„Ach, könnt’ ich noch einmal …“

20. April 2017

Patienten, die unheilbar krank sind, haben kaum mehr die Möglichkeit, die Klinik zu verlassen. Wünsche der Betroffenen, noch einmal die Heimat oder das Meer zu sehen, können in Zukunft durch den Einsatz von VR-Brillen erfüllt werden.

Noch einmal an den Ort reisen, an dem man geboren wurde. Für Patienten, die unheilbar krank sind, bleibt dieser Wunsch oft unerfüllt. Souzan Aprahamian ist einer dieser Patienten. Sie ist unheilbar an Krebs erkrankt und wohnt im Trinity Hospice Clapham, London, wo man diesen Menschen nun durch Virtual Reality dabei helfen will, ihre letzten Wünsche – zumindest teilweise – zu erfüllen.

Großes Potenzial für Palliativmedizin

Mithilfe von VR-Brillen will man Patienten dort den Blick durch die „Hospiz-Mauern“ hindurch ermöglichen und mit ihnen an Orte „reisen“, die sie unbedingt noch einmal in ihrem Leben sehen wollen. Der Vorstandschef des Trinity Hospice, Dallas Pounds, betont: „Wir glauben, dass Virtual Reality ein großes Potenzial in der Palliativmedizin besitzt […] Dank VR können wir die Außenwelt nach drinnen holen“. Auch Souzan Aprahamian wurde dank der Brille eine Reise in ihre Heimatstadt Jerusalem ermöglicht – an den Ort, an dem sie aufwuchs.

Auch in Italien bedient man sich bereits der VR-Technologie. Am Istituto Auxologico Italiano of Milan werden ganze Räume wie Küchen und Badezimmer konzipiert, um mithlilfe der Brillen alltägliche Situationen mit Schlaganfall- oder Alzheimerpatienten zu üben. Im sogenannten „CAVE“ lernen die Patienten so, auch außerhalb der Klinik zurecht zu kommen.

VR-Brillen im OP-Saal

„[…] Wir denken, Cave ist ein wirksames Tool für die Rehabilitation nach einem Schlaganfall oder in der Anfangsphase einer Alzheimer- oder Parkinson-Therapie“, sagt Marco Stramba-Badiale, Direktor der Abteilung für Geriatrie und Herz-Kreislauf-Medizin und des Labors für experimentelle Rehabilitations-Forschung.

Auch in den OP-Saal hat die VR-Brille bereits Eingang gefunden und soll chirurgische Eingriffe künftig erleichtern. Ein ausführliches Video gibt es hier.

15 Wertungen (4.4 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

5 Kommentare:

Nichtmedizinische Berufe

Die genannten Filme sind gute Filme, aber ich verstehe nicht so ganz, weshalb wir im Westen quasi eine Tendenz haben, aus Technik von virtueller Realität bis zur Robotik erstmal eine Dystopie zu kreieren, anstatt die Möglichkeiten wahrzunehmen. Natürlich würde ich mich – ans Bett gefesselt – über einen virtuellen Ausflug freuen. Soo spannend ist die Klinikzimmerwand auch nicht.

#5 |
  2
Gast
Gast

Soylent Green – unbedingt empfehlenswerter Film, wird leider nicht gezeigt; ebensowenig Harold and Maude. Schade.

#4 |
  1
Gast
Gast

Zum Kommentar #1: Einen so schönen Versuch, einerseits palliativen Patienten ein Stück Lebensfreude zurückzugeben und andererseits Schlaganfälle u.Ä. modern und effektiv zu behandeln, mit Brave New World zu vergleichen, ist armselig und ein wenig paranoid.

#3 |
  4
Gast
Gast

Silent Green, Warum nicht

#2 |
  1
Gast
Gast

Das habe ich schon einmal vor Jahrzehnten in einem Science-fiction-Film gesehen. “Schöne neue Welt” oder so ähnlich war der Titel. Die Betroffenen können auch platzsparend untergebracht werden und haben doch “Meerblick” oder was sie auch wünschen. Der nächste Schritt ist, dass dies nicht mehr über Brillen technisch umgesetzt wird, sondern durch einen gewissermaßen Direktanschluss ans Gehirn. Wenn dann auch noch Gliedmaßen, Sinnesorgane usw. nicht mehr nötig sind, können auch diese entfernt werden.

#1 |
  8


Copyright © 2018 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: