanden konnten die Wissenschaftler über den Untersuchungszeitraum hinweg verschiedene Formen von Krebs feststellen. Die Krebserkrankungen traten hierbei häufiger bei männlichen Probanden auf, die mit Aspartam gesüßte Getränke zu sich nahmen. Bei Frauen konnte ein solcher Zusammenhang hingegen nicht festgestellt werden.

Diese Ergebnisse scheinen zunächst relativ überzeugend. Allerdings geben die Autoren in ihrer Schlussfolgerung am Ende des Artikels selbst an, dass – obwohl die Ergebnisse der Studie einen Hinweis auf den Zusammenhang von Süßstoffen wie Aspartam und die Entstehung bestimmter Krebsarten geben – die unterschiedlichen Geschlechtseffekte und das Auftreten eines Krebsrisikos bei Personen, die Diät-Getränke konsumieren, auch schlichtweg ein Zufall sein könnten.

Eine Frage des Lebensstils

Ein weiterer zu beachtender Faktor scheint bei derartigen Studien außerdem die Überlegung zu sein, dass Personen, die generell häufig Softdrinks zu sich nehmen, auch insgesamt weniger auf ihre Gesundheit bzw. Ernährung achten. Von dieser Annahme ausgehend, könnte auch ein allgemein ungesunder Lebensstil zu einer vermehrten Entstehung bestimmter Krebsarten geführt haben.

Wie krebserregend sind Süßungsmittel wie Aspartam tatsächlich? Darauf lässt sich für den Menschen momentan noch keine abschließende Antwort finden. Allerdings muss angemerkt werden, dass Studien, in denen Aspartam an Nagetieren getestet wurde, die These der Kanzerogenität dieses Stoffes untermauern. An Ratten konnte beispielsweise die krebserregende Wirkung des Süßungsmittels nachgewiesen werden.

Hier spare ich Kalorien

Tatsächlich scheint es so, als wäre selbst die Motivation, die Patienten überhaupt Getränke mit Zuckerersatzstoffen kaufen lässt, nämlich Kalorien zu sparen und sein Gewicht zu halten, eigentlich nur eine Farce. Denn selbst dieses Argument für den Kauf von Diätdrinks wurde mittlerweile entkräftet. So zeigt die Studie des Massachusetts General Hospital, dass aspartamhaltige Getränke offenbar exakt das Gegenteil bewirken. Zwar enthält das Getränk selbst, wie versprochen, kaum Kalorien, allerdings wird das häufig enthaltene Aspartam im Organismus zu Phenylalanin umgesetzt. Dieses blockiert die sogenannte alkaline Phosphatase (IAP), welches normalerweise dafür zuständig ist, Fettleibigkeit und Diabetes zu verhindern.

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Forschung, Medizin

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11 Kommentare:

Gast
Gast

Aspartat-Aminotransferase (AST, ASAT), früher Serum-Glutamat-Oxalacetat-Transaminase (SGOT) oder Glutamat-Oxalacetat-Transaminase (GOT), heißen Enzyme, die die Umwandlung von α-Ketoglutarat in die Aminosäure Glutaminsäure katalysieren. Ohne diesen Reaktionsschritt wäre das Malat-Aspartat-Shuttle und damit die Verwertung von Kohlenhydraten im Stoffwechsel von Eukaryoten unmöglich. Außerdem ist die genannte Reaktion Teil des Abbaus mehrerer Aminosäuren, weshalb die ASAT in allen Lebewesen zu finden ist.

Mit der Entwicklung der Eukaryoten wurde eine zweite Isoform der ASAT verfügbar. Man unterscheidet zytoplasmatische und mitochondriale ASAT (c-ASAT, m-ASAT), mit den entsprechenden Genen GOT1 und GOT2. Pflanzen haben eine weitere Form in den Chloroplasten. Der Mensch produziert ASAT vor allem in den Skelettmuskeln, Herzmuskeln und Leber. Das Verhältnis von c-ASAT/m-ASAT im Blutserum lässt auf den Zustand von Herz und Leber schließen.
Elter Blanche

#11 |
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Gast X
Gast X

Sie haben recht Herr Dr. Hummel. Ich denke aber dass es bei einer Tasse Kaffee so oder so keine Rolle spielt, da weder der Zucker noch der Süssstoff nennenswerte Dosen erreicht. Aber angenommen Sie würden jeden Schluck Wasser den Sie täglich zu sich nehmen durch einen Softdrink ersetzen, dann erreichen Sie schnell eine Menge Zucker die eine oder mehrere Mahlzeiten ersetzen könnte (oder alternativ eben Süßstoff. Und spätestens dann ist die Frage nach den Trinkgewohnheiten plötzlich genauso wichtig wie die nach der Anzahl der Bratkartoffeln zum Fisch.

#10 |
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Wasser allein löscht meinen Durst am besten.
Erstaunlich ist bei diesen Themen, dass von Stärke (Brot, Nudeln, Kartoffeln, Reis) nie die Rede ist, obwohl diese direkt in Zucker (Glukose) umgewandelt wird wird. Dagegen ist ein Stück Zucker im Kaffee wirklich vernachlässigbar.

#9 |
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Manfred Bieker
Manfred Bieker

” Aspartam ist ein Zuckeraustauschstoff ” steht in Ihrem Artikel — aber schauen
Sie doch mal in die Definitionen — beide sind süß, haben aber keine weiteren
chemischen Gemeinsamkeiten.

#8 |
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Ulrich Sick
Ulrich Sick

Ich denke das weiterer Gedanke sein sollte, dass Zuckeraustauschstoffe wohl eine Energiesparfunktion (Temperatur absenken und Heizkosten sparen) des Körpers auslösen kann, die im Verlauf das Vorhaben Gewicht zu reduzieren verhindern. Dazu hat Herr Udo Pollmer was auf Euleev.de erzählt.

#7 |
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Bettina Haas
Bettina Haas

Über einen Zeitraum von 22 Jahren gingen diese beiden Studien angeblich, … da frage ich mich… war Aspartam von 22 Jahren schon so gefragt und im Einsatz wie heute ? und ich frage noch, über welchen Zeitraum genau war jeder dieser 120000 Personen innerhalb der Studie dabei- sprich also befragt? ich vermute nicht, jeder 22 Jahre lang? und wer hat welche Daten aufgenommen? über einen behandelnden Arzt? Welcher Patient hat noch den Kopf frei für eine Studie Fragebögen auszufüllen, wenn er mit einer Krebserkrankung konfrontiert wird? … welche Fragen wurden noch alle in der Studie gestellt? wie haben die Personen ausser sich von mehr als 1 Portion Getränk mit Aspartam sonst noch ernährt? wie gesund- wie ungesund? haben diese Personen z.b Medikamente wegen chronischen Erkrankungen eingenommen?…in meinen Augen Studien ohne Aussage !!! provokante Frage: wer hat sie finanziert? die Zuckerindustrie? wenn heute niemanden stört, dass in Lebensmitteln für Babys und KleinKinder alles mögliche an Zusatzstoffen für einen “tollen süßen Geschmack” reingepackt werden darf, der sollte sich nicht wundern, wenn diese dann im Erwachsenenalter Getränke nur noch am Grad der Süße auswählen??? im Kleinkindalter müssen schon die Weichen gestellt werden, die Regale in den Discountern quellen über mit “versauten” Lebensmitteln!, die aber in großen Buchstaben mit den “so lebenswichtigen Vitaminen usw. Werbung machen um die Kaufkraft zu steigern und uns vorgaukeln, wir nehmen damit lebenswichtige Nahrungsmittel zu uns …. dabei ist es denke ich ziemlich egal, ob mit Aspartam oder anderen Süßungsmitteln versetzt ! Ich behandle tgl Kinder in meiner Praxis, deren Eltern kaum Ahnung haben welche Nebenwirkungen solche industriell hergestellten Lebensmittel haben, wenn sie lesen dass es für Diabetiker geeignet ist, sagen sie, kann es ja so ungesund nicht sein !!! ein trauriger Trugschluss! und traurig dass der Diabetiker dafür herhalten muss… ob da nicht wirklich der 1 Löffel Zucker besser ist als zig Ersatzstoffe?

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Roland Pannier
Roland Pannier

Habe meine Tochter schon vor 12 jahren davon abgebracht als ich ihr erzählte das Süßstoffe in der Schweinemast eingesetzt werden. Wirkt bis heute.

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Gast
Gast

…und was der Körper wirklich braucht ist Wasser.

#4 |
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Gast X
Gast X

Guter Punkt Dr. Werner. Ich würde noch weiter gehen. Warum überhaupt den guten Kaffee mit was Süßem verderben. Getränke zu süßen ist eine meiner Ansicht nach gefährliche und vermeidbare Suchterkrankung die oftmals in der frühesten Kindheit beginnt und schwer wieder abzulegen ist. Ich kenne sogar Leute die keine anderen Getränke mehr akzepzieren als süßschmeckende. Ein Getränk sollte immer noch ein Getränk bleiben… und nicht wie eine Mahlzeit oder ein Nachtisch schmecken.

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Dr. rer. nat. Frank Werner
Dr. rer. nat. Frank Werner

wäre es nicht überhaupt besser, weniger (Süsses) zu essen und den Kaffee unverändert mit Zucker zu süßen?

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Gast
Gast

Und wenn der Zuckerstoffwechsel wie nicht weniger Kohlenhydrate nur falsch verstanden gar missinterpretiert werden?
Wer kennt denn schon ausser Biologen diesen Sachverhalt unseres C-Zyklus bei Fett (obwohl Kohlehydrate) wird zu Zucker und umgedreht solange kein Fehler sich da einmanövriert?
Ich nicht, gebe nur weiter was man so in Ärztezeitschriften lesen kann und manche Sciences Berichte wenn auch nicht so einfach zu verstehen als Leihe.
F eigentlich ein Faktor von vielen von Zellstoffwechsel oder?
Elter Blanche Leihe und Gast

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