FSME-Impfung: Hast du ’n Stich?

13. April 2017

Vor allem für Kinder ist die FSME-Impfung zum Schutz vor Zeckenstichen umstritten. Der Schaden sei höher als der Nutzen, sagt Allgemeinmediziner Niklas Schurig im Interview mit DocCheck. Durch die Impfung drohe das Risiko allergischer Reaktionen, die Erkrankung selbst verlaufe meist fast ohne Symptome.

Im Frühjahr kommen vermehrt Eltern in die Praxen mit der Frage, ob sie oder ihre Kinder sich gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) impfen lassen sollen. Die Krankheit wird durch ein Virus verursacht, das vor allem von der Zecke Ixodes (I.) ricinus übertragen wird. Sie ist vor allem im Frühjahr und Sommer aktiv.

Die Impfung ist umstritten: „Zeckenschutz-Impfungen sind nur für einen kleinen Teil der Geimpften sinnvoll. Anders herum gesehen, werden zu viele Menschen gegen FSME geimpft, vor allem Kinder“, sagt Niklas Schurig, Allgemeinmediziner aus Rastatt. „Das Impfrisiko ist bei Kindern bis zwölf Jahre höher als der Impfschutz, den sie erreichen.“

Indikationsimpfung statt Routineimpfung

Als Arzt in einem der Risikogebiete klärt Schurig regelmäßig besorgte Eltern auf. Impfungen könnten schwere allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock auslösen, sagt er.  Die Wahrscheinlichkeit, durch einen Zeckenstich an FSME zu erkranken, sei häufig extrem gering: „Die FSME-Imfpung ist eine Indikationsimpfung, also keine Routineimpfung wie Tetanus. Es muss ein Risiko bestehen, FSME zu bekommen. Dazu reicht es nicht aus, wenn jemand nur in einem Risikogebiet wohnt – leider gibt es bereits Kindergärten, bei denen Kinder nur noch mit Impfung draußen spielen dürfen.“

Auch die Definition dessen, was ein Risikogebiet sei, kritisiert Schurig. Klassische Regionen seien Bayern und Baden-Württemberg. 2007 habe es eine plötzliche Erweiterung um rund 50 Ortskreise gegeben: „Es ist nicht nachvollziehbar, warum diese Gebiete vom Robert Koch Institut vergrößert wurden. Es wurde nicht nachgewiesen, dass es dort überhaupt jemals einen Zeckenbiss gab.“ Tatsächlich ist beim RKI zu lesen: „In den FSME-Risikogebieten Deutschlands sind nur wenige Zecken mit dem FSME-Virus infiziert. Nur diese wären auch in der Lage, eine Infektion zu verursachen.“

0,55 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner

Die Ständige Impfkommission (STIKO) des RKI empfiehlt die Impfung für Menschen, die in FSME-Risikogebieten Zecken exponiert sind und Personen, die durch FSME beruflich gefährdet sind. Die Erkrankungsgefahr ist gerade bei Kindern laut RKI nicht hoch: „In den beiden Bundesländern mit der höchsten Inzidenz, Baden-Württemberg und Bayern liegt die Inzidenz bei Kindern unter fünf Jahren sowie bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 15 und 29 Jahren mit 0,5 bis 0,6 Erkrankungen pro 100.000 Einwohnern pro Jahr am niedrigsten, bei Kindern im Alter von fünf bis 14 Jahren bei 0,9 bis 1,0, um dann auf rund 1,7 bei Erwachsenen ab 40 Jahren anzusteigen“, heißt es. Und weiter: „Nach einer Infektion entwickeln bis zu 30 Prozent der infizierten Personen Symptome einer FSME.“

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Insbesondere bei Kindern verlaufe die Krankheit oft fast unbemerkt und hinterlasse nur sehr selten bleibende Schäden, sagt Schurig: „Es ist unbestritten, dass man bei den meisten Kindern überhaupt nichts merkt, sie haben nicht einmal Symptome eines viralen Infekts.“ Auch das RKI sagt, die Krankheit verlaufe bei Kindern leichter als bei Erwachsenen. Bei einer retrospektiven Erhebung von 1001 FSME-Erkrankungen in Baden-Württemberg wurde der Verlauf bei 25 Prozent der Kinder und bei 50 Prozent der Erwachsenen als schwerwiegend eingestuft. Neurologische Folgeschäden gab es bei rund 35 Prozent der Erwachsenen, aber nur bei zwei Prozent der Kinder.

„Unverantwortliche Panikmache“

Ältere Menschen seien stärker gefährdet, sagt auch Schurig. „Doch es ist schwer nachzuvollziehen, warum Kinder geimpft werden und der Gefahr eines allergischen Schocks ausgesetzt werden sollen, wenn sie keine bleibenden Schäden bekommen.“ Er wünsche sich vonseiten der Kollegen mehr Aufklärung, sagt der Allgemeinmediziner: „In den Apotheken hängen Deutschland-Karten, wo diese rote Gefahr der FSME nach oben Richtung Norden schwemmt. Das ist unverantwortliche Panikmache von Impfstoffherstellern. Wir sollten dem entgegen treten.“

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Allgemeinmedizin, Medizin

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37 Kommentare:

Dr. med. Gernot Dr. Eysselein
Dr. med. Gernot Dr. Eysselein

Dr. Eysselein Allergologe

Leider habe ich versäumt, während 30 Jahren Tätigkeit Notizen zur Zahl
meiner FSME-Impfungen zu machen, es waren aber nicht wenige.
Allergische Reaktionen darauf habe ich nicht erlebt oder berichtet
bekommen, geschweige denn anaphylaktische Schocks!
Andererseits kenne ich FSME-Opfer.
Die Impfung ist segensreich! Die Indikation sollte aber immer streng
gestellt werden (private und berufliche Exposition, Freizeitverhalten,
Urlaubsziele, Haustiere usw.usw.)

#37 |
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Gast, Allgemeinarzt auf dem Land
Gast, Allgemeinarzt auf dem Land

Endlich wird offen der Sinn der Impfung hinterfragt. Wir Ärzte sollten der nachweislich Pharmaindustrieabhängigen-STIKO nicht blind glauben, wir verlieren sonst unsere Glaubwürdigkeit bei den Patienten und treiben sie immer häufiger in die Hände von Heilpraktikern. Dass diese so einen Zulauf haben liegt doch an uns! Schon die Werbung für die FSME-Impfung ist Lüge: “Impfen gegen Zecken”, als ob man weniger von Zecken heimgesucht wird, wenn man geimpft ist! Dass die anderen, von Zecken übertragbaren Erkrankungen viel häufiger und problematischer sind wird nicht erwähnt, weil es keine Impfungen dagegen gibt. Wir sollten viel mehr über Zeckenschutz etc. aufklären, als allen jungen Menschen in “Endemiegebieten” die Impfung zu verpassen.

#36 |
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Gast
Gast

@Gast34
Das ist ja spannend, wo und voraussichtlich wann wird man darüber lesen können ?

#35 |
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Gast
Gast

Ich untersuche zur Zeit das Outcome von ca. 200 serologisch bestätigten FSME Fällen im Einzugsgebiet eines Klinikums innerhalb der letzten 15 Jahre. Keinesfalls würde ich von einer Impfung abraten!

#34 |
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Gast
Gast

Aber ich gebe Ihnen gerne recht, daß sich die FSME-Impfung von anderen Impfungen unterscheidet: Das FSME-Virus wird sich nicht ausrotten lassen, da es in anderen Spezies (nicht nur im Menschen allein) zirkuliert. Die Erkrankung ist im Vergleich zu anderen impfpräventablen Krankheiten eher “unspektakulär”. Und eine direkte Übertragung zwischen Menschen ist nicht möglich. Insofern ist die Herdenimmunität hier kein relevantes Argument. Es geht tatsächlich um einen “individuellen Impfentscheid” im besten Sinne: Bis zum letzten Jahr war ich ungeimpft (wie gesagt, außerhalb eines Riskogebietes lebend). Als mr der Hausarzt dann die Impfng trotzdem angeboten hat, habe ich mich sofort dafür entschieden (bislang ohne Nebenwirkungen). Es ist wie bei jedem Medikament leider so, daß Nebenwirkungen und auch anhaltende Spätschäden nicht vollständig auszuschließen sind, und wenn hier der Verdacht besteht, dann muß auf jeden Fall über eine entsprechende Entschädigung nach der aktuellen Gesetzeslage nachgedaht werden.

#33 |
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Gast
Gast

nein.

#32 |
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Gast
Gast

Entschuldigung, da habe ich falsch gelesen/gelegen. Trotzdem: Korrelation ist noch nicht Kausalität. Sicherlich ist der ganzen Sache nachzugehen, jedoch sollten wir uns mit Schlußfolgerungen zunächst zurückhalten, ebenso wie es die Autoren des Papers es tun. Deutlich gesagt, habe ich gerade keine Lust, FSME-Folgen gegen mutmaßliche Impfschäden aufzurechnen. Sie vielleicht?

#31 |
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Gast
Gast

Sorry, die Textstelle mit den 4 Jahren kann ich nicht finden,
es werden aber noch 4 weitere beim PEI gemeldete Fälle erwähnt.
Nur 8 Einzelschicksale.

#30 |
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Gast
Gast

@ #28: Zitat aus der von Ihnen angegebenen Quelle: “Here we describe for the first time tick born vaccination as p o t e n t i a l triggering factor of narcolepsy-cataplexy” (Hervorhebung von mir). Einer der vier (!) vorgestellten Fälle beschreibt eine Kataplexie, welche 4 Jahre (!) nach der letzten Impfung auftrat. Nochmals: Das Risiko-Nutzen-Verhältnis für die FSME-Impfung ist positiv zu bewerten, auch wenn die jährliche Inzidenz gering ist.

#29 |
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Gast
Gast

@#27
das Risiko für schwere neurologische Nebenwirkungen ist lt.
Ihrem Link mit 1 auf 70 000 bis 1 auf 1 000 000 Dosen auch
eher gering. Das nützt denen, die es erwischt aber wenig.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5020363/

#28 |
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Gast
Gast

Ergänzend noch weitere Quellen: https://www.bag.admin.ch/dam/bag/de/dokumente/mt/i-und-b/factsheets-impfungen/zeckenenzephalitis-fsme.pdf.download.pdf/bag-fs-zecken-dt-05-2015-web.pdf sowie http://www.who.int/wer/2011/wer8624.pdf?ua=1. Das Risiko für eine anaphylaktische Reaktion (am ehesten durch das Hühnereiweiß, welches aufgrund des Produktionsweise enthalten ist?) beträgt laut BAG ganze 1-2 auf 1000.000 Dosen. Könnte es sein, daß Dr. Schurig sich bei seinen Statements von seinem Mitstreiter bei Leitlinienwatch, dem bekannten anthroposophischen Arzt und Impfskeptiker Dr. Steffen Rabe, hat “beraten” lassen?

#27 |
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Ärztin
Ärztin

Gast 25 hat den Nagel auf den Kopf getroffen Frau Scheurer. Wenn tatsächlich die Exposition der entscheidende Faktor ist, dann muss man ehrlicherweise sagen, der einzige bei dem eine Exposition mit Sicherheit ausgeschlossen ist, ist ein bettlägeriger Patient der niemals das Haus verlässt und keine Haustiere hat… Bei Kindern halte ich persönlich die Methode “ich passe auf dass….” mein Kind nicht durch das hohe Gras läuft; mein Kind nicht die Katze anfasst; mein Kind nicht ins Gebüsch kriecht; je nach Temperament des Kindes und Wohnort für ähnlich zuverlässig wie die Verhütungsmethode des “aufpassens”…

#26 |
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Gast
Gast

Aus dem Bauch heraus: Das Nutzen-Risiko-Verhältnis erscheint mir gut genug zu sein, so daß ich die Impfung durchführen lassen würde. Was sagt denn der Kinderarzt dazu?
Noch eine persönliche Anmerkung: Ich wohne in einer Großstadt (kein Risikogebiet für FSME, aber wie überall mit hoher Borreliosedurchseuchung der Zecken), bin selten im Wald, habe aber einen Garten (Gras normal hoch) mit ein paar Büschen. Im letzten Jahr habe ich bei mir insgesamt drei Zecken nach Gartennutzung entfernen müssen, nachdem ich zuvor davon jahrelang verschont geblieben bin (trotz häufiger Spaziergänge durch Parks und Wälder). Man steckt einfach “nicht drin” und die Biester “überfallen” einen eben auch dort, wo man es nicht vermutet.

#25 |
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Angelika Scheurer, Lehrerin
Angelika Scheurer, Lehrerin

Unabhängig von dem Artikel und ob Herr Schurig nun Recht hat oder nicht, würde ich gerne mal wissen, ob bei meinem Kind eine FSME-Impfung sinnvoll ist oder nicht. Wenn ich die Empfehlungen des RKI richtig verstehe, ist es dann sinnvoll, wenn ich in einem Risikogebiet wohne UND zusätzlich Zecken exponiert bin. Wir wohnen laut RKI in einem Risikogebiet, aber mein Kind spielt nicht im hohen Gras oder ist ständig im Wald. Im Prinzip hält es sich in der Kita auf, bei uns zu Hause und eben häufig auf dem Spielplatz. Was sagen die Experte: Impfen oder nicht?

#24 |
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#23 |
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Ärztin
Ärztin

Jemanden als dummen Impfgegner zu betiteln nur weil er sich nicht gegen FSME geimpft hat würde mir im Traum nicht einfallen. Ich bin Befürworter kritischer Prüfung von Indikationen jedweder Therapie oder Prophylaxe und lege großen Wert auf gründliche Abwägung der Risiken der jeweiligen Erkrankung und der Impfung. Aber gerade deshalb kann ich das Anführen einer möglichen Allergie auf die Impfung (extrem selten, gut behandelbar ohne langfristige Folgeschäden) als (einziges) Argument gegen Impfung gegen DIESE Erkrankung nicht nachvollziehen. Insbesondere wenn viele Rezeptfrei erhältliche und u.a. auch bei Kindern angewendete Medikamente gleich hohe oder höhere Allergiequoten aufweisen. Manche Erkrankungen sind so schwerwiegend dass man sich nicht auf die statistische Unwahrscheinlichkeit ihres Auftretens verlassen möchte. Eine meiner FSME-Patientinnen versicherte mir sie sei in ihren fast 40 Lebensjahren vor ihrer Erkrankung niemals von einer Zecke gestochen worden, die eine für die Erkrankung verantwortliche Zecke war ein Souvenir von einem Ausflugsziel das die Patientin nie zuvor besucht hatte… wie kann man so etwas vorhersehen? Ein weiteres Argument gegen die Impfung ist dass NUR 2% der Kinder nach FSME einen bleibenden neurologischen Schaden davontragen… also ich persönlich finde einen vermeidbaren neurologischen Schaden im Kindesalter durchaus abschreckend genug auch bei geringer Wahrscheinlichkeit, zumal ja das Kind auch älter wird und dann die Wahrscheinlichkeit zunimmt, jedoch nicht die Impfbereitschaft…

#22 |
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Gast
Gast

Der Artikel hat einen Stern, den hat er auch ehrlich verdient!

#21 |
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Herr Martin Haas
Herr Martin Haas

Ob es nun auf Fakten beruht oder nicht, darüber kann man sich streiten, dennoch finde ich es gut, dass die DochChek Redaktion einmal einen impfkritischen Artikel bringt. Die Reaktionen der Kollegen sagen schon alles: wer nicht uneingeschränkt jede Impfung in den Himmel lobt, ist ein böser, unverantwortlicher Impfgegner. Es ist schade, dass jede berechtigte Hinterfragung einer Impfung, gleich als verantwortungslos und fachlich unqualifiziert gewertet wird. Es mag im Fall der FSME-Impfung sicher berechtigte Gründe geben, sich zu impfen, es gibt aber auch eine Reihe von Gründen dagegen, so ist z.B. das Risiko nach eine Zeckenbiss an FSME zu erkranken deutlich geringer als an Borreliose. Dagegen lässt sich aber nicht impfen. Ein Zeckenbiss zu vermeiden lässt sich aber schon. Kinder bis zu einem bestimmten Alter nicht in hohem Grass spielen lassen oder im Gebüsch schützt auch vor Zeckenbissen. Nicht 100%, aber es ist eine effektive Schutzmaßnahme. Fraglich ist auch, ob ich als Eltern einen 100% igen Schutz brauche oder nicht? Bin ich verantwortungslos, wenn ich nicht impfe und andere Schutzmaßnahmen ergreife, wie einen Zeckenbiss zu vermeiden? Ich lehne Impfungen in keinster Weise grundsätzlich ab, eine individuelle Entscheidung für oder gegen Impfung muss aber jeden Eltern überlassen werden, auch ohne eine Beschimpfung als dumme und verantwortungslose Impfgegner. Hier in der Diskussion merke ich aber, dass dies schwer möglich ist.

#20 |
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Kollege “Dr. med. Niklas Schurig – Arzt für Allgemeinmedizin – Praxis für Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Diabetologie, Geriatrie, Notfall-, Intensiv-, Palliativmedizin, Akupunktur –
Berufsausübungsgemeinschaft – Akademische Lehrpraxis der Universität Heidelberg”
http://gesundheitszentrum-rastatt.de/1og/allgemeinmedizinbr-diabetologie-notfallmedizin/
muss doch nur einmal ernsthaft sich s e l b s t und seine Praxiskollegen/-innen fragen, w a r u m das Robert-Koch-Institut (RKI) schreibt: „In den beiden Bundesländern mit der höchsten Inzidenz, Baden-Württemberg und Bayern liegt die Inzidenz bei Kindern unter fünf Jahren sowie bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 15 und 29 Jahren mit 0,5 bis 0,6 Erkrankungen pro 100.000 Einwohnern pro Jahr am niedrigsten, bei Kindern im Alter von fünf bis 14 Jahren bei 0,9 bis 1,0, um dann auf rund 1,7 bei Erwachsenen ab 40 Jahren anzusteigen“..???

G e na u! Weil gerade die junge Population der Kinder unter 5 bis zu den jüngeren Erwachsenen bis 29 Jahren seit Jahrzehnten die h ö c h s t e n vollständigen FSME-Impfraten in den bekannten Risikogebieten aufweisen und damit impfprotektiv erkrankungsfrei bleiben.

Dass genau diese Tatsache von dem Kollegen o h n e eigene Fallzahlen und Serokonversions-Daten aus seiner Praxis, sozusagen infektiologisch naiv, zur U m d e u t un g der regional Ixodes rhizinus bedingten infektions-epidemiologischen FSME-Verbreitung in Deutschland im Sinne einer angeblich niedrigeren FSME-Infektionslast bei den jüngeren Patienten m a n i p u l a t i v missbraucht wird, ist für sich allein genommen schon schlimm genug! Aber warum muss sich, mit Verlaub, die DocCheckNews-Redaktion, die ich ansonsten für fachlich hochkompetent, integer und unbestechlich halte, damit zum Büttel “alternativer Fakten” machen lassen?

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

#19 |
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Dr.H.Kollaschinski, Kinder-und Jugendarzt Gast
Dr.H.Kollaschinski, Kinder-und Jugendarzt Gast

Mit welcher Berechtigung läßt der Kollege 2 Prozent neurologischer Folgeschäden
bei Kindern gegenüber einer nicht belegten Zahl von Allergieschäden einfach unter
den Tisch fallen? Bei vielen Tausend FSME-Impfungen im Laufe meines Berufslebens war keine einzige gravierende allergische Reaktion aufgetreten, auch
aus dem Umfeld der Kollegen ist mir keine einzige bekannt. Die Masernimpfung ist
seit einigen Jahrzehnten bei deutlich geringerer Prozentzahl an neurologischen
Folgeschäden bewährter Impfstandard. Die Meinung eines solch ideologisierten
( oder ahnungslosen? ) Kollegen sollte man nicht überbewerten.

#18 |
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Gast
Gast

Einen Zeckenkopf hätte ich bei mir auch nicht exzidieren lassen (allenfalls dem Versuch, ihn mit Pinzette oder scharfem Löffel zu entfernen, hätte ich zugestimmt, oder ich hätte das ganze in Ruhe gelassen von vornherein). Aber es ging ja hier um die FSME-Impfung. Und da, Herr Schmitz, kann ich Ihnen GENAU sagen, was “falsch” ist: KEINER hat hier den Koll. Schurig in die Nähe eines Mörders gestellt! ABER der Mann ist, wie man auf seiner eigenen Webseite ersehen kann, WEDER in besonderer Weise fachlich in Bezug auf Infektionskrankheiten qualifiziert, NOCH hat er irgendwelche Quellen für seine Angaben genannt. Er hatte aber als MEZIS-Mitglied vielleicht gerade nichts besseres zu tun, als die STIKO anzugreifen (wir gut – die böse), die ja sowieso immer als pharmagesteuert herhalten muß…

#17 |
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Dipl.phys. Hans-Jürgen Schmitz
Dipl.phys. Hans-Jürgen Schmitz

Ein Schreckensszenario nach dem anderen in den Kommentaren. Wie war nochmal die genaue Definition eines “Risikogebiets”?

Meine Tochter hat mit 6 Monaten die “Nachimpfung” bekommen, nachdem der Assistenzarzt mit einem Skalpell(!) den Zeckenkopf aus der Armbeuge entfernt hat (5mm Kreisschnitt) – das unter übelsten Kommentaren der wohl erfahrenen Krankenschwester. Die Hausärztin (um die 60) meinte später “der wäre auch rausgeeitert”.

War nicht zu verhindern alles – hysterische Mutter daneben ;)

Warum drischt man eigentlich auf diesem Arzt herum, als wäre er ein “Fast-schon-Kindermörder” ?? Warum setzt man sich mit seinen Argumenten nicht mal in aller Ruhe auseinander? Der will FSME-Impfung nach Indikation. Was ist falsch?

Wir haben hier auch überlegt und es nach reiflicher Abwägung des Infektionsrisikos gelassen. An Zeckenbissen fehlte es über viele Jahre nicht, an Infektionen schon.

#16 |
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“Die Frühsommer-Meningoencephalitis (FSME) wird durch ein Virus hervorgerufen, das in Deutschland vor allem in Baden-Württemberg und Bayern auftritt. Der gesamte Schwarzwald gilt als Risiko-, Teile davon sogar als Hochrisikogebiet. Auch bei uns im Kreis Rastatt und in Baden-Baden kommt es jedes Jahr zu FSME-Infektionen, in den letzten Jahren hatten wir hier jeweils 6-9 dem Gesundheitsamt gemeldete Erkrankungs- bzw. Verdachtsfälle.” Gesundheitsamt Rastatt: Merkblatt_FSME%2BBorreliose.pdf
und
Stuttgart, 10. Februar 2017. 2016 sind deutlich mehr Menschen in Baden-Württemberg an der von Zecken übertragenen Hirnhautentzündung FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) erkrankt als im Vorjahr. Mit insgesamt 116 Patienten zählte das Robert-Koch-Institut (RKI) fast doppelt so viele Betroffene wie 2015, als sich insgesamt 60 Menschen infizierten. Laut der Techniker Krankenkasse (TK) in Baden-Württemberg wurde damals die geringste Erkrankungszahl seit Beginn der Meldepflicht im Jahr 2001 registriert. “Da die Impfquote laut RKI in Baden-Württemberg unzureichend ist, haben sich die Zahlen wie befürchtet schnell wieder erhöht, da die ökologisch-klimatischen Faktoren dafür günstig waren”, erklärt Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg. https://www.tk.de/tk/regional/baden-wuerttemberg/pressemitteilungen/937662
Wer hat hier bloß einen “Stich”?

#15 |
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Frage mich wirklich, w e r hat hier ‘n Stich. Die Kommentatoren jedenfalls nicht…

#14 |
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Ärztin
Ärztin

Wer jemals erlebt hat wie ein FSME-Patient um sein Leben kämpft (und ich erlebe das etwa einmal pro Jahr obwohl ich nur in einer peripher gelegenen Kleinstadtklinik arbeite…) der weiß wie er sich entscheiden muss. Mal ganz davon abgesehen wie selten eine Anaphylaxie bei der Impfung ist, grundsätzlich ist jedesmal wenn man ein Medikament verabreicht mit allergischen Reaktionen zu rechnen und bei anderen Mitteln ist das wesentlich häufiger der Fall.

#13 |
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@DocCheck News Redaktion

Bei allem Respekt, hier drängt sich doch die Frage auf, was dieses Interview und seine Veröffentlichung begründet. Welche Qualifikation/Expertise des Kollegen, welcher Rahmen begründet dieses Interview und die Form der Darstellung/seine Veröffentlichung hier?
Man kann gerne unterschiedliche Positionen vertreten und auch artikulieren, aber es muss deutlich werden, was Meinung, was Glaube und was Fakten sind und dies entsprechend dargestellt werden.
Ist den schon Sommerloch? Oder greifen alternative Fakten jetzt auch hier um sich?

#12 |
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Das ist wie bei einem Nuklearunfall. Wenn es passiert, kann es ein absolutes Desaster werden. Nur dass die FSME Infektion statistisch deutlich wahrscheinlicher ist. Und schwere Verlaufsformen sind sehr ernst.

Ich finde es unverantwortlich: Den unbelehrbaren Ideologikern aus der Impfgehnerszene ist das ein gefundenes Fressen. Es ist schon schwierig genug. Gar nicht gut!

Ich stimme den Meinungen gegen dieses Interview zu. Die Datenlage ist entgegen den Ausführungen des Herrn Schurig klar im Sinne pro FSME-Impfung.

#11 |
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Normalerweise bin ich unqualifizierte Aussagen ZU Impfstoffartikeln auf DockCheck New gewöhnt und nicht IM Artikel.
Die FSME-Impfung gilt übrigens als inzwischen gut verträgliche Impfung. Gemäß behördlich genehmigter Fachinformation z.B. von Encepur sind allergische Reaktion als “sehr selten” gelistet.
Und wer von einer “Zeckenschutz-Impfung” spricht, treibt meinen Blutdruck sowieso in die Höhe. Gegen die Zecke nützt die Impfung nämlich gar nichts. Sie ist selbst ein Opfer des Virus.

#10 |
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Die Gefahr eines anaphylaktischen Schocks wird hier massiv überhöht dargestellt. Dieser ist sehr selten.

#9 |
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Mitarbeiter von DocCheck

Liebe Leser, bei dem Artikel handelt es sich um ein Interview, das in einem fortlaufenden Text niedergeschrieben wurde. Da dies offensichtlich nicht deutlich genug wurde, haben wir den Anleser angepasst.
Der Text ist keine Empfehlung für oder gegen die Impfung. Es ist die Darstellung der Meinung eines Arztes, der seinen Standpunkt gegenüber einer Impfung äußert. Wir begrüßen die kritische Auseinandersetzung mit dem Inhalt.

#8 |
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Gast
Gast

Das generelle Abraten einer Impfung ohne jegliche Quellenangabe der aufgestellten Behauptungen finde ich unverantwortlich.

Und wenn schon von der Seite des RKI abgeschrieben wird (ohne dies kenntlich zu machen), dann sollte vielleicht der Kontext mitgenommen werden:

“Bei Kindern ist die Gefahr besonders groß von einer Zecke gestochen zu werden, da diese sich viel im Freien aufhalten wollen und dort spielen/aktiv sind. Da die Impfung den einzigen wirksamen Schutz vor einer FSME-Erkrankung darstellt, sollten die Risiken sorgfältig abgewogen werden. Auch wenn Fieber (über 38°C) nach der Impfung bei circa 15% der ein- bis zweijährigen Kinder und bei 5% der Drei- bis Elfjährigen auftreten kann, gibt es keine wirkliche alternative Präventionsmaßnahme”

Das Auftreten von Fieber als höheres Risiko für das Kind im Vergleich zu einer Meningitis oder Enzephalitis einzuschätzen halten ich auch für eine fragwürdige Interpretation des Autors

#7 |
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Unterlassene Impfungen sollten unterlassener Hilfeleistung juristisch gleich gestellt werden.

#6 |
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Gast
Gast

Ist das Risiko einer Anaphylaxie grösser als bei anderen Impfungen? Wie hoch ist das Anaphylaxierisiko?
Wir leben in Schweden und haben hier mehrere sehr schwere FSME-Verläufe erlebt. Nachdem hier noch vor 7 Jahren von einer Impfung für Kinder abgeraten wurde (angeblich nur sehr leichter Verlauf…), hat man die Empfehlung aufgrund der o.g. Erfahrung inzwischen geändert. Die Empfehlung lautet nun Impfung für alle inkl. Kinder und diese wird sogar mit Impfbussen vor grossen Einkaufscentren durchgeführt.
Ich halte o.g. Berichterstattung für fahrlässig.

#5 |
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Nachtrag:
Es gehört zum guten Ton, daß man in einem wissenschaftlichen Artikel Zahlenangaben bequellt. Dies fehlt hier gänzlich!

#4 |
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Wodurch hat der Kollege Schurig (http://www.arztpraxis-rastatt.de/niklas-schurig/) sich so qualifiziert, daß seine Meinung wie die eines hochdekorierten Experten auf dem Gebiet dargestellt wird? Warum wurde der Artikel nicht vom Autor sondern nur noch von “DocCheck News Redaktion” unterschrieben?
Von ausgewogener und transparenter Berichterstattung ist der Artikel weit entfernt.

#3 |
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Dr. rer. nat Stefan Sieben
Dr. rer. nat Stefan Sieben

AlsInfektionsbiologe halte ich es für unverantwortlich, von Impfungen abzuraten und hier von Panik- und Geschäftemacherei zu schreiben. Auch warden Risikogebiete nicht danach definiert, wievile Zeckenbisse dokumentiert werden, sondern, ob in disen Gebieten die Zecken Träger des FSME-Virus sind und dies wird durch regelmäßige Untersuchungen im Feld untersucht. Die Ausbreitung des FSME-Virus ist eine Tatsache und rechtfertigt für sich schon eine Prophylaxe durch Impfen. Solche Äußerungen wie jene des Autors sind Wasser auf die Mühlen von Impfgegnern und wozu dies führt sieht man ja bei den immer häufiger und starker ausbrechenden Epidemien wie z.B. bei Masern mehr als deutlich.

#2 |
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Dr. Johann Odar
Dr. Johann Odar

Die Tochter meines Klassenvorstands ist mit 17 an einer Fsme gestroben. Mein Doktorvater ist wochenland mit Genickstarre im Krankenhaus gelegen.
Für Sie sind das wohl nur statistisch irrelevante Fälle.Von ausgewogener Sichtweise keine Spur.

#1 |
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