Stuhltest positiv: Du hast 10 Monate

12. Mai 2017
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Seit mehr als einem Monat haben GKV-Versicherte Anspruch auf den immunologischen fäkalen Okkultbluttest. Zwei Studien gehen jetzt der Frage nach, wie viel Zeit zwischen positivem Stuhltest und weiterer Untersuchungen verstreichen darf.

Beim altbekannten Guajak-Test kam es durch Hämoglobin tierischen Ursprungs gelegentlich zu falsch positiven Reaktionen. Außerdem waren Ärzte mit der Empfindlichkeit nicht immer zufrieden. Diese Lücke schließt seit April der immunologische fäkale Okkultbluttest (iFOBT). Antikörper erkennen gezielt menschliches Hämoglobin. Prof. Dr. Thomas Seufferlein, Ärztlicher Direktor der Inneren Medizin am Universitätsklinikum Ulm, erwartet hinsichtlich der Spezifität und Sensitivität eine „Verbesserung um den Faktor 3“. Ärzte rechnen jetzt mit mehr Koloskopien als bisher. Es stellt sich die Frage: Wie schnell sollten sie Patienten nach einem positiven Stuhltest untersuchen?

Kein Nachteil durch Wartezeiten

Douglas A. Corley von Kaiser Permanente Northern California, Oakland, hat sich mit dieser Thematik beschäftigt. Europäische Qualitätsleitlinien fordern Koloskopien innerhalb eines Monats. Anders sieht die Situation in den USA aus. Laut Corley werden lediglich 40 Prozent im ersten Monat untersucht. Nimmt man zwei Monate als Zeitraum, liegt die Rate bei 64 Prozent. Drei Monate nach ihrem positiven Stuhltest waren 74 Prozent bei der Koloskopie.

Um mögliche Risiken zu ermitteln, nahm Corley Daten von 70.124 Patienten unter die Lupe. Ärzte entdeckten in 2.191 Fällen nicht nur Vorstufen wie Adenome, sondern ein Kolonkarzinom. Pro Monat Wartezeit stieg das Risiko statistisch nicht signifikant um drei Prozent an. Erst ab einer Wartezeit von zehn Monaten waren die Unterschiede signifikant, verglichen mit zeitnahen Darmspieglungen.

Adenom-Nachsorge: Nicht jeder muss ran

Entdecken und bergen Ärzte lediglich Adenome, raten sie Patienten alle drei Jahre zur Kontrolle per Koloskopie. Wendy Atkin vom Imperial College London hinterfragt diese Entscheidung mit neuen Studienergebnissen. Sie hat Daten von rund 250.000 Patienten retrospektiv ausgewertet. Unter ihnen waren knapp 12.000, bei denen Adenome mittleren Risikos entfernt worden waren.

Nicht alle Betroffenen beherzigten die Empfehlung ihrer Gastroenterologen. 42 Prozent ignorierten Nachsorgeangebote komplett, und 58 Prozent kamen mehr oder minder regelmäßig zur Koloskopie. Innerhalb von 7,9 Jahren erkrankten 210 Personen tatsächlich an Darmkrebs.

Atkin zufolge profitierten nur manche Patienten von Vorsorgeuntersuchungen. Als Kriterien fand sie Adenome über zwei Zentimeter Größe und/oder eine hochgradige Dysplasie und/oder eine Lokalisation im proximalen Dickdarm. Da suboptimale Koloskopien, etwa durch eine unvollständige Darmentleerung, ebenfalls mit Ungenauigkeiten einhergehen, bieten Folgeuntersuchungen einen Mehrwert.

Wurden bei der ersten Koloskopie Adenome vollständig entfernt, hatten diese Personen sogar ein niedrigeres Darmkrebsrisiko, gemessen am Bevölkerungsdurchschnitt. Weitere Untersuchungen sind deshalb nicht unbedingt erforderlich.

Die Forscherin sieht ihre Arbeit weniger als Impuls, auf Untersuchungen zu verzichten. Vielmehr sollten Personen mit erkennbarem Risiko intensiver aufgeklärt werden, damit sie Termine auch wahrnehmen.

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1 Kommentar:

Gast
Gast

grundsätzliche Frage zum o.g.Thema.Was nutzt ein gesetzlicher Anspruch der GKV Versicherten wenn Ärzte nur sehr restriktiv, oder schlichtweg überhaupt nicht, diese verbesserten diagnostischen Möglichkeiten nutzen? nichts !
Laut Leitlinien sind ja unstrittig z.B. “vor Einsatz” von NOAK`s , auch anhand der umfangreichen Beipackzettel, zwingend ev. Blutungen abzuklären. Die Realität sieht anders aus. Der einzelne Patient trägt sowieso alle Risiken, auch die der unzureichenden Diagnostik des jeweiligen Mediziners. An den höchst geringen Kosten des neuen Tests kann es doch wohl nicht liegen? Bei dieser Realität ist die Erwartung des Prof.Dr.med.Thomas Suefferlein, Ärztlicher Direktor der Inneren Mediozin am Universitätsklinikum Ulm unbedingt zu relativieren ! Auch großangelegte Studien helfen den betroffenen Patienten NICHT weiter. Jeglicher Fortschritt steht und fällt damit inwieweit er von Ärzten auch genutzt wird !

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