In Hüffenhardt steht jetzt ein Apothekenautomat

28. April 2017

Keiner will in Hüffenhardt noch eine Apotheke führen. Deshalb hat DocMorris die ehemalige Brunnen-Apotheke in Baden-Württemberg zur digitalen Beratungsstation umfunktioniert. Nach 48 Stunden griff das Regierungspräsidium Karlsruhe ein.

Am 19. April ging Deutschlands erstes Ausgabeterminal mit Videoberatung an den Start. DocMorris’ Idee ist, Apotheker per Kamerafunktion zuzuschalten. Nach der Beratung und gegebenenfalls nach dem Einlesen von Rezepten erhalten Kunden ihre Präparate über einen Kommissionierautomaten. Dem Anbieter zufolge hätten Mitarbeiter mehrfach die Möglichkeit, zu überprüfen, ob tatsächlich das richtige Präparat beim Kunden landet.

Verkauf mit digitaler Beratung ist kein Versandhandel

Keine zwei Tage später schritt das Regierungspräsidium Karlsruhe ein. Es untersagte DocMorris den Betrieb einer Arzneimittelausgabestelle.

„Die Abgabe in Hüffenhardt erfolgt nicht in einer Apotheke und ist auch nicht von der Versandhandelserlaubnis des in den Niederlanden ansässigen Unternehmens umfasst“, heißt es in einer Pressemeldung. „Der Versand muss aus einer öffentlichen Apotheke heraus erfolgen, was notwendigerweise mit einer individuellen Versendung oder Auslieferung an einen Dritten oder eine Abholstation verbunden ist.“ Gerade dies sei bei einem vorab befüllten Lagerautomaten nicht gegeben. Vielmehr verwische man „in unzulässiger Weise die Grenze zwischen dem Versandhandel und der Abgabe von Arzneimitteln in einer Präsenzapotheke“.

Experten verweisen auf zahlreiche Auflagen für Präsenzapotheken, etwa hinsichtlich der Räumlichkeiten, der Ausstattung und des Personals laut Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO). „Die Untersagung war daher zur Gewährleistung der Arzneimittelsicherheit und einer breiten Arzneimittelversorgung durch gut ausgestattete Präsenzapotheken notwendig”, schreiben Aufsichtsbehörden als Fazit.

„Versorgungslücke“ vor Ort

„Die Enttäuschung ist schon da“, sagt Bürgermeister Walter Neff in einer Stellungnahme. „Wir hatten schon befürchtet, dass es wieder geschlossen wird.“ Seine Hoffnung: „Es wird noch etwas Zeit brauchen.“ Neffs Stellvertreter Heiko Hagner spricht von einer „Versorgungslücke“. Vor zwei Jahren war der letzte Apotheker in den Ruhestand gegangen, und kein anderer Kollege konnte sich entschließen, eine Betriebsstätte zu eröffnen.

„Wir sehen unser Angebot nach wie vor als sinnvollen und gewünschten Beitrag zur Sicherung der Daseinsvorsorge in Hüffenhardt“, so Olaf Heinrich, Vorstandsvorsitzender bei DocMorris. „Wir werden daher in Abstimmung mit der Gemeinde und dem Bürgermeister alle Schritte unternehmen, die für die vollständige Umsetzung unseres alternativen und digitalen Versorgungskonzeptes für die Hüffenhardter notwendig sind.“

Am 26. April hat er Klage gegen die Verfügung des Regierungspräsidiums Karlsruhe eingereicht. Bis auf Weiteres erhalten Kunden am Abgabe- und Beratungsterminal jetzt OTCs, aber keine Rx-Präparate.

16 Wertungen (2.88 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

27 Kommentare:

Gast
Gast

#26 also noch schlimmer für die PTA

#27 |
  0
Gast
Gast

#20 Es sind meines Wissens 173 h/ Monat!

#26 |
  0
Gast
Gast

Herr Becker ich jaule mit Ihnen.

Trotzdem reicht es bei meinem Apotheker für die eigene Immobilie in der sich die Apotheke befindet und für eine S-Klasse.

#25 |
  6
Apotheker

#19 – Die Preise für Arzneimittel machen nicht die Apotheken. Die haben bei Rx-Präparaten kein Mitspracherecht. Wenn die Preise in Frankreich anders sind, dann ist das halt so. Importe kann man übrigens auch in Deutschland kriegen. Die sind oft deutlich billiger. Aber wenn man das den Leuten anbietet, wollen sie doch meist das “Original”.

#22 – Dass man mit teureren Artikeln mehr Gewinn pro Stück macht als mit billigeren, ist ja wohl überall im Handel so. Betrachtet man sich aber Arzneimittel, dann ist das geradezu lächerlich. Hochpreiser sind bei Apothekeninhabern nicht beliebt, weil die höhere Vergütung nicht wirklich toll ist.
Bei einem Einkaufspreis von 1000 € erhält die Apotheke
1000 € (Einkaufspreis)
+ 30 € (3% Zuschlag)
+ 8,35 € (Packungspauschale)
+ 0,16 € (Notdienstabgabe)
+ 197,32 € (Mehrwertsteuer!)
= 1235,83 €

Davon bleiben in der Apotheke
1235,83 € (Verkaufspreis)
– 0,16 € (An Notdienstfonds abgeführt)
– 197,32 € (Mehrwertsteuer ans Finanzamt)
– 1,77 € (Krankenkassenrabatt)
= 1036,58 €
mithin 3,6% vom Einkaufspreis. So viel zur höheren Vergütung.
Wenn man nun Pech hat und die Krankenkasse einen Grund zur Retaxierung findet, dann bleiben genau 0€ von den 1036,58 € übrig, die man dann anderswo wieder querfinanzieren muss.

Billige Arzneimittel sind da viel schöner. Eine Packung mit Einkaufspreis von 10 € bringt der Apotheke 10€ + 8,51 € – 1,77 € = 16,74 €, also 67% Aufschlag auf den Einkaufspreis (immer noch wenig verglichen mit Aufschlägen in anderen Branchen), dabei einen deutlich geringeren Verlust, wenn retaxiert wird.
Also, 100 Packungen zu 10 € sind jedem Apotheker deutlich lieber als 1 zu 1000 €.
Demnach kann man nicht sagen, dass Apotheker ein gesteigertes Interesse an teuren Arzneimitteln haben und insbesondere nicht an extrem teuren wie Harvoni, Humira etc.

Und selbst wenn… Apotheker haben KEINEN Einfluss auf die Medikamentenpreise.

#24 |
  0
Michael Fischer
Michael Fischer

Der Apotheker meiner Mutter (Ende 70, Stammkunde) scheint mit der Versandapothekensache ein großes Fass aufzumachen. Sie berichtet mir, er spreche jeden Kunden jedes Mal darauf an. Sie sei völlig genervt.

#23 |
  4
Gast
Gast

Ich stelle fest, Apotheker erhalten eine umso höhere Vergütung, je höher der Abgabepreis ist.

Ihre Vergütung ist prozentual an den Abgabepreis gekoppelt.

Apotheker in D. haben also kein Interesse an niedrigen Preisen.

#22 |
  8
Waltraud Meisser
Waltraud Meisser

Lieber Gast, und wieviel bezahlt Ihre Krankenversicherung tatsächlich von den Listenpreisen nach Abzug der Rabattverträge und Herstellerabschläge, etc.? Dann wird es “repräsentativer”…

#21 |
  0
Gast
Gast

Eva Geh, an Ihnen stößt sich Ihr Chef doch auch gesund.
PTA: 2444€ pro Monat im 10. Berufsjahr!??!?
Macht bei angenommenen 160h pro Monat 15,25€ pro h.
Das verdient eine ungelernte Verkäuferin beim Aldi!

#20 |
  2
Gast
Gast

Liebe Frau Meisser,

Frankreich und die Preise: Ob man da Steuern zahlt, ist bei der erlebten Preisdifferenz wohl unerheblich.
Selbst erlebt und gestaunt:
Rx Präparat: 40€ in Frankreich 200€ hierzulande.
Rx Präparat 4,95 in Frankreich 13€ hier.
Sicher nicht repräsentativ aber beeindruckend.

#19 |
  6
Michael Fischer Unternehmensberater
Michael Fischer Unternehmensberater

Hüffenhardt muss man sich mal auf der Landkarte anschauen, da will bei der anhaltenden Stadtflucht sowie so bald niemand mehr wohnen.

Da muss dann wohl eine Notapotheke her.

Ohnehin wird sich m.E. die Struktur des gesamten Einzelhandels aufgrund in Zukunft wesentlich verbesserter Logistik im ländlichen Raum wesentlich wandeln. da geht dann niemand mehr ais dem Haus. Allenfalls für Spaziergänge.

#18 |
  0
Waltraud Meisser
Waltraud Meisser

Ja, Frankreich, das gelobte Land! Zahlt man da eigentlich Steuer auf Arzneimittel?!
Seltsamerweise kenne ich mehrere Apotheken in D, die Pleite gingen und noch mehr, die unverkäuflich geschlossen wurden (siehe Hüffenhardt)…

#17 |
  0
Gast
Gast

Ich wohne auf dem Land, sogar in der Nähe zu Frankreich, wo es ja bekanntermaßen gefühlt faire Arzneimittelpreise gibt. Und jetzt augepasst: Trotz der unverschämten Preise in D, ist noch keine Apotheke pleite gegangen.

#16 |
  9
Christian Becker
Christian Becker

#14 war ich.

#15 |
  0
Gast
Gast

“Wenn viele Apokunden den PC nicht beherrschen, besteht doch keine Gefahr!? ”

Wie ignorant kann man denn sein? Gerade auf dem Land zählt jeder Kunde – wenn dann einige Abwandern, schmälert das den Gewinn und damit kann die Apotheke unrentabel werden. Dann wird sie geschlossen. Die Leute, die vorher mit PCs Probleme hatten, werden sie immernoch haben, MÜSSEN jetzt aber damit leben, dass sie halt im Internet bestellen müssen oder eben bei diesem Automaten.

Kümmert man sich in Ihrer Apotheke denn nicht um Sie? Dann suchen Sie sich doch eine andere.
Ach, gibt es denn gar keine andere in der näheren Umgebung?

#14 |
  0
Gast
Gast

Wenn viele Apokunden den PC nicht beherrschen, besteht doch keine Gefahr!? Wieso sollten die zu DoMo gehen.

Hören sie alle auf zu jammern und kümmern Sie sich um Ihre Kunden (z.b. mich). Dann klappt es auch mit dem Umsatz und niemand muss C-Klasse fahren.

Wie sich am Beispiel dieses Automaten zeigt: Apotheken sind perfekt geschützt.

#13 |
  9
Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA)

Wie gut oder schlecht Apotheker verdienen möchte ich jetzt bei Seite lassen. Fakt ist doch, viele Apokunden sind ältere Personen, die den PC nicht gut bedienen können und vermutlich auch am Apoautomaten ihre Probleme haben werden. Ich denke die öffentliche Apotheke auf dem Land sollte mehr gefördert werden.

#12 |
  0
Apotheker

#6
Welche Einzelhändler meinen Sie denn? Sicher, in den größeren Städten findet man noch kleine Geschäfte, die von Inhabern geführt werden, aber ansonsten?

Wenn ich für Strickzeug aus dem Strickladen einige km fahren muss, dann mag das ja noch angehen – oder ich bestelle im Internet.
Bei Medikamenten soll aber die Versorgung in der Fläche sichergestellt werden. Und wenn immer mehr Kunden aufgrund bedenklicher Anreize abwandern, dann sind es doch gerade die Apotheken, die jetzt schon nicht so gut verdienen, die zumachen. Das sind die auf dem Land. Nachts und an Feiertagen sieht es schon anders aus, und zwar in manchen Gegenden ziemlich düster. Da sind 30 oder 40 km bis zur Apotheke schon drin.

#11 |
  0
Gast
Gast

Sobald mein Apotheker allerdings seine S-Klasse verkaufen will, werde ich mich selbstredend sofort bei Herrn Gröhe für sie alle verwenden, denn dass wäre klar ein Signal, dass steil abwärts geht.

#10 |
  25
Gast
Gast

Ich werde jetzt die Dauerwerbegeschenkpapiertaschentücher, die ich immer in meiner Apotheke (!!) bekomme, für sie vollheulen und leise vor mich hinwimmern, jetzt endlich wissend, dass deutsche Apotheker in ganz naher Zukunft trotz Super-Gröhe in Alterarmut sterben werden.
LOL

#9 |
  29
Gast
Gast

Nö. Nicht die Araber. Nur simple Gesetze, die für Holländer anscheinend nicht gelten. Die Saudis sind nur das Sahnehäubchen.

#8 |
  0
Gast
Gast

Jetzt sind die Araber schuld, dass Apotheker es nicht schaffen, ihre Kunden dauerhaft zu binden?

Jammertal deutsche Apotheke.

#7 |
  24
Gast
Gast

Man fragt sich, wie überleben Einzelhändler, die nicht, wie die Apotheker, in besonderem Maße dem Schutz des Staates unterfallen.

Liebe Apotheker wir leben in einem freien Land mit einem freiem Markt.

Statt zu jammern, könnten Sie sich ja bei den Kunden durch Top-Service unentbehrlich machen. Man wird halt bequem, wenn die Kohle auch ohne großen Aufwand gut fließt.

#6 |
  28
Gast
Gast

Diese Website verkommt zum Apotheker-Jammer-Portal. Finde ich schade.

#5 |
  26
Thorstein Wagner
Thorstein Wagner

#gast3: Genau. Denn die “Apothekerlobby” macht ja die Gesetze in Deutschland! *facepalm*

Traurig, dass Sie sich hier vor den PR-Wagen einer holländischen Kapitalgesellschaft spannen lassen. Der “Automat” ist doch nicht für die Hüffenhardter Bevölkerung gedacht – oder hatten Sie das gedacht?! Damit sich dieser Automat irgendwie rechnet, müssten die ALLE 2Mal pro Woche(!) dieses “technische Wunderwerk” (gabs ja schon vor etlichen Jahren – egal, wenn die Saudis bezahlen, MUSS es ja ein Wunderding sein) nutzen.
Na, denn. Wenn interessieren schon Geldgeber aus Staaten, in denen “Menschenrechte” reichlich mittelalterlich behandelt werden? Panzer für Saudi-Arabien sind ja bäh! Vertrauen wir ihnen lieber unsere Arzneimittelversorgung an…

#4 |
  0
Gast
Gast

Schade, das war eine gute Idee, im überregulierten Deutschland leider nicht möglich.

Apothekerlobby :-(

#3 |
  38
Stefan Fuchs
Stefan Fuchs

Ich denke dort gibt es in der Zwischenzeit 2 Rezeptsammelstellen von Apotheken aus der Nachbarschaft. Die bringen die Lieferungen bis zur Wohnungstür. Wo ist da eine Versorgungslücke lieber Herr Bürgermeister?

#2 |
  1
Thorstein Wagner
Thorstein Wagner

Wer haftet denn im jetzigen “Zustand” der OTC-Abgabe?! MocDorris fällt da ja aus – Holland läßt grüßen! Bleibt das Regierungspräsidium oder vielleicht der Neff oder? Hauptsache die Holländer bekommen Aufmerksamkeit, zwar nicht ganz so billig wie sonst, aber die Scheichs aus Saudi-Arabien werden dann schon nochmal was nachschiessen. Inshallah.

#1 |
  0


Copyright © 2018 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: