Zöliakie: Endlich ein Schuldiger

18. April 2017

Bislang galten vor allem genetische Faktoren als Auslöser der Zöliakie. Jetzt zeigen Virologen, dass Infektionen mit harmlosen Reoviren ebenfalls eine Rolle spielen. Vor allem im Zusammenhang mit glutenreicher Ernährung könnte dies Zöliakien triggern.

Bei Zöliakie treten charakteristische Merkmale einer Autoimmunerkrankung auf. Harmlose Bestandteile mancher Getreidesorten, die Glutene, lösen dann eine chronische Entzündung der Dünndarmschleimhaut aus. Experten geben als Prävalenz eins zu 500 für Deutschland und eins zu 110 für die USA an. Die Krankheit mainfestiert sich besonders häufig im Säuglingsalter und im vierten Lebensjahrzehnt. Bislang galten Histokompatibilitätsantigene (HLA), speziell HLA DQ2, DQ7 und DQ8, als mögliche Risikofaktoren.

Die Erklärung hat jedoch eine Schwäche: Jeder vierte Mensch hat diese Konstellation, 98 Prozent von ihnen entwickeln jedoch keine Glutenunverträglichkeit. Jetzt liefert Romain Bouziat, Virologie-Forscher an der University of Chicago, eine mögliche Erklärung.

Erst die Infektion, dann die Unverträglichkeit

Bouziat experimentierte mit Reoviren. Zöliakie-Patienten hätten häufiger Antikörper gegen diese Spezies im Blut als gesunde Menschen, schreibt der Forscher als Erklärung seines Ansatzes. Das Reovirus T1L („type 1 Lang“) infiziert den Darm von Mäusen, ohne dass es zu einer Erkrankung kommt. Im Unterschied dazu zeigt das Reovirus T3D („type 3 Dearing“) bei Versuchstieren keine Effekte. Bouziat und Kollegen haben deshalb T3D gentechnologisch verändert, sodass es doch zu Infektionen kam. Auch hier traten keine Symptome auf.

Gaben Forscher den Tieren gleichzeitig T1L und das Weizenprotein Gliadin, entstanden deutlich mehr Anti-Gliadin-Antikörper. Sie stehen mit Zöliakie in einem engen Zusammenhang. Diesen Effekt zeigten transgenes T3D plus Gliadin nicht. Als Erklärung sieht Bouziat, dass zu wenige regulatorische T-Zellen gebildet wurden. Sie sind für die Immuntoleranz verantwortlich. Neben der höheren Aktivität von TH1-Zellen wurde die Expression von IRF1 (Interferon Regulatory Factor 1) herunterreguliert. Das Gen spielt unter anderem bei der Immunantwort eine Rolle.

Kritisch sind die ersten Lebensmonate

Neben seinen Ergebnissen aus dem Tierexperiment nennt der Wissenschaftler weitere Belege für seine Reovirus-Hypothese: Zöliakie tritt in Ländern mit westlichen Ernährungsgewohnheiten deutlich häufiger auf. Nach dem Abstillen erhalten Kleinkinder oft feste Nahrung mit glutenhaltigen Getreidesorten. Kommen sie zeitgleich mit einem Reovirus in Kontakt, könnte dies Zöliakien triggern. Die Infektion selbst fällt weder Eltern noch Ärzten anhand von Symptomen auf. Jetzt sind weitere Studien geplant, um die Vermutung zu belegen. Behält das Forscherteam Recht, wäre langfristig auch eine Impfung gegen Reoviren denkbar.

31 Wertungen (4.71 ø)
Forschung, Pharmazie

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9 Kommentare:

@Gabriele Holle: Glutenunverträglichkeit ist KEINE Zöliakie!

#9 |
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Tierärztin

Genau, es ging um Zöliakie.
Aber der Zusammenhang besteht schon darin, dass man kein Gluten verträgt, wenn man Zöliakie hat.

Das mit der Bioresonanz erscheint mir äußert unlogisch und fragwürdig. Bei einem Facharzt ist man auf jeden Fall besser aufgehoben.

#8 |
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Heilpraktikerin

Leider werden sowohl im Artikel als auch in Kommentaren die Begriffe Zöliakie und Glutenunverträglichkeit durcheinander gebracht oder gleich gesetzt.

Gliadin-Antikörper allein führen nicht zur Diagnose der Zöliakie, nur die Autoantikörper (und ev. Biopsie).

Zöliakie ist eine sehr ernste Autoimmunerkrankung, die Glutenunverträglichkeit nicht.

Bei Zöliakie, ungeachtet der Rolle, die die Viren eventuell spielen, ist auf eine lebenslange glutenfreie Kost als therapeutische Maßnahme zu achten.
Das darf bei aller Euphorie über die neuen Erkenntnisse nicht vergessen werden.

#7 |
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Zur Frage, wie man das testet….
Ich teste mit Bioresonanz und den entsprechenden Testkästen der Fa. Regumed, die mich auch ausgebildet haben.
Dieses Verfahren wird auch von vielen Ärzten angewandt. Es zeigt tatsächlich häufig Belastungen mit Viren, Bakterien und auch Parasiten an. Dementsprechend wird dann behandelt. Der Erfolg spricht für sich.
Es lohnt sich, sich damit auseinanderzusetzen , bzw. mit einem Bioresonanzbehandler zusammen zu arbeiten.
Ich wünsche einen sonnigen Tag

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Frau Brigitte Devenish
Frau Brigitte Devenish

Frau Dr. Irmgard Rossnagel,
ich nehme an, dass die hohe Anzahl der Antikoerper im Blut eine vorhergehende (unbemerkte) Reovirus Infektion nachweist.

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Gianni Bec
Gianni Bec

2 Kommentar – Hallo,
der geäußerte Kommentar von Heilprakterin G.H. ist nach meiner Erfahrung (70 Jahre und selbst Betroffener) ist eine schöne Mär und ohne wissenschaftlichern Beeis untermauert, da alleine schon “aus biologisdcher” Sicht nicht nachvollziehbar sein kann. Wer sich allderdings mit Dieser Krankheit – ohne Scheuklappen und vorgefaßter Meinung – nähert, wird allerdings sehr schnell erkennen, daß das Thema eigentlcih – ein Faß ohne Boder – Ende ist, und das eigentlich nur ein Problem es gibt, nämlich die Komplexität des gesamten körperlichen Stoffwechsel ist eigentlich daß eigentliche Problem üerhaupt. Denn theoretisch funktioniert Jeder Mensch eigentlich – jedoch der Einzelne Körper ist jedoch nur immer individuell zu betrachent.

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Gianni Bec
Gianni Bec

1 Kommentar – Hallo,
ein interressanter Artikelzur “Zöliakie” – oder der Ausbruch – und ob überhaupt dies so ist – und auch tatsächlich dies so ist. Wie bereits im Artikel geanu beschrieben wird … Als Erklärung sieht Bouziat, dass zu wenige regulatorische T-Zellen gebildet wurden. Sie sind für die Immuntoleranz verantwortlich. Neben der höheren Aktivität von TH1-Zellen wurde die Expression von IRF1 (Interferon Regulatory Factor 1) herunterreguliert. Das Gen spielt unter anderem bei der Immunantwort eine Rolle. Der im angeführte Kommentar – Frau Dr. R. – ist zweifelsone eine gestellte Frage berechtigt, jedoch nicht … schon weg, sondern
befindet sich nocht im Mutter – Blut – Kreislauf , also auch beim Ungeborenen, somit wird durch die Geburt aktiviert und nach dem Absetzen der Muttermilch.

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Tierärztin

Wie testet man auf Reoviren und wie behandelt man die?
Wenn die Infektion doch symptomfrei verläuft und die Krankheit erst Jahre später manifest wird. Da sind die wohl schon weg….

#2 |
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Ich kann diese These nur bestätigen.
Ich arbeite als Heilpraktikerin unter anderem mit Bioresonanz und habe die Reoviren bei Patienten mit Glutenunverträglichkeiten schon oft getestet und behandelt . Zusätzlich habe ich eine Darmsanierung gemacht .
Meistens konnten die Patienten Gluten anschließend wieder vertragen.

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