Fettleber-Diät: Pflanzen- oder Tierproteine?

2. Juni 2017
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Wie eine aktuelle Studie zeigt, verringert sich das Leberfett bei übergewichtigen Typ-2-Diabetikern schon nach kurzer Zeit, wenn diese sich besonders eiweißreich ernähren. Spielt es eine Rolle, ob die Kost vorwiegend auf pflanzlichem oder tierischem Eiweiß basiert?

Stark übergewichtige Menschen leiden häufig an einer nichtalkoholischen Fettleber. Durch sie steigt die Gefahr, eine koronare Herzkrankheit oder einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Da es derzeit keine etablierte medikamentöse Therapie zur Rückbildung einer Fettleber gibt, gelten mehr Bewegung und eine Umstellung der Ernährung auf eine fettarme, proteinreichere Kost als die besten Mittel, um eine nichtalkoholische Fettleber zu bekämpfen.

Nun konnte ein Forscherteam des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) in einer Studie mit Typ-2-Diabetikern nicht nur zeigen, dass eine proteinreiche Ernährung das Leberfett der Probanden deutlich verringerte, sondern es auch keine Rolle spielte, ob die Proteine in der Nahrung aus pflanzlichen oder tierischen Lebensmitteln stammten. Wie Andreas Pfeiffer und seine Mitarbeiter in einem Artikel berichten, hatten die Probanden nach Abschluss der Studie auch etwas niedrigere Entzündungswerte und eine verbesserte Empfindlichkeit für Insulin. 

Die Forscher achteten darauf, dass die Studienteilnehmer nach der Umstellung ihrer bisherigen Ernährungsweise die gleiche Kalorienmenge wie zuvor zu sich nahmen. Dadurch konnten sie sicher stellen, dass die Effekte durch die Umstellung von Fett auf Protein und nicht durch eine bloße Verringerung der Kalorien erzeugt wurden.

Bereits zuvor waren in verschiedenen Studien die Auswirkungen eiweißreicher Diäten auf den Stoffwechsel analysiert worden. In vielen dieser Untersuchungen beobachteten Forscher günstige Effekte auf das Körpergewicht, den Leberfettgehalt, die Blutfettwerte und den Langzeit-Blutzuckerspiegel. Allerdings kamen auch einige der Studien zum Schluss, dass eine hohe Eiweißzufuhr möglicherweise die Nierenfunktion verschlechtert und die Insulinempfindlichkeit vermindert. „Besonders die in Eiweiß vorkommenden Aminosäuren Methionin, Valin, Leucin und Isoleucin stehen unter Verdacht, die Wirkung von Insulin negativ zu beeinflussen“, berichtet Pfeiffer, Leiter der Abteilung Klinische Ernährung am DIfE.

Da Pflanzenproteine weniger dieser Aminosäuren enthalten als Tierproteine, wird ihnen ein gesundheitlicher Vorteil nachgesagt. Pfeiffer und sein Team wollten deshalb im Rahmen einer Studie herausfinden, ob die Herkunft der Eiweiße tatsächlich entscheidend für die Wirkung einer proteinreichen Ernährungsweise ist.

Tägliche Kalorienmenge blieb gleich

Die Forscher verglichen deshalb über einen Zeitraum von sechs Wochen die Wirkung von zwei eiweißreichen Kostformen auf den Stoffwechsel von 37 adipösen Studienteilnehmern im Alter zwischen 49 und 78 Jahren. Diese waren an einem Typ-2-Diabetes erkrankt, der sich gut mit Tabletten behandeln ließ, und litten zudem an einer Fettleber. Die beiden Kostformen unterschieden sich lediglich in der Auswahl der eiweißreichen Lebensmittel, die entweder vorwiegend pflanzlichen oder tierischen Ursprungs waren.

Damit das Gewicht der Teilnehmer während der gesamten Studie stabil blieb und nicht eine eventuelle Gewichtsabnahme das Ergebnis beeinflussen konnte, stimmte das Team um Pfeiffer den Energiegehalt der beiden Kostformen individuell auf jede Person ab. „Wir haben bei allen Teilnehmern einen Teil der Fette, die sie normalerweise essen, gegen Proteine ausgetauscht und darauf geachtet, dass sie nicht weniger Kalorien als bisher aufnehmen“, sagt Pfeiffer. Der jeweilige Eiweißanteil trug zu 30 Prozent zur Energiezufuhr der Probanden bei.

Der Anteil der Kohlenhydrate lag bei 40 Prozent und derjenige der Fette bei 30 Prozent. Welche Nahrungsmittel ein Teilnehmer verzehren musste, entschieden Pfeiffer und sein Team nach dem Zufallsprinzip. Hauptquelle für das pflanzliche Eiweiß waren speziell für die Studie angefertigte Lebensmittel, die mit Erbsenprotein angereichert waren. Dagegen nutzten die Probanden, die viel tierisches Eiweiß aufnehmen sollten, magere Milchprodukte sowie weißes Fleisch und Fisch als Eiweißquellen.

Weniger gesättigte Fettsäuren im Blut

Das Ergebnis der Ernährungsumstellung überraschte die Forscher: Alle Studienteilnehmer profitierten von der eiweißreichen Kost, egal ob sie auf pflanzlichem oder tierischem Eiweiß basierte. In beiden Gruppen verringerte sich das Leberfett deutlich: Wenn die eiweißreiche Ernährung auf pflanzlichen Proteinen basierte, betrug die Abnahme durchschnittlich 35,7 Prozent. Wenn sie dagegen auf tierischen Proteinen basierte, betrug die Abnahme sogar durchschnittlich 48 Prozent.

Damit verbunden waren günstige Veränderungen des Leber- und Fettstoffwechsels. Der Anteil der gesättigten Fettsäuren im Blut war kleiner als zu Beginn der Studie. „Fettsäuren entstehen durch Lipogenese und Lipolyse. Die Rate dieser Prozesse ging bei allen Teilnehmern zurück und korrelierte mit der Abnahme des Leberfetts und der Zunahme der Insulinsensitivität“, erklärt Pfeiffer.

Dass in pflanzlichem und tierischem Eiweiß die verschiedenen Aminosäuren in unterschiedlichen Mengen vorkommen, spielte anscheinend keine wesentliche Rolle für die in der Studie beobachteten Effekte: Zwar waren die Aminosäurenmuster im Blut unmittelbar nach der Nahrungsaufnahme in beiden Gruppen unterschiedlich. Diese Differenzen verschwanden jedoch rasch, so dass die Probanden beider Gruppen im Nüchternzustand vergleichbare Aminosäurenmuster hatten.

Pfeiffer und sein Team konnten außerdem feststellen, dass sich im Verlauf der Studie bei allen Probanden die Menge an FGF21 deutlich verringerte. Dieses Hormon gilt als eine Art Nährstoffsensor, der wahrscheinlich eine wichtige Aufgabe bei der Steuerung der verschieden Stoffwechselwege nach der Nahrungsaufnahme erfüllt. Hohe Werte von FGF21 werden durch starkes Übergewicht hervorgerufen und sind mit einem höheren Risiko für metabolische und kardiovaskuläre Krankheiten assoziiert. Negative Effekte auf die Nierenfunktion oder den Zuckerstoffwechsel konnte die Forscher nicht feststellen.

Ist eine eiweißreiche Ernährung alltagstauglich?

Nach Ansicht von Pfeiffer könnte sich ein Teil der deutlichen Stoffwechselverbesserungen auch darauf zurückführen lassen, dass die Probanden doch ein wenig abgenommen hatten und auch der Anteil der gesättigten Fettsäuren in den beiden in der Studie verabreichten Kostformen deutlicht reduziert war. „Letztendlich sind größere und längere Studien notwendig, um die Langzeiteffekte zu untersuchen und um zu prüfen, ob auch jüngere Patienten von der Ernährungsumstellung profitieren würden“, sagt Pfeiffer.

„Denn die von uns in der Studie beobachteten günstigen Wirkungen könnten auch altersabhängig sein, da die Studienteilnehmer im Schnitt das 60. Lebensjahr überschritten hatten. Sofern keine Nierenerkrankungen vorliegen, spielt eine ausreichende Eiweißversorgung besonders in dieser Altersgruppe eine wichtige Rolle, wenn man zum Beispiel an die mit dem Alter oft einhergehende Abnahme der Muskelmasse denkt.“ Zusätzlich, so der Forscher, bestünde noch viel Forschungsbedarf, um auch die beteiligten hormonellen Regulationsmechanismen besser als bisher zu verstehen.

Eine weitere offene Frage ist, ob Ernährungsformen mit einem hohen Proteingehalt wirklich alltagstauglich sind: „Proteine haben eine geringe Energiedichte und den Studienteilnehmern fiel es schwer, so viel davon zu essen“, berichtet Pfeiffer. „Auf Dauer hätte das wahrscheinlich kein Teilnehmer so machen wollen.“ Deshalb, so der Forscher, müsse man noch mehr Nahrungsmittel auf pflanzlicher Basis entwickeln, die in attraktiver und schmackhafter Form Proteine anböten.

Langfristige Daten fehlen

Andere Experten loben die Studie von Pfeiffer. „Die Ergebnisse der Untersuchung sind interessant und plausibel“, sagt Hans Hauner, Ernährungsmediziner an der Technischen Universität München. Allerdings möchte er Typ-2-Diabetikern proteinreiche Ernährung momentan noch nicht grundsätzlich empfehlen. „An der Studie haben nur relativ wenig Patienten teilgenommen und es fehlen langfristige Daten, die belegen, dass eine dauerhaft hohe Eiweißmenge in der Nahrung keinen negativen Einfluss auf die Nierenfunktion hat, was gerade bei Diabetikern ein wichtiger Punkt ist“, so Hauner.

Er empfiehlt dieser Patientengruppe eine ausgewogene Mischkost mit vielen Ballaststoffen, die insgesamt weniger als 30 Prozent Fett und weniger als 10 Prozent gesättigte Fette enthält. „Die Fettqualität ist das Stichwort, das man den Patienten vermitteln muss, also zum Beispiel besser Nüsse als Wurst“, meint Hauner. „Aber auch andere Ernährungsformen wie die mediterrane Kost kommen für Typ-2-Diabetiker in Frage.“ Wichtig für einen langfristigen Erfolg sei, dass die Patienten Wahlmöglichkeiten hätten und nicht völlig eingeengt würden.

 

65 Wertungen (4.78 ø)

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9 Kommentare:

Manfred L. DIETWALD, Apotheker
Manfred L. DIETWALD, Apotheker

ad 6) Nach Tschernobyl wurden Waggons voll Molke der Ernährung entzogen, da Molke Kalium und Strontium etc. angereichert enthielt. Schon vergessen?

#9 |
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Gast
Gast

@ #2 Dr. med. Susanne Bihlmaier:
Wo haben Sie denn solch gruselige Vorstellungen her? Weiß heutzutage ein Dr. med. schon gar nicht mehr, dass Kühe auch Weidetiere sind?
Würde normale Viehzucht betrieben, wäre selbst die Zusammensetzung des Fleisches eine völlig andere. Das betrifft sämtliche Tierarten, Fische eingeschlossen.

@ Thorsten Braun:
Zitat;
“Deshalb, so der Forscher, müsse man noch mehr Nahrungsmittel auf pflanzlicher Basis entwickeln, die in attraktiver und schmackhafter Form Proteine anböten.”
Dieser Satz ist hoffentlich aus Versehen in die Tastatur gerutscht?
Es müssen nicht Nahrungsmittel entwickelt werden, es sollte schlicht und einfach eine völlig normale Kostform, frei von jeden marktschreirerischen Inhalten und künstlichen Produkten als Normalität gelten.
Und die Natur bringt dabei alles hervor, was nötig ist; sog. Unkräuter nicht zu vergessen, deren Inhalt wenigstens noch nicht verzüchtet wurde….
Prophylaxe betreiben ist wie das Spiel mit Henne und Ei….
Bei den Babys sollte bereits begonnen werden, oder noch besser, bei den Schwangeren; das setzte wiederrum aber auch eine gesunde Ernährung vor Schwangerschaft und bereits in der Kindheit voraus… wo sich der Kreis schließt bzw. öffnet…zur Schwangerschaft der Mutter…..usw

#8 |
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Nichtmedizinische Berufe

Es ist nicht das Fett in der Nahrung, das Fettpolster und Fettleber produziert, Es sind Zucker und andere Kohlenhydrate, die unseren Vorfahren eben nicht in Mengen zur Verfügung standen, wie sie heute angeboten und beworben werden. Für einen guten Fettstoffwechsel bieten sich vor allem folgende Fette an: Kokosöl (auch wenn es nur gesättigte Fettsäuren enthält, dafür aber nur “mittel-kettige”, 8-12 C), Butter, Olivenöl. Auf Zucker kann und sollte man ganz verzichten (vielleicht einmal einen Schokoladen-Weihnachtsmann), andere Kohlenhydrate in Maßen, aber keine extreme “low-carb-Diet (Gefahr von Muskelabbau), normalen Proteinanteil in der Nahrung, doch möglichst nicht nur pflanzliche Proteine. Die Folgen von Protein-Diäten (Dukan- u.a.) sind als bekannt zu betrachten. Wenn Kokosöl empfohlen wird, bitte, nicht sofort Ketoazidose-Gefahr an die Wand malen. Bei maßvollem Anteil von Kokosfett (gut 2 Esslöffel nichtgehärtetes Kokosfett pro Tag) ist es für alle Körperzellen, einschließlich der Gehirnzellen, eine gute Energiequelle, da die in der Leber gebildeten Ketone auch die Gehirnschranke überwinden und im Gegensatz zur Glucose ohne Bildung negativer Rückstände in Energie umgesetzt werden. Aber dazu gibt es doch schon jede Menge von wissenschaftlicher Literatur.

#7 |
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BB
BB

…alltagstauglich? Haben die Kollegen noch nichts von Hüttenkäse oder Molkepulver gehört?

#6 |
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Ajit
Ajit

@Dr. med. Susanne Bihlmaier: das Wasser wird nicht verbraucht, es geht in den natürlichen Kreislauf ein und Rinder müssen auch nicht mit Soja gefüttert werden. Soja wird für die perverse Turbo-Milchproduktion benötigt. Den “Methan-Ausstoß” können Sie vernachlässigen, wenn Rinder natürlich ohne Soja ernährt werden.

#5 |
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Ajit
Ajit

Am Prinzip der Gänsestopfleber bzw. Entenstopfleber kann der Zusammenhang schon seit ewiger Zeit nachvollzogen werden. Fragen Sie einmal jemand, der damit Erfahrung hat, er nennt Ihnen die Art der Nahrung, auf die verzichtet werden soll.
“Da es derzeit keine etablierte medikamentöse Therapie zur Rückbildung einer Fettleber gibt, … “: Ja, aber es gibt medikamentöse Therapien, die eine Rückbildung fördern … ;-)

#4 |
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Dr. med. Susanne Bihlmaier
Dr. med. Susanne Bihlmaier

Ein weiterer Gedanke, globaler gedacht: Um 1 kg tierisches Eiweiß z.B. in Form eines Rindersteaks zu produzieren, bedarf es ca. 10 kg Sojabohnen = pflanzliches Eiweiß. Vom Wasserbedarf ganz zu schweigen, ebenso vom Methan-Ausstoß.

#3 |
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Klingt alles ja fast alles ganz vernünftig, bis auf das hier:

“Eine weitere offene Frage ist, ob Ernährungsformen mit einem hohen Proteingehalt wirklich alltagstauglich sind: „Proteine haben eine geringe Energiedichte und den Studienteilnehmern fiel es schwer, so viel davon zu essen“, berichtet Pfeiffer. „Auf Dauer hätte das wahrscheinlich kein Teilnehmer so machen wollen.“ Deshalb, so der Forscher, müsse man noch mehr Nahrungsmittel auf pflanzlicher Basis entwickeln, die in attraktiver und schmackhafter Form Proteine anböten.”

Nahrungsmittel, die entwickelt wurden … igitt. Wenn der Mensch also übergewichtig wird, weil er es auf sich gestellt nicht schafft, sich gesund zu ernähren und den Versuchungen der bunten Verpackungen zu widerstehen, dann ist die Lösung, dass er “leckere Protein-Riegel” u.ä. futtern soll?

#2 |
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Nicolai Worm
Nicolai Worm

30 %En Fett – wie Hauner sie empfiehlt ist eine sehr fettarme Diät! Einfach mal selbst ausprobieren!

Dabei zeigen kontrollierte Studien, dass nicht nur der isokalorische Austausch von Kohlenhydraten (weniger stärke- und zuckerreiche Nahrung) gegen Protein die Leber entfettet. Auch eine Erhöhung des Fettkonsums (Olivenöl/langkettige Omega-3-Fettsäuren) im Austausch gegen Kohlenhydrate schafft auch ohne Kalorienreduktion eine deutliche Entfettung der Leber!

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3379578/pdf/1429.pdf

http://www.journal-of-hepatology.eu/article/S0168-8278(13)00134-7/fulltext

https://academic.oup.com/jcem/article-abstract/102/5/1765/3062308/Randomized-Controlled-Trial-of-a-MUFA-or-Fiber?redirectedFrom=fulltext

Nicolai Worm

#1 |
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