Schlaganfall durch dick und dünn

2. Mai 2017
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Wer schnell wieder zunimmt, nachdem er abgenommen hat, tut seinem Körper wenig Gutes. Speziell bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht der „Jo-Jo-Effekt“ das Risiko für Schlaganfälle, Herzinfarkte oder koronare Erkrankungen.

“Über Nacht zur Traumfigur“, „Zehn Pfund in zwei Wochen“: Boulevardmedien locken Jahr für Jahr mit vermeintlichen Wunderdiäten. Patienten nehmen kurzfristig ab. Nach einiger Zeit zeigt die Waage jedoch höhere Werte als zu Beginn des Programms an. Der klassische Jo-Jo-Effekt. Jetzt berichten Wissenschaftler um Dr. Sripal Bangalore von der New York University School of Medicine, dass diese Schwankungen Patienten mit kardiovaskulären Vorerkrankungen besonders schaden. Genau diese Gruppe entschließt sich jedoch besonders oft zu Reduktionsdiäten.

Neue Erkenntnisse aus alten Daten

Bangalore wertete Daten der sogenannten Treating to New Targets-Studie aus, einer Untersuchung zur Sicherheit und Wirksamkeit von Atorvastatin. Als Sponsor trat Pfizer in Erscheinung.

Alle 9.509 Patienten litten an einer koronaren Herzerkrankung und hatten LDL-Cholesterinspiegel von unter 130 mg/dl. Sie erhielten randomisiert 10 oder 80 mg Atorvastatin pro Tag. In regelmäßigen Abständen folgten ärztliche Untersuchungen. Die Nachbeobachtungszeit lag bei 4,9 Jahren. In diesem Zeitraum bestimmten Ärzte regelmäßig das Körpergewicht. Zu Beginn waren es bei den Teilnehmern 85±15 Kilogramm.

Große Schwankung, großes Risiko

Die Forscher erfassten alle Gewichsschwankungen und sortierten sie in fünf Gruppen, nämlich bis 0,93 Kilogramm, bis 1,39, 1,76, 2,25 und 3,86 Kilogramm. Bei der statistischen Auswertung waren Personen mit dem stärksten Jo-Jo-Effekt besonders gefährdet. Im Vergleich zu Studienteilnehmern mit den geringsten Gewichtsschwankungen erhöhte sich das Risiko koronarer Ereignisse in dieser Gruppe um 64 Prozent. Bei kardiovaskulären Ereignissen waren es plus 85 Prozent, bei Herzinfarkten plus 117 Prozent und bei Schlaganfällen plus 136 Prozent. Das Risko, zu sterben, kletterte um 124 Prozent nach oben.

Aus seinen Resultaten zieht Bangalore zwei Schlussfolgerungen: Einerseits seien Patienten mit bestehenden Vorerkrankungen im kardiovaskulären Bereich besonders gefährdet, durch Gewichtsschwankungen schwerwiegende Ereignisse zu erleiden. Andererseits sei das „Adipositas-Paradoxon“ hier nicht von Bedeutung. Übergewichtige Patienten haben bei einigen Erkrankungen bessere Überlebenschancen als normalgewichtige – aber nicht im speziellen Fall.

Besser beraten

Als Beobachtungsstudie mit Post-hoc-Analyse kann die Arbeit kausale Zusammenhänge letztlich nicht beweisen. Andere Erklärungen wären zumindest denkbar: Sind starke Gewichtsschwankungen tatsächlich auf Jo-Jo-Effekte zurückzuführen – oder vielleicht auf unentdeckte Erkrankungen? Trotz offener Fragen halten die Autoren an Reduktionsdiäten fest. Bei Risikopatienten sollten Ärzte oder Apotheker das Abspecken begleiten, um womöglich schädliche Effekte auf ein Minimum zu reduzieren.

18 Wertungen (4.17 ø)
Forschung, Pharmazie

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4 Kommentare:

Prof. Dr. Stefan Dove
Prof. Dr. Stefan Dove

@1: Primäres Kriterium für die Gewichtsschwankungen war die “average successive variability”, d.h., die mittlere absolute Differenz zwischen zwei aufeinander folgenden Messungen (insgesamt etwa 12 Werte im Verlauf von 5 Jahren, meist ein halbes Jahr zwischen zwei Werten). Somit sind natürlich höhere und niedrigere Schwankungen enthalten. Zudem: Die hier geschilderten Zusammenhänge sind nur bei übergewichtigen und adipösen Patienten signifikant. Die Publikation ist gerade erst erschienen: S. Bangalore et al., Body-Weight Fluctuations and Outcomes in Coronary Disease, N Engl J Med 2017; 376:1332-1340.

#4 |
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Bürgerin Marina Bausmer
Bürgerin Marina Bausmer

Wir haben auch alle Gewichtsschwankungen die normal sind, durch Bio-Rhythmus Ernährungsgewohnheiten und Schwankungen durch den Bio -Rhythmus der Natur (SOmmer oder Winter) es gibt aber auch durch Diätenwahn zusätzliche die nicht gesund sind. Durch finanzielle Schwankungen sind wir manchmal auch verführt etwas zu essen ,was wir uns leisten können und auch auf was wir gerade vielleicht nicht Appetit oder es zu umständlich ist es zuzubereiten wäre ,so nicht zu essen-

#3 |
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Nichtmedizinische Berufe

Man sollte u. U. dazu übergehen, Essstörungen adequat zu behandeln.
Bisher werden nur die Extremseiten in den Fokus genommen, also BMI unter 18 bzw. über 35. Es gibt aber genug Menschen, die alles im Rahmen von “Normalgewicht”10- 15 Kilo schwanken, eine 1,70 cm große Frau liegt zwischen 54 und 70 kg immer noch im grünen Bereich.

#2 |
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Gast
Gast

Habe ich das richtig verstanden? Werden hier Gewichtsschwankungen von 0,93 k( abends eine Pizza gegessen) bis 3,86 kg bei einem Ausgangsgewicht von 85 +- 15kg in der Überschrift mit durch dick und dünn und im letzten Abschnitt als ” starke Gewichtsschwankungen ” bezeichnet ? Und das führt wirklich zu solchen
Risikosteigerungen?

#1 |
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